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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.08.2021

das ländliche England in den 30ern

Vom Ende eines Sommers
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Edie lebt im England der 1930er Jahre auf dem Land. Das Leben ist bestimmt von harter Arbeit weitgehend ohne technische Hilfsmittel und da der erste Weltkrieg viele Männer getötet hat auch weitgehend ohne ...

Edie lebt im England der 1930er Jahre auf dem Land. Das Leben ist bestimmt von harter Arbeit weitgehend ohne technische Hilfsmittel und da der erste Weltkrieg viele Männer getötet hat auch weitgehend ohne kräftige Männerhände. Das Weltbild ist rückständiger als in der Stadt, die Frauen sind mit Heim und Kind und Hof beschäftigt.

Eine Journalistin bringt das Landleben und die Dorfgemeinschaft schließlich gehörig durcheinander und Edie erkennt, dass es noch andere Dinge im Leben gibt, als Feldarbeit und das auch Frauen Wünsche und Sehnsüchte haben dürfen und diese vielleicht auch ausleben sollten.

Ein Gesellschaftsroman erzählt mit den Augen einer 14-Jährigen. Anfangs ist die Geschichte etwas langsam und durch Edies Blickwinkel ziemlich naiv aber das ändert sich im Laufe des Romans und er nimmt Tempo auf und wird vielschichtiger und lebhafter. Auch wenn nicht alles nach meiner Vorstellung endete, so habe ich das Buch doch gern gelesen und könnte mir eine Verfilumung vorstellen.

Veröffentlicht am 06.08.2021

wer Nachbarn hat

Gute Nachbarn
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Oak Knoll ist ein kleiner Ort im Süden der USA. Damit ist eigentlich bereits vorgegeben, um was für einen Gesellschaftsroman es sich handelt und meine Erwartungen wurden auch weitgehend erfüllt.

Eine ...

Oak Knoll ist ein kleiner Ort im Süden der USA. Damit ist eigentlich bereits vorgegeben, um was für einen Gesellschaftsroman es sich handelt und meine Erwartungen wurden auch weitgehend erfüllt.

Eine afro-amerikanische Familie und ihre hellhäutigen neuzugezogenen Nachbarn geraten aneinander. Hier treffen Kulturen und Vorurteile aufeinander und das Ganze liest sich wie eine Mischung aus Realsatire und Drama. Die Darsteller sind für meinen Geschmack fast etwas zu stereotyp besetzt und die Handlung schreitet vorhersehbar und frustrierend stringent voran. Man weiß, wo das Alles hinführen wird und teilweise musste ich das Buch weglegen, weil einige Protas mich mit ihrem Verhalten richtig wütend machten.

Gute Nachbarn sind es nicht. Aber man sieht mal wieder, wie ein Nachbarschaftsstreit um einen Baum ausarten und in einem Ekszess enden kann.

Veröffentlicht am 20.07.2021

interessanter Erstling

Die Kandidatin
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Der Politthriller von Konstantin Schreiber „Die Kandidatin“ spielt ca. 30 Jahre in der Zukunft. Themen, die heute gerade sehr aktuell und brandheiß sind, werden klug in den Plot miteingearbeitet. Gendern, ...

Der Politthriller von Konstantin Schreiber „Die Kandidatin“ spielt ca. 30 Jahre in der Zukunft. Themen, die heute gerade sehr aktuell und brandheiß sind, werden klug in den Plot miteingearbeitet. Gendern, Feminismus, der Islam in Deutschland und der Welt sind in 30 Jahren fest in der Gesellschaft verwurzelt. Die Kandidatin ist eine Muslima und ihre Ziele und wie sie sie versucht durchzusetzen erinnern an heutige Politiker. Die Machtkämpfe, die diversen Seilschaften, die Probleme mit Medien, mit blasierten Gegnern all das könnte auch heute spielen und ist ein Spiegel einer nur allzu nahen und allzu realen Zukunftsperspektive.

Eine interessante Vision, wie die Welt sich entwickeln könnte, wenn wir den jetzt eingeschlagenen Wegen folgen. Ein bemerkenswerter Erstling, dessen eher sachlicher Stil mir gefallen hat.

Veröffentlicht am 30.06.2021

Märchen-Fantasy

Dornenthron
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Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, da eine liebe Freundin es mir wämstens empohlen hat. Die Dramaturgie der Geschicht ist natürlich hinreichend bekannt, denn Dornröschen stand Pate zu dieser Idee. ...

Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, da eine liebe Freundin es mir wämstens empohlen hat. Die Dramaturgie der Geschicht ist natürlich hinreichend bekannt, denn Dornröschen stand Pate zu dieser Idee. Aber erst holt der Autor Boris Koch mal sehr weit aus und enwirft eine detailverliebte Welt und führt eine ganze Handvoll Charaktere mit all ihren Stärken und Schwächen und ihren Lebensumständen ein. Und es geht beileibe nicht nur um die Prinzessin und den Prinzen, die Darsteller agieren alle auf Augenhöhe es ist also keine Romantasy.

Da es sich um den ersten Band handelt möchte ich zum ganzen Plot noch kein abschließendes Urteil abgeben. Die Sprache ist angenehm und freundlich, das Tempo gemächlich und schwelgerisch. Was mir tatsächlich etwas fehlte war die Düsternis, die ja angepriesen wird. Hier darf der Autor gerne noch eine Schippe drauflegen. Ich bin gespannt auf Teil 2.

Veröffentlicht am 25.06.2021

psychologisch ausgefeilter Krimi

Nachttod
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Nachttod ist der erste auf Deutsch übersetzte Krimi der schwedischen Autorin Johanna Mo. Im Nachwort erfährt man, dass sie reale Ereignisse in ihrer Jugend im Freundeskreis mit in das Buch einfließen hat ...

Nachttod ist der erste auf Deutsch übersetzte Krimi der schwedischen Autorin Johanna Mo. Im Nachwort erfährt man, dass sie reale Ereignisse in ihrer Jugend im Freundeskreis mit in das Buch einfließen hat lassen. Das merkt man dem Roman an, denn er beschäftigt sich sehr intensiv und mit psychologischer Raffiniesse mit den Darstellern. Sowohl das Ermittlerteam Hanna Duncker und ihr Kollege Erik, als auch die Mutter des Opfers, Verdächtige, Freunde und Feinde des Opfers werden gründlich durchleuchtet und beschrieben. Und selbst der jugendliche Tote erhält in kurzen Rückblenden eine Stimme, so dass wir gleichlautend mit dem aktuellen Ermittlungsstand immer wieder in kurzen Häppchen erfahren, was wirklich geschehen ist. Dabei bleibt sehr lange die Frage offen, was wirklich geschehen ist und das Finale ist anders, als ich es erwaret hatte.

Ein psychologisch ausgefeilter Kriminalroman, der ohne allzu große Brutalität auskommt aber dennoch einige sehr dramatische und berührende Szenen parat hält. Hanna und Erik kommt man in verhaltenem Tempo näher, aber am Ende kennt man sie gut und möchte sie gerne weiterbegleiten bei anderen Ermittlungen. Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten und die Aufklärung ist eine Mischung aus ausdauernder Recherche und großer Empathie der Ermittler.

Empfehleneswert und schön, dass Teil 2 nicht allzu lange auf sich warten lässt.