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Veröffentlicht am 09.09.2021

Winter

Gnädig ist der Tod
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Der ehemalige Minister Klaus Windisch ist ermordet worden. Der Ort, wo er gefunden wurde, ist offensichtlich nicht der Tatort. Michael Winter von der Wiener Polizei und sein Team beginnen mit den Ermittlungen. ...

Der ehemalige Minister Klaus Windisch ist ermordet worden. Der Ort, wo er gefunden wurde, ist offensichtlich nicht der Tatort. Michael Winter von der Wiener Polizei und sein Team beginnen mit den Ermittlungen. Zwar lief gegen Windisch ein Verfahren wegen Wirtschaftssachen, aber deshalb sollte sicherlich keiner einen Grund haben, ihn umzubringen. Die schockierte Witwe gibt Winter eine Liste der ältesten Freund ihres Mannes. Das kann ein erster Ansatz sein. Vielleicht ist auch das Angebot der Journalistin Angelika Kretschmer hilfreich, ihre Nachforschungen über das Opfer zur Verfügung zu stellen. Das hat allerdings einen Preis.

In seinem ersten Auftritt bekommt es der erfahrene Michael Winter mit einem verzwickten Mordfall zu tun, der in eigenartig berührt. Er selbst ist seit Jahren verwitwet und mit seiner Tochter hat er nur lockeren Kontakt. Die Arbeit hält ihn aufrecht. Doch so langsam könnte er sich auch im Privatem Neuem öffnen. Doch zunächst geht der Mord vor. In mühevoller Kleinarbeit machen sich Winter und seine neue Kollegin Julia auf die Spurensuche. Wie so oft weichen Zeugen aus oder sind nicht besonders auskunftsfreudig. Winter ist jedoch ein Ermittler, der nicht locker lässt. Und er hat manchmal eine Ahnung.

Zu Beginn tut man sich etwas schwer mit Michael Winter. Seine Schwermut und Ichbezogenheit wirkt etwas überzogen. Auch die möglichen Motive zu dem Mord erwecken den Eindruck, dass sie etwas sehr an den Haaren herbei gezogen sind. Erst nach und nach, wenn einige Zusammenhänge klarer werden, bekommt die Ermittlung Kontur. Zwar erscheint Winter oft wie ein Eigenbrötler, doch mit seiner neuen Kollegin klappt es ganz gut. Und im Verlauf der Nachforschung lernt er auch die Vorzüge von Teamwork kennen, auch wenn er seine Gedankengänge mit immer mit den Kollegen teilt. Wenn man mit Winter erst einmal warm geworden ist, hat man einen sehr lesbaren Kriminalroman.

Veröffentlicht am 03.09.2021

Vatertochter

Westwall
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Julia Gerloff hat ihr Ausbildung bei der Polizei in Brühl begonnen. Das ist nun ziemlich das Letzte, womit ihr Vater Wolfgang gerechnet hat. Er, der Ex-Punk ist nach einem Unfall gelähmt und musste aus ...

Julia Gerloff hat ihr Ausbildung bei der Polizei in Brühl begonnen. Das ist nun ziemlich das Letzte, womit ihr Vater Wolfgang gerechnet hat. Er, der Ex-Punk ist nach einem Unfall gelähmt und musste aus gesundheitlichen Belangen den Bauwagen verlassen und in eine Wohnung ziehen. Nun hat Julia den jungen Nick kennengelernt, er hat so das gewisse Etwas und ist dazu noch recht geheimnisvoll. Zu geheimnisvoll vielleicht? Julia beginnt Nachforschungen anzustellen. Zunächst kann Nick alle Zweifel zerstreuen, aber als Julia entdeckt, dass er ihr einen falschen Namen genannt hat, ist es erstmal aus.

Über ihre Mutter weiß Julia Gerloff nicht viel, ihr Vater war immer die Bezugsperson und er hat sich zu dem Thema bedeckt gehalten. In die Polizeifamilie fühlt sich Julia aufgenommen, obwohl die manchmal in Versuchung ist, das aufs Spiel zu setzen. Nicht immer spielt sie hundertprozentig nach den Regeln. Verständlich, denn sie will mehr über Nick herausfinden, der möglicherweise Verbindungen in die rechte Szene hat. Etwas, wovon Julia sich fernhalten will. Oder soll sie Nick noch eine Chance geben? Und was, wenn es noch ganz andere Player gibt? Und wieso macht ihr Vater immer dicht, wenn es um ihre Mutter geht?

Auf spannende Weise verknüpft der Autor die Spuren zu Julias Vergangenheit mit einem aktuellen Geschehen. Dabei arbeitet er sehr vielschichtige Charaktere heraus, von denen die meisten sowohl sympathische Züge haben, als auch solche, mit denen man sich nicht identifizieren möchte. Wie sich die Gruppe im Wald ausbilden konnte, wird nicht ganz klar. Aber wer alles mitmischt, wirkt schon sehr realistisch. Man könnte annehmen, dass Julia von Wind und Wellen hin und her geschleudert wird und nicht so viel Einfluss auf das Geschehen hat. Ebenso wenig wie Nick, der sich erpressbar gemacht hat. Vor dem Setting der Anlagen des Westwalls entwickelt sich eine fesselnde Handlung mit einem explosiven Finale.

Veröffentlicht am 28.08.2021

Bald Schriftstellerin

Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht
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Die junge Nancy Mitford, Älteste von sieben Geschwistern, möchte gerne Schriftstellerin werden. Doch mit sechzehn braucht sie erstmal ein neues Kindermädchen. Im Jahr 1920 ist es noch ungewöhnlich, dass ...

Die junge Nancy Mitford, Älteste von sieben Geschwistern, möchte gerne Schriftstellerin werden. Doch mit sechzehn braucht sie erstmal ein neues Kindermädchen. Im Jahr 1920 ist es noch ungewöhnlich, dass sie dieses mehr oder weniger von der Straße aufliest. Louisa Cannon ist heilfroh aus London wegzukommen, denn sie wird von ihrem Onkel übelst drangsaliert. Während der Fahrt zum Landhaus der Mitfords wird ihn dem Zug, mit dem auch Louisa unterwegs ist, die ehrbare Krankenschwester Florence Nightingale Shore überfallen. Sie stirbt nach wenigen Tagen im Krankenhaus. Die Ermittlungen übernimmt der junge Bahnpolizist Guy Sullivan und heimlich Nancy und Louisa.

Dies ist der erste Band von Geschichten, welche die Autorin um die Mitford-Schwestern rankt. Nancy als erste steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Sie ist forsch und unbekümmert wie jede junge Frau. Im Gegensatz zu Louisa, die nur wenig älter ist, wächst Nancy sehr wohlbehütet und gut situiert auf. Louisa ist heilfroh, dass sie die Stelle bekommt und so aus London verschwinden kann. Aber so ruhig wie erwartet ist das Leben als Gouvernante der Mitford Kinder natürlich nicht, dafür sorgt schon Nancy, die immer wieder nachbohrt, um mehr über den tragischen Todesfall in Erfahrung zu bringen. Dass Louisa Kontakt mit dem Polizisten Guy Sullivan geknüpft hat, ist durchaus hilfreich.

Der erste Band der Reihe führt die Leser und Leserinnen ist die Zeit kurz nach dem ersten Weltkrieg, die sowohl von den Leiden geprägt ist, die der Krieg verursacht hat, aber auch von der neuen Leichtigkeit, von der gerade die Frauen sehr profitieren. Dabei hat die Autorin der Handlung einen Rahmen gegeben, der einen interessanten Bezug in der Wirklichkeit hat. Doch zu Beginn kann man den Eindruck gewinnen, die Handlung hätte etwas gestrafft werden können. Erst nach und nach wird das Interesse geweckt und man beginnt selbst ein wenig nachzuforschen. Und so wie es langsam, aber sicher mit der Lösung des Falles vorangeht, so wird man langsam tatsächlich gefesselt und lernt die Einblicke ins Landleben einer englischen Gutsherrenfamilie zu schätzen. Auch ist es immer abschreckend welch grausame Spuren in den Seelen der Menschen ein Krieg hinterlässt. Die Autorin hat eine schöne Mischung aus Drama und behütetem Landadel geschaffen, wobei der reale Hintergrund überzeugt.

Veröffentlicht am 27.08.2021

Das letzte Geheimnis

Die Leuchtturmwärter
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Im Jahr 1972 verschwinden drei Leuchtturmwärter vor der englischen Küste spurlos. Es sieht so auch als sei der Leuchtturm eben verlassen worden. Die Ehefrauen der Wärter sind schockiert und die Chefs entsetzt. ...

Im Jahr 1972 verschwinden drei Leuchtturmwärter vor der englischen Küste spurlos. Es sieht so auch als sei der Leuchtturm eben verlassen worden. Die Ehefrauen der Wärter sind schockiert und die Chefs entsetzt. Der Leuchtturm steht zwar komplett in der See und ist damit schwer zugänglich, aber er ist doch sicher. Die drei Männer bleiben unauffindbar und die Frauen bleiben zurück, einigermaßen abgesichert durch den Arbeitgeber der Männer. Zwanzig Jahre später beginnt ein Schriftsteller, in der Sache von Neuem nachzuforschen. Er beginnt mit den ehemaligen Beteiligten zu reden, wobei er besonders den Frauen das Wort gönnt.

Auf den beiden Zeitebenen 1972 und 1992 ist die Handlung dieses Romans angesiedelt. Jenny, Hanna und Michelle müssen mit dem Verlust ihrer Männer leben. Der Schock und die Trauer bleiben bestimmend für die Hinterbliebenen. Auch zwanzig Jahre später sind die Ereignisse so gegenwärtig als seien sie gerade erst geschehen. Vielleicht liegt es daran, dass das Verschwinden ihrer Männer nie richtig aufgeklärt wurde. Natürlich ist das Leben irgendwie weitergegangen, aber es ist doch eine späte Genugtuung, dass sie jetzt ihre Gedanken mit dem fremden Autor teilen können. Was hat den Schriftsteller dazu bewogen, sich gerade dieses Themas anzunehmen?

Vage auf einem wahren Geschehen beruhend ist die Idee zu diesem Roman sehr spannend und dramatisch. Wie ergeht es Menschen, die nach einem solchen Ereignis, dass keinen richtigen Abschluss hat. Gedanken nach dem wirklichen Geschehen, die nie vergehen. Nach langer Zeit ein Ansatz, ein Versuch zu einer späten Klärung zu kommen. Leider jedoch ist besonders der Beginn des Romans etwas langatmig, für einen Familienroman zu distanziert, für einen Kriminalroman nicht so packend. Gefühlt erst nach der Hälfte wird es fesselnder, weil sich ein paar neue Informationen ergeben. Wegen der durchgängigen Berichte auf beiden Zeitebenen und der kürzeren Kapitel beginnt man die Dramatik des Geschehens nachzuempfinden. Was ist die Wahrheit, was glauben die Überlebenden. Können sie sich schließlich doch noch arrangieren? Eine Idee, die neugierig macht und die bald in einem spannenden Roman mündet.

Veröffentlicht am 26.08.2021

Philomena

Seht ihr es nicht?
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Nach einem Fall, der sie traumatisiert hat, ist Philomena Schimmer in einer Sondereinheit des BKA. Ihre Aufgabe ist es, vermisste Personen ausfindig zu machen. Bei einem Mordfall wird festgestellt, dass ...

Nach einem Fall, der sie traumatisiert hat, ist Philomena Schimmer in einer Sondereinheit des BKA. Ihre Aufgabe ist es, vermisste Personen ausfindig zu machen. Bei einem Mordfall wird festgestellt, dass die elfjährige Tochter der Familie verschwunden ist, und Philomena wird zu der Ermittlung hinzugezogen. Dabei trifft sie auch ihren Ex-Freund wieder, von dem sie auch nicht so richtig lassen kann. Natürlich kommt Philomena Schimmer nicht umhin, sich auch um den eigentlichen Fall zu kümmern, wenn sie etwas über das Mädchen erfahren will. Der Mord hat eine unbescholtene Familie getroffen, die Mutter zwar getrennt, aber Wissenschaftlerin, die es vorgezogen hat, sich auf dem Land eine andere Existenz aufzubauen.

Ein erster Fall für Philomena Schimmer, mit drei Schwestern an der Backe, die ihr aber doch sehr lieb sind. Noch immer leidet sie unter ihrem Trauma, mit dem sie zum Glück zu leben gelernt hat. Nur manchmal überwältigen sie die Ängste und dass sie immer etwas gegen ihre Besucher hat, kann man auch nicht sagen. Mitunter helfen sie ihr sogar, einen anderen Blickwinkel zu finden. Doch nun stehen Philomena und ihre Kollegen vor einem Rätsel und sie hoffen das junge Mädchen schnellstmöglich zu finden, sie hoffen, dass die Kleine noch am Leben ist.

Der Autor ist vielleicht von seinen Kriminalromanen um Major Schäfer bekannt und nun schickt er eine neue Ermittlerin an den Start. Es mag nicht für jeden oder jede ganz leicht sein, sich mit ihr anzufreunden. Man schwankt vielleicht zwischen Mitgefühl und der Schwierigkeit, ihre Besucher zu verstehen. Etwas schwierig ist es auch, das Beziehungsgeflecht der betroffenen Familie zu entschlüsseln. Zum Glück blitzt auch der spezielle Humor Philomenas immer wieder auf und ihre Bande zur Familie sind bemerkenswert. Der Fall ist kompliziert und überraschend und die tragischen Opfer erwecken Mitgefühl. Möglicherweise werden Major Schäfer und Philomena Schimmer einmal die Gelegenheit bekommen, ihre Kräfte zu bündeln, aber auch alleine ist Philomena eine spannende neue Persönlichkeit am Krimihorizont.