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Veröffentlicht am 26.09.2021

Die Swinging Sixties

Die Schwestern vom Ku'damm: Ein neuer Morgen
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Nach dem mich bereits die ersten drei Bände um die Familie Thalheim begeistert haben, musste ich unbedingt den vierten Band lesen. Er umfasst die Jahre 1966 bis 1971. Während in den Vorgängerbänden die ...

Nach dem mich bereits die ersten drei Bände um die Familie Thalheim begeistert haben, musste ich unbedingt den vierten Band lesen. Er umfasst die Jahre 1966 bis 1971. Während in den Vorgängerbänden die Schwestern Rike, Silvie und Florentine eine tragende Rolle spielten, nimmt in diesem Band die Schneiderin und Chefdesignerin Miriam Feldmann diesen Platz ein.

Miriam kann ihre Vergangenheit nicht so einfach abschütteln. Von ihrer Mutter ist ihr nur ein Koffer mit Schnittmustern geblieben, den Miri während des Krieges immer mit sich führte. Da sie jüdische Wurzeln hat, musste sie über zwei Jahre im Untergrund leben und versuchte sich mit Näharbeiten über Wasser zu halten. Nun ist Miriam Feldmann im Modehaus Thalheim für Personal und als Chefdesignerin zuständig. Gemeinsam mit den Schwester Rike, Silvie und Florentine wollen sie ein neues Kapitel beginnen und planen den Umbau des Modekaufhauses. Miriam und ihr Mann Schani hatten sich bereits damit abgefunden, dass sie kein eigenes Kind bekommen können und dann ist Miriam mit über 40 Jahren schwanger.

Der fesselnde Schreibstil von Brigitte Riebe hat mich auch in diesem Band wieder von Anfang an gefangen genommen. Sie schafft es die jüngere deutsche Geschichte fesselnd und mitreißend zu erzählen. Geschickt hat die Autorin das Leben der Familie Thalheim mit den historischen Ereignissen in Berlin verwoben. Sie hat Erinnerungen an die Mondlandung, die Studentenproteste und die Musik der Swinging Sixties wieder aufleben lassen. Aber auch der damalige Zeitgeist war beim Lesen spürbar. Historische und fiktive Personen spielen ausgezeichnet zusammen und bereichern das Geschehen ungemein. Eine chronologische Zeittafel von 1966 – 1971 am Ende rundet die Geschichte perfekt ab.

Auch der vierte und letzte Band dieser Reihe um die Familie Thalheim hat mir wieder sehr gut gefallen. Es war auch diesmal ein wunderbarer Lesegenuss. Nun verabschiede ich mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge von dem Modekaufhaus Thalheim. Mit einem lachenden Auge, weil ich diese wunderbare Geschichte von Beginn an verfolgen durfte und sie mir schöne, aber teilweise auch nachdenkliche Lesestunden bereitet hat. Mit einem weinenden Auge, weil ich nun endgültig Abschied nehmen muss.

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Veröffentlicht am 26.09.2021

Fesselnd, kurz, knackig und voller Überraschungen

Wenn die Stille schreit
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Nicht nur, dass ein aufziehender starker Schneesturm die Menschen veranlasst zu Hause zu bleiben, sondern in der näheren Umgebung sind zwei geistig abnorme Personen ausgebrochen. Die schwangere Nathalie ...

Nicht nur, dass ein aufziehender starker Schneesturm die Menschen veranlasst zu Hause zu bleiben, sondern in der näheren Umgebung sind zwei geistig abnorme Personen ausgebrochen. Die schwangere Nathalie bittet ihren Mann Tim inständig heute nicht ins Büro zu fahren, da ihr Haus auch sehr einsam gelegen ist. Tim folgt der Bitte seiner Frau nicht und fährt zur Arbeit. Spät am Abend kommt er zurück und findet das Haus unbeleuchtet vor, obwohl er noch vor einer Viertelstunde mit Nathalie telefoniert hat. Doch wo ist Nathalie?

Mir hat dieser Kurzthriller super gefallen. Von Beginn an wurde die Spannung hoch gehalten und die Atmosphäre sehr gut eingefangen. Man spürte förmlich wie die Angst um Nathalie bei Tim immer stärker wurde und dieses durch den kraftvollen Schneesturm gesteigert wurde. Der Sprecher Kris Köhler schafft es wunderbar, die unheimlich und bedrohlich wirkende Stimmung dem Hörer zu vermitteln.

Der Fall umfasst etwa 95 Minuten, so dass man die Handlung relativ schnell abschließen kann und nicht zu lange auf die Folter gespannt wird. Ich konnte dem Thriller gut folgen, er war fesselnd, kurz, knackig und steckte am Ende voller Überraschungen.

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Veröffentlicht am 20.09.2021

Berührend und voller Überraschung

Barbara stirbt nicht
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Walter Schmidt hat das Rentenalter erreicht. Er brauchte nie im Haushalt mit anfassen, immer war seine Ehefrau Barbara da. Doch am Freitagmorgen vermisste er den vertrauten Duft nach Kaffee, dass konnte ...

Walter Schmidt hat das Rentenalter erreicht. Er brauchte nie im Haushalt mit anfassen, immer war seine Ehefrau Barbara da. Doch am Freitagmorgen vermisste er den vertrauten Duft nach Kaffee, dass konnte doch nicht wahr sein. Wieso hatte seine Barbara noch keinen Kaffee gekocht, obwohl das Bett neben ihm leer war? Als er sie in der offenen Badezimmertür fand, half er ihr mühsam hoch und brachte sie wieder ins Bett, wo sie liegen blieb. Bisher war Barbara seine Taktgeberin gewesen, nun musste er selbst den Takt angeben. Mit Hilfe der jungen Bäckereiverkäuferin und dem Fernsehkoch schaffte er es Kaffee zu kochen, Kuchen zu backen und auch Gerichte zu kochen. Früher war für ihn dieser Kleinkram keine Männerarbeit gewesen, aber er wollte alles dafür tun, dass seine Barbara wieder auf die Beine kommt und ignoriert dabei die Realität.

Bei den meisten Büchern entscheiden die ersten Zeilen, ob sie für mich unerträglich sind oder ob ich sie gern lesen würde. Letzteres traf bei diesem Buch von Alina Bronsky zu. Mit ihrer klaren Sprache zeichnet sie auf Anhieb lebendige Figuren, so dass ich sie direkt vor mir gesehen habe. Ich gehöre auch zu einer Generation, in der es nicht üblich war, dass die Männer im Haushalt mit geholfen haben. Heute sehe ich in meinem Umfeld gestandene Herren, die sich ähnlich verhalten wie Walter Schmidt. Ich fand die Beschreibungen der Autorin wunderbar skizziert, etwas überzeichnet, aber trotzdem zutreffend. Alina Bronsky stellt die Figuren so dar, dass man über sie lachen muss, wobei man das eigentlich nicht möchte. Zu Beginn habe ich mich beim Lesen köstlich amüsiert, doch im Laufe der Geschichte entwickelte sich Walter Schmidt zu einer Gestalt, die zum Nachdenken anregt und um Verständnis für jene wirbt, die nicht wirklich aus ihrer Haut können.
Ein wunderbares Buch berührend und voller Überraschungen.

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Veröffentlicht am 15.09.2021

Zum Wohlfühlen

Endlich wieder Meer
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Katharina wurde von ihrem Vater verstoßen als er von ihrem Wunsch erfuhr, den Österreicher Hannes zu heiraten. Sie fühlt sich auf dem Weingut in der Steiermark heimisch, doch manchmal vermisst sie das ...

Katharina wurde von ihrem Vater verstoßen als er von ihrem Wunsch erfuhr, den Österreicher Hannes zu heiraten. Sie fühlt sich auf dem Weingut in der Steiermark heimisch, doch manchmal vermisst sie das Rauschen der Nordseewellen. Ein Anruf aus dem Klinikum im Wilhelmshaven wirbelt ihr Leben durcheinander. Schwer erkrankt liegt dort ihr Vater. Katharina reist spontan an die Nordsee und hofft auf eine letzte Chance mit ihrem Vater nach zwanzig Jahren Frieden zu schließen.

Das Buch besticht zu Beginn durch das wunderschön gestaltete Cover. Die Charaktere wirken wie aus dem Leben gegriffen und sind auch ein Pluspunkt für diesen Roman. In die sympathische Katharina habe ich mich wunderbar hinein fühlen können. Ich habe mit ihr gehofft und gebangt. Gleichzeitig habe ich sie bewundert, dass sie sich nicht hat unterkriegen lassen, nachdem sie von den Handlungen ihres Cousins Thomas in der Werft erfahren hat. Mir hat die Erzählweise sehr gefallen. Die Geschichte ist unterteilt nach Tagen und wechselt von der Familie auf dem Weingut an die Nordsee zu Katharina, so dass man immer auf dem Laufenden ist. Durch die fabelhaften Beschreibungen spürt man die letzten Sonnenstrahlen in der Steiermark auf der Haut und gleichzeitig bläst einen der Wind an der Nordsee entgegen.

Es hat mir Freude gemacht, diesen charmanten und einfühlsamen Roman zu lesen. Überraschend empfand ich das offene Ende, aber das Nachwort deutet auf eine Fortsetzung hin, auf die ich mich bereits schon jetzt freue.

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Veröffentlicht am 11.09.2021

Das perfekte Krimivergnügen

Der Himmel über Nordfriesland
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Die Husumer Polizei sucht nicht nur nach einem Täter, der die Astrologin Diana Keller bis zum Hals im Wattboden eingegraben hat, sondern wird auch mit seltsamen Vorkommnissen konfrontiert. Ein Dorfteich ...

Die Husumer Polizei sucht nicht nur nach einem Täter, der die Astrologin Diana Keller bis zum Hals im Wattboden eingegraben hat, sondern wird auch mit seltsamen Vorkommnissen konfrontiert. Ein Dorfteich ist nur noch eine Pfütze und das Wasser ist verschwunden, in einem Feld gibt es einen Kornkreis, der die Form eines Skorpions hat und gleichzeitig schallt über das Meer unheimliches Glockengeläut. Eigentlich wären dies alles keine Fälle für die Polizeibeamten Flottmann und Hilgersen, aber diese seltsamen Ereignisse üben eine Faszination aus, denen sie sich nicht entziehen können oder haben sie doch etwas mit ihrem Fall zu tun? Auch die Sonderbegabung von Leon Gerber mit seinem hochsensiblen Gehör ist wieder gefragt und hilft in letzter Sekunde.

Der Autor Gerd Kramer konnte mich auch mit diesem Band durch den angenehm zu lesenden Schreibstil fesseln. Er lässt nicht nur lokale Begebenheiten in die Geschichte einfließen, sondern setzt sich auch mit der Astrologie auseinander. Die Kommissare Flottmann und Hilgersen bilden ein angenehmes Team, das Miteinander der beiden ist sehr ansprechend, es ist locker und manchmal sehr amüsant, aber ihren Fall verlieren sie nicht aus den Augen. Begeistert bin ich jedes Mal von Leon Gerber, der durch sein hochsensibles Gehör eine Bereicherung für die Ermittlungen ist.
Die Auflösung des Falles ist schlüssig und nachvollziehbar, sie konnte mich am Schluss doch noch sehr überraschen. Für alle Krimifreunde, die gerne mit rätseln, kann ich dieses Buch nur empfehlen.

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