Profilbild von Aniya

Aniya

Lesejury Profi
offline

Aniya ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Aniya über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.08.2019

Gute Idee - schrecklicher Schreibstil

ZERO - Sie wissen, was du tust
0

Ich hatte riesengroße Probleme mit Zero.
Eigentlich hatte ich mich wahnsinnig darauf gefreut, das Buch zu lesen. Totalüberwachung, Internetkultur, Menschen-Ratings... alles sehr spannende Themen und brandaktuell. ...

Ich hatte riesengroße Probleme mit Zero.
Eigentlich hatte ich mich wahnsinnig darauf gefreut, das Buch zu lesen. Totalüberwachung, Internetkultur, Menschen-Ratings... alles sehr spannende Themen und brandaktuell.
Leider ist der Schreibstil so übel, dass ich es stellenweise kaum ertragen konnte. Und es hat mich echt geärgert, weil die Story wirklich nicht schlecht ist. Aber mehr als ein paar Seiten am Stück konnte ich einfach nicht lesen. Teilweise hat die Sprache (und es tut mir wirklich leid das sagen zu müssen) Kinderbuchniveau.
Es gibt viele einfache Sätze. Möglichst kurz. Viel zu oft auch mit Ausrufezeichen!
Ich war geschockt und fasziniert zugleich. Was soll das? Traut der Autor mir und allen anderen Lesern kein Verständnis für komplexere Sätze zu? Oder für die Thematik? Hat er sie deshalb so simpel wie möglich beschrieben, á la Peter Lustig (dem ich grade Unrecht tue, weil er sich sehr viel besser ausdrückt)? Es kam mir vor, als wäre ich ein bisschen debil und man müsste mir alles, wie einem Kleinkind, ganz einfach erklären. Klingt komisch, ist aber so.
Man mag gar nicht glauben, dass es hier vor allem um Erwachsene geht und Zero sich auch an jene richtet.
Normalerweise habe ich kein Problem damit, wenn ein Buch in der Gegenwartsform geschrieben ist (vor allem im Englischen nicht), aber hier unterstreicht es den "Kinderbuchfaktor" noch. Es liest sich so schlimm, ehrlich, ich konnte es kaum ertragen. (Niemandem tut das mehr leid als mir, denn ich wollte Zero unbedingt mögen... Aber so habe ich es empfunden.)
Ein kleines Beispiel für etwas, das mich tierisch genervt hat: Die verschiedenen Variationen von "sagen".
Normal: "Danke." sagt X.
In Zero:
... lacht X.
... ätzt X.
... schmunzelt X.
... gesteht X.
... wehrt sich X.
... feixt X.
... wundert sich X.
Und die Liste könnte noch ewig so weitergehen, denn Marc Elsberg war da sehr kreativ.
Wäre er doch nur ähnlich kreativ in der Entwicklung seiner Figuren gewesen: Ich konnte zu keiner einzigen irgendeine Bindung aufbauen. Bestenfalls mochte ich sie nicht besonders, schlimmstenfalls hatte ich gar kein Gefühl zur jeweiligen Person und es war mir absolut egal, was mit ihr passiert. Alle waren schrecklich kalt und leer und irgendwann habe ich mich während des Lesens selbst so gefühlt.
Es war 'ne echte Qual und ich kam mir sogar etwas verklappst vor.
Das Schlimmste ist: Ich habe Blackout noch vor mir. Dummerweise habe ich die Bücher zusammen gekauft, weil ich so überzeugt war, sie zu mögen. Und weil mich die Themen so wahnsinnig interessieren.
Man, ich bin echt so enttäuscht! Trotzdem werde ich Blackout eine Chance geben. Allerdings brauche ich erstmal 'ne Elsberg-Pause und ganz dringend anspruchsvolle Literatur (Vorschläge sind immer willkommen :)).

Veröffentlicht am 09.08.2019

Nein danke

Cat Person
0

Boah. Nach dieser Kurzgeschichtensammlung möchte ich erstmal ganz lange nichts von Roupenian lesen. Und ich bin doch froh, dass ich kein Geld für das Buch ausgeben musste (auch wenn natürlich nix umsonst ...

Boah. Nach dieser Kurzgeschichtensammlung möchte ich erstmal ganz lange nichts von Roupenian lesen. Und ich bin doch froh, dass ich kein Geld für das Buch ausgeben musste (auch wenn natürlich nix umsonst ist) - damit danke an den Verlag für das Rezi-Exemplar.

Roupenian wurde durch die Geschichte "Cat Person" bekannt, die im New Yorker erschien und bis heute zu den meistgelesen Stories überhaupt gehört.
Dementsprechend ist "Cat Person" in dieser gleichnamigen Kurzgeschichtensammlung auch die stärkste Erzählung.

Eine junge Frau lässt sich auf einen Mann ein, die beiden landen irgendwann im Bett und es ist richtig schlecht.
Die junge Frau denkt mehrfach darüber nach, die Situation abzubrechen, sie fühlt sich unwohl, es geht ihr nicht gut mir ihrer Entscheidung.
Gleichzeitig hat sie das Gefühl, den Punkt überschritten zu haben, bis zu dem sie nein hätte sagen können und der Aufwand, jetzt doch abzubrechen scheint ihr zu groß. Mitleid mit dem Typen hat sie auch.
Eine Situation die sicher sehr viele Frauen auf dieser Welt kennen und genau deshalb traf "Cat Person" wohl einen Nerv - auf die eine oder andere Weise.
Denn interessant herbei ist auch, dass sich viele Männer mokierten und vehement darauf hinwiesen, dass es hier lediglich um ein schiefgelaufenes Date und schlechten Sex geht, dass dies alles ganz sicher nichts mit Grenzüberschreitungen oder gar Missbrauch zutun hat.
Dabei geht die Story ja noch weiter und das Wichtigste kommt erst noch: Die junge Frau löst sich vom Mann, er sieht sie später in einer Bar wieder und fängt an, ihr ohne Ende Texte zu schicken, erst um eine neue Chance bettelnd, dann immer derber.
Das letzte Wort in "Cat Person" ist zugleich eine SMS des Typen an die junge Frau: Schlampe - und da liegt der tatsächliche Grenzübertritt und die Belästigung, ja der ganze Punkt der Geschichte.
Denn ich war bereits diese Frau, die unzählige Beschimpfungen eines verschmähten Liebhabers über sich ergehen lassen musste und da bin ich ganz sicher nicht alleine.
Hier schafft Roupenian es, ihre Charaktere und deren Geschichte mitten aus dem Leben zu greifen. Leider kann sie das in ihren übrigen Werken nicht wiederholen.

Ein voyeuristischer Schmerzens- und Grausamkeitsporno. So würde ich das Buch insgesamt beschreiben. Es wirkt, als würde die Autorin einfach nur krampfhaft versuchen, den Unwohl-Faktor, der in "Cat Person" ja das große Kunststück war und seine Berechtigung hatte, erneut in uns LeserInnen auszulösen.
Die Charaktere bleiben flache, grausame Kreaturen, die außer Gewalt und Sex nicht viel im Sinn haben und die man schnell wieder vergisst. Es geht nur darum, zu schocken und uns mit einer gewissen Abscheu zurückzulassen.

Dabei ist das alles sehr gut geschrieben, das kann man nicht bestreiten. Allerdings fühlt es sich auch so an, als würde sich Roupenian an Leid und Qual ihrer eigenen Figuren weiden.
Faszinierend war für mich vor allem, dass eigentlich jede Geschichte ziemlich stark oder gar spannend beginnt und dann in dermaßen absurde Gefilde abdriftet, dass ich nach der Hälfte meist keine Lust mehr hatte und mich zum Weiterlesen zwingen musste.
Und wenn ich ganz ehrlich sein soll: kennste eine, kennste alle. Bereits mit der ersten Geschichte (die ich persönlich ziemlich furchtbar fand), werden die Weichen gesetzt und viel anderes kommt dann nicht mehr.
Ich habe eigentlich gar nichts gegen düstere Geschichten und Gewaltdarstellungen, im Gegenteil. Mir war das in diesem Fall aber alles viel zu fetischisierend. Und too much. Nicht eine einzige Story lässt einen mit einem guten Gefühl zurück.
Den zweiten Stern gibt es also für "Cat Person" als Einzelstory, der Rest ist meiner Meinung nach leider nicht wirklich lesenswert. Wobei die Geschmäcker natürlich wie immer verschieden sind.

Veröffentlicht am 09.08.2019

Alles eine Frage der Zutaten

Stadt der verschwundenen Köche
0

Man nehme:
- einen Protagonisten (grobschlächtig, mit rauer Oberfläche; Füllung: wenig Intelligenz aber viel Alkohol)
- eine Handvoll Nebencharaktere (farblos!)
- eine Rahmenhandlung (als Fundament)
- ...

Man nehme:
- einen Protagonisten (grobschlächtig, mit rauer Oberfläche; Füllung: wenig Intelligenz aber viel Alkohol)
- eine Handvoll Nebencharaktere (farblos!)
- eine Rahmenhandlung (als Fundament)
- eine kleine Portion Welt (Sorte: "Alternativ-Steampunk-London"; auch hier möglichst farb- und detaillos!)
- zwei große Löffel Potenzial und eine Tasse Kreativität
- eine Prise Leidenschaft für die Thematik
- zwei/drei Tropfen Tiefe (hierbei sparsam sein!!!)
- eine Tüte "Instant Love", gemischt mit einer Messerspitze Romantik und einem gestrichenen Teelöffel Sex (Klasse: II; alles möglichst unoriginell)
- ganz viel Seemannsjargon, "piratige" Beleidigungen etc. (damit ruhig großzügig sein)
- ein paar verfeindete "Gangs", die im Untergrund arbeiten und etwas Geheimes/Verbotenes tun
- mindestens zwei "Gang-Bosse" (hier darauf achten, dass die Hüllen möglichst bunt und schillernd sind, die Füllung aber vor der Zubereitung entfernt wurde)
- eine Dose Krieg und Knarren-Action (sollte überraschend und ohne Vorwarnung auftauchen!)
- sehr viele Zufälle (für die richtige Konsistenz)
Tipp: Sollten sich an irgendeiner Stelle aus unerfindlichen Gründen vernünftige Antworten oder Erklärungen im Plot befinden, fischen Sie diese so gut es geht heraus und kippen Sie 2 Flaschen Unglaubwürdigkeit (Jahrgang 1915/1916) darüber.
Alles in eine Schüssel geben, dann einfach wild schütteln. Zum Schluss in ein plötzliches und unbefriedigendes Ende pressen und bei geringer Emotions-Temperatur leicht erwärmen.
Heraus kommt entweder eine besonders lange und hanebüchene Folge One Piece... oder die Stadt der verschwundenen Köche.

Bei diesem Rezept verhält es sich natürlich wie mit allem: Über Geschmack lässt sich streiten. Meiner wurde hier nun mal leider nicht getroffen. Das soll aber nicht heißen, dass andere dieses Abenteuer nicht genießen können.
Mein Vorschlag: Probieren und selbst entscheiden! :)

Veröffentlicht am 08.10.2021

Der Uhrmacher

Der Uhrmacher in der Filigree Street
0

Ich bin so enttäuscht!
Dieses Buch hat mich mit Titel, Klappentext und Cover gelockt. Letzteres sieht einfach richtig schön aus und die Story klang so gut... es wäre nur schön gewesen, wenn es auch eine ...

Ich bin so enttäuscht!
Dieses Buch hat mich mit Titel, Klappentext und Cover gelockt. Letzteres sieht einfach richtig schön aus und die Story klang so gut... es wäre nur schön gewesen, wenn es auch eine gegeben hätte.

Wir folgen Thaniel, der eine mysteriöse Uhr findet – und den Uhrmacher, einen japanischen Mann namens Mori, kurze Zeit später gleich dazu. Dieser hat ein sichtbares und ein geheimes Talent. Außerdem gibt es da noch Grace, die erst ihre eigenen Kapitel hat, deren Geschichte sich aber irgendwann mit der von Thaniel verbindet.

Mehr gibt es spoilerfrei leider nicht zu sagen. Der Plot ist so dünn, dass man ihn schon mit der Lupe suchen muss. Es gibt häufig genaue und detaillierte Beschreibungen von Kleinigkeiten und Gegenständen, die Charaktere bleiben dagegen blass und ungreifbar.
Manche Kapitel haben sich mir kaum erschlossen, sie kamen mir sinnlos und nichtssagend vor.
Meine Gedanken waren überall, nur nicht im Buch. Ich musste Sätze wieder und wieder lesen, weil ich mich irgendwann kaum noch darauf konzentrieren konnte.
Daran ist natürlich auch der unausgereifte, distanzierte Schreibstil schuld.
Gespräche lesen sich teilweise so merkwürdig und unrealistisch, vieles wirkt hölzern und... langweilig. Das Buch ist einfach unfassbar langweilig!

Bis auf die drei Hauptcharaktere konnte ich mir niemanden richtig merken, die meisten Namen sind mir wieder entfallen und ich wüsste jetzt nicht mehr, wer wer war.

Richtig genervt haben mich auch der unwidersprochene Sexismus und Rassismus. So wird in der deutschen Übersetzung zum Beispiel das Wort "Schlitzaugen" verwendet.
Grace ist eine absolut unsympathische Frau, die sich an ein männliches Ideal anpasst und damit Vorzüge erschleicht. Die Fesseln ihrer Zeit nerven sie, gleichzeitig macht sie sich aber über andere Frauen lustig und motzt gegen die Suffragetten, die das Frauenwahlrecht fordern und damit eigentlich den Grundstein legen, um Veränderung zu schaffen. Außerdem ist sie richtig empathielos und manchmal schlicht und einfach gemein.
Sie ist wohl absichtlich so geschrieben worden, aber für mich war das, wie so vieles im Buch, einfach sinnlos.
Natürlich sind solche Dinge auch der Zeit geschuldet, in der das Buch spielt, aber trotzdem hätte es dazu Gegenstimmen oder irgendeine Einordnung geben müssen.

Es gibt außerdem unzählige Ungereimtheiten.
Ein kleines Beispiel: Mori bleicht sich die Haare und wird als blond beschrieben. Ich weiß nicht, ob das in den 1880ern schon so gängig war, aber gut, die Geschichte hat ja immerhin auch einen winzig kleinen Fantasyanteil und da wollen wir nicht zu kleinlich mit historischer Genauigkeit sein. Trotzdem wären seine schwarzen Haare dann orange und nicht blond. Später hört er mit dem Färben auf und es wird so beschrieben, dass seine Haare wieder dunkler werden. Was? Blondierung wird nicht wieder dunkler, gebleichtes Haar ist gebleicht und wenn man sie nicht abschneidet oder komplett dunkel färbt, kommen da höchstens schwarze Ansätze, wenn das Helle langsam rauswächst.
Einiges ist einfach so merkwürdig beschrieben, dass Schwierigkeiten hatte, mir das überhaupt richtig vorzustellen.

Es gibt natürlich auch eine kleine Liebesgeschichte, die allerdings so emotionslos verläuft und aus dem Nichts kommt, dass ich dabei gar nichts gefühlt habe. Sie wird auch eigentlich nur angedeutet.

Das Ende ist genauso wie der Rest der Geschichte. Im Prinzip verpufft einfach alles und ich habe mich gefragt, was das Ganze überhaupt sollte.

Wie immer ist das aber nur meine ganz persönliche und rein subjektive Meinung und ich freue mich für alle, die das Buch mochten!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.07.2021

Karte

Die Karte
0

Ich mochte Thriller immer. Aber in letzter Zeit stören mich die klischeehaften Charaktere und der oft eher simple Schreibstil doch sehr. Und so richtig überraschen kann mich auch selten was. Bei diesem ...

Ich mochte Thriller immer. Aber in letzter Zeit stören mich die klischeehaften Charaktere und der oft eher simple Schreibstil doch sehr. Und so richtig überraschen kann mich auch selten was. Bei diesem Buch war das leider auch wieder der Fall, es kommen aber noch andere Sachen hinzu, über die ich mich geärgert habe.

Die Geschichte beginnt mit einem Mann, der eine Gestalt am Haus der Nachbarinnen beobachtet, diese zur Rede stellen möchte und dafür ein Messer ins Auge gerammt bekommt. Kurze Zeit später wird eine dieser Nachbarinnen beim Joggen brutal ermordet. Jens Kerner ermittelt.

Eins meiner größten Probleme waren die beiden Frauen, Laura und Eva, die ein Paar sind. Da hat man schon mal queere Charaktere und dann werden sie natürlich gnadenlos sexualisiert. Den ersten Blick auf die zwei wirft man durch die Gedanken des Nachbarn, der sich grade überlegt, seine Frau zu schlagen und dann dazu übergeht das Paar beobachten zu wollen, um hoffentlich zu sehen, wie die beiden "es sich besorgen". Ich kotze.

In der einzigen Szene, in der die zwei Frauen miteinander interagieren, geht es natürlich auch darum, dass sie später noch Sex haben werden.
Jens Kerner bemerkt ebenfalls immer wieder die Körper der Frauen, sei es die enge Shorts von Eva (dass sie eng sind, wird mehrfach betont) oder wie trainiert sie sind.

Da eine von ihnen stirbt (kein Spoiler, das passiert relativ am Anfang und man sieht es eine Meile weit kommen), haben wir hier wieder den Bury Your Gays Trope, aber naja, bei einem Thriller verzeih ich es mal.

Merkwürdig finde ich auch, dass die beiden in einem "gläsernen" Haus wohnen, keine Gardinen oder Vorhänge haben und man von überall rein gucken kann. Hat sich mir nicht erschlossen, zumal es sie ja stört, dass zum Beispiel der Nachbar gafft.

Das ist auch gleich das nächste Ding. Laura erzählt Kerner zweimal, dass sie häufig angegafft wurden oder mit dummen Sprüchen zu kämpfen hatten, vor allem auch beim Joggen. Statt das zu akzeptieren, die Realität dieser Frauen ernst zu nehmen und sich vielleicht mal zu überlegen, wie belastend und nervig solche alltäglichen (!) Erfahrungen sein können, denkt er nur (sinngemäß): "Oh Mann, schon der zweite Hieb gegen Männer, nicht alle Männer sind so."

Den Reflex hat er dann später nochmal, als ihn eine Anwältin über die wahnsinnige Gewalt an Frauen und die Incel-Szene aufklärt. Dass es hier ein sehr auffälliges und vor allem strukturelles Problem gibt, das sich nicht mit „not all men“ lösen lässt, ignoriert er.

Was mir in letzter Zeit auch häufiger in Thrillern begegnet, sind die Seitenhiebe gegen Social Media, Selfies etc. Da werden Leute verurteilt, weil sie ihre Fitnessergebnisse teilen und es gewagt haben, knappe Laufklamotten zu tragen, die wahrscheinlich auch einfach funktional sind. Das sowas auch Motivation sein kann ist ja wurscht. Kerners Haltung: Internet böse!
Ich frage mich übrigens sowieso, wieso der Gute noch im Dienst ist, weil er offensichtlich generell die letzten zwanzig Jahre der technischen Entwicklung verpennt hat, aber gut.

Irgendwie ist es auch immer merkwürdig, wenn weibliche Charaktere explizit als "starke Frauen" beschrieben werden, so als müsste man das dazu sagen, weil Frauen halt normalerweise eher schwach sind. Hab noch nie Sachen wie "er war offensichtlich ein starker Mann" gelesen.

Komplett kurios auch die Frage von Kerner, ob das Opfer "ausschließlich lesbisch" war, statt zu fragen, ob sie vielleicht bi gewesen sein könnte.

Oh und es gibt Becca, Kerners Geliebte im Rollstuhl, die an ihm so toll findet, dass er nicht so "krampfhaft politisch korrekt" mit ihr ist und die ihn so richtig schön über den Klee lobt. Allgemein wird er von Außenstehenden als der absolut zuverlässige Held mit riesen Gerechtigkeitssinn dargestellt, auch wenn ich ihn nicht so empfunden habe.

Das Ende war dann aber richtig an den Haaren herbeigezogen.

Ich will nichts spoilern aber im Prinzip trieft diese Geschichte nur so vor Misogynie (und alle Hauptopfer sind mal wieder weiblich – die Obsession mit toten Frauen in Thrillern ist schon echt bezeichnend) während es dem Autor super wichtig war, irrationale Männerhasserinnen zu beschreiben (die in ihrem "Hass" übrigens ziemlich zahm und meistens sogar im Recht sind). Fast schon wie eine veränderte Form der Hufeisentheorie. Ich war echt baff.

Wie immer ist das aber nur meine ganz subjektive Meinung und wenn andere das Buch genießen konnten, dann freue ich mich. Nichts ist schlimmer als verschwendete Lesezeit.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere