Ein bewegender und gesellschaftskritischer Klassiker
Ein Baum wächst in Brooklynnhalt:
In Brooklyn leben Katie und Johnny Nolan und ihre Kinder Francie, die eifrige Leserin und Geschichtenerzählerin und Neeley, der lebensfrohe und hilfsbereite Sänger ein Leben ohne Annehmlichkeiten. ...
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In Brooklyn leben Katie und Johnny Nolan und ihre Kinder Francie, die eifrige Leserin und Geschichtenerzählerin und Neeley, der lebensfrohe und hilfsbereite Sänger ein Leben ohne Annehmlichkeiten. Katie und Johnnys Ziel ist, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden, als sie selber und so nimmt Katie die Geschicke und Finanzen der Familie in die Hand, lässt ihre Kinder lesen und sparen, schickt sie zur Schule und ist ihnen ein pragmatisches und hart arbeitendes Vorbild. Ihr Mann Johnny ist ein singender Kellner und Tänzer, eine Lebemann, der zwischen Optimismus und Schwermut schwankt und dafür sorgt, dass seine Familie Klavierunterricht erhält und die Freuden und Schönheiten des Lebens kennenlernen darf und schätzen lernt.
Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an die Stadt Brooklyn und das Gefühl, das darin vorherrscht und das Betty Smith so grandios einzufangen vermag. Es schildert den Alltag einer armen Familie und erzählt äusserst gesellschaftskritisch die Geschichte mutiger und emanzipierter Frauen sowie die Geschichte der jungen Francie, welche Schriftstellerin werden will.
Meine Meinung:
Jahrelang stand dieses Buch schon auf meiner Wunschliste und angeregt durch die Erwähnung im Buch "Unorthodox", das ich ebenfalls schon mit Jamie gelesen habe (von dem wir aber leider beide nicht komplett überzeugt waren), machten wir Nägel mit Köpfen und planten diese nächste Leserunde.
"Ein Baum wächst in Brooklyn" habe ich mit einem von Gedanken, Sorgen, Ängsten, Erinnerungen und Vorfreude gefüllten Kopf gelesen, ich habe es inmitten von Umzugskisten am Boden unserer alten Wohnung sitzend und inmitten von Umzugskisten in unserer neuen Wohnung gelesen und letztendlich in der fertig eingerichteten neuen Zuhause beendet. Es hat mich in einer Zeit des Umbruchs unterhalten, inspiriert und vor allem unendlich tief berührt und wird noch lange nachhallen.
Sprache:
Ich weiss nicht genau, wie es der Autorin gelungen ist, aber sie schafft es, Emotionen, Menschen und Orte zum Leben zu erwecken und "Ein Baum wächst in Brooklyn" hat mich sofort nach Brooklyn entführt und am Alltag dieser bunten Familie teilhaben lassen.
Besonders bewegend waren die Schilderungen der traurigen und fröhlichen Weihnachtsfeste sowie der Silvesterfeier 1917, welche Francie und Neeley gemeinsam auf dem Dach ihres Hauses verbringen.
Immer wieder wird klar, wie sehr Katie versucht, ihre Familie und die Finanzen zusammenzuhalten, wie sie noch mehr arbeitet, noch weniger isst, noch mehr spart und immer wieder sehr einzigartige aber äusserst pragmatische Lösungen für jedes noch so abwegige Problem findet, damit es ihren Kindern an nichts mangelt. Auch Johnny als Lebenskünstler und unverbesserlicher Optimist, der trotzdem manchmal in seiner Schwermut versinkt oder die beiden Kinder Francie und Neeley, welche sehr früh selbstständig und ebenso gerissen und lebensklug werden, wie ihre Mutter, haben mich mit ihrer ehrlichen und hilfsbereiten Art eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit einigen Tränen und noch mehr Gelächter durchleben lassen. Durch das ganze Buch zieht sich ein Hauch von Wehmut, aber auch eine Aufbruchstimmung, die mich sofort erfasst und inspiriert hat.
Meine Empfehlung:
Das Buch hat mich von Anfang an abgeholt und emotional berührt, sehr gut unterhalten und mir eine wundervolle, von Zusammenhalt und - teilweise - Liebe, aber auch von Träumereien, Mut und Kraft geprägte Familie nähergebracht. Es hat mich wohl genau zum richtigen Zeitpunkt auf dem richtigen Fuss erwischt und ich gehe sehr inspiriert und um eine Erfahrung reicher aus dieser Leserunde und dieser Leseerfahrung, weshalb ich euch "Ein Baum wächst in Brooklyn", das einfach dieses Brooklyner-Gefühl so wunderbar vermitteln kann, sehr, sehr ans Herz lege.