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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2021

Ein sehr persönliches Porträt

Und immer wieder aufbrechen
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Sisonke Msimang und ihre beiden Schwestern werden im Exil der Eltern in Swasiland geboren. Der Vater engagiert sich im militanten Flügel des ANC und ist wenig daheim. Die Mutter erzieht ihre Töchter ganz ...

Sisonke Msimang und ihre beiden Schwestern werden im Exil der Eltern in Swasiland geboren. Der Vater engagiert sich im militanten Flügel des ANC und ist wenig daheim. Die Mutter erzieht ihre Töchter ganz traditionell. Sie lehrt ihre Mädchen, Respekt auch vor den eigenen Haushaltsangestellten zu haben. Das wird später Sisonke einigen Kummer bereiten, denn ihr fehlt ein wenig das gesunde Misstrauen ihrer Mutter.

Die Familie muss aufgrund der beruflichen Gegebenheiten mehrmals den Wohnort und das Land wechseln. Sie leben unter anderem in Swasiland, Sambia, Kenia und Kanada. Sisonke kann in den USA studieren.

So kommt es, dass Sisonke erst mit zwanzig Jahren ihren „Sehnsuchtsort“ Südafrika betritt. Sie hat, auch wegen des politischen Engagements der Eltern, eine etwas verklärte Vorstellung vom Land der Apartheid. Die Wirklichkeit ist doch eine andere. Es herrschen nach wie vor die Gedanken der Apartheid, wenn auch verdeckt. Nach wie vor sind Schwarze nicht gleichgestellt und Frauen, die eigentlich das Leben am Laufen halten, werden diskriminiert wie ehedem. Statt der gehassten Weißen tritt eine schwarze Politikergeneration ins Rampenlicht, die ihre Ausbildung in England oder den USA genossen hat und sich wenig um die Belange der schwarzen Bevölkerung schert.

Es dauert eine geraume Zeit, bis Sisonke erkennt, dass die schwarze Mittelschicht, der sie ja ebenfalls angehört, in manchen Dingen eine ähnliche Denkweise an den Tag legt, wie die Weißen.


Meine Meinung:

Diese Autobiografie hat mir recht gut gefallen. Sie zeigt eine Frau, die von den revolutionären Gedanken der Eltern, an eine bessere Welt glaubt. Als sie dann in Südafrika lebt, wird sie dann bald eines Besseren belehrt. Die Jahrhunderte alten Gepflogenheiten sind nicht umzubringen. Ja im Gegenteil, das eine oder andere hat sich Sisonkes ebenfalls angeeignet.

Interessant ist die Kindheit der drei Schwestern, die (aufgrund der beruflichen Abwesenheit des Vaters) fast ausschließlich von Frauen umsorgt und erzogen worden sind. Starke Frauen, die sich um Konventionen wenig bis nichts scheren. Das färbt natürlich ab. Und so kommt es, dass Sisonke sich selbst unkonventionell verhält: Sie lernt einen Weißen kennen und lieben. Sie nimmt diese Herausforderung und heiratet ihn trotz anfänglicher Widerstände ihrer Familie.

Sehr interessant ist die Selbstreflexion mit der sich Sisonke Msimang
immer wieder aufs Neue hinterfragt. Selbstkritisch und voller Zweifel entwickelt sie sich weiter.

Fazit:

Ein sehr persönliches Porträt einer starken Frau, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 08.07.2021

Eine gelungene Fortsetzung

Die Bildermacherin und das Hexenhaus
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Dieser dritte Band der „Bildermacherin-Reihe“ des Autorinnen-Duos Christiane Omasreiter und Kathrin Scheck enthüllt Ereignisse aus der Vergangenheit die Auswirkungen bis heute haben.

Amalia Engls beste ...

Dieser dritte Band der „Bildermacherin-Reihe“ des Autorinnen-Duos Christiane Omasreiter und Kathrin Scheck enthüllt Ereignisse aus der Vergangenheit die Auswirkungen bis heute haben.

Amalia Engls beste Freundin Eva hat sich von ihrem Mann getrennt und sucht nun mit ihren drei Kindern eine neue Bleibe. Ihre Wahl fällt auf ein leer stehendes Haus, das im Dorf nur das „Hexenhaus“ genannt wird, weil es darin spuken soll. Schon in der ersten Nacht erhält sie einen Brief vom „Hüter des Hauses“, der ihr Angst macht. Als dann noch beim Errichten einer Schaukel Kinderknochen auftauchen, zieht Eva mit ihren Kindern kurzerhand zu Amalia ins Haus, was für gehörige Unruhe sorgt.
Noch während die Kriminalpolizei in der Person von Maresciallo Lorenzo Marchetti sich mit den Knochenfund beschäftigt, wird einer der Hausbesitzer tot im Wald gefunden.

Grund genug für Amalia, sich mit der Geschichte des Hauses und seiner Bewohner zu beschäftigen. Dabei muss sie bis ins Jahr 1947 zurückgehen.

Meine Meinung:

Dem Autorinnen-Duo ist wieder ein fesselnder Krimi gelungen, der die dörfliche Struktur und ihre Zusammenhänge gut darstellt. Auch die Konflikte deutsch-sprachige Südtiroler versus Italiener kommen wieder zur Geltung. Die Vorurteile auf beiden Seiten sind auch Jahrzehnte nach der Zwangsitalianisierung durch Benito Mussolini kaum auszuräumen. Gut gelungen sind die Rückblenden in die Nachkriegszeit.

Die Angelegenheit ist komplex und durch die vielen falschen Spuren, mit denen uns die Autorinnen auf den Holzweg führen, dauert es eine geraume Zeit, bis es zur Auflösung kommt.

Amalia ist mir diesmal ein zu wenig unentschlossen. Sie kann sich zwischen dem smarten Maresciallo und dem einheimischen Felix nicht entscheiden. Diese Wankelmütigkeit hat mich ein bisschen genervt. Amalia ist ja kein Teenager mehr. Nun gut, ich denke, das wird Thema eines 4. Bandes werden, auf den ich mich schon freue.

Der Schreibstil gefällt mir gut. Die Charaktere sprechen wie ihnen der Schnabel gewachsen ist: Südtiroler Mundart, hochdeutsch oder italienisch. Das kann für manche Leser ungewohnt und schwierig sein. Aber keine Sorge, es gibt ein Glossar, in dem diese Begriffe übersetzt werden. Für mich stellen die Dialektworte keine Hürde dar. Sie machen den Krimi so richtig authentisch.

Fazit:

Ein gelungener Krimi, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 08.07.2021

Hat mich gut unterhalten

Die Damen vom Pariser Platz
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Joan Weng, deren historische Romane ich sehr gerne lese, führt uns diesmal in das Berlin der 1920er Jahre.

Gretchen, eine intelligente, wissensdurstige und belesene junge Frau, will der Enge ihrer Heimat ...

Joan Weng, deren historische Romane ich sehr gerne lese, führt uns diesmal in das Berlin der 1920er Jahre.

Gretchen, eine intelligente, wissensdurstige und belesene junge Frau, will der Enge ihrer Heimat entfliehen und in Berlin eine Stelle als Tippfräulein, wie man Sekretärinnen damals abschätzig nannte, antreten. Anders als zahlreiche Geschlechtsgenossinnen hat sie Glück. Sie findet, durch Vermittlung ihrer Freundin Henni Arbeit bei der geheimnisvollen Isis und ein Untermietzimmer bei Fräulein Frieda Notter, die von sich sagt, immer nur mit verheirateten Männern auszugehen, weil eine Heirat nichts für sie wäre.

Henni ist auch diejenige, die Gretchen in ihren Freundeskreis einführt. SO lernt Gretchen deren Freund Fred und Stoffel sowie Erik kennen. Die drei Männer sind höchst unterschiedliche Charaktere.

Meine Meinung:

Dieser historische Roman ist durch ein hohes Tempo geprägt. Die Personen erleben laufend Entwicklungen. So avanciert Henni von der anfangs lieben Freundin zu einer neidischen, nachdem Gretchen sich vom schüchternen Landei zu einer selbstbewussten jungen Frau mausert.

Geschickt flicht die Autorin das politische Umfeld der damaligen Zeit ein. Es geht langsam aufwärts, die wilden Zwanziger-Jahre sind noch nicht am Höhepunkt und noch kann über Adolf Hitler ungestraft gewitzelt werden. Doch die Vorboten nähern sich langsam. Fred hat beinahe seherische Qualitäten, wenn er sich weigert, ein nationalistisches Lied zu spielen. „Dann werden wir in zehn Jahren wieder im Gleichschritt marschieren.“

Für ihre Charaktere hat Joan Weng die eine oder andere Anleihe an historischen Persönlichkeiten genommen, wie sie im Anhang erklärt. Ach ja, historische Persönlichkeiten - die dürfen auch, wie Carl von Bäumer und Elle Lack natürlich nicht fehlen. Diese Erwähnungen machen den Roman so richtig authentisch, genauso wie die Streifzüge durch die Lokale Berlins.

Fazit:

Ein gelungener historischer Roman aus dem Berlin der 1920er Jahre, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 27.06.2021

Beste Krimi-Unterhaltung

Schöner Sterben in Franken
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Clemens Sartorius, seines Zeichens KHK in Erlangen, will eigentlich gemeinsam mit seiner Freundin Delphine einen eleganten, lauer Sommerabend im Schlossgarten verbringen, als ausgerechnet Felicitas Reichelsdörfer ...

Clemens Sartorius, seines Zeichens KHK in Erlangen, will eigentlich gemeinsam mit seiner Freundin Delphine einen eleganten, lauer Sommerabend im Schlossgarten verbringen, als ausgerechnet Felicitas Reichelsdörfer eine weibliche Leiche im Schlossbrunnen findet. Und nicht nur das, Feli und Boschi sind mit dem Opfer in die selbe Schule gegangen. Für Feli Grund genug, ihre Nase in die Ermittlungen zu stecken. Das wiederum geht Sartorius gegen den Strich, der mit seiner Delphine ohnehin Stress genug hat.

Und die Leiche aus dem Brunnen wird nicht die einzige bleiben ....

Meine Meinung:

Dieser zweite Krimi für KHK Clemens Sartorius und die quirlige Buchhändlerin Feli hält wieder zahlreiche humorvolle Szenen für uns Leser bereit. Die neugierige Feli, die ihre hübsche Nase in Sachen hineinsteckt, die sie so gar nichts angehen, der versnobt wirkende Sartorius sowie Felis Seelenfreund Boschi und die bodenständige Cora ergeben ein höchst unterschiedliches Quartett, das diesen Krimi als Urlaubslektüre auszeichnet.

Am meisten musste ich lachen, als Feli mit ihrem alten Volvo an den „heiligen“ und heiß geliebten Tesla von Clemens anfährt. Und das Gelächter der, die Anzeige aufnehmenden Polizisten, hallt noch immer nach. Tja, auch die Kollegen amüsieren sich über Sartorius‘ Gewese rund um sein Auto. Ich bin allerdings überzeugt, hinter der so unnahbaren Fassade steckt ein sensibler Charakter, der das nicht so offen zeigen kann. Es gibt ja eine Andeutung, dass nicht alles in seinem Leben so glatt verlaufen ist. Das gibt noch ein enormes Entwicklungspotenzial und Aussicht auf einen nächsten Fall.

Fazit:

Ich habe mich königlich amüsiert, weswegen dieser Krimi 5 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 27.06.2021

Ein komplexer Krimi

Provenzalischer Stolz
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In diesem nunmehr 7. Band verschlägt es Pierre Durand in die Camargue.

Doch von Beginn an: Pierre Durand wird durch eine Intrige des neuen Bürgermeisters entlassen und fällt in ein tiefes Loch. Leicht ...

In diesem nunmehr 7. Band verschlägt es Pierre Durand in die Camargue.

Doch von Beginn an: Pierre Durand wird durch eine Intrige des neuen Bürgermeisters entlassen und fällt in ein tiefes Loch. Leicht depressiv zieht er sich zurück, was ihm die Dorfbewohner übel nehmen. Als er dann noch zufällig ein abschätziges Gespräch seiner vermeintlichen Freunde belauscht, nimmt er das Angebot seines Nachbarn, ein Hausboot in die Camargue zu überführen dankend an. Auf der Fahrt will er mit sich ins Reine kommen.

Gleichzeitig macht ein Kettenbrief mit einer düsteren Prophezeiung rund um drei Sünder, die sterben werden, in ganz Frankreich die Runde. Wer sollen diese drei Sünder sein? Wer ist ohne Schuld?

Schon kurz nach Pierres Abreise wird die erste Leiche in seiner Nähe gefunden. Als er auf dem Hausboot einen schwer geschockten, mutmaßlichen Augenzeugen entdeckt, steckt er postwendend wieder in Ermittlungen, denn der Polizeipräfekt teilt ihn dem Ermittlerteam zu. Mit einem Schlag ist Pierre wieder ganz der Alte.

In einem zweiten Handlungsstrang macht sich die gute Seele des Rathauses auf, die Malversationen des amtierenden Bürgermeisters aufzudecken, um Pierre und den vormaligen Bürgermeister zu rehabilitieren. Es scheint, als gäbe es da einiges aufzudecken.


Meine Meinung:

Dieser 7. Fall unterscheidet sich ein wenig von den Vorgängern. Nicht nur, dass der Schauplatz die Camargue ist, sondern auch dadurch, dass Pierre nicht nur der strahlende Held ist. Er darf zweifeln (an sich und seinen Freunden), er darf depressiv sein und sich eine Auszeit gönnen (was ihm nicht gelingen wird). Er darf auch Hilfe in Anspruch nehmen, und zwar nicht nur bei seinen Recherchen, sondern auch im Leben. Das gefällt mir sehr gut. Freundin Charlotte spielt im Moment eine kleinere Rolle, da sie mit ihrem Wunsch nach mehr Nähe, Pierre ein wenig Angst einzujagen scheint.

Interessant finde ich Pierres Recherchen im Umfeld der Gitanes, die wie seit Jahrhunderten für alles was schief geht, verantwortlich gemacht werden. Die Vorurteile ihnen gegenüber haben sich nach wie vor nicht verändert. Wir Leser bekommen Informationen über das Leben der Gitanes völlig unaufgeregt und niederschwellig vermittelt.

Fazit:

Ein komplexer Fall für Pierre Durand, der nun kurzfristig auch außerhalb der Provence ermitteln darf. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.