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Veröffentlicht am 29.08.2021

In der Seele

Der Tod und das dunkle Meer
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Im Jahr 1634 will der Generalgouverneur mit dem Schiff von Batavia nach Amsterdam reisen, um einen Sitz im Vorstand der niederländischen Ostindien-Kompanie zu werden. In diesem Zeiten ist es nie eine Spazierfahrt, ...

Im Jahr 1634 will der Generalgouverneur mit dem Schiff von Batavia nach Amsterdam reisen, um einen Sitz im Vorstand der niederländischen Ostindien-Kompanie zu werden. In diesem Zeiten ist es nie eine Spazierfahrt, doch die Fahrt auf der Saardam scheint unter einem besonders schlechten Stern zu stehen. Noch vor der Abfahrt stirbt ein Bootszimmer man unter schrecklichen Umständen und kaum losgesegelt, taucht auf dem Schiff ein seltsames Zeichen auf. Hat der Teufel dem Schiff seinen Stempel aufgedrückt? Arent Hayes soll versuchen, hinter die Ereignisse zu kommen. Dabei würde er gerne auf die Hilfe seines Förderers und Vorbilds Sammy Pipps bauen.

Gemeinsam ermitteln können die Freunde Pipps und Hayes nicht, denn Pipps ist wegen unerklärlicher Beschuldigungen in der Gefängniszelle des Schiffes gelandet. Hayes muss sich also auf eigene Faust an die Lösung des Rätsels machen. Nur kurze Momente bleiben, die Hayes beim Gouverneur erstritten hat, bleiben den Beiden zum Austausch. Besser bündeln kann Arent Hayes seine Kräfte mit der Frau des Generalgouverneurs Sara Wessel. Auch sie ist um die Sicherheit auf dem Schiff besorgt, vor allem wegen ihrer Tochter Lia. Doch die unheimlichen Begebenheit lassen sich nicht so leicht erklären oder stoppen.

Mit Spannung wurde dieser zweite Roman von Stuart Turton erwartet und der Autor hat mit seinem ersten Werk die Messlatte hoch gelegt. Wäre dieses nicht der Fall, wäre dieser neue Roman wohl zur vollen Zufriedenheit ausgefallen. So braucht man ein Weilchen sich zu befreien, um diesen Band uneingeschränkt genießen zu können. Dann hat man einen spannenden historischen Kriminalroman in einem besonderen Setting, der einige unheimliche Elemente hat. Die Enge des Schiffes trägt dazu bei, dass die Ereignisse, Gespräche und Stimmungen noch intensiver werden, die Gerüchte umso schneller um sich greifen und sich Emotionen hochschaukeln. Und so wird man langsam eingesaugt in eine Geschichte, die aus einer Mischung von verschiedenen Geschichten besteht, die sich schließlich zu einem Ganzen zusammenfügen. Auch wenn es einige unglaubliche Fügungen gibt, bleibt man immer gefesselt und ist am Schluss völlig überrascht. Und das ist doch das Beste, auf das man hoffen kann.

Veröffentlicht am 24.08.2021

Die Familie

Das Nest
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Der 15jährige Oscar ist nach der Schule nicht heimgekommen. Seine Eltern nahmen an, er übernachte bei einer Freundin und so ist wertvolle Zeit verloren gegangen, bevor sie ihn als vermisst gemeldet haben. ...

Der 15jährige Oscar ist nach der Schule nicht heimgekommen. Seine Eltern nahmen an, er übernachte bei einer Freundin und so ist wertvolle Zeit verloren gegangen, bevor sie ihn als vermisst gemeldet haben. Jeppe Kørner und Anette Werner werden mit der Organisation der Suche betraut. Sie befragen die Eltern, Geschwister und die Freundin, bei der Oscar eigentlich übernachten wollte. Doch fließen die Informationen zunächst spärlich. Dann wird eine männliche Leiche in einer Müllverbrennungsanlage gefunden. Und ausgerechnet der Vater von Oscars Freundin Iben informiert die Polizei. Nun wird fieberhaft ermittelt. Es gilt herauszufinden, um wen es sich bei dem Toten handelt.

In ihrem vierten Fall müssen Anette und Jeppe einiges aushalten. Das rätselhafte Verschwinden des Jungen zerrt an ihren Nerven, zumal die Nachforschungen nicht so voran gehen. Und auch im privaten Bereich scheinen sich Probleme oder gar Umbrüche anzudeuten. Natürlich muss das Private zurückstehen, es heißt, dass bei verschwundenen Kindern die ersten Stunden und Tage am Wichtigsten sind, soll noch Hoffnung bestehen, den Jugendlichen lebend zu finden. Wieso aber arbeiten die Verwandten nicht aus ganzem Herzen mit der Polizei zusammen? Die beiden Beamten begeben sich in eine Welt, die ihnen fremd erscheint.

Bei ihrem vierten Auftritt sind Jeppe und Anette schon alte Bekannte, auf die man sich freut. Zwar müssen sie im Privaten mit einigen Problemen kämpfen und im Beruflichen bewegen sie sich auf unsicherem Terrain, aber der Fall ist spannend und in seinen Verwicklungen toll konstruiert. Beim Miträtseln liegt man regelmäßig falsch. Die Auflösung erwartet man nicht und was zu dem hauptsächlichen Handlungsstrang noch hinzukommt, macht einen betroffen. Man blickt in eine fremde Welt, die vielleicht nicht ganz so komprimiert, aber grundsätzlich schon so existieren kann. Man ist gefesselt und gleichzeitig etwas konsterniert, ob der Spuren, die sich auftun. Ein lesenswerter Kriminalroman aus einer Reihe, die unbedingt empfohlen werden kann.

Veröffentlicht am 21.08.2021

Vaterfreuden

Sörensen am Ende der Welt
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Nach wenig sehnt sich Sörensen mehr als nach einem Besuch seiner kleinen Tochter zu Ostern. Wenn ihm nur seine Angststörung keinen Strich durch die Rechnung macht oder seine Ex-Frau. Da kann ein neuer ...

Nach wenig sehnt sich Sörensen mehr als nach einem Besuch seiner kleinen Tochter zu Ostern. Wenn ihm nur seine Angststörung keinen Strich durch die Rechnung macht oder seine Ex-Frau. Da kann ein neuer Mord fast schon eine gute Ablenkung bieten. Jetzt wo er doch endgültig nach Katenbüll gezogen ist. Obwohl als der Tankstelleninhaber eine Leiche am Koog findet, ist es auch nicht recht. Natürlich machen sich Sörensen und Jenni zum Fundort auf den Weg. Bei dem Toten handelt es sich um einen ortsansässigen Lehrer. So weit so unauffällig. Besorgniserregend ist allerdings, dass der werdende Vater Ole Kellighusen, der im Tankstellenshop aushilft, verschwunden ist.

Zum dritten Mal ermittelt Sörensen in der nordfriesischen Provinz. Mit der neuen Praktikantin tun sich alle auf dem Revier schwer. Dabei ist sie nicht mal dumm, aber irgendwie neigt sie dazu jedes Fettnäpfchen wahrzunehmen. Jenni Holstenbeck dagegen um ihre hochschwangere Tochter, denn bei dem verschwundenen Ole handelt es sich um Lucys Freund. Und es kommt noch schlimmer, offensichtlich war es Ole, der dem Lehrer an der Tankstelle begegnet ist. Sörensen und Jennifer legen sich mächtig ins Zeug. Das Offensichtliche erscheint ihnen doch zu einfach.

Gut kann man sich die norddeutsche Landschaft vorstellen. Manchmal grau, wolkenverhangen und stürmisch. Doch mitunter auch in strahlendem Sonnenschein. Da wünscht man Sörensens Angststörung möge mit dem nächsten Sturm davongetragen werden. Aber man muss ja realistisch bleiben. Und trotz der Schwierigkeit bilden Sörensen und Jenni ein tolles Team, dass sich bestens ergänzt. Und auch bei dem neuen Fall müssen sich wieder hinabsteigen in die Tiefe des provinziellen Lebens, das wie ein kleines Abbild einer großen Stadt wirkt. Es gibt nichts, was es nicht gibt und vielleicht noch ein wenig mehr. Bei den diesmal emotional fordernden Nebenhandlungen gerät der Fall fast etwas in den Hintergrund. Dafür reißen Sörensen, sein Hund Cord und Jenni es echt raus. Ihre authentisch menschliche Art hat gerade die richtige Mischung zwischen etwas schräg und wunderbar normal. Man wünscht schon den nächsten Mord herbei, um zu erfahren wie es mit ihnen weitergeht.

Veröffentlicht am 17.08.2021

Schöne Aussicht

Sörensen hat Angst
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Zwei Jahre hat er krankheitsbedingt nicht gearbeitet. Aber nun wird er es wieder packen, Kriminalhauptkommissar Sörensen hat deshalb absichtlich nach einem Einsatzort gesucht, der so in der Provinz versteckt ...

Zwei Jahre hat er krankheitsbedingt nicht gearbeitet. Aber nun wird er es wieder packen, Kriminalhauptkommissar Sörensen hat deshalb absichtlich nach einem Einsatzort gesucht, der so in der Provinz versteckt ist, dass Verbrechen wirklich unwahrscheinlich sind. Er hat sich seinen neuen Kollegen und Kolleginnen in Katenbüll gerade erst vorgestellt, als die Nachricht hereinkommt, dass der Bürgermeister tot aufgefunden wurde. Das darf doch wohl nicht wahr sein, noch nicht mal richtig angekommen und schon ist es vorbei mit der Ruhe. Und schon hat Sörensen wieder Probleme mit seiner Angststörung und auch Probleme mit dieser Kleinstadt, die auf der Landkarte nicht leicht zu finden ist.

In seinem ersten Fall wagt es Sörensen trotz seiner psychischen Probleme, seine Arbeit wieder aufzunehmen. Sein Wunsch, am liebsten erstmal eine ruhige Kugel zu schieben, bis es ihm wirklich besser geht, wird ihm nicht erfüllt. Er muss sich an dem neuen Ort zurechtfinden, mit den neuen Kollegen bekannt machen und gleich einen Mordfall bearbeiten. Der Bürgermeister sollte doch ein renommiertes Mitglied der Gemeinde sein, wer kann also etwas davon haben, ihn umzubringen. Gemeinsam mit Jennifer Holstenbeck macht er sich auf die Suche nach der Lösung. Gefunden wird Sörensen erstmal von Cord, dem Hund.

Sörensen kämpft gegen seine Erkrankung, in schwachen Momenten versinkt er in Selbstmitleid. Allerdings merkt er auch, dass es auch hellere Momente gibt. Seine Kabbeleien mit Jenni und Cord bringen durchaus helle Flecken in sein Leben. Dass er letztlich ein gewiefter Ermittler ist, lässt sich nicht lange verbergen. Der Fall gestaltet sich komplizierter und überraschender als zunächst gedacht. Dabei ist auch Jennifer Holstenbecks Anteil nicht zu verachten. Sie hat die Ortskenntnis, eine sympathische Art und sie bietet Sörensen die nötige Unterstützung, wenn er mal durchatmen muss. Dieser erste Band der Krimireihe wurde bereits verfilmt, wobei die Stimmung des Buches ausgesprochen gut herausgearbeitet wurde. Die Besetzung von Bjarne Mädel als Sörensen ist einfach treffend. Und so hat man mit diesen trockenen norddeutschen Tonfall in Buch und Film einen Krimi, der trotz des ernsthaften Themas in den richtigen Augenblicken sehr gut unterhält.

Veröffentlicht am 14.08.2021

Sommerwind

Der Brand
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Der geplante und durchorganisierte Urlaub platzt und beinahe scheint es so als wäre damit auch ihre langjährige Ehe perdu. Doch als ihre mütterliche Freundin Ruth mitteilt, Viktor habe einen Schlaganfall ...

Der geplante und durchorganisierte Urlaub platzt und beinahe scheint es so als wäre damit auch ihre langjährige Ehe perdu. Doch als ihre mütterliche Freundin Ruth mitteilt, Viktor habe einen Schlaganfall erlitten und sie wolle mit ihm in die Reha, sagt Rahel sofort zu, auf dem Hof der beiden einzuhüten. Ihr Mann Peter ist überrascht und etwas lustlos. Drei Wochen liegen vor Rahel und Peter, in denen sie auf sich selbst zurückgeworfen werden. Nur ein paar Stunden von Dresden entfernt liegt das Anwesen, auf dem es zwar viel zu tun gibt, in einer Gegend, in der man nicht viel unternehmen kann. Können Rahel und Peter wieder einen Weg zu einer wenigstens freundschaftlichen Co-Existenz finden.

Ein Ehepaar in einem mittleren Alter, in dem es für Paare mitunter heißt, gehen oder bleiben. Können Rahel und Peter die unverhoffte Auszeit in Brandenburg nutzen, um ihrer Ehe wieder eine Basis zu geben. Was würden ihre beiden Kinder sagen, wenn die Eltern sich trennten? Selma war für Rahel eher ein Problemkind, während Simon einfach seinen Weg geht. Doch Selma ist es, die selbst eine Familie gegründet hat. Rahel, deren Mutter ihr nie gesagt hat, wer ihr leiblicher Vater ist, muss mit dieser Leerstelle leben.

Auf sanften Schwingen gleitet Rahel durch den Urlaub. Als Leser ist man etwas unschlüssig, ob hier die sommerliche Ruhe in eine Ehe einkehrt oder ob eine gewisse Melancholie, die über allem liegt, dazu führt, dass die Ehegatten den Schritt zur Trennung gehen. Mal angedeutet, mal klar herausgestellt, wird Rahels Vergangenheit und die ihrer Ahnen beleuchtet. Wieso ist sie so? Die Vergangenheit kann sicher einiges erklären, aber nicht alles entschuldigen. Es entsteht der Eindruck, dass der Fokus etwas mehr auf der weiblichen Sichtweise liegt. Besonders auf Rahels Blickwinkel, die ihrem Mann wieder näherkommen möchte und auch ihre Sehnsucht nach einem Vater stillen möchte. Ein stilles kleines Büchlein, das trotz oder gerade wegen seiner ruhigen Darstellung eines ländlichen Sommers zum Nachdenken und selbst Reflektieren einlädt.