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Veröffentlicht am 13.07.2021

Auftakt einer interessanten Romantasy-Reihe

Im Schatten des Sonnenkönigs – Die Gabe
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E.M. Castellans "Im Schatten des Sonnenkönigs – Die Gabe" (cbt Verlag, Juli 2021) stellt den Anfang einer spannenden Romantasy-Reihe dar, die uns ins 17. Jahrhundert entführt, an den schillernden Hof des ...

E.M. Castellans "Im Schatten des Sonnenkönigs – Die Gabe" (cbt Verlag, Juli 2021) stellt den Anfang einer spannenden Romantasy-Reihe dar, die uns ins 17. Jahrhundert entführt, an den schillernden Hof des legendären Louis XIV.

"»Der Preis für Magie ist sehr hoch. Und bei den meisten Zaubern geht es um Macht […].«"

Es ist das Jahr 1661. Die 17-jährige Kronprinzessin Henriette D’Angleterre hat in eine Zweckehe mit Philippe d’Orléans, dem Bruder des französischen Königs, eingewilligt.

"Bevor mein Bruder den englischen Thron bestiegen hatte, waren meine Wahlmöglichkeiten begrenzt gewesen: Nonnenkloster oder Ehe. Aber wenigstens hatte ich eine Wahl gehabt."

Dennoch ist die wunderschöne, leider von einem chronischen Lungenleiden geplagte junge Frau nicht gänzlich unglücklich über die Zwangs-Vermählung: Philippe ist attraktiv, hat sie bisher stets respektvoll behandelt und die Ehe mit ihm wird ihr hoffentlich ein gewisses Maß an Sicherheit garantieren. Denn niemand außer ihrer Mutter weiß, dass Henriette eine der seltenen magischen Quellen ist: Sie besitzt Fähigkeiten, die von Magiern zum Wirken ihrer Zauberkräfte dringend benötigt werden. Auch der Sonnenkönig selbst ist ein Magier und man sollte meinen, dass ihn diese Tatsache, in Kombination mit seiner politischen Position, unantastbar machen würde. Dennoch hat es ein Attentäter auf die königliche Familie abgesehen und zahlreiche Quellen sind bereits ermordet worden. Bald sieht Henriette sich nicht nur in der Pflicht, die düstere Magie abzuwehren, um die zu schützen, die sie liebt, sie wird außerdem vom König gebeten, ihm dabei zu helfen, Versailles in einen prunkvollen Palast zu verwandeln. Doch kann sie darauf vertrauen, dass der willensstarke Louis seine Macht nicht missbrauchen wird? Schon ihre Mutter hatte sie immer gewarnt: "Magiciens interessieren sich nicht für ihre Quellen. Sie benutzen sie nur."

Henriette, aus deren Sicht in der Ich-Form erzählt wird, hat das Herz am rechten Fleck. Trotz ihrer royalen, auf Pflichterfüllung und Anmut ausgelegten Erziehung hat sie nicht ihre Neigung verloren, stets das Gute in Menschen zu sehen. Sie ist klug und loyal, scheut sich nicht davor, ihre Meinung zu sagen und kennt ihren Wert. Viele Höflinge unterschätzen ihren wachen Geist und ihre Scharfsinnigkeit, und belächeln sie als das sanfte Täubchen, das den rebellischen Philippe (der bekannt für seine Affären mit Frauen wie auch mit Männern ist) im Zaum halten soll – sein Einfluss muss so gering wie möglich gehalten werden, damit er nicht die gerade erst erlangte Alleinherrschaft von Louis gefährdet. Von einer Liebesehe kann keine Rede sein: "[…] wir waren königlichen Geblüts. Unser Glück spielte keine Rolle." Aber schließt das eine das andere zwangsläufig aus?

Das Setting fand ich enorm faszinierend! Der königliche Hof ist eine wahre Schlangengrube. In diesem sonderbaren sozialen Gefüge der Eitelkeiten ist niemand vor Intrigen und hetzerischem Tratsch sicher. Henriette tut gut daran, ihr Vertrauen sparsam einzusetzen. Selbst ihren Hofdamen Louise und Athénaïs stand ich von Anfang an skeptisch gegenüber. Gekonnt lässt die Autorin Wahrheit und Fiktion miteinander verschmelzen, so besteht der Großteil der Figuren tatsächlich aus historisch verbürgten Personen, allen voran König Louis und sein Bruder, Philippe d’Orléans, sowie die weibliche Hauptfigur, Henriette von England, aber auch Armand de Gramont, Prinz Aniaba, Henriettes Hofdamen oder Fouquet, wobei Letzterer im realen Leben natürlich kein Kron-Magicien war.

Mit dem Schreibstil, der mir teilweise einen Touch zu nüchtern war, habe ich anfangs ein wenig gehadert und es dauerte ein Weilchen, bis ich in der Story angekommen war. Die Zusammenhänge zwischen Magiern und Quellen erschlossen sich mir nicht gleich, zudem war ich von der Vielzahl der französischen Namen etwas erschlagen. So konnte ich erst ab Mitte des Werkes gebührend mitfiebern. Weiterhin hätte ich mir bildreichere, detailliertere Beschreibungen des Settings gewünscht, das so viel Potential bietet. Theoretisch hätte die Handlung auch mit diesem Roman enden können – hier lauert kein fieser Cliffhanger, daher bin ich gespannt, wie die Autorin die Reihe weiterführen wird.

Die Covergestaltung gefällt mir gut. Die funkelnden goldfarbenen Sprenkel verleihen dem Ganzen einen edlen Touch und spiegeln die Pracht des königlichen Hofes wider.

Fazit: Nach einem (trotz sympathischer Protagonistin) etwas zähen Anfang entwickelt sich langsam eine zarte, unerwartete Love Story und auch die Spannung nimmt im letzten Drittel ordentlich an Fahrt auf; ich war positiv überrascht. Eine interessante Verknüpfung von historischen Begebenheiten und Fantasy-Elementen.

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Veröffentlicht am 11.07.2021

Schöne Rückkehr nach Kirkby!

Highland Hope 2 - Ein Pub für Kirkby
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Nachdem mir der erste Band der Highland-Hope-Reihe unheimlich gut gefallen hatte, musste ich natürlich wissen, wie es den liebgewonnenen Charakteren in der Fortsetzung ergehen wird, daher freute ich mich ...

Nachdem mir der erste Band der Highland-Hope-Reihe unheimlich gut gefallen hatte, musste ich natürlich wissen, wie es den liebgewonnenen Charakteren in der Fortsetzung ergehen wird, daher freute ich mich irrsinnig, in das zauberhafte Städtchen Kirkby zurückkehren zu dürfen. Bereits die ländliche Idylle auf dem wunderschönen Cover hat mich wieder total abgeholt und zum Träumen verleitet. Charlotte McGregor ist es mit ihrer Reihe wirklich gelungen, meine Reise-Sehnsucht zu wecken und mich für Schottland zu begeistern.

Erfreulicherweise gibt es im zweiten Band (erschienen bei Heyne, Juli 2021) tatsächlich ein Wiedersehen mit Colleen und Alex, auch wenn der Fokus der Geschichte dieses Mal auf Alex' sympathischer Schwester liegt, der schlagfertigen Spitzenköchin Isla Fraser, deren ausgefallene Kochkreationen weit über die Grenzen des malerischen Örtchens hinaus bekannt sind und die Region nach und nach zu einem Gourmet-Hotspot werden lassen. Leider ist daran auch ihr Erzrivale Rodney Swinton (Islas ehemaliger Mentor und ihre Ex-Affäre) nicht ganz unbeteiligt, der ganz in der Nähe ein eigenes Szene-Bistro eröffnet hat, das er sehr werbewirksam zu pushen vermag. Rodney war schon immer ein Blender gewesen, der sich die Kreativität und das Können anderer Köche zunutze gemacht hat, was ihn – u.A. dank Islas Einsatz – diverse Anstellungen gekostet hat. Dass er sich nun in der gleichen Region niederlässt und schamlos Islas Rezepte auf seine eigene Speisekarte setzt, kann kein Zufall sein – er will Isla ruinieren, davon ist sie überzeugt. Hat sie womöglich einen Maulwurf in den eigenen Reihen? Hier in Kirkby, wo jeder jeden kennt und wo sich eigentlich alle Einwohner hilfsbereit unterstützen? Zumindest privat besteht kein Grund zur Sorge, denn Isla, die bisher noch nie richtig verliebt gewesen war, hat mit dem neuen Pubwirt Jon Grant ihr Glück und eine Schulter zum Anlehnen gefunden. Nach einem Burnout im erfolgreichen Werbeimperium seiner Familie hatte es den charismatischen Mann in die Highlands verschlagen, wo er sich nicht nur seinen Traum vom eigenen Pub erfüllt hat, sondern auch endlich von Herzen glücklich ist – dank seinem verspielten Neufundländer-Welpen Polly, der reizenden Dorfgemeinschaft und natürlich Isla, die sich in seinen Augen von einer amüsanten Zufallsbekanntschaft und Kratzbürste zur interessantesten Frau entwickelt hat, die ihm je begegnet ist. Aber wie wird sie darauf reagieren, wenn sie erfährt, dass seine Familie ausgerechnet mit ihrem Erzfeind zusammenarbeitet und sie Gefahr läuft, ihr geliebtes Restaurant zu verlieren?

Isla ist eine äußerst sympathische Hauptfigur: herzlich, loyal, nicht auf den Mund gefallen und aufrichtig. Das Kochen und ihr eigenes Sterne-Restaurant sind mehr als nur ein Beruf für sie – es ist ihre Passion. Für ihren Erfolg hat sie hart gearbeitet, ist jahrelang um die Welt getingelt, um sich in verschiedenen Küchen inspirieren zu lassen und sich weiterzubilden. Verständlich, dass der Diebstahl ihrer Kreationen sie persönlich trifft; ich konnte ihre Empörung gut nachvollziehen. Auch Jon ist ein interessanter Charakter, der sich vor allem durch seine Tierliebe, seinen angenehmen Sinn für Humor und eine Engelsgeduld auszeichnet. Toll fand ich, dass es wieder einige Passagen gab, in der die Dorfgemeinde im Vordergrund steht und man somit die eingeschworene Gemeinschaft und den Zusammenhalt der Einwohner miterlebt. So langsam frage ich mich, wann der adrette Bürgermeister Collum endlich seinen eigenen Roman bekommen wird und was tatsächlich hinter der Abneigung von Marlin Fraser ihm gegenüber steckt. Auch von der Ärztin und Yoga-Enthusiastin Anna würde ich gerne mehr lesen und wünsche ihr ein Happy End.

Der Schreibstil der Autorin ist wie geschaffen für Wohlfühlromane, die zum Zurücklehnen und Abschalten vom Alltag einladen! Mit authentischen Dialogen und bildreichen, stimmungsvollen Beschreibungen erschafft sie eine herrlich vertraute, heimelige Atmosphäre und Figuren, die man ins Herz schließen muss. Im Anhang gibt es ein leckeres Rezept und interessante Informationen zur schottischen Küche sowie ein Personenregister zu entdecken, das Aufschluss über das Who is Who von Kirkby gibt. Zwar hat der Roman eine in sich geschlossene Handlung, aber ich empfehle unbedingt die Vorablektüre von Band 1, um in den vollen Genuss der Reihe zu kommen!

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass sich im Mittelteil spannungstechnisch ein paar kleine Längen eingeschlichen haben, doch spätestens im letzten Drittel nimmt die Story wieder ordentlich an Fahrt auf.

Fazit: Eine gelungene Fortsetzung! Ich freue mich auf Band 3, der im Herbst 2021 erscheinen wird!

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Veröffentlicht am 25.06.2021

Kurzweiliger Wohlfühlroman mit Schweden-Feeling

Mittsommerliebe
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Lina Hanssons Wohlfühlroman "Mittsommerliebe" schließt inhaltlich an ihr vorheriges Werk an ("Winterküsse in Schweden"), hat aber eine in sich geschlossene Handlung und lässt sich auch ohne jegliche Vorkenntnis ...

Lina Hanssons Wohlfühlroman "Mittsommerliebe" schließt inhaltlich an ihr vorheriges Werk an ("Winterküsse in Schweden"), hat aber eine in sich geschlossene Handlung und lässt sich auch ohne jegliche Vorkenntnis wunderbar genießen. Für mich war es das erste Buch der Autorin und ruck, zuck war ich mittendrin im Geschehen rund um die sympathische Jule und ihre Freundesclique. Der angenehme, lockere Schreibstil voller Humor und realistischer Dialoge ließ die Seiten nur so dahinfliegen!

Im Vergleich zu ihrer Freundin Malin, die stets Langzeitbeziehungen hat und inzwischen mit Sven ihre große Liebe gefunden zu haben scheint, bevorzugt Jule im Hinblick auf amouröse Bekanntschaften flüchtige Abenteuer. Sie genießt ihre Freiheit und kann sich nur schwer vorstellen, eines Tages eine dauerhafte Beziehung zu führen. Im Grunde kann sie nicht klagen – die familieneigene Gärtnerei floriert, im wahrsten Sinne des Wortes, sie hat ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern und Geschwistern (auch wenn ihr Bruder Ruben sie gerne neckt) und ihre beste Freundin hat sich von dem einstigen schweren Unfall, der sie beinahe das Leben gekostet hätte, komplett erholt. Nur Malins Schulter ist noch nicht wieder fit genug, um sich damit an Kletterwänden entlangzuhangeln, aber diesbezüglich soll ein Fitnesscenter-Abo Abhilfe schaffen und Jule erklärt sich bereit, sie in Sachen Training nach besten Kräften zu unterstützen. Ihr Entschluss gerät allerdings schnell ins Wanken – denn der Personal Trainer ist ausgerechnet jener One-Night-Stand, dem Jule nach einem peinlichen Date nie wieder begegnen wollte. Und es kommt noch schlimmer: Lasse ist Svens bester Freund – und somit fortan mit von der Partie. In ihrer Panik und beflügelt vom Alkohol des Walpurgisnachtsfestes, erfindet Jule spontan eine Fake-Beziehung mit dem bereitwillig mitspielenden Studenten Björn, damit Lasse gar nicht erst auf den Gedanken kommt, ihr neuerliche Avancen zu machen. Dumm nur, dass dieser sich sogar relativ desinteressiert und abweisend Jule gegenüber verhält, was dann doch irgendwie an ihrem Stolz kratzt. Überhaupt wird sie nicht schlau aus diesem Typen. Ihr Lügenkonstrukt erweist sich als Schuss in den Ofen, denn plötzlich entpuppt sich der vermeintlich arrogante Lasse als äußerst charmant…

Die Figuren, vor allem Jule (aus deren Perspektive erzählt wird), sind unheimlich liebenswert und glaubwürdig ausgearbeitet worden. Ihr Verhalten wirkte auf mich authentisch, ihre Emotionen und Gedanken durch und durch nachvollziehbar. Jule ist eine richtig coole Socke, sehr loyal und hilfsbereit, witzig und spontan. Mit ihr wäre ich im echten Leben gerne befreundet.

Man spürt die Schweden-Liebe der Autorin; mit detailgetreuen, stimmungsvollen Beschreibungen lässt sie uns an interessanten nationalen Bräuchen teilhaben. Insbesondere die gleich zu Beginn der Handlung stattfindende Walpurgisnacht, in der es zum unverhofften, schicksalhaften Wiedersehen zwischen Jule und Lasse kommt, würde ich sehr gerne selbst einmal miterleben. Auch die Schönheit der schwedischen Natur wird gekonnt in der Story eingefangen. Toll fand ich außerdem, dass Jule und Malin das Klettern zum Hobby haben, was in ähnlichen Romanen dieses Genres eher ungewöhnlich ist. Dabei ist es solch ein faszinierender Sport!

Fazit: Ich habe mich prächtig unterhalten gefühlt mit dieser Feel-Good-Story, die wie gemacht ist für entspannte sommerliche Lesestunden.

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Veröffentlicht am 25.06.2021

Melancholisch und federleicht zugleich

Dein Herz in tausend Worten.
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Dieser im Juni 2021 beim Ullstein Verlag erschienene Roman hat mich von Anfang an in eine ganz sonderbar melancholisch-sentimentale Stimmung versetzt. Der Schreibstil von Judith Pinnow ist einfach wundervoll ...

Dieser im Juni 2021 beim Ullstein Verlag erschienene Roman hat mich von Anfang an in eine ganz sonderbar melancholisch-sentimentale Stimmung versetzt. Der Schreibstil von Judith Pinnow ist einfach wundervoll poetisch, voller Liebe fürs Detail und wortgewaltig – selbst in den leisen Tönen. Bei zahlreichen Formulierungen habe ich innehalten müssen und dachte: 'Welch wunderschöne Beschreibung!'

Die verträumt-sympathische Heldin, Millie, erinnerte mich in vielerlei Hinsicht an Amélie aus "Die fabelhafte Welt der Amélie" – eine Einzelgängerin, die gedanklich in ihrer eigenen Welt zu leben scheint. Hin und wieder wollte ich sie ein wenig wachrütteln, aus ihrem Schneckenhaus locken und in die Realität zwingen – auch die netteste Tagträumerin kann nicht ständig einen Freipass fürs Zuspätkommen auf der Arbeit bekommen, eigenes Zeitgefühl hin oder her. Sie huscht wie ein verschüchtertes Häschen durch den Alltag, bringt Fremden gegenüber kaum ein Wort heraus, beobachtet alle Details um sich herum scharfsinnig, kann ihr eigenes liebenswertes Wesen allerdings nicht erkennen. Die innige Beziehung zu ihrem Bruder Felix, der sich nach dem Tod der Eltern stets liebevoll um sie gekümmert hat und voller Verständnis für Millies spezielle Sicht auf die Welt ist, gefiel mir ausgesprochen gut. Zeitweise waren mir Millies Angst vor ihrem Umfeld und vor menschlicher Nähe sowie ihr Wunsch, unsichtbar zu sein bzw. nicht wahrgenommen/beachtet zu werden, etwas zu ausgeprägt. Ich konnte ihre Sorge zwar nachvollziehen, anderen Menschen womöglich nicht genug zu sein oder beim näheren Kennenlernen als Enttäuschung betrachtet zu werden, doch teilweise erschien mir dieser Charakterzug zu übertrieben, zu überspitzt dargestellt. Es kratzte gerade so an der Grenze meines Empfindens von 'unglaubwürdig' und 'anstrengend' (- vor allem Millies permanentes Wegrennen in gewissen Situationen).

"Vielleicht ist das ein Fehler, den man generell im Leben oft begeht. Etwas nicht zu versuchen aus Angst davor, dass es sowieso nicht klappt."

Millie arbeitet bei einem Verlag, der finanziell schon bessere Tage erlebt hat, aber abgesehen davon ist ihr Arbeitsumfeld ein Traum für jeden Bücherfan – zumal ihr Vorgesetzter ungemein verständnisvoll für ihre Marotten ist (Millie scheut sich, E-Mails zu schreiben und hat keinerlei Zeitgefühl). Auch das Lektoren-Team besteht aus drei sympathischen Kollegen/innen. Und dann ist da noch der Dachboden – der "Raum des Vergessens", wo die abgelehnten Manuskripte gesammelt und von Millie 'gerettet' werden – bis sie eines Tages dermaßen begeistert von einem dieser Werke (mit dem schönen Titel "Dein Herz in tausend Worten") ist, dass sie beschließt, kleine Passagen daraus in London zu verteilen.

"Ich spiele den guten Geist, der mit ein paar Wörtern Mut macht, zum Nachdenken anregt, lobt oder tröstet."

Der Autor der besagten Geschichte hingegen ist alles andere als begeistert davon und möchte unbedingt herausfinden, wer hinter dieser Aktion steckt, die ihn an sein persönlichstes Werk und an die schmerzhafteste Erfahrung seines Lebens erinnert.

Das Setting des charmanten Londoner Viertels Notting Hill ist prädestiniert für Romantik. Im Verlauf der Handlung erleben die Figuren natürlich eine Annäherung, wobei der Fokus deutlich mehr auf der persönlichen (Weiter-)Entwicklung der Charaktere als auf der sich langsam entspinnenden Liebesgeschichte liegt. Ein Highlight für mich waren die Nebenfiguren Rebecca (Millies extrovertierte und enorm charismatische Arbeitskollegin) und Coren (Williams bester Freund und Agent); auch die eigentümliche und voller Überraschungen steckende Mrs. Crane hat mich für sich eingenommen.

Es gibt ein paar wiederkehrende Elemente (Stichwort: Eule sowie der Obdachlose), die etwas märchenhaft bzw. bewusst unrealistisch inszeniert worden sind, der Story jedoch keinen Abbruch tun.

Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, die allesamt im Präsens geschrieben sind – zunächst lernen wir Millie (in der Ich-Form) kennen und lieben, später kommt die Sichtweise von William Winter, dem erfolgreichen Star-Autor, hinzu (in dritter Person) und abschließend übernimmt auch mal ein allwissender Erzähler die Perspektive, der Einblick in die Gedanken und Gefühle aller Figuren hat.

Fazit: Ich könnte mir sehr gut eine Verfilmung dieses leicht weltentrückten, mit einem Hauch zum (positiven) Kitsch neigenden Romans vorstellen. Klare Leseempfehlung für alle Fans von "Die fabelhafte Welt der Amélie".

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Veröffentlicht am 20.06.2021

Spannendes Lesevergnügen vor kanadischer Naturkulisse

Die Schattenwölfin der Rocky Mountains
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Bei "Die Schattenwölfin der Rocky Mountains" handelt es sich um den vierten Teil der in Kanada spielenden Willow-Ranch-Reihe von Autorin Natascha Birovljev. Ich kannte die Vorgängerbände nicht, hatte aber ...

Bei "Die Schattenwölfin der Rocky Mountains" handelt es sich um den vierten Teil der in Kanada spielenden Willow-Ranch-Reihe von Autorin Natascha Birovljev. Ich kannte die Vorgängerbände nicht, hatte aber auch als Quereinsteigerin keinerlei Verständnisschwierigkeiten, da es sich um eine in sich geschlossene Geschichte handelt. Zudem lernt man alle relevanten Figuren und ihre aktuelle Lebenssituation direkt zu Beginn kennen und kann sich fortan gut in die Perspektive der drei Hauptprotagonisten (Rosie, Woodwind und Cody) hineinversetzen.

Woodwind Jones lebt nun seit einiger Zeit wieder im Sunchild Reservat, ohne jedoch wirklich angekommen zu sein. Seine Arbeit in der Wildtierstation macht ihm Spaß, doch es widerstrebt ihm, sich in den Reservatsalltag einzufügen, da er das Gefühl hat, nur geduldet statt willkommen zu sein. Eine alte Schuld, für die er sich nicht vergeben kann, lastet schwer auf seinen Schultern und er treibt relativ orientierungslos durchs Leben. Obendrein hat es der Fiesling Jeremy Bull, der den Posten des Chiefs anstrebt, auf ihn abgesehen. Doch der weise Schamane Chinook stärkt Woodwind den Rücken und ermuntert ihn, sich in das gerade ins Leben gerufene Sommerprogramm für indianische Jugendliche einzubringen und die kürzlich ins Reservat zurückgekehrte Ayita zu unterstützen. Die schöne Frau scheint ebenso einsam zu sein wie er, wirkt recht verschlossen und hat eine dunkle Vergangenheit, über die sie nicht sprechen möchte. Ihr kleiner Sohn Wynono hat sogar ganz mit dem Sprechen aufgehört. Erst als Woodwind ihnen die Wölfin Kachina vorstellt, die sich bei ihm in Pflege befindet, scheinen Mutter und Sohn aufzublühen.

Rosie möchte gerne Pferdetrainerin werden – aber die Kosten für solch eine Ausbildung sind enorm. Ein unerwartetes Angebot ihres Ex-Freundes Calvin scheint die Lösung all ihrer Probleme zu sein, doch kann sie ihm trauen? Immerhin hatte er sie bereits während ihrer gemeinsamen Beziehung ständig belogen. Außerdem drängt sich ein alter Bekannter in ihr Leben (- der gerade aus Australien zurückgekehrte Feuerwehrmann Doug -), der keinen Zweifel daran lässt, dass er Interesse an Rosie hat. Und dann gibt es da noch den stets verlässlichen und herzensguten Nick, der Rosies Herz schneller schlagen lässt…

Cody trauert noch immer um seinen Bruder Scott, der sich das Leben genommen hat. Die Tatsache, dass Scott in den Augen seines Dads der Goldjunge gewesen war, während Cody es seinem alten Herrn nie recht machen kann, macht die Bekämpfung der aktuellen Probleme auf der Familienfarm nicht gerade leichter. Eigentlich wollte Cody immer schon mit Pferden arbeiten, nun wird von ihm erwartet, Milchfarmer zu werden. Soll er seine eigenen Träume wirklich zum Wohle des Familienfriedens aufgeben? Und wie wird das Wiedersehen mit Emma aus Deutschland verlaufen, mit der er sich durchaus eine gemeinsame Zukunft vorstellen könnte?

Überraschend spannend und höchst dramatisch entfalten sich die Ereignisse um die drei Figuren, die allesamt sehr realistisch und glaubwürdig ausgearbeitet worden sind. Cody, Rosie und Woodwind wirken wie aus dem Leben gegriffen, haben Ecken und Kanten, machen Fehler, sind einfach menschlich. Authentisch sind auch die herausfordernden Lebensbedingungen in dieser wunderschönen Region in die Story eingebunden worden - neben Lagerfeuerromantik und Naturverbundenheit werden auch Probleme wie die Perspektivlosigkeit und kulturelle Zerrissenheit junger Indianer, ihr Kampf um die Bewahrung der Traditionen, Alkoholismus und Depressionen angesprochen.

Ich war insbesondere von der im Prolog vorgestellten Legende der Cherokee begeistert, hätte im Laufe der Handlung jedoch noch gerne mehr über Wölfe im Allgemeinen bzw. die im Buchtitel erwähnte Wölfin gelesen. Leider nahmen diese anmutigen Tiere nur eine winzige Nebenrolle ein. Der Geschichte selbst hat dies allerdings keinen Abbruch getan; diese lebt von dem lebendig beschriebenen Setting, den mitreißenden Entwicklungen in den einzelnen Handlungssträngen und unerwarteten Wendungen, mystischen Elementen sowie überzeugenden, tiefgründigen Dialogen.

Fazit: Man spürt die Verbundenheit der Autorin mit jenem Land, in das sie vor einiger Zeit ausgewandert ist. Gerne spreche ich eine klare Leseempfehlung für alle Kanada-Liebhaber und Fans von indianischer Kultur aus.

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