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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2025

Der schwarze Pudel im Schafspelz und der Tod im Büro. Szenen einer nicht ganz unrealistischen Geschäftswelt

Nimms nicht persönlich
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Tom Hofland hat mit „Nimms nicht persönlich“ seinen ersten Roman ins deutsche übersetzt bekommen. Der Holländer schreibt in einer satirischen und sehr schwarzen Weise, über den Ellenbogenkampf in unserer ...

Tom Hofland hat mit „Nimms nicht persönlich“ seinen ersten Roman ins deutsche übersetzt bekommen. Der Holländer schreibt in einer satirischen und sehr schwarzen Weise, über den Ellenbogenkampf in unserer Arbeitswelt und wie so mancher über wortwörtliche Leichen geht, um an sein Ziel zu kommen.

Lute hat beruflich einen sicheren Stand und verdient gut Geld, ist darüber hinaus aber sehr unglücklich. Mit seiner Ex steht er nicht gut im Kontakt, obwohl er es gerne anders hätte. Seinen 2-jährigen Sohn sieht er viel zu selten und wird oftmals von seiner Ex Rosy ausgestochen, um dass Betreuen zu verhindern.

So eröffnet ihm seine Chefin, dass mit der Übernahme durch die Schweizer, zwar viel Geld auf Ihr Konto gehen wird, aber dass die Abteilung von Lute komplett wegfallen wird. Eine Kündigung auszusprechen ist dem Unternehmen zu teuer und er soll seine Belegschaft zur Kündigung nötigen. Was für ein mega Zufall das dann ein Arbeitsvermittler einer Firma auf ihn trifft und ihm Hilfe anbietet.

So kommen Reiner Schimanski und sein Vorgesetzter Lombard zu Lute und bieten ihre Hilfe an, die 32 Kollegen anders unterzubringen.

„Das ist sehr aufmerksam von Ihnen, aber nicht nötig. Der soll sich seinen Appetit für später aufheben. Er bekommt noch einiges zu fressen, aber nicht jetzt“. „Verstehe“ Und glaubt mir, verstand in dem Augenblickt nicht, dass der Hund von den beiden nicht Pedigree bekommen wird.

Neben Lute lesen wir aber auch aus der Perspektive von Mae, die ihre Freundin (wobei sie selbst nicht weiß ob man es als Beziehung zählen kann) versucht in die Firma zu bekommen. Dies schafft sie auch, wird es aber schon sehr bald bereuen.

Schon schnell lesen wir zwischen den Zeilen, was die beiden Vermittler eigentlich sagen. Wenn sie ganz klar bestätigt werden wollen, dass sie einen Vertrag mit Lute eingehen. Das sie freie Wahl haben, wie sie die Leute versetzten bzw. von ihrem Job befreien. So erzählen sie auch sehr gerne, sehr detailgetreu Geschichte aus Zeiten der Pest oder der Hexenverfolgung. Lute sieht natürlich nicht, was um ihn herum passiert. Bis die erste tote Person vor seinen Füßen liegt und er fragt, ob er ein Handtuch holen soll.

So gibt er seine Verantwortung ab und versteht gar nicht den Unmut, welcher im Team aufkommt: „Lute, du verarscht uns. Mit Hilfe eines anderen. Aber du verarscht uns. Ist dir das eigentlich klar?“ Dabei ist ihm eins das Wichtigste gewesen, was er von Anfang klar gestellt hat: Das sind alles Familie und Freunde für mich, die wiederum alle Familie haben. Ich will niemanden auf der Straße sitzen sehen.

Da landet auch niemand, dafür aber überall anders.

Die Geschichte hat einen sehr eigenen Schreibstil und man muss sich einfinden können. Der Humor, die Zweideutigkeit, die nicht gerade subtile Herangehensweise was die beiden teuflichen Recruter betrifft, sind vielleicht nicht für jede Person gedacht. Ich persönlich konnte mich aber in der Geschichte gut einfinden. Die Angst Menschen zu enttäuschen und rauszuwerfen, aus etwas, was als einziges gut läuft im Leben. Deren Leben nicht zerstören zu wollen. Dann dies an andere abzugeben und das Gefühl zu haben, man ist nicht schuld am Ergebnis. Das Klammern an eine Beziehung, wo man die Person gegenüber fragt, ob diese einen überhaupt liebt. Wenn diese Person dann über dein Schicksal im Beruf entscheidet und das ohne Skrupel.

Ich persönlich finde das Buch wirklich gut und es hat einen Tiefgang, der für viele Menschen nicht greifbar sein wird. Ich hoffe jedoch, mit der Rezension etwas mehr Einblick in die Geschichte gegeben zu haben und warum ich diese für Interessierte empfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.10.2021

Neuberg überrascht einen immer wieder aufs Neue

Auf und mehr davon
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Lisa Keil hat mit ihrem letzten Teil der Neuberg-Trilogie die Geschichte rund um Milli und ihre Familie abgeschlossen. So kennen wir Milli seit dem ersten Buch „Bleib doch, wo ich bin“ wo sie noch süße ...

Lisa Keil hat mit ihrem letzten Teil der Neuberg-Trilogie die Geschichte rund um Milli und ihre Familie abgeschlossen. So kennen wir Milli seit dem ersten Buch „Bleib doch, wo ich bin“ wo sie noch süße 13 Jahre alt war. Heute ist Milli Anfang 20 und mitten in ihrem Studium zur Tierärztin. So hat sie die Zwischenprüfung bestanden und wird nun neben den Vorlesungen ein Praktikum in der Rinderklinik vollziehen. Dort trifft sie auf alle Tiere welche Klauen haben. Von Ziegen über Schafe und Rinder sowie alle möglichen Erkrankungen.

Womit sie nicht gerechnet hat, ist ihr Austauschstudent Noé welcher aus Frankreich kommt und dort wie Milli seine praktischen Kenntnisse aufbauen soll. Groß, sexy und mit seinem französischen Akzent zwischen seinen sehr guten Deutschkenntnissen eine wahre Versuchung. Aber Milli ist sich sicher das da nicht mehr als die WG mit ihm geteilt werden wird.

Als würde nun Millis Alltag nicht schon stressig genug sein, kommt noch ihre Mutter Cordula zu Besuch. Diese ist in ihrem Universitätsjob gelangweilt und sucht eine neue Herausforderung. Diese wird nach und nach mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und der Frage was sie jetzt will und wohin ihre Reise gehen soll.

So treffen wir auf tolle Charaktere wie Paul den Tierpfleger und Bauer Wilhelm aus Neuberg. Aber auch alte Bekannte wie Kaya und Lasse und auch Rob und Anabel aus dem zweiten Teil werden wir wieder begegnen. So auch mit der ein oder anderen Überraschung, da bereits ein paar Jahre zwischen dem zweiten und dritten Band vergangen sind.

Lisa Keil hat es super drauf einem Buch Leben einzufügen das es einfach nur Spaß macht dies zu lesen. Auch wenn es mal Rückschläge für die Charaktere gibt, so weiß man bei ihr, dass es gut ausgehen wird. Ein toller Wohlfühlroman mit Liebe und Humor und für jederfrau und jederman(n) gut zu lesen.

Neben der tollen Geschichte überzeugt ein wunderschönes Cover und lädt schon auf dem Blick hierdrauf zu träumen ein.

Veröffentlicht am 05.10.2021

Ein Gedankenspiel wie es nur Shusterman beherrscht. Ruhig, tiefsinnig, verändernd.

Game Changer – Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, alles falsch zu machen
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Ash, Namentlich Ashley, ist ein Cis-Junge (männliches Geschlecht mit Empfindung als Junge) im Teenageralter und lebt in Amerika. So wie auch für andere Kids seines Alters spielt der Sport eine große Rolle. ...

Ash, Namentlich Ashley, ist ein Cis-Junge (männliches Geschlecht mit Empfindung als Junge) im Teenageralter und lebt in Amerika. So wie auch für andere Kids seines Alters spielt der Sport eine große Rolle. Bei ihm es der Football. Neben der Schule und dem Sport verbringt er Zeit mit seiner Clique und dort am meisten mit seinem Kumpel Leo. Dieser hat es mit einem Stipendium auf die Schule von Ash geschafft und ist einer der eher wenigen dunkelhäutigen Schüler. Ansonsten ist die Schule auch sehr bunt gemischt mit Menschen aus den verschiedensten Ländern.

Ash führt ein normales Leben. Seine Eltern verdienen nicht übermäßig gut und müssen recht viel arbeiten. Aber es geht ihnen doch um einiges besser als anderen Menschen. So ist Ash auch in seiner persönlichen Blase unterwegs und merkt gar nicht, wie rassistisch und unsozial es um ihn herum in seinem Alltag abgeht. So versteht er es auch nicht, wenn Leo ihm sagt das er erneut einem rassistischen Übergriff, wenn auch „nur“ verbal, ausgesetzt gewesen ist.

So soll sich aber die Seifenblase von Ash verändern, als er beim Football bei einem Zusammenstoß das Gefühl hat, dass die Welt gekippt ist. Von jetzt auf gleich, ist nichts mehr wie davor. Es beginnt im Kleinen, dass die Ampeln nicht mehr rot- gelb- grün, sondern blau-gelb-grün sind. Er kann es sich nicht erklären und findet dafür auch im Internet keine Begründung. Mit jedem Footballspiel verändert sich sein Leben. Er fährt einen teuren Wagen, sein Vater hat doch Karriere im Football gemacht. So weit so gut, sein Leben verbessert sich. Aber das der anderen nicht. Er stellt fest, immer wenn sich die Welt gefühlt auf den Kopf gestellt hat, verändert es ins negative das der anderen. Leo ist nicht mehr auf seiner Schule, seine Schwester tot. Es beginnt im Kleinen und geht immer weiter. So weit, dass die Rassentrennung wieder da ist.

Er findet Menschen um sich herum, die fühlen das es nicht die Wirklichkeit sein kann, denn diese sind ein wichtiger Teil der Metawelt und spüren die Veränderung bzw. haben selbst kleine Erinnerungen an diese. Zudem trifft er auf drei „Personen“ welche ihm erklären was die Grundlage für das ganze Geschehen ist.

Ash versucht nun, gegen die Zeit und dem Kampf der weiteren Verschlechterung für seine Umwelt, den Prozess umzudrehen.

Ein Buch welches ein Coming-of-Age ist, in einer Welt der Science-Fiction, und ein Stück weit ein Drama ist. Denn die Vorstellung wie sehr die Welt anders sein könnte, wenn jeder genau hinschaut und hilft gegen das Unrecht anzukämpfen ist hier umgesetzt wurden. Wären die Sprünge anders verlaufen, wenn er von Anfang an, an Leos Seite gegen den Rassismus gekämpft hätte? Das Buch stellt Fragen an Ash, an den Leser, an das Universum.

Eine Lektüre die nicht von Spannung beherrscht wird, sondern zum denken anregt. Wie hätten wir an seiner Stelle reagiert? Würden wir versucht eine Änderung herbeizuführen in der wir bleiben würden oder würden wir versuchen zurück in die „Ausgangssituation“ zu kommen und verändert es uns, so dass wir den Blick auf die Welt ändern?

Ein Buch welches anregt zu überlegen, zu hinterfragen, zu reagieren.

Ein Shusterman, wie wir ihn kennen, aus Reihen wie „Vollendet“ und „Scythe“. Gesellschaftskritisch und für immer neue Überraschungen zu haben.

Veröffentlicht am 25.09.2021

Horror des Surrealismus

Arkham Horror: Das letzte Ritual
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Anfang des 20. Jahrhunderts, die Zeit wo Houdinis Zaubershows die Welt verzücken, wird der spanische Künstler Juan Hugo Balthazarr für seine surrealistischen Bilder gefeiert. So ist auch der Maler Alden ...

Anfang des 20. Jahrhunderts, die Zeit wo Houdinis Zaubershows die Welt verzücken, wird der spanische Künstler Juan Hugo Balthazarr für seine surrealistischen Bilder gefeiert. So ist auch der Maler Alden Oakes, welcher noch am Anfang steht, ein großer Fan von ihm und sucht auch bei ihm Inspirationen.
Doch Alden hat nicht nur gutes erfahren, so beginnt das Buch damit das er einem Autor die Geschichte erzählen soll, welche sich in Arkham ereignet hat.
Alden beginnt eine Reise durch Europa und erlebt dort eine etwas andere Party in Spanien als wie er es gewohnt ist. Der Alkohol war ziemlich heftig, denn Bilder von Pupen die verbrannt wurden und dabei geschrien haben gehen ihm nicht aus dem Kopf. Zu Hause angekommen erfährt er, dass seine Ex Minnie seinen Kumpel Preston heiraten will. Er lernt dann die interessante Nina kennen, welche sich mit merkwürdigen Todesfällen in Arkham beschäftigt.
Die Spuren führen in die Künstlerkommune von Arkham, wo auch Balthazarr bald auftaucht. Es beginnen heftige Partys, Rauschzustände, Visionen und mehr Menschen die verschwinden und teilweise tot aufgefunden werden. Alden und Nina merken, dass die surrealistische Kunst mit seinen verstörenden Ideen mehr als nur dies ist.
Das Buch hat eine Hand voll Tote, aber der Horror ist eher schleichend und bedrückend. Der Spaziergang im Dunkeln mit dem Gefühl verfolgt zu werden. Gegenstände die lebendig werden. Menschen die einem Angst machen und das Gefühl von Gänsehaut alle paar Seiten.
Der Horror ist nicht offensichtlich, sondern geheimnisvoll. Nach und nach werden kleine Puzzleteile aufgedeckt und der Leser versteht es schneller als Alden und Nina, wobei wir immer nur Aldens Sichtweise lesen. Aber dennoch bleibt es bis zur letzten Seite spannend. Das Ende ist dann nochmal richtig überraschend gewesen.
Die Schreibweise ist dem Zeitalter passend manchmal etwas älter aber doch absolut passend und verständlich geschrieben. Die Kapitel sind nicht zu lang und alles in allem war es nie langweilig. Für mich eine interessante Erfahrung aus dem Universum des Arkham.

Veröffentlicht am 02.09.2021

Überraschende Wendungen im letzten Buch

Scythe – Das Vermächtnis der Ältesten
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Seit dem Ende des zweiten Teiles und dem Untergang von Endura sind drei Jahre vergangen. Alle Welt glaubt das Rowan der Attentäter ist und die Insel zerstört sowie den Rat der Scythe umgebracht hat. Als ...

Seit dem Ende des zweiten Teiles und dem Untergang von Endura sind drei Jahre vergangen. Alle Welt glaubt das Rowan der Attentäter ist und die Insel zerstört sowie den Rat der Scythe umgebracht hat. Als Volksfeind gerät er niemals in Vergessenheit, auch wenn er bei diesem Anschlag als verstorben gilt.
Goddard hat sich währenddessen in die höchste Positiion befördert und erwähnt natürlich mit keinem Wort welche Entscheidung am Ende des zweiten Bandes getroffen wurden ist. So ändert er die Gesetzte und sorgt für Angst und Schrecken unter den Menschen, wo er Massennachlesen veranlasst.
Doch für Rowan und Citra soll es nicht vorbei sein. Denn der Tresor wird geborgen und die wahre Geschichte nach und nach ans Tageslicht gebracht. So erfahren wir auch, wo Goddard schon in der Vergangenheit schwerwiegend seine Finger drin hatte.
Neben den Veränderungen bei den Scythe gibt es noch die Veränderung für Greyson. Nach dem der Thunderhead seine Macht und seinen Unmut bewiesen hat, wird er durch die Geschehnisse zum neuen Toll und erschafft sich ein eigenes Machtinstrument. Denn nur noch zu ihm spricht der Thunderhead. Die allwissende, überall existierende KI verändert sich in seinem Dasein so wie alle menschlichen Charaktere und entwickelt die Fragen ob sein Handeln richtig ist oder nicht. Entwickelt sozusagen Gefühle.
Viele verschiedene Geschichtsstränge füllen den letzten Teil der Reihe und finden sich am Ende zusammen. Das Buch ist daher vom Anfang bis zum Mittelteil eher ruhig und arbeitet sich auf einen großen Showdown hin, in einer Welt wo der Glaube an eine Unsterblichkeit reine Fiktion ist.
Die Reihe ist es auf jeden Fall wert gelesen zu werden und vom ersten Buch wo es um die Ausbildung geht und der Weg der persönlichen Entwicklung bis hierhin zum Ende, ist alles mit dabei gewesen.