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Veröffentlicht am 17.04.2018

Deutschlands vergangene Jahrhunderte

Deutschlandreise
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Deutschlandreise eine Lesung aus der Produktion Audiobuch Verlag 2018 mit 8 Cds und 586 Minuten Hörzeit.
Eine andere Welt des Denkens und Betrachtens, zeitgenössische Reiseberichte und Ansichten über mehrere ...

Deutschlandreise eine Lesung aus der Produktion Audiobuch Verlag 2018 mit 8 Cds und 586 Minuten Hörzeit.
Eine andere Welt des Denkens und Betrachtens, zeitgenössische Reiseberichte und Ansichten über mehrere Jahrhunderte sind in dieser Sammlung zusammengefasst. Zugegeben leichtfüßig und gut zu verstehen, die Begebenheiten um Mark Twain, Heinrich Heine, Theodor Fontane und Johann Wolfgang von Goethe. Die landschaftlichen Reize, unwegsame Reisegefährte sowie die Eigenarten von Land und Leuten kreuz und quer in Deutschland ließen mich erstaunt aufhorchen und entlockten mir ein verhaltenes Lächeln. Die Größen der zeitgenössischen Sprache, eingefangen durch die verschieden Sprecher und Interpretationen, lassen die Geistes-und Kulturwissenschaften durch ihre literarischen Texte aufleben. Ein Werk zwischen Leben und Denken der damaligen Zeit, erzählt mit tiefsinnigen Worten.
Die Episoden aus längst vergangenen Tagen von Michel de Montaigne und Germaine de Stael vermochten mich nicht zu begeistern. Die Abhandlungen und kritischen Beobachtungen ermüdeten mich und ich konnte leider nicht aufmerksam folgen.
Fazit: Ein gelungener Versuch Impulse bekannter Poeten aufleben zu lassen mit Schwächen und Höhen, Längen und Tiefen für einen kurzweiligen Hörgenuss.

Veröffentlicht am 30.03.2025

Viel Fahrwasser, nicht tief genug!

Wenn die Tage länger werden
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Wenn die Tage länger werden von Anne Stern

Hans spielte auf einer Geige. Zunächst Tonleitern, Dreiklänge, kurze Fingerübungen. Dann eine Etüde, die sie wiedererkannte, weil er sie früher manchmal gespielt ...

Wenn die Tage länger werden von Anne Stern

Hans spielte auf einer Geige. Zunächst Tonleitern, Dreiklänge, kurze Fingerübungen. Dann eine Etüde, die sie wiedererkannte, weil er sie früher manchmal gespielt hatte. Schließlich war er zu Sonaten übergegangen. Die Klänge wurden selbstbewusster, tragender, sie flossen aus der Werkstatt durch den düsteren Korridor und das Küchenfenster. Zu Ute, die zu erschöpft im eisernen Gartenstuhl auf der noch regenfeuchten Wiese saß und mechanisch Bellas Kopf streichelte, der die Musik, die aus den Holzdingern kam, nie ganz geheuer war.
Ute lauschte, halb ungläubig, halb bewundernd. …
… Und welche Geige es war, auf der er schon über eine Stunden spielte. Doch nicht etwa die von Lisa Fischer? S.131

Lisa Fischer, von ihrem Partner getrennt lebend, alleinerziehend und tagtäglich in Selbstzweifeln gefangen, steht hier im Mittelpunkt in der vorrangig aus ihrer Sicht erzählten Geschichte. Im laufenden Text werden dem Leser zu viele Fragen entgegengeworfen, die direkt aus Lisas Gedanken herauspurzeln. Sie hadert mit ihrere Rolle als alleinerziehende Mutter, ihrer Rolle als Tochter und gescheiterten Partnerin, ob sie überhaupt gut genug ist sowie mit ihrem Aussehen und diversen anderen Unzulänglichkeiten. Ihre Unsicherheit verstehe ich nicht, da sie mit beiden Beinen als Frau und Mutter fest im Job und im Leben steht. Aufgaben zu erledigen, Verantwortung zu übernehmen, Selbsteinschätzung und Souverenität gehören, für mich, zu diesen Rollen dazu, um ein Vorbild zu sein. Man schwächelt gelegentlich, doch nicht durchgehend?! Da sind ihre Schüler, die Eltern und ihr Sohn! Doch am meisten hat mich, in Lisas Gedankengängen, die wiederkehrenede Auseinandersetzung mit dem Rollenklischee von Mann und Frau in unserer Gesellschaft genervt.
Des Weiteren werden viele wichtige Themen behandelt, die im Zuge der Fülle eher eine Randposition besetzten. Da sind Ute und ihr Vater Hans auf dem alten Gehöft mit den vielen Kirschbäumen. Die Beschreibungen rund um die Lokalität, die anstehenden Aufgaben und die zukünftigen Sorgen von Ute fand ich treffend beschrieben. Die bodenständige Ute ist meine Lieblingsfigur im Roman. Auch Hans ist ein liebgewonnener Charakter. Durch dessen Arbeit bekommt man einen detaillierten Einblick in das Handwerk des Geigenbauers. Die weiteren Charaktere sind gut dargestellt, doch an mancher Stelle hätte ich mir für die ein oder andere Figur mehr Tiefe gewünscht. Eine weitere Hauptdarstellerin ist die Geige aus dem Familienbesitz von Lisas Großvater. Dieser Strang ist sehr interessant. Die Verbindung und den Zugang zum Nationalsozialismus und den Ungerechtigkeiten sowie Boshaftigkeiten gegenüber den Juden findet die Autorin über genau diese Geige. Auch hier hätte dem Text ein wenig Intensität gut getan.
Zur Familie gehört noch Lisas agile Mutter, die in Bezug auf die Vergangenheit lieber schweigt. Das bezieht sich auf den Tod ihres Mannes und die Vergangenheit ihres Vaters. Die Differenzen und die Sprachlosigkeit in der Mutter-Tochter-Beziehung kann ich ebenso nicht ganz nachvollziehen. Nicht eindeutig und wenig lösungsorientiert! Dann wären da noch Lisas Beziehungen, der Expartner und neue Bekanntschaften. Wohin die Reise geht lässt die Autorin teils offen.
Fazit: Anne Stern ist mir als Autorin bekannt. Gern habe ich die Dresden-Triologie rund um die Semperoper sowie die Geschichten der Frauen vom Karlsplatz gelesen. Der Schreibstil hat mich immer gefesselt und ihre bildhaften, emotionalen Beschreibungen gefangen genommen. Im vorliegenden Roman hat die Autorin vielleicht einfach zu viel gewollt. Die Schwere der Themen liest sich erdrückend und Lisa selbst ist nicht gerade entusiastisch, eher deprimierend und träge. Hoffnung kommt erst ganz am Ende auf, so dass ich mich an ein oder anderer Stelle durch den Text mit einzelnen Wiederholungen gequält habe und manche Zeile überlesen musste. Meine Erwartungen wurden leider nicht ganz erfüllt.

Ein gutes Buch, doch nicht das Beste von Anne Stern. Mir fehlen der Fokus und die Konzentration auf ein Thema sowie eine gewohnt brillant erzählte Geschichte!

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Entscheidung fürs Leben

Aus Liebe zu Roman
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Aus Liebe zu Roman von Anke Feuchter

„Kennen wir uns?“
Die Blonde nickte. Ihre Wangen waren von der Kälte gerötet.
„Ich arbeite in der Wäscherei gegenüber vom Cafe.“
Amalie schaute sie genauer an. Nein, ...

Aus Liebe zu Roman von Anke Feuchter

„Kennen wir uns?“
Die Blonde nickte. Ihre Wangen waren von der Kälte gerötet.
„Ich arbeite in der Wäscherei gegenüber vom Cafe.“
Amalie schaute sie genauer an. Nein, die rundliche blonde Frau mit dem auffallenden Grübchen im Kinn kannte sie nicht. „Tut mir leid...“
„Muss es nicht. Ich stehe manchmal unter der Linde und rauche. Da habe ich sie gesehen. Ella heiße ich.“ S.28

Anke Feuchter erzählt Amalies Geschichte in einer schwierigen Zeit Deutschlands. Sie ist geprägt von den Nachwehen des 2. Weltkrieges, Verlust und Trauer um liebe Menschen, Sorge um den Lebensunterhalt, Vertreibung und Not. Gleichzeit keimt die Hoffnug auf ein besseres Leben. Doch umsetzen kann man dies nur im Rahmen seiner Möglichkeiten. Amalie hat eine Tochter, der Mann im Krieg vermisst und somit von den Schwiegereltern nur geduldet und letztendlich unerwünscht. Sie macht sich mit dem Fahrrad auf den Weg nach Baden-Baden um Arbeit zu finden. Ihre kleine Tochter lässt sie auf einem Weingut in Malsch zurück. Zufällig spricht sie ein Mann der französischen Besatzungsmacht unter einer Blutbuche an und verschafft ihr Arbeit in einer Bäckerei. Mit diesem Kennenlernen nimmt eine tragische Liebesgeschichte ihren Lauf.

Mir haben die Einblicke in diese Zeit ganz gut gefallen. Das Leben in Anwesenheit einer Besatzungsmacht und die daraus resultierenden Vorzüge und Einschränkungen sind gut beschrieben. Ebenso die Pflichten und Wünsche denen sich Amalie gegenüber sieht, kann man nachvollziehen. Diese bringen sie oft in einen Zwiespalt. Trotzdem kam ich ihr beim Lesen nicht nah genug. Mir fehlte es an Tiefe in den Beschreibungen, der Handlung und den Charakterdarstellungen. Der einfache, Schreibstil und die durchblickende Naivität der Hauptfigur unterstreichen meine Empfindungen. Geärgert haben mich so manche Zufälle, die der Geschichte einen reibungslosen Verlauf garantierten.

Das Ende stimmt mich versöhnlich, da ich dieses sehr gelungen und passend finde.

Fazit: Eine gute Geschichte, die die Sorgen und Nöte der Frauen der Nachkriegszeit aufgreift. Ein wichtiges und interessantes Thema in einer entbeerungsreichen und zugleich hoffnungsvollen Zeit, welches berührt jedoch nüchtern geschrieben ist.

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Veröffentlicht am 06.05.2024

Schwierig meine Gedanken in Worte zu fassen

Windstärke 17
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Windtärke 17 ein Roman von Caroline Wahl (Dumont Verlag)

Ida lebt keineswegs in einer heilen Welt. Ihr junges Leben ist durchzogen von Schwierigkeiten, ausgehend von einer alkoholkranken Mutter. Diese ...

Windtärke 17 ein Roman von Caroline Wahl (Dumont Verlag)

Ida lebt keineswegs in einer heilen Welt. Ihr junges Leben ist durchzogen von Schwierigkeiten, ausgehend von einer alkoholkranken Mutter. Diese stirbt. In Folge dieses Schicksalschlags muss sich Ida mir ihren Gefühlen und Emfindungen auseinander setzen. Da ist jede Menge Trauer gekoppelt mit Schuld und einer riesigen Wut, die sich immer wieder als großer Wutklumpen in ihrem Bauch formt.

Dieser Roman ist eine Auseinandersetzung mit dem Tod, der Vergänglichkeit des Seins und dem Auf und Ab des Lebens. Dabei bleibt die Hauptprotagonistin unberechenbar für mich. Ich verstehe ihre Gefühle und auch deren Ausmaß. Und doch empfand ich, mit zunehmender Seitenzahl, ihre Gedanken, Ausbrüche, Aktionen als zu viel, wiederholend und krass. Naiv passend für einen Teenager jedoch unpassend für eine junge Frau.

Auch hinsichtlich des Textes bin ich zwiegespalten. Er liest sich nicht gerade einfach, im Wechsel wörtliche Rede, dann Züge eines Theaterstücks, Name plus Doppelpunkt. Ida denkt einen Satz und wiederholt ihn dann per Aussage oder auch nicht. Das Ganze liest sich so einzigartig und problematisch, wie Ida selbst.

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut. Aus einer persönlichen Motivation heraus, vielleicht um den eigenen Verlust erträglicher zu machen, wollte ich die Zeilen von Caroline Wahl unbedingt lesen. Doch nach einem großartigen Beginn empfand ich „Windstärke 17“ eher deprimierend.
Trotz meiner Kritk gab es auch wundervolle Szenen, tiefgründige, berührende Aussagen, nachvollziehbare Charaktere, die durch die Geschichte tragen. Die aufkeimende Liebesgeschichte mit Leif und das versöhnliche Ende geben Hoffnung.

Ich lasse ein wenig Zeit versterichen und werde mich dem Debüt und dem Vorgänger-Roman der Autorin zu gegebener Zeit widmen.

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Veröffentlicht am 22.06.2021

Die Welt der Addie Laurie

Das unsichtbare Leben der Addie LaRue
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Das unsichtbare Leben der Addie LaRue ein Roman von V.E. Schwab aus dem Amerikanischen übersetzt von Petra Huber und Sara Riffel, erschienen bei FISCHER Tor

Jetzt steht sie auf keiner steilen Anhöhe, ...

Das unsichtbare Leben der Addie LaRue ein Roman von V.E. Schwab aus dem Amerikanischen übersetzt von Petra Huber und Sara Riffel, erschienen bei FISCHER Tor

Jetzt steht sie auf keiner steilen Anhöhe, keinem Abhang, und trotzdem spürt sie, wie sie das Gleichgewicht verliert. Und dann erklingt Esteles Stimme in der Dunkelheit. Wie läuft man zum Ende der Welt?, fragte sie einmal. Und als Addie es nicht wusste, lächelte die alte Frau ihr runzliges Lächeln und antwortete. Einen Schritt nach dem anderen. S.107/108

Die Geschichte gestaltet sich in Zeitsprüngen, wobei mir die Episoden aus der Vergangenheit besonders gut gefallen haben. Der Plot an sich ist unheimlich spannend und steigert die Vorfreude auf die kommende Geschichte.
Die Hauptprotagonistin Addie ist eine besondere Figur in verschieden Zeiten und an verschiedenen Orten. Ihre Entwicklung finde ich gut umgesetzt. Der Wandel ihrer Gefühle und der Umgang mit der ganzen Situation sind durchaus nachvollziehbar.
Den dunklen Part im Buch verkörpert Luc. Er faszinierte mich erschreckenderweise von Anfang an. Ich war neugierig auf seine wahren Beweggründe und wie letztendlich alle Fäden zusammenlaufen werden.
Eine weitere Figur, Henry blieb für mich unscheinbar und wenig greifbar. Richtig erwärmen konnte ich mit nicht für ihn. Er ist in der Geschichte sehr mit sich selbst beschäftigt. Außerdem umgibt ihn ein Geheimnis was es aufzudecken gilt.
Die Autorin hat sich bemüht, die Charaktere ihrer Protagonisten und ihr Gefühlsleben hinreichend zu beleuchtet. Trotzdem blieb gerade Henry blass und oberflächlich. Er selbst ist nicht die große Figur im Roman und ist mir etwas unsympathisch geblieben.
Die Einflechtung realer Persönlichkeiten finde ich besonders gelungen und gibt dem Roman noch einmal einen besonderen Touch.
Mir gefällt der Schreibstil von V.E. Schwab im allgemeinen recht gut. Die Gefühle und Emotionen werden zum Leser transportiert. An manchen Stellen packte mich die Atmosphäre besonders, so z.B. als Addie den Pakt mit den dunklen Mächten eingeht oder Luc immer wieder gekonnt die Stirn bietet. Oder, als sie ihre Situation zu begreifen beginnt, von ihren Bekannten und Lieben nicht mehr erkannt zu werden, fühlte ich mit ihr.
Die Sache mit der GBTQ-Community muss für mich in einem Buch nicht unbedingt zur Sprache kommen. Ehrlich gesagt meide ich solche Lektüre. Ich habe keine Vorurteile, vielleicht bin ich dafür schon zu alt. Das Thema ist halt auch im wahren Leben da und alles muss immer irgendwie ausdiskutiert, beleuchtet und rechtfertigt werden. Vielleicht nervt mich das einfach. In meinem Lesestoff darf so etwas gern fehlen! Aber die jüngere Generation sieht das vielleicht anders?!
Die Kunst bekommt einen besonderen Stellenwert im Buch. Wie die einzelnen Kunsträume beschrieben sind fand ich wunderbar. Addie schafft es endlich, mit Henrys Hilfe, Spuren zu hinterlassen und das auf eine ganz besondere Art und Weise, eine tolle Idee!
Das Ende war unheimlich berührend, auch wenn man geahnt hat dass zwischen Addie und Luc eine intensivere Verbindung besteht, wird man sich der Tragweite am Ende erst richtig bewusst.
Es gab so viele berührende Szenen und es ist durchaus ein spannendes Buch. Trotz der leisen Töne kommen emotionalen Episoden wuchtartig und bereiten Herzklopfen beim Lesen. Trotzdem empfand ich gewisse Längen und hatte an manchen Stellen Schwierigkeiten an der Geschichte dranzubleiben.

Fazit: Das war mein erster Roman, den ich von dieser Autorin gelesen habe. Ich bin hin- und hergerissen. Die Erwartungen waren, nach vorangegangenem Lob, sehr hoch. Ganz erfüllen konnte die Lektüre meine Vorfreude und Erwartungen nicht. Luc ist für mich der eigentliche Held und stärkste Charakter des Romans. Von ihm hätte ich gern noch mehr gelesen. Drei gute Sterne, da ich lesetechnisches Durchhaltevermögen brauchte und ab und an die Spannung auf der Stecke blieb. Und einfach zu wenig Luc! Trotzdem regt der Roman zum Nachdenken an und ist ein gelungener Ausflug in eine Fantasie-Welt mit Love-Faktor.

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