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Veröffentlicht am 21.01.2022

Wunderbare Porträts der wichtigsten Katzenrassen in Wort und Bild

Die Eleganz der Katze
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In diesem herrlichen Bildband vereint sich alles, was die Herzen von Katzenliebhabern und Katzenliebhaberinnen höher schlagen lässt.
Autorin Tamsin Pickeral hat zu über fünfzig Rassekatzen Wissenswertes ...

In diesem herrlichen Bildband vereint sich alles, was die Herzen von Katzenliebhabern und Katzenliebhaberinnen höher schlagen lässt.
Autorin Tamsin Pickeral hat zu über fünfzig Rassekatzen Wissenswertes zusammengetragen. Sowohl sehr alte als auch junge Rassen werden vorgestellt, in eben dieser Reihenfolge chronologisch geordnet, jeweils zunächst in einem kurzen Steckbrief in Bezug auf Erscheinungsbild, Größe, Fell und Charakter. Es folgen ausführlichere Informationen, zum Beispiel zu historischen Hintergründen, auch zu Herkunft und Verbreitung, manchmal lockern Anekdoten auf, immer wird ausführlich auf die Anfänge der Zucht eingegangen, wobei der Eindruck entsteht, dass diese fast ausschließlich in der englischsprachigen Welt betrieben wird.
Manchmal wirken die Texte nicht ganz schlüssig, irgendwie verworren. Möglicherweise fällt es professionellen Züchtern leichter, jedes Detail zu nachzuvollziehen, vielleicht ist auch einfach in der Übersetzung nicht alles ganz glatt gelaufen. Leider fehlt ein Glossar, welches beim Verständnis unterstützen könnte.
Dennoch gelingt es jeder dieser Widmungen, die Vorzüge ihrer Rasse derart wunderbar hervorzuheben, dass man sich von Seite zu Seite neu begeistern, wenn nicht gar verlieben kann.
Auf kongeniale Weise ergänzt Astrid Harrisson das Werk durch ihre wundervollen Fotos, die die üblichen Kalenderdarstellungen um Lichtjahre hinter sich lassen. Sie fängt nicht nur das Leuchten der Augen, den seidigen Glanz des Felles oder die Geschmeidigkeit eines Tieres ein. Nein, sie schafft Porträts, die über die bloße Ästhetik hinaus die Charaktere bewunderungswürdiger Individuen abbilden. Unmöglich, sich dem Zauber zu entziehen. Hinter den Bildern ist nicht nur behagliche Schnurren zu vernehmen und der Flausch des Felles zu spüren, auf beinahe mystische Weise entsteht eine Verbindung zu diesen eigenwilligen Wesen.
Wer also Katzen mag, wird in diesem Bildband ganz sicher ein großes Glück finden.

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Veröffentlicht am 13.11.2021

Rasant, spannend, überraschend

Meeressarg (Ein Fabian-Risk-Krimi 6)
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Zufällig entdeckt eine junge Frau im Wasser der Kopenhagener Hafeneinfahrt ein Auto, darin zwei Tote. Brisant, denn bei einem handelt es sich um den Chef des polizeilichen Nachrichtendienstes.
Schon bald ...

Zufällig entdeckt eine junge Frau im Wasser der Kopenhagener Hafeneinfahrt ein Auto, darin zwei Tote. Brisant, denn bei einem handelt es sich um den Chef des polizeilichen Nachrichtendienstes.
Schon bald ist klar, dass hier nichts so ist, wie es scheint, und nicht nur an der Aufklärung des Falles gearbeitet wird, sondern ebenso an der Verschleierung.
In seinem sechsten Band der Reihe um den schwedischen Kommissar Fabian Risk eröffnet Autor Stefan Ahnshem mehrere Handlungsstränge und führt sie nach und nach zusammen.
Wir begegnen Dunja Hougard, die obsessiv daran arbeitet, den verhassten Polizeichef Kim Sleizner zu Fall zu bringen, Fabian, der mit dem Verlust seines Sohnes zu kämpfen hat, Jan Hesk, dem der Fall übertragen wird und der etwas unsicher in die Ermittlungen einsteigt. Das klingt komplex, ist es auch, zumal Ereignisse der vorhergehenden Bände stark in die Gegenwart hinein spielen. Doch auch, wenn es äußerst empfehlenswert ist, die Bände in chronologischer Reihenfolge zu lesen, findet man sich als Neueinsteiger bald zurecht, zumal Ahnshem keinerlei Mühe hat, seine Personen in ihren jeweiligen Lebenssituationen so zu charakterisieren, dass sie unmittelbar als Individuen erstehen.
Nicht alles ist so ganz glaubhaft. Nicht immer geht es hundertprozentig schlüssig zu. Und manches wirkt doch ziemlich übertrieben. Aber was über allem steht, ist die gnadenlose Spannung, die einen hindert, das Buch aus der Hand zu legen. Herzklopfen wird zu Herzhämmern wird zu Herzrasen, ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht. Im Wesentlichen zwei Parteien, Dunja und Kim Sleizner, nehmen sich nichts in Bezug auf Verbissenheit, Einsatzbereitschaft und Findigkeit, um über den jeweils anderen den Sieg davon zu tragen. Das gerät überaus rasant, ein Wechselspiel der Kräfte, das von beider Kreativität lebt. Jede Möglichkeit wird genutzt, jeder Winkelzug versucht. In Verbindung mit dem hervorragenden Schreibstil, der Tendenzen zu einem literarischen Ausdruck in genau dosiertem Maße zulässt, wird das Lesen zu purem Vergnügen.
Voraussetzung ist allerdings, dass man nicht allzu sensibel ist, denn einige Szenen sind recht blutig und brutal und rücken den Roman deutlich in die Nähe eines Thrillers. Für diejenigen, die das nicht abschreckt, gilt: unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 27.09.2021

So komisch wie sensibel

Barbara stirbt nicht
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Eines Morgens hat sich Herrn Schmidts Welt verändert. Anstatt ihm wie immer seinen Kaffee zum Frühstück zu präsentieren, liegt seine Frau Barbara auf dem Fußboden des Badezimmers und kommt aus eigener ...

Eines Morgens hat sich Herrn Schmidts Welt verändert. Anstatt ihm wie immer seinen Kaffee zum Frühstück zu präsentieren, liegt seine Frau Barbara auf dem Fußboden des Badezimmers und kommt aus eigener Kraft nicht mehr hoch.
Was immer Barbara fehlt, darüber lässt uns Alina Bronsky im Unklaren. Tatsache ist, dass sie von nun an nicht mehr in der Lage ist, weder ihren Mann noch sich selbst zu versorgen.
So kommt es, dass Herr Schmidt erstmalig selbst Hand anlegen muss, was ihn vor eine Riesenherausforderung stellt. Das beginnt mit dem Kaffee (Wo steht er und wie bereitet man ihn zu?) und setzt sich mit allem anderen fort.
Gleich zu Anfang schon möchte man am liebsten ins Buch springen, um diesen alten Egomanen an den Schultern zu packen, ihn zu schütteln und ihm zu erklären, dass seine Frau Hilfe braucht.
Ganz so einfach indes ist es nicht. In 52 Ehejahren hat sich vieles eingespielt zwischen den beiden. Man spürt stillschweigende Übereinkünfte und eine Art gewachsene Verbundenheit. Und so versucht die unwirsche Grummelbacke, auf ihre Weise der Situation gerecht zu werden. Der Mann, der Spezialist darin ist, andere vor den Kopf zu stoßen, den emotionale Regungen anwidern, der so gar keinen Wert auf fremde Meinungen legt, der die Welt am liebsten nie verändert sähe, der so stolz darauf ist, seiner Frau so nachhaltig ihren russischen Akzent abtrainiert zu haben, muss sich neuen Aufgaben stellen.
Obgleich die Ausgangssituation tragisch ist, von den Protagonisten selbst auch so empfunden, quillt aus jeder Zeile Komik. Bronsky setzt in ihrem unnachahmlichen Schreibstil und grandioser Beobachtungsgabe ganz konsequent Herrn Schmidt in den Mittelpunkt ihrer Erzählung und beschreibt minutiös dessen Auseinandersetzung mit seiner verschobenen Lage im Einklang mit seinem erzkonservativen Weltbild. Und tatsächlich, obgleich er von seiner Weltsicht nicht wirklich abzurücken bereit ist, setzt ganz behutsam Veränderung ein.
Ein wunderbares Buch, klug, sensibel und wahnsinnig komisch.

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Veröffentlicht am 12.09.2021

Eine Geschichte über die Kraft der Menschlichkeit

Junge mit schwarzem Hahn
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Der elfjährige Martin ist ein ganz besonderes Kind. Das Schicksal hat ihm seine Familie geraubt, die Mitbewohner seines Dorfes misstrauen ihm und meiden ihn, sein einziger Freund ist ein schwarzer Hahn, ...

Der elfjährige Martin ist ein ganz besonderes Kind. Das Schicksal hat ihm seine Familie geraubt, die Mitbewohner seines Dorfes misstrauen ihm und meiden ihn, sein einziger Freund ist ein schwarzer Hahn, der ihn ständig begleitet. Und doch bewahrt er sich seine Güte, irritiert durch seine innere und äußere Schönheit, ist hilfsbereit und intelligent. Als eines Tages ein Maler das Dorf besucht, erkennt der das Dilemma des Jungen und erlaubt ihm, ihn beim Weiterziehen zu begleiten.
Nicht nur Martin ist ganz wunderbar geraten, so dass man ihn unmittelbar lieben muss, auch das Buch ist es.
Stefanie vor Schulte schreibt ihr Debüt in scheinbar einfacher Sprache, in denen sich Satzkleinode aneinander reihen wie Perlen auf der Schnur. So leichthin und bedeutungstief, dass man beinahe ehrfürchtig wird beim Umblättern. Oft mit einer verborgenen Sprengkraft, die für ein ganzes Buch ausreichen könnte. Immer wieder findet sich feiner, hintergründiger Humor zwischen den Zeilen.
Doch leichte Kost ist die Geschichte keineswegs. Denn Martin hat sich eine Aufgabe gestellt, die ihm viel abverlangt, und er lebt in einer anarchischen, grausamen Zeit, die sich nicht datiert, aber mittelalterlich anfühlt, und leidet, wie das ganze Volk, unter einer despotischen Herrscherin. Unvorstellbare Gräuel säumen seinen Weg, beinahe aussichtslos wirkt recht bald sein Unterfangen, die Stimmung kippt ins Düstere und verharrt lange dort.
Viele Märchen- und Fabelelemente sind eingebaut und wetteifern wegen Martins exzellenter, ungetrübter Beobachtungsgabe und seiner detektivischen Kompetenz um Genrezuteilung.
Überhaupt kann man ins Grübeln kommen, wo uns das Erzählte hinführen will. Vielleicht hält man es am besten mit dem Jungen, als er unerwartet nach seiner Meinung gefragt wird: „Da muss er erst einmal in sich hineinlauschen, ob er eigene Gedanken zu der Frage findet.“ (S. 15) Lauschen wir, ich bin sicher, dass sich ein Schatz an Antworten einstellen wird.

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Veröffentlicht am 06.09.2021

Kraftvoll, atmosphärisch, unwiderstehlich

Die Leuchtturmwärter
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Das nie aufgeklärte Verschwinden dreier Leuchtturmwärter im Jahr 1900 auf einer Hybrideninsel inspirierte Autorin Emma Stonex zu ihrem fiktionalen Roman.
Am 31. Dezember 1972 bringt ein Boot einen jungen ...

Das nie aufgeklärte Verschwinden dreier Leuchtturmwärter im Jahr 1900 auf einer Hybrideninsel inspirierte Autorin Emma Stonex zu ihrem fiktionalen Roman.
Am 31. Dezember 1972 bringt ein Boot einen jungen Mann zur Maiden, einem Turm vor der Küste Cornwalls. Er soll einen der Wärter ablösen. Doch man findet die Maiden verlassen vor, niemand ist mehr dort.
Diese gespenstische Ausgangslage geht Hand in Hand mit der Ausdruckskraft der Autorin, mit welcher sie das Meer zum Hauptprotagonisten der Geschichte erhebt. So gewaltig sind diese Schilderungen, dass das Schwanken und Tosen erlebbar wird, man sich inmitten einer Gewalt fühlt, wie man sie bislang nicht kennen gelernt hat.
Zwanzig Jahre später recherchiert ein Autor zu dem Vorfall und versucht, die Meinungen und Erinnerungen der hinterbliebenen Frauen zutage zu fördern. Sie haben ihre jeweils eigene charakteristische Weise, mit dem Verlust umzugehen. Ganz nah wird man an sie heran geführt, zunächst unabhängig voneinander geben sie vieles, bei weitem nicht alles, von sich preis. Auch hier überzeugt der Schreibstil, kommt ohne Dialoge aus, schält jede Person aus radikal individueller Sicht detailliert und mit viel Tiefgang aus ihrem Hintergrund.
In der anderen Zeitebene, dem Monat vor dem Ereignis, begleiten wir das Leben im Turm. Wir lernen Arthur, Bill und Vince kennen, drei äußerst unterschiedliche Männer. Ihre Strukturen, ihre Gedanken, Wünsche und Ängste. Den Alltag. Die Routine. Ihr Miteinander. Die extreme Abgeschiedenheit, die beim Lesen heftige Beklemmung verursacht.
Alle drei haben Geheimnisse, die sie umtreiben. Immer wieder entstehen neue Vermutungen, inwieweit diese für die Geschehnisse verantwortlich sein könnten.
Vielleicht ist es der klaustrophobischen Stimmung zuzuschreiben, dass zunehmend übernatürliche Dinge eine Rolle spielen. Manches, nicht alles, findet seine Erklärung. Zu spüren ist, es läuft auf eine Katastrophe hinaus. Und so steigert sich die Spannung ins Unerträgliche.
Ganz sicher ist dieser Roman nicht wenig anstrengend und wird nicht nur Begeisterung auslösen. Aber es ist schwer, sich der Macht zu entziehen, mit der dem ehemaligen Berufsstand der Leuchtturmwärter eine eindringliche, unglaublich intensive Hommage auf höchstem sprachlichen Niveau geboten wird.

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