Der schwarze Pudel im Schafspelz und der Tod im Büro. Szenen einer nicht ganz unrealistischen Geschäftswelt
Nimms nicht persönlichTom Hofland hat mit „Nimms nicht persönlich“ seinen ersten Roman ins deutsche übersetzt bekommen. Der Holländer schreibt in einer satirischen und sehr schwarzen Weise, über den Ellenbogenkampf in unserer ...
Tom Hofland hat mit „Nimms nicht persönlich“ seinen ersten Roman ins deutsche übersetzt bekommen. Der Holländer schreibt in einer satirischen und sehr schwarzen Weise, über den Ellenbogenkampf in unserer Arbeitswelt und wie so mancher über wortwörtliche Leichen geht, um an sein Ziel zu kommen.
Lute hat beruflich einen sicheren Stand und verdient gut Geld, ist darüber hinaus aber sehr unglücklich. Mit seiner Ex steht er nicht gut im Kontakt, obwohl er es gerne anders hätte. Seinen 2-jährigen Sohn sieht er viel zu selten und wird oftmals von seiner Ex Rosy ausgestochen, um dass Betreuen zu verhindern.
So eröffnet ihm seine Chefin, dass mit der Übernahme durch die Schweizer, zwar viel Geld auf Ihr Konto gehen wird, aber dass die Abteilung von Lute komplett wegfallen wird. Eine Kündigung auszusprechen ist dem Unternehmen zu teuer und er soll seine Belegschaft zur Kündigung nötigen. Was für ein mega Zufall das dann ein Arbeitsvermittler einer Firma auf ihn trifft und ihm Hilfe anbietet.
So kommen Reiner Schimanski und sein Vorgesetzter Lombard zu Lute und bieten ihre Hilfe an, die 32 Kollegen anders unterzubringen.
„Das ist sehr aufmerksam von Ihnen, aber nicht nötig. Der soll sich seinen Appetit für später aufheben. Er bekommt noch einiges zu fressen, aber nicht jetzt“. „Verstehe“ Und glaubt mir, verstand in dem Augenblickt nicht, dass der Hund von den beiden nicht Pedigree bekommen wird.
Neben Lute lesen wir aber auch aus der Perspektive von Mae, die ihre Freundin (wobei sie selbst nicht weiß ob man es als Beziehung zählen kann) versucht in die Firma zu bekommen. Dies schafft sie auch, wird es aber schon sehr bald bereuen.
Schon schnell lesen wir zwischen den Zeilen, was die beiden Vermittler eigentlich sagen. Wenn sie ganz klar bestätigt werden wollen, dass sie einen Vertrag mit Lute eingehen. Das sie freie Wahl haben, wie sie die Leute versetzten bzw. von ihrem Job befreien. So erzählen sie auch sehr gerne, sehr detailgetreu Geschichte aus Zeiten der Pest oder der Hexenverfolgung. Lute sieht natürlich nicht, was um ihn herum passiert. Bis die erste tote Person vor seinen Füßen liegt und er fragt, ob er ein Handtuch holen soll.
So gibt er seine Verantwortung ab und versteht gar nicht den Unmut, welcher im Team aufkommt: „Lute, du verarscht uns. Mit Hilfe eines anderen. Aber du verarscht uns. Ist dir das eigentlich klar?“ Dabei ist ihm eins das Wichtigste gewesen, was er von Anfang klar gestellt hat: Das sind alles Familie und Freunde für mich, die wiederum alle Familie haben. Ich will niemanden auf der Straße sitzen sehen.
Da landet auch niemand, dafür aber überall anders.
Die Geschichte hat einen sehr eigenen Schreibstil und man muss sich einfinden können. Der Humor, die Zweideutigkeit, die nicht gerade subtile Herangehensweise was die beiden teuflichen Recruter betrifft, sind vielleicht nicht für jede Person gedacht. Ich persönlich konnte mich aber in der Geschichte gut einfinden. Die Angst Menschen zu enttäuschen und rauszuwerfen, aus etwas, was als einziges gut läuft im Leben. Deren Leben nicht zerstören zu wollen. Dann dies an andere abzugeben und das Gefühl zu haben, man ist nicht schuld am Ergebnis. Das Klammern an eine Beziehung, wo man die Person gegenüber fragt, ob diese einen überhaupt liebt. Wenn diese Person dann über dein Schicksal im Beruf entscheidet und das ohne Skrupel.
Ich persönlich finde das Buch wirklich gut und es hat einen Tiefgang, der für viele Menschen nicht greifbar sein wird. Ich hoffe jedoch, mit der Rezension etwas mehr Einblick in die Geschichte gegeben zu haben und warum ich diese für Interessierte empfehle.