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Veröffentlicht am 29.07.2021

Immer wieder hörenswert

Das Dschungelbuch
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Das Dschungelbuch ist ein Klassiker, der durch zahlreiche Verfilmungen (u. a. als Zeichentrick von Walt Disney) bekannt wurde und zu Recht als Klassiker gilt. Allerdings haben das Buch selbst die wenigsten ...

Das Dschungelbuch ist ein Klassiker, der durch zahlreiche Verfilmungen (u. a. als Zeichentrick von Walt Disney) bekannt wurde und zu Recht als Klassiker gilt. Allerdings haben das Buch selbst die wenigsten gelesen und so ist es nicht verwunderlich, dass das Dschungelbuch nur mit den Abenteuern von Mowgli gleichgesetzt wird, obwohl es noch einige andere Erzählungen gibt.
Aber … auch Christian Brückner und das wilde Jazzorchester vertonen nur Mowglis Geschichte. Und das geschieht auf wunderbare weise. Christian Brückner beweist sein Talent, seine Stimme haucht den Tieren Leben ein und die orchestrale Untermalung unterstützt dieses auf eigenwillige, aber durchaus passende und sehr dramatische Weise. Wer nun Dschungelklänge und Vogelgezwitscher erwartet wird enttäuscht werden, alle anderen werden großartig unterhalten.
Obwohl das Dschungelbuch schon einige Jahre (die Originalausgabe erschien 1894) auf dem Buckel hat bleibt die Geschichte zeitlos (auch wenn es nicht leicht ist das Original zu lesen, aber es gibt zahlreiche Übersetzungen in eine modernere Sprache) und ist nicht nur für Kinder geeignet.

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Veröffentlicht am 29.07.2021

Hörenswert!

Klimawandel - Ein Appell
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Fred Vargas ist der Künstlername der französischen Schriftstellerin, Historikerin, Mittelalterarchäologin und Archäozoologin Frédérique Audoin-Rouzeau. Sie ist vor allem durch ihre Kriminalromane bekannt. ...

Fred Vargas ist der Künstlername der französischen Schriftstellerin, Historikerin, Mittelalterarchäologin und Archäozoologin Frédérique Audoin-Rouzeau. Sie ist vor allem durch ihre Kriminalromane bekannt. ich gebe zu, dass ich ein vollkommen falsches Bild von der Person hatte: Ich dachte es wäre ein spanischer Autor, aber so kann man sich täuschen. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich noch nie etwas von ihr gelesen habe (Das interessiert niemanden. Deine Vermutungen kannst du für dich behalten). Okay, okay, ich wollte das nur als Einleitung benutzen. Aber ich konzentriere mich sofort auf das Buch, bzw. das Hörbuch, das ich gehört habe.
Und man sollte sich das Buch anhören, denn es ist auf der einen Seite ein wirklich witziges Buch mit vielen kleinen (und unwichtigen) Details zu Fred Vargas Sicht des Lebens, auf der anderen Seite ist es ein wirklich wichtiger Weckruf, der angenehm ohne erhobenen Zeigefinger vorgetragen wird, und dadurch wirksamer und erschreckender ist als die Mahnung so manche Klimaaktivisten. Hilfreich mag dabei auch die Stimme von Elke Schützhold sein.
Klimawandel – Ein Appell, erschien bereits 2019 in Frankreich und erregte großes Aufsehen. Verdienterweise.
Das Buch besticht durch den strukturierten Aufbau und die stets wissenschaftlich fundierten Aussagen. Der Tonfall ist deutlich und auch fordernd, aber auf eine Art, die nahe geht und nicht zu einem Augenrollen des Leser führt („Schon wieder Plastikmüll…. ich kanns schon nicht mehr hören“). Und manche der Tatsachen können wir nicht leugnen, auch wenn wir es gerne wollen. Vargas gibt Tipps, was man ändern kann, und einiges wird uns nicht leicht fallen. Aber immer wieder, wenn die Autorin, bzw. die Sprecherin uns nach unten zieht kommt irgendwo ein kleiner Lichtschein der Hoffnung. Und selbst derjenige, der denkt genug vom Thema zu wissen, wird die eine oder andere Überraschung erleben. Es ist kein Wiedergekaue bereits hunderttausendmal gehörter Dinge, und auch das ist die Stärke dieses nicht sehr dicken, aber aussagekräftigen Buchs (das allerdings über sieben Hörstunden benötigt).
Und weil das Thema doch sehr ernst ist, wird es hin und wieder etwas aufgelockert. Allerdings wird dies schnell unterbunden, denn Vargas hat sich Unterstützung geholt, der sie daran hindert vom Thema abzukommen: Den Zensor.

Keine Ahnung wie die Krimis von Fred Vargas sind, aber mit Klimawandel – Ein Appell hat sie ein Buch geschaffen, das wirklich viel Aufmerksamkeit verdient. Und wer nicht lesen will muss hören.

Veröffentlicht am 25.07.2021

Einfühlsam und sehr unterhaltsam

Der Katze ist es ganz egal
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Achtung: Diese Geschichte spielt in Wien.
So beginnt ein herrlicher Spaß, der nicht nur für Kinder geeignet ist und auf unterhaltsame Weise ein sehr sensibles Thema anspricht. Verena Noll haucht der Geschichte ...

Achtung: Diese Geschichte spielt in Wien.
So beginnt ein herrlicher Spaß, der nicht nur für Kinder geeignet ist und auf unterhaltsame Weise ein sehr sensibles Thema anspricht. Verena Noll haucht der Geschichte sehr viel Leben und Wiener Schmäh ein und auch wenn einige Worte dem deutschen Zuhörer nicht unbedingt bekannt sind so vesteht man den Zusammenhang.
Die innere Zerrissenheit Leos/Jennifers wird gut dargestellt durch die wechselnden Pronomen, mal ist die Rede von ihm, dann wieder von ihr und zu Beginn scheint es sich bei Leo und Jennifer auch um zwei unterschiedliche Personen zu handeln, bis Leo irgendwann in den Hintergrund gerät.
Auf einfache Weise wird auf die Geschlechterrollen und Transgender eingegangen. Kindgerecht, einfach und sehr witzig. Es ist eine unterhaltsame Geschichte, kein Sachbuch und sollte auch von Eltern gehört werden, die der Meinung sind, ein Problemkind zu haben, dass sich in einer Phase befindet, die vergehen wird.
Leicht und locker wird Leos/Jennifers Geschichte erzählt, von der Akzeptanz der Freunde und der Verwirrtheit der Familie. Lässt man den wichtigen Teil der Identitätsfindung beiseite bleibt immer noch eine spannende Geschichte kleiner Kinder, die durchaus auch Blödsinn im Kopf haben.
Und ja, ein bisschen gewalttätig ist es auch und vielleicht nicht ganz so politisch korrekt wie man es erwarten würde. Aber das macht auch den Reiz aus. Es wirkt authentisch und ich habe mich in Jennifer und ihre Freunde sofort verliebt.
Und in die einfühlsame Darbietung von Verena Noll auch. Das Buch scheint noch mit Illustrationen und Erklärungenpunkten können und ist meiner Meinung nach zu Recht mit dem Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2021 ausgezeichnet worden.
Ein bisschen habe ich mich auch an DER KLEINE NICK erinnert gefühlt.
Ein (Hör)Buch für Kinder und Erwachsene

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Veröffentlicht am 18.06.2021

Als wäre man vor Ort

Das Buch des Totengräbers (Die Totengräber-Serie 1)
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„Das Buch des Totengräbers“ ist der Auftakt einer neuen Reihe von Oliver Pötzsch und mein erstes Buch des Autors. Und das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen und mich und hat mich sofort von der ...

„Das Buch des Totengräbers“ ist der Auftakt einer neuen Reihe von Oliver Pötzsch und mein erstes Buch des Autors. Und das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen und mich und hat mich sofort von der ersten Seite an gefesselt und gut unterhalten. Der Autor schafft es, trotz aller Spannung auch den Humor nicht zu kurz kommen zu lassen und über einige Szenen zwischen Augustin und Leopold musste ich durchaus schmunzeln.
Die damalige Zeit wird dem Leser lebhaft vor Augen gehalten und so kann man sich bildlich Leopolds Versuche mit dem Hochrad vorstellen, ebenso wie die ersten Kameras. Anderes ist heute noch (fast) so wie damals ... wer den Zentralfriedhof kennt, wird Leopolds Verzweiflung nachvollziehen können.
Oliver Pötzsch lässt nicht nur die Schauplätze lebendig werden auch seine Charaktere wirken authentisch, ihre Motive nachvollziehbar. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich sehr schnell einen Verdacht hatte, wer der Täter sein könnte, dem Lesevergnügen tat das keinen Abbruch. „Das Buch des Totengräbers“ ist ein echtes Highlight: Modern und doch historisch, spannend und amüsant. Mit einem Blick auf Wien der fast schon dazu verleitet sich die Schauplätze vor Ort anzusehen.
Ich bin gespannt auf die Fortsetzung denn Leopold und Augustin sind ein sehr unterhaltsames Gespann.

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Veröffentlicht am 05.06.2021

Tiere und der Klimawandel und mehr ...

Tierisch heiß
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Kurz gesagt könnte man behaupten Tierisch heiß ist ein Buch über den Klimawandel und wie Tiere damit umgehen. Damit würde man der Arbeit der Autorin allerdings nicht gerecht werden, denn es geht grundsätzlich ...

Kurz gesagt könnte man behaupten Tierisch heiß ist ein Buch über den Klimawandel und wie Tiere damit umgehen. Damit würde man der Arbeit der Autorin allerdings nicht gerecht werden, denn es geht grundsätzlich um die Frage, wie Tiere mit Veränderungen umgehen, unabhängig von den derzeitigen Klimaveränderungen. So weißen viele Tiere eine besondere Anpassung an ihren Lebensraum auf, sei es nun extreme Hitze oder Kälte (sogar Anpassungen an Waldbrände gibt es). Was die Tiere (und auch den Menschen) zu schaffen macht, sind die kurzfristigen Schwankungen die wir erleben: Heiß, kalt .. über verhältnismäßig kurze Zeiträume, gefolgt von Flutwellen, Überschwemmungen und Stürmen.
Lisa Warnecke berichtet von Tieren und ihren Problemen mit dem Klimawandel, schlich fundiert, aber immer mit eigenen Anekdoten ihrer Arbeit „gewürzt“, so dass man nicht den Eindurck bekommt ein langweiliges, mahnendes Sachbuch vor Augen zu haben. Mahnend den Finger erheben muss sie nicht, alleine schon die Bemerkung von 45 000 Flughunden die innerhalb eines Tages an einer Hitzewelle verstarben, gibt zu denken.

In kurzen Kapiteln beschreibt Lisa Warnecke die Arbeit von Feldforschern und ihren „Patienten“ (ich will sie nicht als Forschungsobjekte bezeichnen …).
Der Leser erfährt welchen Extremen Tieren ausgesetzt sind und waren, wie sie ihre Körpertemperatur regeln können, wie sie schwitzen …
Tierisch heiß ist mehr als ein Buch zum Klimawandel.
Die Kapitel tragen Namen wie HITZE WELLE, ZEBRA FINKEN oder BRUCH TEIL und am Ende gibt es ein Verzeichnis aller erwähnter Tiere (aber das nur am Rande erwähnt)

Ein Buch für all jene, denen ihre nichtmenschlichen Mitbewohner nicht egal sind.