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Nilchen

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Veröffentlicht am 05.09.2021

Der Kornkreis als Rettung zweier Männer

Der perfekte Kreis
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Unterschiedlicher könnten sie nicht sein diese beiden Männer, die hier in ‚Der perfekte Kreis‘ im Mittelpunkt stehen. Der eine Redbone, lebt polyamorös und ist gerne mal zugedröhnt und der andere, Calvert, ...


Unterschiedlicher könnten sie nicht sein diese beiden Männer, die hier in ‚Der perfekte Kreis‘ im Mittelpunkt stehen. Der eine Redbone, lebt polyamorös und ist gerne mal zugedröhnt und der andere, Calvert, ein Kriegsveteran, ist ruhig und in sich gekehrt, weil er den Krieg noch nicht verarbeitet hat.
Redbone und Calvert, diese beiden sehr unterschiedlichen Charaktere kommen sich über ihr Projekt des perfekten Kornkreises näher und verbindet eine tiefe Freundschaft mit Auseinandersetzungen und Zugeständnissen und vor allem durch gegenseitige Akzeptanz so wie sie sind. Aus meiner Sicht der Kern des Romans: Die Schilderung einer puren Freundschaft.
Südengland, 1989. Diese beiden kreieren zusammen diese phänomenalen Kornkreise, also Redbone erdenkt die künstlerischen Formen und Calvert sucht die richtige Location dazu. Und wir sind dabei wie sie Nacht um Nacht sich der Gestaltung widmen.
Neben der Freundschaft wird der Wert der uns ernährenden Erde ins Rampenlicht gestellt und das ein sorgfältiger Umgang mit ihr das richtige wäre.
Stark macht das Buch der tolle narrative Erzählstil von Benjamin Myers. Wenig Handlung, viel philosophische Tiefe und Betrachtungen machen das dünne Buch sehr reichhaltig. In mir wirkt es nach. Eines der wenigen Bücher, die ich eventuell erneut lesen werde – und in diese Liga schaffen es nur sehr ausgewählte Titel!
Sollte ‚Der perfekte Kreis‘ in eurer Buchhandlung zunächst vergriffen sein, dann nehmt seinen Roman ‚Offene See‘ mit, auch herausragend und mit dem Preis des Lieblingsbuch des Jahres der unabhängigen Buchhändler ausgezeichnet!

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Veröffentlicht am 05.09.2021

Eine tiefe Freundschaft

Der Mauersegler
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Nachdem Jasmin Schreiber mit ihrem Debüt ‚Mariannengraben‘ brillierte und alle Welt begeistert war – ich kenne es noch nicht – wollte ich unbedingt ihr neustes Werk lesen: Der Mauersegler.
Von Hause ist ...

Nachdem Jasmin Schreiber mit ihrem Debüt ‚Mariannengraben‘ brillierte und alle Welt begeistert war – ich kenne es noch nicht – wollte ich unbedingt ihr neustes Werk lesen: Der Mauersegler.
Von Hause ist die Autorin Biologin und somit schon vertraut mit dem Sezieren von Vorgängen, schleichende und dramatische und setzt diese wieder grandios ins Verhältnis zur Welt.
Prometheus ist Arzt und war felsenfest davon überzeugt seinen Freund Jakob retten zu können. Höhenflüge nahezu hatte er und dann kam der Tod und Prometheus war am Boden zerstört. Wir Leser:innen begleiten ihn als er rock bottom -unten aufschlägt und sich in Dänemark wiederfindet. Dort trifft er auf Menschen, die ihn einfach aufnehmen, selbst Geheimnisse hüten und ihm eine Zuflucht bieten. Es geht hier zwar um den Protagonisten Prometheus und seine Trauerbewältigung, aber im Vordergrund steht für mich ganz klar als großer thematischer Bogen die Freundschaft.
Jasmin Schreiber hat einen sehr ergreifenden Schreibstil ohne Kitsch und ohne zu schwer zu werden. Sie geht das Thema Tod an und das in Kombination mit Freundschaft. Explosiv und sie spinnt eine Geschichte, die uns emotional berührt, erdet und wieder Wesentliches in den Mittelpunkt rückt.
Selten schenke ich einem Buch selbst, also dem Gedruckten ein Kommentar, aber hier ist es mir dieses wert. Vom Mehrwert des haptischen Buches mal abgesehen ist hier erst der Schutzumschlag raffiniert über den Buchschnitt gefaltet und darunter (ja, ich mache den Schutzumschlag immer ab beim Lesen) kommt ein noch schöneres Buch zum Vorschein, dass sogar eine Vogelprägung hat. Sehr gelungen.
Lesenswert ohne aber. Einfach zugreifen und trotz Tod und Leid eintauchen und gestärkt wieder auftauchen in die Lüfte mit dem Mauersegler und den eigenen Freunden.

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Veröffentlicht am 04.09.2021

Familiäre Dynamik in Szene gesetzt

Der Brand
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„..und Rahel denkt, dass besonders in einer Ehe die Summe des Nichtgesagten die Summe des Gesagten bei weitem übertrifft.“ (S. 71)
‚Der Brand‘ von Daniela Krien ist ein schmales Buch mit viel Tiefgang. ...

„..und Rahel denkt, dass besonders in einer Ehe die Summe des Nichtgesagten die Summe des Gesagten bei weitem übertrifft.“ (S. 71)
‚Der Brand‘ von Daniela Krien ist ein schmales Buch mit viel Tiefgang. Ich glaube, dass dieses Buch viele viele Liebhaber finden wird und bei anderen auf absolutes Unverständnis treffen wird. Ein Roman auf dem ich gefühlt auf jeder Seite einen tollen zitierbaren Satz fand.
„Was sprachlich nicht geformt werden kann, wird ganz sicher nicht gelöst.“ (S. 57)
Es geht um ein Ehepaar um die 50 aus Dresden, Rahel und Peter, die eigentlich ein Ferienhaus in den bayrischen Bergen bebucht hatten in einem Coronasommer. Doch dann brennt es ab und die Pläne ändern sich. Es geht auf einen Hof sehr guter älterer Freunde, denn Viktor hatte einen Schlaganfall und seine Frau begleitet ihn zur Reha an die Ostseeküste. Der Hof mit ein paar Tieren, Gnadenbrot-Pferd, Storch mit gebrochenem Flügen und mehr muss versorgt werden. Rahel und Peter springen ein.
„Doch zwischen Wissen und Tun steht eine Hürde, und nicht immer hat sie die Kraft, sie zu überwinden.“ (S. 142)
Und nun die idyllische Landschaft mit dem herrlichen Hof verbindet sich mit der bröckelnden Ehe im ewigen Schweigen – eine Zerrissenheit die im krassen Gegensatz zur Außenwelt steht. Das Nichtgesagte dominiert und die Stimmung droht zu kippen.
„Je mehr die Toleranz beschworen wurde, umso stärker nahm sie ab.“ (S. 183)

Aber keine Sorge, dieser Roman ist mehr als eine Ehekrise! Es geht auch um die gesamtfamiliäre Dynamik mit den Kindern. Ehrlich und treffen auf den Punkt ohne Schwafel.

„Als wäre das Leben eine schwere Bürde. Denn wer alles bekommt und nichts daraus macht, darf nicht mit Verständnis rechnen.“ (S. 152)
Daniel Krien schreibt großartig und ich fand schon ihre vorherigen Bücher absolut genial. Wer sie noch nicht für sich entdeckt hat, sollte sich dieses Buch auf den Nachttisch legen: Es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 02.09.2021

Endlich mal ein Buch für kleine Berlin-Entdecker!

Unser Berlin
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„Unser Berlin“ aus dem kleinen, aber sehr feinen Windy Verlag ist ein Bilderbuch über alles was es in Berlin zu entdecken gibt. Super als Reiseführer für die Kleinsten geeignet, aber genauso auch für Mini-Berlin ...

„Unser Berlin“ aus dem kleinen, aber sehr feinen Windy Verlag ist ein Bilderbuch über alles was es in Berlin zu entdecken gibt. Super als Reiseführer für die Kleinsten geeignet, aber genauso auch für Mini-Berlin im Kindergarten- und Grundschulalter (bis 4. Klasse). Eine runde Sache, denn es werden allerlei Bereiche abgedeckt und aus meiner Sicht, als Berliner Urgestein, ist es eine tolle ausgewogene Mischung. Zum einen wird auf die geografische Lage Berlins eingegangen, genauso wie auf die historische Situation der Teilung und dann natürlich auf alle wichtigen Sehenswürdigkeiten. Witzig fand ich die Seite über die lokalen Sportvereine (Hertha, Eisbären usw.).
Kompakte Texte zu den einzelnen Themen von Dagmar Fischer machen es kurzweilig und locker. Selbst ich habe was dazu gelernt, denn ich hatte keine Ahnung was ein „Café Achteck“ ist! Die besonders schönen Illustrationen von Katrin Merle muss man einfach lieben, denn sie sind detailreich und zugleich übersichtlich gemacht.
Dieses Buch sollte zur Grundausstattung jedes Berliner Kindergartens und Grundschulbibliothek gehören und in jedem Reisegepäck für kleine Besucher von 4 bis 8 Jahren.
Ach ja, noch was zur Altersangabe. Ja, es ist ein Bilderbuch, aber das sollte nicht abschrecken, denn es ist auch noch für Grundschüler spannend. Denn die Texte können selbst gelesen werden und ist ein guter Einstieg selbst mehr zu entdecken und eine gute Grundlage mehr Fragen zu stellen.
Fazit: Für kleine Berlin-Reisende, Mini-Berliner, Entdecker und alle die einfach gerne Berlin in klein betrachten. Wir waren sehr begeistert!

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Veröffentlicht am 26.08.2021

Gibt es Hexen im Wald?

4 Kinder, 1 Hund und die coolste Oma der Welt
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Ein herrliches Kinderbuch! Anu & Friedbert Stohner haben hier eine wirklich nette Geschichte zusammen geschrieben und Elli Bruder hat es wunderbar in Szene gesetzt mit ihren Illustrationen!
Wir lernen ...

Ein herrliches Kinderbuch! Anu & Friedbert Stohner haben hier eine wirklich nette Geschichte zusammen geschrieben und Elli Bruder hat es wunderbar in Szene gesetzt mit ihren Illustrationen!
Wir lernen eine sehr nette Familie kennen mit ganzen 4 Kindern: die kleine Mia, Lenny, Matteo und die große Schwester Jana. Tja, und Matteo hat Angst. Unüberwindbare Angst vor Hexen und Oma Hildi hat eine großartige Idee wie er die Angst überwinden kann: ein Wochenende Wandern & Zelten mit den gruseligen Zielen: Teufelstisch, drei buckeligen Riesen und dem Hexenhut. Also zieht Oma Hildi mit den 4 Kindern und ihrem Hund Herrn Enquist los und es wird ein Abenteuer!
Ein Buch das geübte Grundschüler alleine lesen können, aber es ist auch ein herrlicher Vorlesespaß für die ganze Familie und überbrückt mehrere Alters“klassen“ – da kann schon ein 4jähriges Kind genauso zuhören wie noch ein 9jähriges Kind Spaß hat. Daher eine klare Vorleseempfehlung.
Es ist witzig, spritzig und in der Tat ist Oma Hildi die coolste Oma weit und breit. So eine wünscht man sich danach sofort. Besonders toll fand ich, dass unabhängig von Alter und Geschlecht jedes der Kinder ein eindeutiges Charakterprofil hat und sich die Zuhörer bzw. Leser sich gut in einer der 4 hineinversetzen können, je nach Entwicklung und je nach Neigung. Das Sammelsurium ist bunt und fröhlich und fern ab jeglicher Perfektion!
Wir wünschen dem Buch ‚4 Kinder, 1 Hund und die coolste Oma der Welt‘ viele viele kleine und große Leser, weil es einfach eine Lesefreude ist!

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