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Veröffentlicht am 30.10.2021

Deutsche Geschichte

Der schwarze Winter
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Die Flüchtlingsmädchen Silke und Rosemarie sind auf einem Bauernhof eingewiesen worden. Die Schwestern werden dort sehr schlecht behandelt. Der Bauer belästigt Rosemarie, deshalb müssen sie vom Hof weg. ...

Die Flüchtlingsmädchen Silke und Rosemarie sind auf einem Bauernhof eingewiesen worden. Die Schwestern werden dort sehr schlecht behandelt. Der Bauer belästigt Rosemarie, deshalb müssen sie vom Hof weg. In der klirrenden Kälte des Oktobers 1946 machen sie sich auf den Weg nach Hamburg, um dort Arbeit zu finden. Die britischen Besatzer haben aber einen Zuzugsstop erlassen und so bleibt für die jungen Frauen nur der Schwarzmarkt, um zu überleben. Sie lernen dabei Leute kennen, die skrupellos ihre Interessen durchsetzen. Es gibt aber auch andere Menschen, die es gut mit ihnen meinen. Diese zu erkennen ist nicht immer einfach und dauert einige Zeit. So ist es ein langer Weg, bis die Schwestern eine Bar für britische Soldaten betreiben können. Den Männern in dieser Branche gefällt das ganz und gar nicht. Als sie dann auch noch einem miesen Verbrechen auf die Spur kommen, ist nicht nur ihr mühsam erarbeiteter Erfolg in Gefahr.

In ihrem Buch "Der schwarze Winter" beschreibt Clara Lindemann eine sehr harte Zeit in der Geschichte Deutschlands. Der Krieg ist zwar vorbei, aber die Menschen leiden Hunger. Dazu kommt der besonders eisige Winter im Jahr 1946/47. Die Autorin erzählt sehr leidenschaftlich von den Menschen und ihrem Kampf ums nackte Überleben. Sie geht mit der deutschen Bevölkerung hart ins Gericht. Auf der anderen Seite beschreibt sie die britischen Besatzer als fürsorgliche Sieger. Ich finde, dies ist etwas zu sehr in schwarz-weiß gesehen. Auf beiden Seiten wird es gut und böse gegeben haben. Die Geschichte entwickelt sich im Laufe der Handlung zum spannenden Krimi, was man so ja nicht erwarten konnte. Dadurch wird der Leser positiv überrascht und an das Buch gefesselt.
Wer sich für die Geschichte Deutschlands in der Nachkriegszeit interessiert, liegt mit "Der schwarze Winter" goldrichtig. Es werden darin Themen angesprochen, die sonst gerne mal unter den Tisch gekehrt werden.

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Veröffentlicht am 10.10.2021

Very british!

Lady Hardcastle und der Tote im Wald
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Im Jahre 1908 zieht Lady Emily Hardcastle zusammen mit ihrer Zofe Florence Armstrong in die Cotswolds. Sie sehnt sich nach einem ruhigen Leben auf dem Lande. Doch es soll ganz anders kommen. Während eines ...

Im Jahre 1908 zieht Lady Emily Hardcastle zusammen mit ihrer Zofe Florence Armstrong in die Cotswolds. Sie sehnt sich nach einem ruhigen Leben auf dem Lande. Doch es soll ganz anders kommen. Während eines Spazierganges entdecken die zwei Frauen einen Toten - erhängt an einem alten Baum. Was wie Selbstmord aussehen soll, ist bei näherer Betrachtung jedoch Mord. Da die Polizei offenbar überfordert ist, begibt sich Lady Hardcastle selbst auf Mördersuche!

"Lady Hardcastle und der Tote im Wald" ist der Auftakt einer Serie aus dem England um 1900. T E Kinsey läßt hier das Krimigenre a la Agatha Christie wieder hochleben. Man erhält hier einen ruhigen Krimi mit Stil und britischem Humor. Das Flair der vergangenen Zeit überträgt sich während des Lesens perfekt. Der Autor hat eine wunderbare Art, den Leser in diese Zeit zu entführen. Er schreibt der Zeit angepasst, so daß alles noch authentischer wird. Man kann sich Lady Hardcastle und Florence so wunderbar vorstellen. Man sieht sie förmlich in ihren Kleidern flanieren. Beide sind für diese Zeit schon aufgeschlossen. So sitzen sie während des Essens gemeinsam am Tisch, was wiederum bei den neuen Dienstmädchen für Verwirrung sorgt - und sie mir sehr sympathisch gemacht hat. Beide Charaktere sind einfach liebreizend. Man schließt sie sofort ins Leserherz. Die Handlung vermittelt eine ruhige, nicht reißerische Spannung. Und trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Ich finde es erholsam, daß es heute noch Krimis ohne Action, Schießerei und Blutvergießen gibt. Hier fährt man noch Kutsche und schafft das Leben ohne PC und Handy. Elektrisches Licht gilt hier als Komfort. Diese Art Krimi ist einfach eine Wohltat und ich freue mich schon auf mehr!

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Veröffentlicht am 08.10.2021

Zu viele Themen

Der Tintenfischer
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Commissario Morello und seine Kollegin Anna werden Zeuge, als ein nigerianischer Flüchtling in den Canale Grande springt. Anna gelingt es, ihn zu retten. Sie bekommen heraus, daß die Freundin des Mannes ...

Commissario Morello und seine Kollegin Anna werden Zeuge, als ein nigerianischer Flüchtling in den Canale Grande springt. Anna gelingt es, ihn zu retten. Sie bekommen heraus, daß die Freundin des Mannes in Sizilien von der nigerianischen Mafia zur Prostitution gezwungen wird. Morello und Anna machen sich mit einem Segelboot auf den Weg nach Sizilien, nehmen unterwegs noch schiffbrüchige Flüchtlinge auf. Als sie in Sizilien anlegen, erwarten sie statt der angeforderten Krankenwagen die Verhaftung von Morello.

"Der Tintenfischer" ist bereits Band 2 der Reihe um Morello aus der Feder von Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo. Beide Bände sind durchaus einzeln lesbar. Zum besseren Verständnis gibt es am Anfang des Buches ein sehr hilfreiches Personenverzeichnis. Ebenso hilfreich ist das Glossar italienischer Begriffe am Ende des Buches, ohne das ich öfters aufgeschmissen gewesen wäre. Wer mag, kann dann auch die Rezepte am Buchende nachkochen. Soviel zu den Extras des Buches, welches leicht und locker geschrieben ist und trotz der Thematik auch über etwas Humor verfügt. Das Buch ist nicht durchweg spannend, sondern lebt durch ein beständiges auf und ab des Spannungsbogens. Mal hält man die Luft an, im nächsten Moment kommt alles eher beschaulich daher. Man benötigt auch etwas Geduld, bis überhaupt Spannung entsteht. Das Autorenduo bedient hier sehr viele Themen. Es geht um Corona, Flüchtlinge, Mafia, Korruption, Menschenhandel. Meiner Meinung nach wurde hier zu viel ins Buch gepackt, zumal ich manche Themen einfach nicht in einem Buch lesen mag, da man ihnen im realen Leben schon nicht entkommt. Die Charaktere Morello und Anna sind hingegen absolut sympathisch und ihre Entwicklung ist beeindruckend zu verfolgen. Das Ende ist übrigens ziemlich gemein und läßt auf den dritten Band warten.

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Veröffentlicht am 28.09.2021

Macht neugierig auf mehr!

Juno Browne und der Tote im Antiquitätenladen
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Juno Browne verdient ihr Geld als Hundesitterin und Reinigungskraft. Von daher ist sie schon einiges gewohnt, doch als sie eines Morgens ihren guten Bekannten Nick in seinem Antiquitätengeschäft erschlagen ...

Juno Browne verdient ihr Geld als Hundesitterin und Reinigungskraft. Von daher ist sie schon einiges gewohnt, doch als sie eines Morgens ihren guten Bekannten Nick in seinem Antiquitätengeschäft erschlagen vorfindet, ist es bei ihr vorbei mit Spaß. Nick war zwar in unsaubere Geschäfte verwickelt, doch wer sollte ihn bloß deshalb ermorden? Juno will den Fall selbst lösen, muß sich jedoch nicht nur vor der Antiquitäten-Mafia in Acht nehmen, sondern auch vor Nicks Kindern. Denn denen gefällt es gar nicht, daß Juno den Antiquitätenladen geerbt hat.

"Juno Browne und der Tote im Antiquitätenladen" ist der Auftakt einer Serie von Stephanie Austin. Die Autorin baut die Geschichte geschickt auf. Zunächst erfährt man wichtige Dinge aus Junos Vergangenheit und wird mit den Personen bekannt gemacht. Auf diese Art fühlt man sich direkt in der Mitte der Charaktere aufgenommen und entwickelt Sympathien und Antipathien. Juno ist natürlich als Hauptcharakter absolut sympathisch und authentisch. Mit ihr fühlt man sich verbunden und fühlt mit ihr. Der Fall selbst ist spannend, jedoch nicht rasant, sondern eher ruhig. Hier hat man einerseits typisch britischen Humor, andererseits dann wieder wilde Verfolgungen - mit anderen Worten: Es ist sehr abwechslungsreich und immer für eine Überraschung gut. Stephanie Austin schreibt wunderbar locker. Das kleine Dorf und seine Bewohner werden durch ihre Worte lebendig und werden zu einem Umfeld, in dem man sich wohl fühlt. Man sieht dieses typisch englische Dorf direkt vor sich.
Ich würde diesen Krimi jedem empfehlen, der wie ich ein Fan der ruhigeren Krimis ist.

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Veröffentlicht am 07.09.2021

Ein King komplett ohne Horror

Billy Summers
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Billy Summers ist Kriegsveteran, verdient sich sein Geld als Auftragskiller. Doch er hat einen Grundsatz: Er tötet nur böse Menschen. Als er einen äußerst gut bezahlten Job angeboten bekommt, beschließt ...

Billy Summers ist Kriegsveteran, verdient sich sein Geld als Auftragskiller. Doch er hat einen Grundsatz: Er tötet nur böse Menschen. Als er einen äußerst gut bezahlten Job angeboten bekommt, beschließt er, dies solle der letzte Auftrag sein, den er annimmt. Doch hinter diesem Auftrag stehen mächtige Männer, so daß er letztendlich selbst fliehen muß. Auf seiner Flucht rettet er Alice, Opfer einer Gruppenvergewaltigung - und Billy steht vor der Entscheidung zwischen Rache und Gerechtigkeit.

In seinem Buch "Billy Summers" verzichtet Stephen King komplett auf Horrorelemente und begibt sich mehr in Richtung Krimi. Dies hat mich ehrlich gesagt zunächst enttäuscht. Doch als ich mich auf dieses Abenteuer einlassen konnte, war ich begeistert. Denn mit Billy Summers hat King eine sehr interessante Figur geschaffen. Seine Vorstellung von Moral ist schon sehr gewagt. Ein Auftragskiller, der wert darauf legt, nur böse Menschen zu töten. Dies ist für mich schon sehr speziell. Sehr interessant ist sein Werdegang. Man erfährt vieles aus seiner Vergangenheit, lernt ihn zu verstehen. Ein Höhepunkt ist sein Weg mit Alice, hier lernt man ihn dann noch intensiver kennen. Auch die Entwicklungen, die Billy und Alice gemeinsam durchmachen, sind interessant zu verfolgen. Zugegeben, das Buch beginnt eher gemütlich, steigert sich jedoch später. Richtig spannend wird es dann ab der zweiten Hälfte - durchhalten lohnt sich hier definitiv. Auch wenn man am Schreibstil eindeutig Stephen King erkennt, muß man sich von seiner Vorstellung eines King-Buches lossagen. Denn wie bereits erwähnt: Horror sucht man hier vergeblich. Wer dies erwartet ist hier falsch - es sei denn, man kann sich von seinen Vorstellungen lösen.

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