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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.11.2021

Inspirierend

Gelassen leben
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Katharina Middendorf ist nicht nur Yoga-Expertin, sondern auch Paar- und Sexualtherapeutin. In ihrem Ratgeber für die Stiftung Warentest vereint sie diese Kompetenzen. Dementsprechend geht sie auf viele ...

Katharina Middendorf ist nicht nur Yoga-Expertin, sondern auch Paar- und Sexualtherapeutin. In ihrem Ratgeber für die Stiftung Warentest vereint sie diese Kompetenzen. Dementsprechend geht sie auf viele Stressauslöser in Partnerschaften ein. Einziger Kritikpunkt könnte die Fokussierung auf genau diese Themen sein. Es geht um Sprachen der Liebe, Hindernisse für sexuelle Erfüllung und andere zwischenmenschliche Probleme. Themen für Singels finden sich auch, z.B. Prokastination, Handy-Detox und Powernapping. Es ist sehr gelungen, wie den Problemen ganz konkrete und simple Handlungsideen zugeordnet werden. Genau diese Handlungsideen zeigen die Kompetenz von Middendorf. Da geht es um Achtsamkeits-, Atem- und Yogaübungen bis hin zu dem Verstehen psychologischer Vorgänge. Es geht auch um einen wohlwollenden Umgang mit sich. Auch wenn diese Übungen erstmal simpel klingen, können sie doch effektive Strategien im Umgang mit Stress sein. Der Ratgeber behält trotzdem seine Leichtigkeit. Nicht nur wegen der schönen Bilder, sondern auch wegen der launigen Texte und der knappen Kapitel. Unabhängig vom Inhalt fällt der Ratgeber mit seinem kompakten Format und der griffigen Größe auf, ist reizvoll bebildert und ansprechend gestaltet. Darin lässt sich gut Schmökern. Sehr gelungen und inspirierend.

Veröffentlicht am 19.11.2021

Labile Identitäten

DAFUQ
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Anja Romanowa wurde auf einer Demo gegen staatliche Korruption aufgegriffen. Sie kommt in den 10 tägigen Arrest. Mit ihr sitzen 5 andere junge Frauen, deren Haftgründe und Lebensentwürfe nicht unterschiedlicher ...

Anja Romanowa wurde auf einer Demo gegen staatliche Korruption aufgegriffen. Sie kommt in den 10 tägigen Arrest. Mit ihr sitzen 5 andere junge Frauen, deren Haftgründe und Lebensentwürfe nicht unterschiedlicher sein können. Die Frauen stehen für das junge Russland, gespalten und orientierungslos. Vorallem verarbeitet die Autorin bestimmt ihre eigenen Erfahrungen, als Vertraute Nawalnys. Das gibt der Geschichte eine große Tragweite.
Die Situation des Arrests ist spannend. Es ist ein geschlossenes System in dem sich die Frauen zusammen finden, in dem sie der Willkür der AufseherInnen und Mitinsassen ausgesetzt sind. Sie erleben aber auch Verbundenheit und trotz ihrem skurrilen Auftreten erscheinen sie sympathisch. Im Gegensatz zu Anja sind die Anderen eher grob beschrieben. Die Erzählung wirkt stellenweise bedrohlich und bedrückend, ist dann aber auch wieder seicht und plätschert nett vor sich hin. Zu den ganzen seltsamen Gesprächen zwischen den Frauen kommt Anjas zunehmende Instabilität. Ihre Lebensgeschichte wird sehr eindrücklich erzählt, ein Leben ohne stabile positive Beziehungen, hingezogen zu Frauen und Männern, Missbrauch und Manipulation. Vorallem ist es ihre ständige Suche nach Realität, die mich berührt und betroffen macht. Sie hat das Gefühl in einem System zu leben, mit dem sie nicht leben will. Der Arrest scheint ihr die letzte Sicherheit und den Bezug zur Realität zu nehmen. Sie wird zunehmend psychotisch. Umso furchtbarer ist, das es wie eine Flucht aus ihrem Leben wirkt. Alles löst sich auf, sie zerfällt förmlich. Ich kann dieser Entwicklung und dem Ende der Geschichte nicht viel abgewinnen, weil ich es so bedrückend finde. Die Entscheidung, die im Klappentext angekündigt wird, kommt mir vor wie eine Entscheidung gegen das Leben. Das ist sicherlich Deutungssache. Der Roman hat eine große Aussagekraft und zeigt auch, wie die jungen Frauen in ihrer Labilität ihren Platz im Leben behaupten. Der Titel DAFUG trifft es: What the fuck??

Veröffentlicht am 31.10.2021

Wirksame Selbsthilfe

Resilienz für dich
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Dieser Ratgeber eignet sich zur Selbsthilfe, kann aber ebenso eine gute Ergänzung zu ambulanten und stationären Therapieformen sein. Das Buch scheint von der farblichen Gestaltung und der Ansprache eher ...

Dieser Ratgeber eignet sich zur Selbsthilfe, kann aber ebenso eine gute Ergänzung zu ambulanten und stationären Therapieformen sein. Das Buch scheint von der farblichen Gestaltung und der Ansprache eher an Frauen zu richten. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt.
Auf einfache Weise werden Ideen vermittelt, wie Menschen mit einer Krise umgehen lernen und resilienter werden. Es geht um das Erfahren von Selbstwirksamkeit, das Verstehen von Abläufen im Kopf bei Stress und das Entwickeln von Strategien im Alltag. Dies wird zwar "nur" grob angerissen, aber ausreichend um einen Überblick und ein Verständnis für Krisen zu bekommen. Dabei wird auf übliche Notfallpläne und Strategien zurück gegriffen, die äußerst wirksam und anregend sind. Vorallem sind sie simpel, überfordern dadurch nicht und sind für jeden anwendbar. In kurzen Kapiteln gibt es vorab Anregungen zu Themen wie Eigenverantwortung, Grenzen setzen und dem Gedankenkreisen. Die inhaltliche Gestaltung ist sehr geeignet, um gewappnet in Krisen zu gehen. Zusätzlich ist das Buch sehr schön gestaltet.
Sehr empfehlenswert!
Dieses Buch enthält sehr wirksame Bewältigungstrategien und Erklärungen zum besseren Verständnis von Stress und Krisen auf unsere Seele.

Veröffentlicht am 16.09.2021

Nicht immer nur Gutes

Nichts als Gutes
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Wie kommt man darauf fiktive Grabreden zu schreiben? Wie auch immer, Stefan Slupetzky hatte damit einen guten Einfall.
Seine Grabreden legen Abgründe offen, überraschen mit absonderlichen Wendungen, lassen ...

Wie kommt man darauf fiktive Grabreden zu schreiben? Wie auch immer, Stefan Slupetzky hatte damit einen guten Einfall.
Seine Grabreden legen Abgründe offen, überraschen mit absonderlichen Wendungen, lassen tief blicken. Sie sind vorallem nicht immer wohlmeinend, sondern werfen auch Schatten auf die Betreffenden. Die Trauergemeinden, wenn es denn welche gibt, erfahren das ein oder andere Unerwartete. Oftmals sagen die Reden mehr über die Redner selbst, als über die Verstorbenen. Das macht es spannend und zeigt, daß Rituale nach dem Tod mehr den Lebenden dienen.
Slupetzky hat eine unterhaltsame Erzählweise, die immer wieder von österreichischem Vokabular durchzogen ist. Die Reden sind hintersinnig, schelmig und irritierend. Viele Reden haben, trotz aller Tragik, etwas komisches und amüsantes. Manchmal bleibt das Lachen im Halse stecken. Da werden tiefgreifende Fragen aufgeworfen, mit denen die Lebenden zurück bleiben, da wird der Tod gefeiert, ein Mord gestanden. Sehr gelungen. Zeitweise wirkt es so, als wolle der Autor gezielt irritieren. Einiges ist politisch unkorrekt, anderes dagegen sehr politisch.
Seine Einleitungen, die vor jeder Grabrede stehen, scheinen wenig aussagekräftig. Vielleicht ist es der Gegensatz zwischen der unverblümten Nähe in den Reden und den philosophischen Anwandlungen über das große Ganze in den Einleitungen, das etwas merkwürdig ist. Trotz allem lässt sich das Buch gut lesen.

Sehr unterhaltsame und hintersinnige Grabreden. Tragisch-komisch!

Veröffentlicht am 14.09.2021

Sehr persönlich

Was bleibt, wenn wir sterben
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Louise Brown wird nach dem Tod ihrer Eltern Trauerrednerin. In ihrem Buch beschreibt sie auf sehr persönliche Weise ihre Erlebnisse mit dem Tod.

Ihr Buch ist kein Sachbuch oder Ratgeber, sondern vielmehr ...

Louise Brown wird nach dem Tod ihrer Eltern Trauerrednerin. In ihrem Buch beschreibt sie auf sehr persönliche Weise ihre Erlebnisse mit dem Tod.

Ihr Buch ist kein Sachbuch oder Ratgeber, sondern vielmehr ein Erlebnisbericht.
Thematisch wird dieses Buch eher trauernde Menschen ansprechen und solche, die sich mit Verlust beschäftigen wollen. Obwohl Louise Brown unaufdringlich mit ihren Erfahrungen umgeht, ist das Thema von sich aus sehr konfrontierend. Der Gedanke an den Tod nahestehender Menschen mit allen Herausforderungen um die Beerdigung ist beklemmend. Es gelingt Frau Brown aufmerksam zu machen. Der Gedanke sich gemeinsam frühzeitig mit diesen Themen auseinandersetzen wird im Laufe des Buches zunehmend vertraut. Gut finde ich, dass sie auf schwierige Beziehungen zu nahestehenden Verstorbenen eingeht, wenn auch sehr kurz. Dabei sind zerrüttete Beziehungen gerade zwischen Eltern und Kindern nicht ungewöhnlich. Zeitweise wirkt ihre Sichtweise etwas verklärt, besonders wenn sie von den "lieben Verstorbenen" spricht. Im Laufe des Buches wird mir immer deutlicher, dass es mit Blick auf schwierige Beziehungen und Familienverhältnisse ein Buch dieser Art bräuchte. Eines mit der hoffnungsvollen und einfühlsamen Erzählweise Louise Browns.

Gelungener persönlicher Erfahrungsbericht, der berührt und zum Nachdenken anregt.