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Veröffentlicht am 28.06.2021

Fesselnd von Anfang bis Ende

Der böse Mann: Thriller
2

Laura Kern ermittelt: „Der böse Mann“ von Catherine Shepherd hat wieder viel zu bieten und kann unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden, da jeder Fall in sich abgeschlossen ist. Ich finde es ...

Laura Kern ermittelt: „Der böse Mann“ von Catherine Shepherd hat wieder viel zu bieten und kann unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden, da jeder Fall in sich abgeschlossen ist. Ich finde es sehr angenehm, wenn man – auch wenn es eine Reihe ist – sich nicht akribisch ab Band 1 durchlesen muss, um dem Geschehen gut folgen zu können. Um es trotzdem zu tun. Ganz einfach – weil es sich lohnt.

Zum Vorstellungsgespräch am Flughafen ist sie unterwegs. Plötzlich streikt ihr Auto, sie bleibt mitten in der Pampa stehen. Was tun? Zufällig fährt ein Taxi hier entlang, sie atmet auf und der sehr nette Taxifahrer hilft ihr zunächst, ihr Auto am Straßenrand abzustellen und bietet sich dann an, sie zu ihrem Termin zu fahren. So wird sie doch noch rechtzeitig da sein, diese von ihr so sehr ersehnte Stelle ist in greifbarer Nähe. Alles nochmal gut gegangen – meint sie.

Am Ufer des Tegeler Sees wird eine Leiche gefunden, gefesselt an Händen und Füßen. Tief in ihren Hals eingegraben ein Stacheldraht mit Zahlenschloss und einem ganz bestimmten Code. In der Hosentasche findet sich ein Stück Papier: „Ich bin die Zweite“ steht da in rosaroter Schrift. Wer ist dann die Erste? Und wie viele folgen nach? Schnell wird klar, dass hier ein Serienkiller am Werk ist. Wer ist diese tote Frau? Blond, attraktiv, etwa Ende dreißig. Keine Vermisstenanzeige deutet auf sie hin – hat sie keine Angehörigen? Nummer eins sollte schnellstens gefunden werden, weitere Morde müssen tunlichst verhindert werden.
Verdächtige gibt es bald so einige und ein jeder von denen könnte es gewesen sein. Der Vermieter, der Tätowierer, die Typen der Umzugsfirma. Allesamt undurchsichtig, zwielichtig, sehr dubios.

Wieder (wie schon fünf Fälle zuvor) bin ich mit Laura Kern vom LKA an einem Tatort, an ihrer Seite Max. Die beiden kennen sich sehr gut, können sich aufeinander verlassen, sind ein eingespieltes Team. Als wertvolle Stütze erweist sich Simon, der mit seinem exzellenten IT-Wissen so manch mühsame Kleinarbeit erledigt und komplizierte, langwierige Sucharbeit im Nu meistert. Zwischen dieser ganzen akribischen Ermittlungsarbeit blitzen immer mal wieder private Momente durch, diese Dosis Privatleben bietet die richtige Würze zwischen all den Grausamkeiten.

Nicht umsonst ist Catherine Shepherd seit ihrem „Puzzlemörder von Zons“, den ich verschlungen habe, eine der beliebtesten Thriller-Autorinnen hierzulande. Mit Laura Kern hat sie eine liebenswerte Ermittlerin geschaffen, die nie abgehoben daherkommt. Taylor Field, ihr Freund und ebenfalls Polizist, ist ihr privater Ausgleich, ihr Ruhepol. Meistens zumindest.

Ein Wettlauf gegen die Zeit ist längst im Gange, es werden weitere Frauen gefunden, alle nach dem gleichen Muster gefoltert, stranguliert, getötet. Er narrt sie alle, lacht sie aus. Meint, unverwundbar zu sein. Keiner kommt ihm jemals auf die Schliche! Er holt sich das, was ihm vermeintlich zusteht!

Ich bange mit, hoffe, dass alles gut geht, nicht noch mehr Leichen gefunden werden und der „böse Mann“ dingfest gemacht werden kann. Als Leser weiß ich immer ein Stück mehr als die Ermittler, trotzdem oder gerade deshalb ist es umso spannender und sehr nervenaufreibend, schlüpft doch der Täter immer wieder durch, lässt sich nicht so richtig fassen, ist nicht greifbar. Bis Laura eine Botschaft endlich zuordnen kann. „Fahr zur Hölle, Monster!“

Diesen mittlerweile sechsten Fall um Laura Kern habe ich in einem Stück gelesen, wieder mal eine Nachtschicht eingelegt. Es musste einfach sein. „Der böse Mann“ ist ausgelesen, es hat sich wieder sowas von gelohnt und schon fiebere ich Lauras nächster Mördersuche entgegen, die hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt.

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Veröffentlicht am 20.06.2021

Faszinierend

Das Damengambit
1

Bereits 1983 erschien „Das Damengambit“ von Walter Tevis. Nun aus dem Amerikanischen hervorragend übersetzt von Gerhard Meier halte ich das Diogenes-Buch in Händen und bin begeistert.

Als Elizabeth ...

Bereits 1983 erschien „Das Damengambit“ von Walter Tevis. Nun aus dem Amerikanischen hervorragend übersetzt von Gerhard Meier halte ich das Diogenes-Buch in Händen und bin begeistert.

Als Elizabeth Harmons Mutter bei einem Verkehrsunfall starb, musste sie in ein Waisenhaus, sie war acht Jahre alt. Mit grünen Pillen wurden die Kinder ruhig gestellt, jedoch fand Beth schnell heraus, dass es sich lohnt, diese heimlich zu sammeln, um dann gleich mehrere zu nehmen und so ein unübertreffliches Wohlbefinden zu verspüren. In Mr. Shaibel, dem Hausmeister, fand sie ihren ersten Schachlehrer. Bald wird sie von den Wheatleys adoptiert, sie ist eine sehr gute Schülerin und eine ausgezeichnete Schachspielerin, die Turniere gewinnt. Beths Leben ist bestimmt von diesem königlichen Spiel, sie liest alles, was sie hierzu in die Finger bekommt, prägt sich gespielte Partien ein.

Die immer wieder beschriebenen Schachszenen haben mich ganz besonders gefesselt. Vor der Lektüre hatte ich ein gewisses Unbehagen, ob ich denn dem Buch, der Story um Beth folgen könnte. Bald schon waren meine Zweifel wie weggeblasen und wichen zunehmendem Erstaunen mit welcher Leichtigkeit es Tevis gelingt, dieses so schwere, für mich undurchdringliche Spiel in Worte zu fassen.

Mit Mrs. Wheatley, ihrer Adoptivmutter, reist Beth zu Turnieren, die Preisgelder ermöglichen ihnen einen angenehmen Lebensstil. Neben der Profispielerin lerne ich auch die private Beth kennen - jung, aber in gewissen Dingen unerfahren. Ihre wahre Leidenschaft ist und bleibt dieses strategische Spiel, es lässt sie nicht mehr los.

Sie hat mich fasziniert, ich saß direkt neben Beth und hatte nie das Gefühl der Langeweile oder wollte Seiten überblättern. Virtuos nimmt der Autor den Leser mit in die Welt der ganz Großen des Schachspiels. Die Position der Schachfiguren, das Warten auf den Gegenzug liest sich spannend. Lange, sehr lang oder nur einen kurzen Augenblick, einen Wimpernschlag dauert ein einziger Zug. Schach ist so viel mehr als nur einen Gegner möglichst zu besiegen. Es erfordert, sehr komplexe Abläufe im Voraus zu durchdenken mit all den unzähligen Möglichkeiten. Eine Männerdomäne, in der sich eine Frau, noch dazu sehr jung, ihren Platz hart erarbeiten muss. Disziplin hat oberste Priorität. Entschieden folgt Beth ihrem Ziel, hat genug Ehrgeiz und Durchhaltevermögen.

Die Story um die Schachspielerin Elizabeth Harmon ist an Brillanz nicht zu übertreffen. Auch die private Beth, die es ja neben der Profispielerin auch noch gab, war sehr anschaulich, lebensnah und kurzweilig. Ihre Jahre im Waisenhaus mit den Beruhigungspillen, ihre Alkoholexzesse lesen sich aus heutiger Sicht ungeheuerlich.

Versunken in sich selbst, vollkommen entrückt und hoch konzentriert, fokussiert auf dieses eine Brett behalte ich Beth im Gedächtnis. In solchen Momenten existiert die Außenwelt für sie nicht. „Das Damengambit“ will gelesen werden – ein Juwel.

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Veröffentlicht am 20.06.2021

Wohin führt dieser Roadtrip?

Du böser, böser Junge
1

Wir begleiten Till und Ida Faber mit ihren Zwillingsmädchen auf ihrem Kalifornientrip. Vor einigen Jahren hat Astrid Korten diese Reise gemacht – „es war ein unglaubliches Abenteuer“ - wie sie uns zum ...

Wir begleiten Till und Ida Faber mit ihren Zwillingsmädchen auf ihrem Kalifornientrip. Vor einigen Jahren hat Astrid Korten diese Reise gemacht – „es war ein unglaubliches Abenteuer“ - wie sie uns zum Schluss verrät. Ist daraus der Gedanke zu „Du böser böser Junge“ entstanden?

Ida und Till lassen tief blicken, sie erzählen – jeder für sich – ihre intimsten Gedanken, offenbaren ihre Geheimnisse, ohne sie laut auszusprechen. Im Wechsel lesen wir von Ida und Till, von den Zwillingen mit und ohne FIF. Die Zwillinge wissen von ihren Eltern mehr, als diese sich auch nur im Entferntesten vorstellen können, nutzen dieses Wissen für ihre Zwecke. Ganz schön aufgeweckt sind diese zwei. Sie haben ihre ganz eigene Meinung von Ida und Till, den sie nur noch Loser nennen. Erinnern sich an damals, als er noch Daddy hieß. Ein Thriller, der vieles beinhaltet. Grotesk und absonderlich führt der Trip der Familie Faber nicht nur durch Kalifornien, auch ihr bisheriges Leben wird durchleuchtet.

Ihr Roadtrip durch das heiße Kalifornien wird begleitet von Musik, da kommt Urlaubsstimmung auf. Was aber auch dringend nötig ist, denn diese Tage sind mitunter ganz schön strapaziös, auch nervig, sie wurden lange im Voraus von Ida geplant. Es kommt mir des Öfteren so vor, als ob diese ganzen Attraktionen und ihre Aktivitäten nach einem strickten Zeitplan abgearbeitet werden müssten. Hier ist Stress vorprogrammiert. Aus diesem mehr oder weniger unbeschwerten Urlaub nimmt ein böser Gedanke immer mehr Raum ein, er reist mit ihnen und vor allem die beiden 12jährigen Mädchen sind vollauf begeistert, diese Idee, ihre Vorstellung ist mit Händen zu greifen. Kann sich ein – ich nenn es mal Hirngespinst – verselbständigen, plötzlich allgegenwärtig sein? Ist dies Illusion, ein Trugbild, gar Wahn oder doch vorhanden? Um letztendlich wie zu enden?

Wiederum ist Astrid Korten ein fulminanter Thriller gelungen, der beim Lesen viele Gefühle auslöst. Eine ganz eigene, zuweilen ganz schön abgefahrene und verdrehte Geschichte, so ganz anders als das Übliche. Zuweilen abenteuerlich, aber immer mitreißend und lebendig erzählt. Nicht nur einmal war mir mulmig zumute und gegen Ende steigerte sich die Spannung. Letztendlich war ich baff, auch wenn ich dieses finale Gefecht so oder so ähnlich unterschwellig erwartet habe.

Einmal angefangen, wollte ich unbedingt wissen, wie es denn weitergeht, wohin dieser „böse, böse Junge“ uns leitet. Eine sehr gelungene Geschichte, die unbedingt gelesen werden will.

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Veröffentlicht am 15.06.2021

Es gibt kein Entkommen!

Der Nachlass
2

Theo, der seinen Lebensunterhalt am Pokertisch bestreitet, ist in großen Schwierigkeiten. Als ihn ein Anruf von Nowotny, einem Notar aus Berlin, erreicht, sieht er seine Pechsträhne als so gut wie beendet ...

Theo, der seinen Lebensunterhalt am Pokertisch bestreitet, ist in großen Schwierigkeiten. Als ihn ein Anruf von Nowotny, einem Notar aus Berlin, erreicht, sieht er seine Pechsträhne als so gut wie beendet an. Hedda, seine sehr vermögende Mutter liegt im Sterben und will ihre vier Kinder nochmal sehen. Alle kommen sie samt ihren Partnern und Kindern, auch Ruben Glass, Heddas Zwillingsbruder, ist hier in der feudalen Villa, idyllisch gelegen auf einer Insel inmitten des Berliner Stadtgebietes.

Sie stehen der Mutter in ihren letzten Stunden bei, wollen ihr nahe sein und natürlich erwarten sie ihr Erbe. Aber so einfach ist das nicht, Hedda hat dem Erben 27 Herausforderungen vorangestellt. In den drei vor ihnen liegenden Tagen wird der Notar den insgesamt zehn anwesenden Personen täglich 9 verschiedene Aufgaben mitteilen. Zunächst einfach, wenn nicht gar etwas albern und durchaus unterhaltsam, wird der Schwierigkeitsgrad permanent erhöht.

So nach und nach bekomme ich immer mehr Einblick in das Leben der einzelnen Familienmitglieder. Rückblicke ins Jahr 1963 wahren zunächst den schönen Schein. Ein Luxusleben, wer würde sich da nicht wohl fühlen! Auch Ereignisse von 1982 blitzen immer wieder auf, schön langsam kommt so manch gut gehütetes Geheimnis ans Licht. Fein nuanciert gibt der Autor Informationen preis über die Kindheit der Geschwister und der Eltern. Für das vollständige Verstehen der ganzen Familiengeschichte sind diese Versatzstücke aber noch lange nicht ausreichend, der große Knall kommt erst ganz zum Schluss.

Subtil, wohl austariert reiht sich immer wieder ein Stückchen mehr an Wissen um das Vergangene. Den „Nachlass“ habe ich angefangen zu lesen und war sofort gefangen. Diese raffinierte Art, dem Leser das Leben der Familie näherzubringen und doch ratlos davorzustehen, lässt einen keine Wahl als atemlos weiterzulesen, dranzubleiben. Um für den Moment all diese losen Fäden zu speichern, deren Enden dann zum finalen Ende endlich verknüpft werden können. All die gut gehüteten Geheimnisse wollen und müssen an die Oberfläche. Mit jeder Seite, jedem Kapitel meint man, der Vergangenheit näher zu kommen, dennoch bleibt vieles im Verborgenen. Denn dass irgendwas Gravierendes passiert sein musste, das schimmert durch.

Inmitten des mörderischen Spieles, das schon lange eher böse, ja teuflisch denn Spiel ist, entsteht eine beklemmende, hinterlistige und hässliche Atmosphäre. „Wollte Hedda ihnen ihre Geldgier, ihre Schamlosigkeit vor Augen führen?“ Meisterlich versteht es Jonas Winner, den Leser abzuholen, ihn gut zu unterhalten und ihm so manches Mal Gänsehautfeeling zu bescheren. „Wie weit wirst du gehen?“ Ist das Erbe, der Hass dies alles wert? Ein Thriller, der gelesen werden will. Unbedingt!

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Veröffentlicht am 13.06.2021

Die Toten und die Lebenden

Das Buch des Totengräbers (Die Totengräber-Serie 1)
2

Der Polizeiagent Leopold von Herzfeldt bringt die moderne Ermittlungsarbeit von Graz mit nach Wien um die Jahrhundertwende. Seine Methoden mit allerlei Utensilien wie Schrittzähler, Kompass, Maßband und ...

Der Polizeiagent Leopold von Herzfeldt bringt die moderne Ermittlungsarbeit von Graz mit nach Wien um die Jahrhundertwende. Seine Methoden mit allerlei Utensilien wie Schrittzähler, Kompass, Maßband und dgl. muten die Wachleute seltsam an, auch eine neumodische Kamera nennt er sein Eigen.

Nachts auf dem Prater – eine zierliche junge Frau liegt da, am Hals eine einzige große Wunde, fast der ganze Kopf ist ab. Leo versucht, die wenigen verbliebenen Spuren zu finden, denn großteils wurden diese vom Diensthabenden rücksichtslos zertrampelt. Akribisch sucht Herzfeldt Tatort und Leiche ab und bald stellt er fest, dass diese auch noch gepfählt wurde. Bei der einen Toten bleibt es nicht. Leos Arbeit ist erfolgreich, was nicht jedem gefällt und bald wird er polizeiintern torpediert, landet auf dem Abstellgleis.

Schon das Cover ist düster, aber sehr passend. Es zeigt einen Ausschnitt vom Wiener Zentralfriedhof, der sozusagen das Herzstück unserer Geschichte ist und hier mittendrin begegnen wir Augustin Rothmayer. Er ist Totengräber, studiert und dokumentiert in seinem Almanach die Toten akribisch, wie deren Verwesungsgrad etwa. Vielen Kapiteln ist ein Auszug aus diesem schaurig-klugen Werk vorangestellt und auch wenn es einen ganz schön gruselt dabei, so beinhaltet diese Chronik doch wiederum das was man schon wissen möchte, um es dann ganz schnell zu verdrängen. Ein sehr schlauer Mann ist dieser Rothmayer, mit seiner bärbeißigen Art mein absoluter Lieblingscharakter. Es geht um Scheintote, Wiedergänger oder Untote, um Vampire und um all den Aberglauben drumherum geht es auch.

Oliver Pötzsch gelingt es scheinbar mühelos, den Leser abzuholen, um direkt anno dazumal hellwach in dieser Kriminalgeschichte zu sein. Herrlich, wenn der Kieberer den grünen Heinrich anfordert, Leopold angeraten wird, sich den Wienern auch in der Sprache anzupassen, da er ansonsten immer als Piefke dasteht, Außenseiter bleibt, nicht für voll genommen wird.

Neben Herzfeldt ist auch Julia Wolf, Lämmlein genannt, eine sehr vielschichtige Figur, die so manches Mal überrascht. Nicht gleich wird klar, auf welcher Seite sie nun wirklich steht. Mit Rothmayer sind es die drei Hauptcharaktere, jeder auf seine Art ein wenig verschroben, sehr eigen, wenn nicht gar eigenbrötlerisch, aber durchaus sympathisch.

Im Jahre 1893 ist dies geschehen oder es hätte so geschehen können. Dichtung und Wahrheit liegen nah beieinander und richtig dosiert ergeben sie ein kompaktes Ganzes wie diesen Historischen Roman, der mich sofort eingesogen, mich nicht mehr losgelassen hat. Der Autor versteht sein Handwerk und mit Leopold Herzfeldt hat er einen Inspektor ins Leben gerufen, der mir bestimmt noch sehr viel Lesespaß bereiten wird, eine Fortsetzung wird es wohl geben.

„Friedhöfe sind magische Orte…“ so beginnt das Nachwort, das sehr informativ und zugleich unterhaltsam ist wie der ganze Roman. Hier legt der Autor – ein Meister seines Fachs - die historischen Fakten nochmal dar. „Das Buch des Totengräbers“ ist ausgelesen, eine Kriminalgeschichte vom Feinsten. Gerne mehr davon.

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