Profilbild von moehawk

moehawk

Lesejury Star
offline

moehawk ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit moehawk über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

tolles Buch

Sechs Millionen Kekse im Jahr
0

Jessica Thome hat ein Jahr lang ein Buch über ihren Alltag geschrieben. Ich denke, sie hat die Form eines Tagebuchs mit Absicht gewählt und will hier nicht ihr Seelenleben auf den Prüfstand stellen, sondern ...

Jessica Thome hat ein Jahr lang ein Buch über ihren Alltag geschrieben. Ich denke, sie hat die Form eines Tagebuchs mit Absicht gewählt und will hier nicht ihr Seelenleben auf den Prüfstand stellen, sondern mit täglichen kleinen und großen Szenen aufzeigen, wie ein durch eine Krankheit im Leben zeitweise Behinderter Mensch dieses jedoch gut meistert und dabei keineswegs den Humor und den Spaß verliert. Sie gewährt dem Leser Einblicke in Geschehnisse und Abläufe, die für einen Gesunden mit Selbstverständlichkeit und gedankenloser Leichtigkeit erledigt werden – z.B. das Fahren in öffentlichen Verkehrsmittel – die aber im Falle von Jessica zu peinlichen und frustrierenden Situationen führen können und die die Autorin auch frustriert an der Menschheit zweifeln lassen. Ich war hier wirklich manchmal sehr bewegt und habe auch laut geschimpft über das Unverständnis der Mitmenschen. Allerdings muss ich gestehen, dass es sicherlich für einen Laien in Unkenntnis schwer ist, die verbalen Ausbrüche einzuordnen, die Jessica von sich geben kann und muss.
Die Schwierigkeit zwischen ihren verbalen Ticks mit anderen Menschen ein sinnvolles Gespräch zu führen und auch Fremde davon zu überzeugen, dass sie keine fluchende Irre, sondern eine liebenswerte Tourette-Kranke ist, gehen zu Herzen und machen dennoch auch Spaß zu lesen. Ihre Art, gerade die sprachlichen Ticks als Ausdruck ihres lebhaften Geistes zu sehen und damit fast spielerisch umzugehen, mit Freunden darüber zu Scherzen, macht Mut und öffnet die Augen für diese Krankheit.
Traurig macht, dass die Krankheit weiter voranschreitet und vor allem dann auch zu körperlichen Problemen, in Jessicas Fall vor allem mit den Beinen, führt, die zu Stürzen führen und dazu, dass sie ohne fremde Hilfe oft nicht aufstehen und weitergehen kann.
Ich kann mir nun ansatzweise vorstellen, wie das Leben mit Tourette-Syndrom ist. An dieser Stelle empfehle ich auch den Film „Einen Tick anders“. Falls der mal irgendwann wieder läuft, unbedingt anschauen. Auch hier ist eine liebenswerte Tourette-Dame im Mittelpunkt. Mit Leichtigkeit und Charme erzählt, wie dieses Buch hier.

Veröffentlicht am 15.09.2016

ungewöhnliche Freundschaft

Mandela
0

Christo Brand wächst in Südafrika als Sohn eines Bauern auf und kann in der ländlichen Idylle anfangs frei von großem Rassendünkel eine glückliche Jugend verbringen. Erst als die Familie in die Stadt ziehen ...

Christo Brand wächst in Südafrika als Sohn eines Bauern auf und kann in der ländlichen Idylle anfangs frei von großem Rassendünkel eine glückliche Jugend verbringen. Erst als die Familie in die Stadt ziehen muss, bekommt er die Blüten der Apartheit vor Augen geführt. Als junger Mann bewirbt er sich für den Dienst im Gefängnis, weil er dem Wehrdienst entgehen will. So landet er auf Robben Island und lernt dort schnell den seit Jahren inhaftierten Nelson Mandela kennen. Christo ist beeindruckt von ihm und fängt an, ihm mit seinen beschränkten MItteln auf jede nur erdenkliche Art und Weise zu helfen und das harte Gefängnisleben zu erleichtern. Im Laufe der Jahre, die folgen, entwickelt sich daraus eine tiefe Freundschaft, über die Grenzen der Hautfarbe, des Alters und der Bildung hinweg.

Christo Brand erzählt in seinem Buch auf angenehm schnörkellose Weise von seinem Leben und seiner Beziehung zu Nelson Mandela. Er beschreibt das Wachsen einer Freundschaft ohne sich selbst in ein all zu strahlendes Licht zu stellen. Die Geschichte geht zu Herzen, da sie ungewöhnlich ist und frei von Dünkel. Mandelas lange Haftstrafe ist keineswegs eine leichte gewesen und erst dem Ende zu bekommt er ein paar Vergünstigungen vor allem Dank Christo und dessen Hilfe. Dass Mandela ihn im Gefängnis schätzen lernt und erkennt, dass Brand anders ist, als viele andere weiße Südafrikaner, ist ebenso schön zu lesen, wie Mandelas Wunsch, auch nach seiner Freilassung mit Christo befreundet zu bleiben und seine Fähgikeiten zu nutzen für ein Ende der Apartheit.

Das Buch ist zwar durchaus ein Sachbuch, vermeidet Pathos und aufgesetzte Theatralik, belegt Geschehnisse mit Bildern. Dennoch liest es sich fast wie ein Roman, leicht, spannend und informativ. Ich habe einiges über Südafrika und vor allem über Nelson Mandela erfahren, was ich noch nicht wusste. Die Entwicklung des Staates, die schließlich die Entlassung von Mandela möglich machte wird ebenso umrissen, wie Mandelas weiteren Werdegangund Christos Veränderung vom 19jährigen Jungspund zu einem klugen reifen Mann, der Mandela ein guter Freund war und diesen verehrte. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es uneingeschränkt empfehlen. Ich werde mir sicherlich noch weitere Lektüre über Mandela besorgen, da das Thema mich jetzt gepackt hat.

Veröffentlicht am 15.09.2016

spannend

Deiner Seele Grab (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi 6)
0

Konstantin Dühnfort in seinem sechsten Fall. Der Tino ist mir ja bereits ans Herz gewachsen. Umso mehr, da mir dieser Fall besonders gut gefallen hat. Das Thema ist in unserer Gesellschaft sehr wichtig ...

Konstantin Dühnfort in seinem sechsten Fall. Der Tino ist mir ja bereits ans Herz gewachsen. Umso mehr, da mir dieser Fall besonders gut gefallen hat. Das Thema ist in unserer Gesellschaft sehr wichtig und wird allzu oft verdrängt. Wohin mit den Alten und Kranken, den Verwirrten und Einsamen. Gleich mehrere Senioren und ihre teils tragischen Lebensumstände lernt man kennen. Die Zustände der Altenpflege werden in all ihren Facetten aufgezeigt. Aber ein Serienmörder scheint sein Unwesen zu treiben, tötet die alten Menschen und drapiert sie auf ganz eigene Art und Weise. Alles deutet auf ein ungewöhnliches Motiv hin, nur welches. Oder steckt doch schnöder Mammon hinter allem? Schließlichgibt es da von Anfang an noch eine ausländische Putzfrau, die mehr ihm Sinn hat als sauber machen und Betten beziehen. Nebenbei durchsucht sie schon mal Schubladen und Schränke nach Wertvollem oder Bargeld. Allerdings fehlen den Toten nicht sämliche Wertgegenstände sondern die Diskrepanzen sind so versteckt, dass man nicht gleich draufkommt. Gibt es einen Dieb und einen Mörder? Oder ist es ein und der selbe. Gar eine kleine Organisation?
Neben der eigentlichen Krimihandlung besticht Inge Löhnigs Roman wieder durch eine große Palette interessanter Figuren. Neben den altbekannten Ermittlern - Tino und Gina allen voran - gefällt mir vor allem Clara Lenz, die sich mit Engagement und liebevoller Geduld um ihren Vater zu kümmern versucht - ein bisschen allein gelassen von ihren Geschwistern aber ich denke auch, dass das nicht ganz unrealistisch ist. Überhaupt hatte ich das Gefühl, manche Situationen aus privatem Umfeld oder aus Berichten bereits zu kennen. Die Autorin hat sich wieder viel Mühe mit der Recherche gemacht und gut ausbalanciert was Realität ist und Fiktion bleibt. Dühnfort ermittelt wie immer mit Charme und einem guten Gespür für falsche Fährten und kleine Unregelmäßigkeiten. Tatsächlich ist der Fall nicht so schwer zu lösen - für den Leser versteht sich - aber es macht dennoch Spaß dem Kommissar zu folgen. Auch das Privatleben kommt nicht zu kurz und gibt des Figuren weitere Tiefe und Ecken und Kanten.
Lieb war mir natürlich auch das München-Flair. Als gebürtiger Münchner fühlte ich mich wie zuhause, erkannte Plätze und Straßen wieder, meinte auch den bayerischen Charme durchblitzen zu sehen. (Ja, so was gibt es tatsächlich. Volle Punktzahl von mir für diesen Krimi.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Volle Punktzahl

Empfindliche Wahrheit
0

In der britischen Kolonie Gibraltar beginnt diese Geschichte anfangs noch ganz harmlos mit ein bisschen Spionage und ein wenig Thrill für den unbedarften Angestellten. Der Spion scheint ziemlich ungeübt ...

In der britischen Kolonie Gibraltar beginnt diese Geschichte anfangs noch ganz harmlos mit ein bisschen Spionage und ein wenig Thrill für den unbedarften Angestellten. Der Spion scheint ziemlich ungeübt und neu im Geschäft. Aber es scheint ja auch keine so schwierige Sache zu sein. Aber schon bald ist er wirkelt in ein Fall von weltumspannenden Ausmaßen und er ist nicht der einzige, der sich entscheiden muss, auf welcher Seite er steht, nein welche Seite überhaupt die Richtige ist und wie weit Geheimdienste überhaupt gehen dürfen.

John le Carré versteht es einfach, einen spannenden und gleichzeitig klugen Spionagethriller zu schreiben, der alle Inkredenzien hat, die ein guter Roman dieses Genres braucht. Helden, in diesem Fall mehr als einen, die facettenreich und mit ein paar Grauschattierungen geschildert werden. Einen geheimen Spionagefall, der nicht nach Plan verläuft und droht an die Öffentlichkeit zu geraten. Verschiedene politische und geheimdiensttechnische Parteien, die nicht alle am selben Strang ziehen. Jede Menge Geheimnisse und Bedrohungen. Und die Frage nach der Moral und der persönlichen Schmerzgrenze der Beteiligten. Ach ja, und ein großes Maß an Aktualität und versteckten tatsächlichen Geschehnissen im Gewand einer Geschichte des Altmeisters.

Mit großem Vergnügen habe ich dieses Buch gelesen. Keine Seite habe ich mich nicht ugt unterhalten gefühlt. In diesem Roman von le Carré kommt vor allem seine Ironie und sein Sarkasmus voll zur Geltung und entlockt dem Leser trotz allen Dramas immer wieder ein Schmunzeln. Weniger blutige Aktion als vielmehr psychologischer Suspence zeichnen das Buch aus und lassen keine Zeit zum Verschnaufen.
Wer einen intelligent gestrickten Spionageroman sucht, in dem es nicht nur Schwarz und Weiß sondern jede Menge Grautöne gibt und die Guten nicht nur Gutes tun aber immer noch besser sind als die vermeintlich Bösen, der ist hier genau richtig. Le Carré ist sicherlich nicht mehr der Jüngst, soviel ich weiß. Aber die Altersweisheit und die Ruhe tuen diesem Genre wirklich gut.
Volle Punktzahl von mir.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Abenteuerliche Jagd

Der Fluch des Sündenbuchs
0

h habe leider den Vorgänger dieses Buches nicht gelesen. Vieles wird im Buch nochmals erwähnt aber ich liebäugle damit, es mir nachträglich noch zu besorgen, weil mir dieser zweite Teil so gut gefallen ...

h habe leider den Vorgänger dieses Buches nicht gelesen. Vieles wird im Buch nochmals erwähnt aber ich liebäugle damit, es mir nachträglich noch zu besorgen, weil mir dieser zweite Teil so gut gefallen hat.

Eigentlich ist die Quintessenz dieses Buches eine abenteuerliche Schatzsuche, die die dreiHauptaktuere Jana, Conrad und Richard nach Südamerika führt, wor das sagenumwobene El Dorado liegen soll. Zwei Schatzkarten sollen den richtigen Weg weisen.Man vermutet dort unglaublich viel Gold und andere Schätze. Beide Parteien sind mit Eifer bei der Sache, haben mal Glück mal Pech. Das erinnert etwas an Indiana Jones oder die eigene Kindheit. Aber es hat Spaß gemacht dabei zu sein, wenn Piraten Janas Schiff überfallen und sie entführen, wenn Conrad mit Hilfe eines Sklaven fliehen kann, wenn die Liebenden sich widerfinden und gemeinsam durch den Dschungel und in neue gefährliche Situationen tappen. Kirchliche Verfolger gibt es auch - wie immer ist die Kirche für ein paar ekelhafte Gestalten und Szenen - auch mit den Eingeborenen zu haben. Überhaupt gibt es einige Klischees und konventionelle Geschehnisse, wie in vielen Histos. Aber mich stört so was nicht wirklich, denn die Leute waren mir gleich sehr symphathisch und Beate Maly schreibt mit lockerem Plauderton und sehr angenehm zu lesen.

Vom Ende will ich nichts verraten, denn die Schnitzeljagd hat noch ein zwei Höhepunkte, die richtig Spaß gemacht haben. Ich habe das Buch wirklich sehr schnell ausgelesen, was immer ein gutes Zeichen ist und bedanke mich für die Möglichkeit zum Vorablesen.