Profilbild von skaramel

skaramel

Lesejury Profi
offline

skaramel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit skaramel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.06.2025

Zwei Leben, eine Frage - Was wäre wenn?

Im Leben nebenan
0

Anne Sauers Debüt ist ein berührendes Gedankenexperiment: Was wäre, wenn man an einer entscheidenden Weggabelung anders abgebogen wäre? Angereichert mit emotionaler Tiefe, klarem Schreibstil und feinem ...

Anne Sauers Debüt ist ein berührendes Gedankenexperiment: Was wäre, wenn man an einer entscheidenden Weggabelung anders abgebogen wäre? Angereichert mit emotionaler Tiefe, klarem Schreibstil und feinem Humor lädt der Roman dazu ein, zwei Lebenswege einer jungen Frau, mit und ohne Kind, parallel zu erleben.

Der Roman erzählt aus zwei Perspektiven: einmal als Toni, kinderlos in der Stadt lebend, einmal als Antonia, frischgebackene Mutter auf dem Land. Plötzlich wacht sie in der ländlichen Familienrealität auf, in der sie mit Jugendliebe Adam verheiratet ist, ein Baby im Arm hält und ein ganz anderes Leben führt. Parallel dazu begleiten wir sie in der Großstadt: im Kinderwunschprozess, zwischen Hoffen und Scheitern.

Sauers Stil ist einfühlsam, schlicht und doch poetisch, angenehm zu lesen, mit leiser, subtiler Spannung. Es fühlt sich an wie eine fesselnde Serie, bei der man jedes Kapitel verschlingen möchte.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Die Idee, zwei Lebenskonzepte gleichzeitig zu erleben, hat mich von Beginn an fasziniert. Besonders stark finde ich, wie Anne Sauer Themen wie Mutterschaft, Kinderwunsch und Selbstbild ohne Kitsch, aber mit großer Ehrlichkeit verhandelt. Die Zweifel und Ängste beider Tonis wirken echt, mal hoffnungsvoll, mal bedrückend, und bleiben im Kopf. Auch die Balance zwischen Stadt- und Landleben ist gelungen: Das ruhige Familienszenario kontrastiert mit dem lauten, zielorientierten Leben in der Stadt und zeigt, wie unterschiedlich Identität wirken kann, je nachdem, welchen Weg man wählt.

Auch inhaltlich überzeugt das Buch durch seine emotionale Tiefe: Themen wie Mutterschaft, Kinderwunsch, Rollenbilder und Selbstverwirklichung werden feinfühlig, ehrlich und ohne Pathos verhandelt. Der Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen: klar, ruhig, aber trotzdem berührend. Er trägt die Geschichte mit Leichtigkeit, ohne oberflächlich zu sein.

„Im Leben nebenan“ ist ein beeindruckendes Debüt – smart, berührend, relevant. Anne Sauer öffnet einen Raum für die großen Fragen über Frauenleben, Muttersein und Lebensentscheidungen. Liebs.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.06.2025

Lieblingsbuchpotential

Just for the Summer
0

Als Emma den Reddit-Post von Justin liest, muss sie nicht nur schmunzeln, sondern auch direkt mitfühlen. Justin erzählt darin von seinem „Fluch“, denn sobald er eine Trennung durchlebt, findet seine Expartnerin ...

Als Emma den Reddit-Post von Justin liest, muss sie nicht nur schmunzeln, sondern auch direkt mitfühlen. Justin erzählt darin von seinem „Fluch“, denn sobald er eine Trennung durchlebt, findet seine Expartnerin zu ihrer großen Liebe und ist schnellstens verheiratet. Genauso geht’s eben auch Emma, daher fasst sie einen Entschluss und schreibt ihm – vielleicht können sie den Fluch gemeinsam brechen? Was als kurzer Scherz beginnt, entwickelt sich zu einer Liebesgeschichte mit der keiner der beiden gerechnet hätte.
Als das Buch auf meinen Tisch flatterte, hatte ich keine Erwartungen. Es war das Erste von Abby Jimenez. Aber schon schnell war klar, sie hat einen tollen Schreibstil und dieser lässt einen nicht aus seinen Bann. Die Seiten sind nur so geflogen. Das lag vor allem aber auch an den Charakteren und deren Geschichte. Sowohl Emma als auch Justin waren mir extremst sympathisch und hatten ausreichend Backround mitgebracht, dass sie all die Seiten füllen konnten. Die Sympathie zwischen den beiden war förmlich spürbar. Aber auch die Nebencharaktere wie die beste Freundin oder Emmas Mutter Amber sind greifbar. Ich würde sagen, dass Jimenez‘ größter Erfolg die Charakterbeschreibungen sind.
Zeitgleich gefiel mir, dass die Charaktere aneinander arbeiten. Mein größter Kritikpunkt an all den Romcoms ist immer wieder die fehlende Tiefe bzw. der Fakt, dass „Liebe alles heilen“ kann. Darauf hat Jimenez verzichtet – ganz ehrlich: Justin als auch Emma brauchen beide eine Therapie, keiner ist perfekt. Aber dem Himmel sei Dank endet das Buch nicht damit, dass alles gut ist, weil sie zusammen sind, sondern weil Emma an sich arbeiten will. Genau richtig.

Daher: Große Empfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.07.2024

Mehr als ein historischer Roman

Das Echo der Gezeiten
0


Zwei Frauen, zwei Geschichten, zwei Schicksale und doch irgendwie vereint:
In den 60er Jahren möchte Tilla Taucherin werden, an die Uni gehen und ein großes Geheimnis um ein altes Wrack lösen. Alles ...


Zwei Frauen, zwei Geschichten, zwei Schicksale und doch irgendwie vereint:
In den 60er Jahren möchte Tilla Taucherin werden, an die Uni gehen und ein großes Geheimnis um ein altes Wrack lösen. Alles Dinge, die eher den Männern zugeschrieben wird, doch sie hat eine große Vision.
Zeitgleich verwebt sich ihre Geschichte mit der von Nes, die mit ihrer Mutter Zuflucht in einem Beginenkonvent sucht. Ihre Geschichte spielt jedoch 1633 und sie ist ebenfalls mit dem Meer verbunden, charakterstark wie Tilla und trotzt vielen Widrigkeiten.
Und so verbindet Rebekka Frank in „Das Echo der Gezeiten“ nicht nur Nes und Tilla miteinander, sondern auch Geschichte und Fiktion. Das Cover ist faktisch ein Understatement. Spricht womöglich genau die Zielgruppe an, die schon mit historischen Romanen bewandert ist und sich bewusst für das Buch entscheiden würde. Für mich war es ein Zufall, dass das Buch auf meinem Tisch landete, denn alleine durch das Cover würde es mich nicht ansprechen. Doch hinter all dem verbirgt so viel mehr ist als „noch“ ein historischer Roman. Der Roman um Tilla und Nes, die einen schon nach kurzer Zeit ans Herz wachsen, ist zeitgleich so modern, dass man zwischenzeitlich vergisst, in welchen Zeitspannen man sich bewegt. Die Themenschwerpunkte, die, neben dem Entdecken und der Geschichte, spielen, sind so modern, dass sie genauso einen Platz in der aktuellen Zeit finden. Absolut fesselnd und für jeden, der gute Literatur mag, ein großer Tipp.

Veröffentlicht am 03.07.2024

Besser als das erste Buch!

Windstärke 17
0

Windstärke 17 setzt 10 Jahre später nach "22 Bahnen" an. Ida ist erwachsen, lebt ihr eigenes Leben. Tilda ist zusammen mit Viktor in Berlin, ihre Mutter tot. Und nun? Was macht man, wenn man nie alleine ...

Windstärke 17 setzt 10 Jahre später nach "22 Bahnen" an. Ida ist erwachsen, lebt ihr eigenes Leben. Tilda ist zusammen mit Viktor in Berlin, ihre Mutter tot. Und nun? Was macht man, wenn man nie alleine war und Trauer und Zukunft miteinander vereinbaren muss.
Ida flieht nach Rügen und trifft aufeinmal ein Leben, das sie so nie kannte, aber immer gebraucht hat.

Ich bin und war schon immer ein großer Wahl-Fan. 22 Bahnen hab ich sehr gerne gelesen und hatte große Erwartungen an das neue Buch. Windstärke 17 hat alles übertroffen. Ida war genau das, was das Buch brauchte. Viel tiefgründiger, stimmiger und nachvollziehbarer.

Wahl kann schreiben und reißt einen mit, Windstärke 17 jedoch war noch kurzweiliger, stimmiger und auf eine schöne Weise verträumt. Obwohl Ida wütend und unberechbar ist, schafft es Caroline Wahl mit ihrer Schreibart etwas sanftes über die Geschichte zu zeichnen und genau dadurch, dass ich das Buch in knapp 1,5 Tagen durchgelesen hatte.

Veröffentlicht am 16.09.2021

Typisch McFarlane

Du hast mir gerade noch gefehlt
0

Stell dir vor, du verlierst deine beste Freundin mitten in deinen Dreißigern? Wie viel gibt es noch, was ungesagt geblieben ist? Was wird sie alles verpassen? Und wie soll das Leben einfach weiter gehen?
So ...

Stell dir vor, du verlierst deine beste Freundin mitten in deinen Dreißigern? Wie viel gibt es noch, was ungesagt geblieben ist? Was wird sie alles verpassen? Und wie soll das Leben einfach weiter gehen?
So geht es Eve. Sie ist seit Studienzeiten mit Susie, Ed und Justin befreundet und genau an dem Abend, an dem Eds Freundin, in dem sie seit Jahre heimlich verliebt ist, ihm einen Heiratsantrag macht, erleidet Susie einen Unfall. Dadurch erscheint auch Susis älterer Bruder Finlay in Eves Leben und sorgt für jede Menge Chaos. Als Eve feststellt, dass sich unter Finlays rauer Schale ein gar nicht so unattraktiver Kern verbirgt, spielt Ed plötzlich mit dem Gedanken, die Hochzeit abzusagen. Was für Eve ein Grund zur Freude sein sollte, hat ihr jetzt gerade noch gefehlt …
Mhairi McFarlane – ein Garant für gute Literatur und ein Name, der bei mir immer Freude hervorruft, sobald ich ihn auf der Liste der Neuerscheinungen sehe. So groß war daher die Vorfreude als „Du hast mir gerade noch gefehlt“ auf der Bühne erschien.
Und wie immer, McFarlane hat abgeliefert. Ihr neuster Roman ist ganz typisch ein McFarlane und doch so gar nicht. Im Mittelpunkt von „Du hast mir gerade noch gefehlt“ steht diesmal nicht nur eine zauberhafte Liebesgeschichte, sondern auch Trauerarbeit. Sie nimmt den Leser mit auf die Reise von Verlust, Freundschaft und dem „mit dem Leben wieder anfangen“. In all das baut sie eine aufkeimende neue Liebe ein.
All das macht sie wie gewohnt mit leichten Worten, schafft eine zuckersüße Geschichte, die doch so viel mehr Tiefgang hat als man zunächst denkt.
Das McFarlane sich nicht nur mit einem Thema beschäftigt, das kennen die treuen Leser. Geschickt und leicht für den Leser baut sie Rassismus, Feminismus, Demenz und auch die Trauer ein. Doch ihre Bücher wirken immer leicht, fluffig und haben trotzdem genau das richtige Maß an Tiefgang und snd mehr als nur eine Liebesgeschichte. Mit „Du hast mir gerade noch gefehlt“ hat sie ein mitreißenden, ans Herz gehenden Roman verfasst, der allen Erwartungen der treuen Fans gerecht wird, aber auch für jeden neuen Leser einen toller Einstieg bietet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere