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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2021

Sehr persönlich

Was bleibt, wenn wir sterben
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Louise Brown wird nach dem Tod ihrer Eltern Trauerrednerin. In ihrem Buch beschreibt sie auf sehr persönliche Weise ihre Erlebnisse mit dem Tod.

Ihr Buch ist kein Sachbuch oder Ratgeber, sondern vielmehr ...

Louise Brown wird nach dem Tod ihrer Eltern Trauerrednerin. In ihrem Buch beschreibt sie auf sehr persönliche Weise ihre Erlebnisse mit dem Tod.

Ihr Buch ist kein Sachbuch oder Ratgeber, sondern vielmehr ein Erlebnisbericht.
Thematisch wird dieses Buch eher trauernde Menschen ansprechen und solche, die sich mit Verlust beschäftigen wollen. Obwohl Louise Brown unaufdringlich mit ihren Erfahrungen umgeht, ist das Thema von sich aus sehr konfrontierend. Der Gedanke an den Tod nahestehender Menschen mit allen Herausforderungen um die Beerdigung ist beklemmend. Es gelingt Frau Brown aufmerksam zu machen. Der Gedanke sich gemeinsam frühzeitig mit diesen Themen auseinandersetzen wird im Laufe des Buches zunehmend vertraut. Gut finde ich, dass sie auf schwierige Beziehungen zu nahestehenden Verstorbenen eingeht, wenn auch sehr kurz. Dabei sind zerrüttete Beziehungen gerade zwischen Eltern und Kindern nicht ungewöhnlich. Zeitweise wirkt ihre Sichtweise etwas verklärt, besonders wenn sie von den "lieben Verstorbenen" spricht. Im Laufe des Buches wird mir immer deutlicher, dass es mit Blick auf schwierige Beziehungen und Familienverhältnisse ein Buch dieser Art bräuchte. Eines mit der hoffnungsvollen und einfühlsamen Erzählweise Louise Browns.

Gelungener persönlicher Erfahrungsbericht, der berührt und zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 08.08.2021

Tief ergreifend

Die Überlebenden
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Alex Schulman schreibt über drei Brüder, die ihre Kindheit überleben mussten und sich als Erwachsene voneinander entfremdet haben. Nach dem Tod der Mutter kehren sie in das alte Sommerhaus zurück. Eine ...

Alex Schulman schreibt über drei Brüder, die ihre Kindheit überleben mussten und sich als Erwachsene voneinander entfremdet haben. Nach dem Tod der Mutter kehren sie in das alte Sommerhaus zurück. Eine Reise durch das ländliche Schweden beginnt. Das Unfassbare der Vergangenheit rückt nahe, die Strapazen der Kindheit reichen bis in die Gegenwart.

Mit einer unglaublichen Ruhe und Genauigkeit schildert der Autor die tragische Geschichte der Familie immer in Kreisen. Es ist, als wäre mit dem Tod der Mutter ein Stein ins Wasser gefallen, um den sich nun die Kreise ziehen.
Schulman erzählt aus Sicht des mittleren Bruders Benjamin die Geschichte und geht dabei immer weiter in die Vergangenheit zurück. Wie ein Countdown wirken die Uhrzeiten über den einzelnen Kapiteln der Gegenwart. Ergänzt werden diese Kapitel, um die Beschreibung der Kindheit der drei Jungen. Die Charaktere werden akribisch geschildert. Es wird klar, wer welche Rolle spielt, was das Erlebte mit den Einzelnen macht.
Der Roman hat seine Stärke in der ruhigen Erzählweise, die scheinbar keine Fahrt aufnimmt und deswegen umso intensiver den Finger in die Wunde legt. Manchmal ist es beschwerlich, wenn die Geschichte wieder einen neuen Kreis zieht, scheinbar endlos, immer unklar wo der Kern des Ganzen ist.
Die Kindheit auf dem schwedischen Land ist greifbar und könnte nicht trister und furchtbarer sein. Es ist schwer zu ertragen, in welche Gefahren die Jungen gebracht und wie sie vernachlässigt werden. Hinzu kommt diese triste Atmosphäre, die bedrückende Schwere, die über allem liegt und sich mit Ereignissen erklären lässt, die später noch zutage kommen.
Ob Alex Schulman mehr autobiografische Anteile eingebracht hat, als drei Brüder, die sich voneinander entfernt haben, ist unklar. Nach Ende der Geschichte möchte ich es nicht so genau wissen.

Fazit. Bedrückend und tragisch. Schulman hat immer den Finger in der Wunde.

Veröffentlicht am 23.07.2021

Syrisch-Deutsche Geschichten

Mein Sternzeichen ist der Regenbogen
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"Mein Sternzeichen ist der Regenbogen" ist ein Buch bestehend aus erstaunlichen Kurzgeschichten, die sich mit Migration, Diktatur, Heimat und Erinnerungen beschäftigen. Es geht um menschliche Beziehungen ...

"Mein Sternzeichen ist der Regenbogen" ist ein Buch bestehend aus erstaunlichen Kurzgeschichten, die sich mit Migration, Diktatur, Heimat und Erinnerungen beschäftigen. Es geht um menschliche Beziehungen und Abgründe.

Rafik Schami erzählt die Geschichten seiner syrischen Verwandten, ebenso wie eigene Erlebnisse. Reale Geschichten werden von sagenhaften Erzählungen und philosophischen Gedanken zu Lebensthemen wie Privatsphäre abgelöst. Was für ein erstaunliches Sammelsurium!

Die nach Themen sortierten Kapitel (z.B. Geburtstag, Lachen, Reisen) ermöglichen zumindest etwas Orientierung. Denn liest man den Buchtitel, so sagt er erstmal Alles und Nichts. Dementsprechend vielfältig und phantasievoll sind die Geschichten. Bunt wie ein Regenbogen. Sie lassen sich schwer einordnen, entziehen sich den Erwartungen und ermöglichen den Lesenden überraschende Erkenntnisse. Wohin das Ganze führt? Das bleibt offen und ist deswegen umso reizvoller.

Die Charaktere und die Entwicklungen sind sehr skuril, manchmal brutal, tragisch, dann wieder hoffnungsvoll. Viele der Charaktere sind nahbar, sodass sich deren Beweggründe, Sehnsüchte und Handlungen gut nachvollziehen lassen. Schami lässt die unterschiedlichsten Charaktere auf komische Art miteinander interagieren, beschäftigt sich mit den Merkwürdigkeiten und den Absurditäten des menschlichen Zusammenlebens, aber auch mit Brutalität und Menschenverachtung.

Trotz der Tragik und Schwere ist die Erzählung dennoch humorvoll, oft auch sehr sarkastisch. Das macht das Lesen angenehm.

Zu Beginn der Geschichten lässt sich über den Ausgang der Geschehnisse rätseln. Oft gibt es unerwartete Wendungen. Da die Geschichten nicht aufeinander aufbauen, eignet sich das Buch zum Schmökern. Abend für Abend eine Geschichte, so kann man auch darüber nachdenken. Das muss man auch, so aussagekräftig und tiefgründig wie die Geschichten sind.

Zusammenfassend ist dies eine besondere Sammlung deutsch-syrischer Geschichten. Skuril, tragisch und aussagekräftig. Sehr Lesenswert!

Veröffentlicht am 31.03.2021

Erwachsene auf die Schippe genommen

Das Faultier bewegt sich wie Opa
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"Das Faultier bewegt sich wie Opa" ist nur eine der gesammelten Aussagen von Kindern, welche in diesem Buch zusammengestellt wurden. Die Autorinnen haben eine gute Auswahl witziger Kindersprüche getroffen. ...

"Das Faultier bewegt sich wie Opa" ist nur eine der gesammelten Aussagen von Kindern, welche in diesem Buch zusammengestellt wurden. Die Autorinnen haben eine gute Auswahl witziger Kindersprüche getroffen. Viele Zitate sind leicht verständlich, einige Aussagen sind besser im Zusammenhang zu verstehen. Sinnigerweise haben Dignös und Schnitzler zwischen den Zitaten passende und humorvolle Einleitungen stehen. Manchmal sind es auch Erklärungen für die Zitate. Den Autorinnen gelingt es die Einleitungen und Kommentare zu schreiben, die zeigen, dass sich Erwachsene nicht so ernst nehmen müssen. Vorallem geht es nicht darum, sich ausschließlich über die Kindersicht zu belustigen. Es stellt sich die Frage, was das Erwachsensein gegenüber dem Kindsein vermissen lässt. Das kann beim Lesen sehr anregend sein.
Eingeteilt in Kapitel sind die Zitate inhaltlich sinnvoll strukturiert. Witzige Zeichnungen und Exkurse zum Beispiel zur Kindererziehung ergänzen die Zitatensammlung sehr gut.
Das Lesen ist vergnüglich. Viele Kindersprüche haben aus sich heraus einen großen Charme, dazu kommt der Humor der Autorinnen.

Fazit
Vergnügliche Aufbereitung von Kinderzitaten, gut zum mal rein blättern.

Veröffentlicht am 14.03.2021

Traumwandlerische Poesie

Die Erfindung der Welt
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Aliza Berg bekommt von einem geheimnisvollen Auftraggeber die Aufgabe einen Roman über das Leben zu schreiben. Er gibt auch einen Ort an, an dem sie recherchieren soll. Aliza nimmt den Auftrag an. Doch ...

Aliza Berg bekommt von einem geheimnisvollen Auftraggeber die Aufgabe einen Roman über das Leben zu schreiben. Er gibt auch einen Ort an, an dem sie recherchieren soll. Aliza nimmt den Auftrag an. Doch die Frage bleibt: Wer vergibt einen solch merkwürdigen Auftrag ohne seinen Namen zu nennen und überweist dann vorher schon 20.000€ für die Arbeit? Das ist ja mal eine geniale Geschichte!

Die Erzählung ist dann eher bruchstückenhaft, bewegt sich mal in die eine und dann wieder in die andere Richtung. Traumwandlerisch zusammengefügt, sind es oft überspitzte und absurde Geschehnisse und Gedanken. Es ist wie in einem Labyrinth, in dem man die Gedankenwelt der einzelnen Charaktere durchschreitet. Der rote Faden scheint zu fehlen, das macht es auf Dauer etwas anstrengend und stellenweise ist die Erzählung zu ausschweifend.

Der Roman ist besonders, nicht nur weil sich die Geschichte so sprunghaft entwickelt. Es sind auch die umfassend beschriebenen Charaktere, das Vertiefen in ihre Gedanken und ihre speziellen Eigenschaften. Zudem ist es unfassbar wie poetisch und sinnlich die Erzählung ist und dann auch noch philosophisch. Mal geht es um den weiten Kosmos, komplexe Beschreibungen von Sternbildern und dann wieder um Sex und Erotik. Die Fragen des Lebens stellen sich. All das macht die Erzählung zu anspruchsvoller Literatur.

Ungewöhnliche Geschichte, sehr sinnlich und poetisch. Anspruchsvolle Literatur.