Profilbild von Gavroche

Gavroche

Lesejury Star
offline

Gavroche ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gavroche über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2017

Historischer Abenteuerroman

Der Kaffeedieb
0

Ich habe einige der Luxemburg-Krimis und auch „Drohnenland“ von Tom Hillenbrand gelesen und so habe ich mich schon sehr auf diesen historischen Roman gefreut, weil ich den Schreibstil des Autoren mag und ...

Ich habe einige der Luxemburg-Krimis und auch „Drohnenland“ von Tom Hillenbrand gelesen und so habe ich mich schon sehr auf diesen historischen Roman gefreut, weil ich den Schreibstil des Autoren mag und ich bin nicht enttäuscht worden.

Ende des 17. Jahrhunderts, Obediah Chalon sitzt in einem Londoner Kaffeehaus und ist sicher, bald das Geschäft seines Lebens abzuschließen. Chalon ist ein begnadeter Fälscher, Naturphilosoph, Kaffeetrinker und liebenswerter Filou – und was sonst noch alles in ihm steckt, offenbart sich erst nach und nach. Natürlich führt das Geschäft nicht zu dem gewünschten Erfolg. Zeitsprung. Obediah Chalon befindet sich im Gefängnis, wird allerdings bald von VOC damit beauftragt, in Mocha Kaffeepflanzen zu stehlen, um das Monopol auf Kaffee zu beenden. Dafür heuert er eine Mannschaft mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten an und die Reise beginnt…

Hillenbrand ist ein gewitzter, intelligenter, sympathischer, manchmal erschreckend naiver Protagonist gelungen, der mit vielen bekannten Leuten korrespondiert und durch diesen Kniff streut der Autor immer wieder historische, technische, naturphilosophische und weitere Erkenntnisse ein. Exkurse und Erkenntnisse zur Codierung und Dechiffrierung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte neben einer kleinen Kaffeegeschichte.

Wer sich ein wenig in der Geschichte auskennt, ist sicherlich im Vorteil; auch Fremdsprachenkenntnisse helfen. Mir hat dieser Stil sehr gut gefallen. Die Geschichte bleibt immer spannend und interessant, da sie gerne unerwartete Wendungen nimmt. Eine absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 21.04.2017

Zauberer

Der Trick
0

Mosche Goldenhirsch kommt kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in Prag zur Welt, sein Vater ist ein Rabbi (oder ein Schlosser?), wenige Jahre später stirbt seine geliebte Mutter und die beiden kommen ...

Mosche Goldenhirsch kommt kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in Prag zur Welt, sein Vater ist ein Rabbi (oder ein Schlosser?), wenige Jahre später stirbt seine geliebte Mutter und die beiden kommen eher schlecht miteinander aus. Als Mosche 15 Jahre alt ist, besucht er eine Vorstellung der Zauber-Zirkus und ist fasziniert von dieser fremden Welt und vor allem von der persischen Prinzessin. Er reißt von Zuhause aus und macht sich auf die Suche nach dem Zirkus und wird bald ein Mitglied dieses Zirkus.
Der zweite Erzählstrang spielt in der Gegenwart. Der 10jährige Max hat es befürchtet, seine Eltern wollen sich scheiden lassen - und er ist Schuld daran! Das muss er rückgängig machen und durch Zufall findet er eine alte Schallplatte seines Vaters vom Großen Zabbatini, einem Zauberer, der einen Liebeszauber verspricht - leider hat die Platte an der entscheidenden Stelle einen Kratzer. So macht Max sich auf die Suche nach Zabbatini alias Mosche Goldenhirsch, um die Ehe seiner Eltern zu retten. Doch der Zauberer hat ganz andere Probleme - obwohl, vielleicht ist der kleine Junge ja doch auszunutzen?

Emanuel Bergmann hat mich mit seinem Buch verzaubert und eintauchen lassen in seine Geschichte. Die kapitelweisen Wechsel der Zeit und Perspektive enthüllen nach und nach mehr vom Leben des Zabbatini, der viele Probleme zu meistern hat, vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus, dem aber auch viel Schönes wiederfährt. Das Bild des alten Zabbatini ist ein ganz anderes, nun ist er alt, desillusioniert, unsympathisch und lüstern. Max hingegen voller Hingabe und Überzeugung, dass dieser Mann die Ehe seiner Eltern wieder retten wird.
Das Ende ist eine große Überraschung, allerdings keine kitschige Heile-Welt-Version.

Veröffentlicht am 20.04.2017

Tolle Detektivgeschichte

Durch Nacht und Wind (Goethe und Schiller ermitteln)
0

Detektivgeschichten in der Manier von Sherlock Holmes und John Watson sind im Moment sehr in Mode, doch Stefan Lehnberg ist mit seinen Protagonisten Goethe und Schiller etwas Besonderes gelungen.
Schiller ...

Detektivgeschichten in der Manier von Sherlock Holmes und John Watson sind im Moment sehr in Mode, doch Stefan Lehnberg ist mit seinen Protagonisten Goethe und Schiller etwas Besonderes gelungen.
Schiller ist der Erzähler, wie Watson, und demnach ist Goethe der Sherlock Holmes.
Es beginnt mit einem verfluchten Ring und bald geschehen seltsame Morde, die Rätsel aufgeben. Einige Irrungen und Wirrungen sind bis zur Auflösung vonnöten. Eine spektakuläre Ballonfahrt gehörte für mich zu den Höhepunkten.
Stefan Lehnberg hat sich in Orthographie und Ausdruck der Zeit angepasst, in der die Geschichte angeblich verfasst wurde und so wirkt sie authentischer.
Einiges, jedoch längst nicht alles, war vorhersehbar, doch das nahm mir auf keinen Fall das Lesevergnügen.

Veröffentlicht am 20.04.2017

Toller Auftakt

Sieben minus eins
0

Ein 15jähriges Mädchen ist verschwunden und es ist nicht das erste junge Mädchen, das vermisst wird. Sam Berger ist sich sicher, dass die Fälle zusammen hängen. Außerdem scheint der Täter ihn persönlich ...

Ein 15jähriges Mädchen ist verschwunden und es ist nicht das erste junge Mädchen, das vermisst wird. Sam Berger ist sich sicher, dass die Fälle zusammen hängen. Außerdem scheint der Täter ihn persönlich zu kennen. Sam Berger macht gerne Alleingänge und nimmt es mit dem Gesetz nicht so genau und gerade das bringt ihn oft in Schwierigkeiten.
Die Geschichte ist sehr spannend mit vielen unerwarteten Wendungen, darum möchte ich nicht weiter auf den Inhalt eingehen. Den Schreibstil finde ich typisch skandinavisch und wer sich in Stockholm ein wenig auskennt, erkennt viel wieder. Nach und nach erfährt der Leser mehr aus der Vergangenheit der Protagonisten und die Vermutungen werden konkreter, aber die Lösung lässt sich dennoch nicht so einfach erraten. Das Buch endet mit einem "Knalleffekt" und lässt auf das baldige Erscheinen der Fortsetzung hoffen.
Aktuelle Ereignisse werden angesprochen, Thesen aufgestellt und wieder verworfen - Hochspannung ist garantiert.

Veröffentlicht am 20.04.2017

Toller Bretagne-Roman

Die Stimmen über dem Meer
0

Bettina Storks entführt uns in ihrem Roman in die wilde Schönheit der Bretagne. Morgane hat von ihrer Tante Fanny eine ehemalige Pension geerbt. Ihre Mutter stammte aus der Bretagne, aber sie ist als Morgane ...

Bettina Storks entführt uns in ihrem Roman in die wilde Schönheit der Bretagne. Morgane hat von ihrer Tante Fanny eine ehemalige Pension geerbt. Ihre Mutter stammte aus der Bretagne, aber sie ist als Morgane 10 Jahre alt war, von einem Schwimmausflug auf dem Atlantik nicht zurück gekehrt. Morgane nimmt das Erbe an, auch wenn es mit Schulden belastet ist und außerdem noch die grimmige alte Paulette dort wohnt, mit der sie sich die Küche teilen muss. Aber Paulette hat Wohnrecht auf Lebenszeit. Morgane ist eine Stück auch ihrer zu Ende gehenden Beziehung mit Stefan geflohen. Da sie als freie Übersetzerin arbeitet, kann sie überall arbeiten. Morgane hat gute Zeiten, aber sie muss immer wieder Rückschläge hinnehmen und steht oft vor dem Aufgeben.

Neben Morgane ist für mich die Bretagne eindeutig die zweite Protagonistin. Bettina Storks flicht geschickt durch die Übersetzungsarbeiten Mythen der Bretagne, aber auch aktuelle Umweltprobleme ein. Der Leser wird gefangen genommen von der rauen Schönheit des Finistère, des Landes am Ende der Welt. Auch die Menschen, denen Morgane dort begegnet, haben viele Ecken und Kanten.

Mir hat das Buch sehr gefallen; zum Einen die Geschichte, die so gar nicht klischeehaft ist und immer wieder überrascht, aber auch der Schreibstil mit den wunderbaren Beschreibungen haben mich überzeugt. Leider war die Lektüre viel zu schnell beendet und somit auch die Reise in die Bretagne.