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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2021

Berührend, voller Düfte, Liebe und Familiensinn

Ein Rezept fürs Glück
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Inhalt:
Laura ist eine begnadete Köchin und liebt es, ihre Kinder und ihren Mann, aber auch ihre Grossmutter, beste Freundin oder liebe Gäste zu bewirten und findet selber auch Trost und Halt in den Rezepten, ...

Inhalt:
Laura ist eine begnadete Köchin und liebt es, ihre Kinder und ihren Mann, aber auch ihre Grossmutter, beste Freundin oder liebe Gäste zu bewirten und findet selber auch Trost und Halt in den Rezepten, welche seit Jahrzehnten in Familienbesitz sind. Als sich ihr Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellt, muss sie sich aufrappeln und neu erfinden und wird dabei von ihrer besten Freundin und ihrer Grossmutter mit Rat und Tat unterstützt.

Meine Meinung:
Veronica Henry hat mich zum dritten Mal mit einem ihrer Bücher überzeugen können und in dieses Buch bin ich besonders gerne eingetaucht, weil es auf zwei Zeitebenen erzählt wird. Der Vergangenheitsstrang, dessen Handlung im Jahr 1942 im Haus Nummer 11 an der Lark Hill in Bath beginnt, thematisiert die Bombardierungen der Stadt Bath und beschreibt, wie die junge Jilly und ihre beste Freundin Ivy sich gegenseitig beistehen, durch die dunkelsten Stunden helfen und sich nach den Bombennächten wieder aufraffen und anderen Menschen beistehen. Ich hätte nie erwartet, hinter diesem Cover eine solche Geschichte und einen so brutalen Beginn anzutreffen. Und wohl genau deshalb war ich von der ersten Seite an gefesselt und wollte unbedingt erfahren, was in den 75 Jahren bis zum Gegenwartsstrang alles noch geschehen würde.
Im Gegenwartsstrang, der 2017 spielt, begleiten wir die sympathische Laura, die Enkelin von Jilly, welche in diesem Erzählstrang von allen Kanga genannt wird. Laura wohnt ebenfalls im Haus Nummer 11 an der Lark Hill und befindet sich gerade an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Nachdem ihre ältere Tochter Jaz das Haus bereits verlassen hat, zieht ihre Tochter Willow ebenfall aus, um in York zu studieren. Zudem erfährt Laure auch noch, dass ihr Mann Dom sie betrügt. Lauras Schicksal und ihre Verzweiflung gingen mir nahe und ihr Mut und ihre Energie, aus allem das Beste zu machen, haben mir imponiert. Sie ist eine starke und zugleich sehr gefühlvolle Protagonistin, die durch die Umstellungen in ihrem Alltag beginnt, zu sich selber zu finden.
Besonders gut gefallen hat mir, wie mit den Veränderungen im Haus - Laura räumt einige Zimmer aus und um - auch die Figuren einige Veränderungen durchleben und wie Laura durch das Kochen und Einmachen, das Kreieren und Gestalten Trost findet und neuen Lebensmut gewinnt.

Schreibstil:
Veronica Henry beschreibt äusserst eindringlich und gefühlvoll. Sie schafft es, das Kriegsgeschehen, die zerstörte Stadt und die Trauer, Wut und Verzweiflung der Menschen genau so greifbar zu machen, wie die Liebe, welche die Figuren füreinander empfinden. Auch die Gartenarbeit und die daraus resultierende köstliche Ernte sowie das Verarbeiten der hochwertigen Nahrungsmittel in der gemütlichen kleinen Küche werden so intensiv beschrieben, dass ich die Speisen, Chutneys und Saucen förmlich gerochen habe. Henrys Sprache ist liebevoll beschreibend, flüssig und packend zugleich und hat mich verzaubert.

Meine Empfehlung:
Ganz überraschend spielt dieses Buch nicht nur in der Gegenwart, sondern auch mitten im zweiten Weltkrieg und erzählt eine humorvolle, rührende Geschichte voller Düfte, Freundschaft, Liebe und unerschütterlicher Familienbande. Von mir gibt es eine herzliche Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 13.07.2021

Dicht und zugleich durchlässig erzählt, wichtig und grausam, absolut lesenswert

Die Unbezwingbare
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Inhalt:
Die Ich-Erzählerin Lempi ist die Tochter des finnischen Immigranten Ettu und der dem Ojibawe-Stamm angehörigen Rose. Sie erzählt die Geschichte vom Verschwinden ihrer Mutter, die zugleich die ...

Inhalt:
Die Ich-Erzählerin Lempi ist die Tochter des finnischen Immigranten Ettu und der dem Ojibawe-Stamm angehörigen Rose. Sie erzählt die Geschichte vom Verschwinden ihrer Mutter, die zugleich die Geschichte der systematischen Unterdrückung, Vergewaltigung, Zwangsprostitution und -sterilisierung zahlreicher weiterer junger Frauen und Mädchen ist. Briefe, die Rose in den 1970er Jahren unmittelbar vor ihrem Verschwinden verfasst hat, wechseln sich dabei mit Lempis Erinnerungen aus dem Jahr 2018 ab. Lempi und Rose stehen stellvertretend für zahlreiche in Reservaten lebende Frauen und Mädchen und haben von Katja Kettu eine Stimme bekommen. Diese Stimme, die ihnen von behördlicher Seite aus genommen und auch von Historiker:innen jahrzehntelang mundtot gemacht und ignoriert worden ist.

Es gab ein ganzes System von Internaten, in denen man indigene Kinder prügelte, damit sie ihre Sprache und Kultur aufgaben. Sie wurden missbraucht und getötet – und niemand schreibt über sie. Ich wollte ihnen eine Stimme geben. Meine Stimme.
- Katja Kettu in einem Interview mit dem Ecco Verlag -

Meine Meinung:
Weil ich erst gerade "Wildauge" von Katja Kettu gelesen habe, wollte ich unbedingt weitere Bücher dieser überzeugenden Autorin lesen und wurde von "Die Unbezwingbare" nicht enttäuscht. Das im neuen Ecco Verlag erschienene Buch hat mir sogar noch besser gefallen, als "Wildauge". Einmal mehr hat es die Autorin geschafft, mich mit ihrer wortgewaltigen, kraftvollen und ungezähmten Sprache für sich einzunehmen und mir dabei eine grausame und zugleich packende Geschichte zu erzählen, die definitiv erzählt und verbreitet werden muss.

Erzählsprache:
Entgegen einiger anderer Leser:innen hatte ich nicht das Gefühl, dass dieses Buch verwirrend oder unübersichtlich erzählt ist, die Kapitelüberschriften ordnen nämlich ganz klar ein, in welchem Jahr man sich gerade befindet. Auch hat mich nicht gestört, dass die direkte Rede nicht gekennzeichnet ist und dass Traum und Wirklichkeit stets ein wenig verschwimmen. Dies macht den einzigartigen Erzählstil der Autorin schliesslich aus und sie schafft es, ihre Geschichte unendlich dicht und trotzdem durchlässig zu weben und das Leben der indigenen Bevölkerung sowie die Geschichte hinter dem Verschwinden der Mädchen und Frauen bewegend zu erzählen.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch lege ich euch ausdrücklich ans Herz. Aber bitte seid euch bewusst, dass es heftige Themen beinhaltet und deshalb unter Umständen triggernd sein kann. Die unglaublich intensive Sprache und die wissenswerte Aufklärungsarbeit, welche Katja Kettu damit leistet, lassen aber gerne zum Buch greifen und nach wenigen Sätzen entsteht ein Sog, der nicht mehr loslässt.

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Veröffentlicht am 20.05.2021

Fast genau so packend wie der erste Band

Die Tribute von Panem 2. Gefährliche Liebe
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Meine Meinung:
Dieser zweite Band steht dem ersten in keiner Weise nach. Die Spannung lässt nicht locker, sondern verdichtet sich sogar noch und die Geschichte hielt mich während den ganzen mehr als vierhundert ...

Meine Meinung:
Dieser zweite Band steht dem ersten in keiner Weise nach. Die Spannung lässt nicht locker, sondern verdichtet sich sogar noch und die Geschichte hielt mich während den ganzen mehr als vierhundert Seiten total gefangen. Ich konnte das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen und habe nach der Lektüre sofort mit dem dritten Band begonnen.
Was im ersten Band schon begann und im zweiten Band auf grossartige Weise weiter gesponnen wird, ist die Geschichte zwischen Katniss und Peeta und ich meine damit nicht die übertrieben zelebrierte Liebesgeschichte, sondern die freundschaftliche Ebene die entsteht oder eben nicht entsteht. Weil die beiden sich nicht mehr in der Arena befinden, sind sie nun auf eine ganz andere Weise aufeinander angewiesen und obwohl dies wahrscheinlich nicht zu ihrem Besten ist, können sie vor allem am Anfang überhaupt nicht damit umgehen. Diese speziellen Momente gefallen mir total und zeigen auf, dass die Autorin ihr Handwerk absolut beherrscht.
Auch auf Cinnas Arbeit und generell auf die Arbeit von Katniss Vorbereitungsteam wird ein grosses Augenmerk gelegt. Diese scheinbar nicht so wichtigen Personen erhalten im zweiten Band noch mehr ihren eigenen und wertvollen Platz in der Geschichte. Als Harry Potter sich nach dem x-ten Band nicht mehr auf Hogwarts befand, nahm dies der Geschichte in meinen Augen die Struktur und die Handlung wirkte auf mich immer konstruierter und orientierungsloser. Dies passiert Suzanne Collins im zweiten Band dieser Trilogie nicht oder nur ganz kurz auf den ersten paar Seiten. Nun gibt es nämlich keine Arena mehr, die alles bestimmt und einschränkt. Doch spätestens im zweiten Kapitel lässt sich erahnen, dass Collins genau weiss, was sie tut und schreibt und dass sie ein ganz genaues Konzept ihrer Geschichte vor Augen hat.

Fazit:
Ich kann mich nur wiederholen: unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 17.05.2021

Stimmig, berührend und unterhaltsam

Was Preema nicht weiß
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Inhalt:
Und plötzlich ist alles weiss und still, Preema steht alleine da und fragt sich, wie zum Kuckuck dies passieren konnte. Nach einer gefühlten Ewigkeit trifft sie auf einen weiteren Menschen, der ...

Inhalt:
Und plötzlich ist alles weiss und still, Preema steht alleine da und fragt sich, wie zum Kuckuck dies passieren konnte. Nach einer gefühlten Ewigkeit trifft sie auf einen weiteren Menschen, der sie auf eine grüne, paradiesähnliche Lichtung führt, auf der sie fortan leben soll. Doch Preema will nicht einfach akzeptieren, dass die Welt scheinbar untergegangen ist und beginnt, Fragen zu stellen. Sie spricht mit den Menschen, die auf der Lichtung leben und hört die unterschiedlichsten Theorien. Ausserirdische? Digitale Wirklichkeiten? Künstliche Intelligenz? Zusätzlich wird sie von nicht nur schönen Erinnerungen aus ihrem früheren Leben heimgesucht und nach und nach setzt sich ein Puzzle zusammen, das weitere Rätsel aufwirft und verblüfft...

Meine Meinung:
Dieses Buch ist mir schon einige Male begegnet und stand seit seinem Erscheinungstermin auf meiner Wunschliste. Erst Aleshanees eindringliche Empfehlung aber hat es mich endlich kaufen lassen, was wirklich ein Wunder ist, da ich keine guten Erfahrungen gemacht habe mit Büchern, die im Selbstverlag erschienen sind. "Was Preema nicht weiß" hat mich aber positiv überrascht, mich eines besseren belehrt, mich unterhalten, berührt und begeistert.
Eindringlich wird geschildert, wie verloren Preema sich in ihrer neuen Wirklichkeit fühlt, wie sehr sie zweifelt und immer wieder versucht, zu verstehen, was genau mit ihr und mit dem Rest der Welt geschehen ist. Dazu gehört auch, dass sie niemandem - auch nicht sich selber und eigentlich auch nicht ihren Erinnerungen - trauen kann, was die Unsicherheit und Verlorenheit noch grösser macht. Einzig eine kleine Länge zwischen Seite 150 und Seite 200, sowie zwei Entwicklungen, die ich vorhergesehen habe (die ich aber natürlich hier nicht erwähnen werde), haben mich ein wenig gestört.
Die Kapitel sind abwechselnd aus Preemas neuer Welt "Heute" und in Rückblicken (stets mit Datum versehen) erzählt. So setzen sich Preemas Erinnerungen Stück für Stück zusammen und so lernen auch wir die Protagonistin immer besser kennen und verstehen, welche Ereignisse ihres früheren Lebens sich in ihrem Gedächtnis besonders stark manifestiert haben. Dazu gehört auch eine Liebesgeschichte, die mir sehr, sehr gut gefallen hat und die so frei von Stereotypen und ohne Label auskommt, dass es einfach nur eine grosse Freude war, sie zu lesen.
Das Ende und des Rätsels Lösung haben mich unerwartet emotional erwischt und ich bin nach wie vor komplett begeistert von dieser Spannung, dieser schlüssigen Zusammenführung aller losen Enden und dieser aussergewöhnlichen Plotdee.

Die Aufmachung:
Besonders zu erwähnen sind ausserdem die wunderschön gestalteten Kapitelanfänge. Erst nach und nach habe ich verstanden, was es damit auf sich hat und möchte dies - natürlich spoilerfrei - hier schildern. Der allererste Kapitelanfang ist von einer Illustration umrahmt, die unzählige Scherben zeigt, Glasscherben oder Glassplitter, die fast über die ganze Seite verteilt sind. Bei jedem weiteren Kapitel beginnen die einzelnen Scherben, sich zu formieren und sortieren. Sie ergeben ein Bild, welches ganz direkt mit der Handlung verknüpft ist. Dies habe ich zuerst gar nicht richtig wahrgenommen, als aber das Bild irgendwann klarer wurde, habe ich verstanden, welche grossartige Idee und - mit Sicherheit - immense Arbeit dahintersteckt.

Meine Empfehlung:
Von der Aufmachung über die Figuren, die Entwicklung der Handlung und die Erzählsprache bis hin zum stimmigen Ende: dieses Buch hat mich für sich eingenommen, berührt und unterhalten. Von mir gibt es eine herzliche Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 06.05.2021

Brutal, packend und absolut lesenswert

Wildauge
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Inhalt:
"Wildauge" ist eine angesehene Hebamme. Sie gibt Leben und sie nimmt Leben. Mitten im Krieg ist sie es, welche den Frauen unter der Geburt beisteht und zahlreiche Mittelchen kennt, um diverse Wehwechen ...

Inhalt:
"Wildauge" ist eine angesehene Hebamme. Sie gibt Leben und sie nimmt Leben. Mitten im Krieg ist sie es, welche den Frauen unter der Geburt beisteht und zahlreiche Mittelchen kennt, um diverse Wehwechen zu lindern, aber auch grosse Operationen durchzuführen. Sie ist ungezähmt und willig zugleich, leidenschaftlich, eifersüchtig und selbstbewusst und als sie sich in den deutschen Offizier Johannes Angelhurst verliebt, ist es um sie geschehen. Sie riskiert Kopf und Kragen und folgt ihm als Krankenschwester in ein Kriegsgefangenenlager. Dort sieht sie die Hölle und wird Teil von Kriegsmechanismen, welche sie weder überblicken, noch steuern kann.

Meine Meinung:
Ich habe dieses Buch aufgrund der begeisterten Rezension von Mareike Fallwickl gemeinsam mit Melanie von @nocheinbuch gelesen und bin wirklich froh, dass Melanie und ich uns intensiv darüber austauschen und unsere persönlichen Erfahrungen miteinander teilen konnten. "Wildauge" ist ein Buch, das fordert. Es ist roh und hart und kalt. Es beschreibt zuerst, wie Menschen und Orte riechen (und meistens ist das ein entsetzlicher Gestank), bevor es die Blicke beschreibt, welche sich die Figuren über Lazarette und Schlachtfelder, über gefrorenes Wasser und unsägliches Leid hinweg zuwerfen. Ja, ich habe mich geekelt und dabei fasziniert der Hebamme "Wildauge" über die Schultern geblickt, die im einen Moment bis zu den Ellenbogen in einer Gebärenden drinsteckt und im nächsten Augenblick ohne Schmerzmittel ein Bein amputiert. Voller Abscheu habe ich gelesen, wie sehr sich ihr Geliebter Johannes Angelhurst vor der Wirklichkeit und seinen eigenen Taten verschliesst und dabei natürlich auch bemerken müssen, dass er auch nur ein kleines Rädchen im System ist und dass Krieg nun einmal genau so ist, wie die Handlung sich in diesem Buch entwickelt: chaotisch, schmutzig, leidvoll, unschön und grausam.

Schreibstil:
Zuerst einmal möchte ich erwähnen, dass "Wildauge" von Angela Plöger hervorragend übersetzt und mit einem ausführlichen Nachwort ausgestattet worden ist. Dieses Nachwort, sowie der Glossar und die Quellenverweise machen dieses Buch erst so richig komplett. Es fällt mir nämlich nach wie vor schwer, Worte zu finden, um die aussergewöhnliche Sprache von Katja Kettu zu beschreiben. Erst beim Lesen des Nachworts hat sich mir auch ein wenig erschlossen, woran das liegen könnte: Katja Kettu hat eigene, passende Wortkreationen oder sogar ganz neue Wörter erfunden, um zu beschreiben, was ihre Protagonistin erlebt und vor allem auch fühlt. Die Übersetzerin musste es ihr folglich gleichtun, was ihr grandios gelungen ist.
Kettu beschreibt liebevoll, fast zärtlich, wie sich die Gezeiten verhalten, wie sich das Meer kräuselt, der Himmel sich verfärbt oder das Wasser zufriert. Dieser Zartheit und Schönheit setzt sie die Gräuel des Krieges - menschliche Abgründe, klaffende Wunden, stinkende Fäulnis, rohes Töten, gierige Geilheit - gegenüber und verwendet dafür eine brutale, zupackende, derbe Sprache, an der Natur und Tierwelt angepasste Formulierungen (Frauen kalben oder werden besprungen) und detaillierte Beschreibungen von Taten und Geschehnissen. Dies alles wird in Etappen und Zeitsprüngen erzählt und setzt sich erst nach und nach aus Tagebuchberichten, Erinnerungen und Erzählungen zusammen. Dort, wo alles seinen Anfang nahm und vielleicht oder vielleicht auch nicht enden wird: in der Bucht des toten Mannes.

Meine Empfehlung:
"Wildauge" bewegt, begeistert, widert an und entsetzt und doch habe ich mich von der Protagonistin und den atemberaubenden Naturschilderungen an der Hand genommen gefühlt und dieses Buch in kleinen Etappen und mit Gänsehaut verschlungen. Seid mutig und lest es.

Mareike Fallwickl hat für dieses Buch übrigens die passendste Empfehlung getextet, die man sich nur vorstellen kann:
"Traut euch an dieses Buch heran, wenn ihr etwas spüren wollt bei eurer Lektüre, wenn ihr euch fürchten und ekeln wollt, wenn ihr eine Axt wollt für das gefrorene Meer in euch."

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