Profilbild von buchina

buchina

Lesejury Star
offline

buchina ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit buchina über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Schicksalsschläge

Vom Ende der Einsamkeit
0

Ich gehöre wohl zu den wenigen Menschen, die Benedict Wells noch nicht kannten und bin völlig unvoreingenommen an den Roman herangegangen.

Erzählt wird die Geschichte von Jules, der seine Eltern durch ...

Ich gehöre wohl zu den wenigen Menschen, die Benedict Wells noch nicht kannten und bin völlig unvoreingenommen an den Roman herangegangen.

Erzählt wird die Geschichte von Jules, der seine Eltern durch eine Autounfall verliert. Mit seinem zwei älteren Geschwistern muss er danach auf ein Internat. Jeder der drei Geschwister geht anders mit seiner Trauer um. Sie können sich nicht gegenseitig stützen, im Gegenteil, sie entfernen sich immer mehr voneinander. Die Einsamkeit von Jules ist die ganze Zeit zu spüren. Auch im Erwachsenenleben entwickeln sich dir drei sehr unterschiedlich. Das Schicksal schlägt bei Jules noch mehrmals zu, bis er schließlich ankommt. Der Roman begleitet Jules und seine Geschwister über 30 Jahre. Es gibt immer wieder zeitliche Rückblicke, die am Ende ein schlüssiges Gesamtbild liefern.

Dir Grundstimmung des Romans empfand ich immer als sehr traurig, melancholisch. Selbst bei den Rückblicken zu den glücklichen Familientagen vor dem Autounfall, blieb diese Stimmung im Hintergrund erhalten. Ich hatte immer das Gefühl, dass es die glücklichen Momente nur gibt, damit danach wieder etwas schreckliches passiert. Denn das Schicksal hält einiges für Jules bereit.

Also ich gehöre nach dem Lesen dieses Romans eindeutig auch zu den Benedict Wells Fans. Sein Schreibstil ist großartig. Er schafft mit wenigen Worten ein Atmosphäre, in der ich mich schnell verloren hatte. Auch der Spannungsbogen war die ganze Zeit straff, denn er vermittelte immer das Gefühl, "gleich passiert etwas". Einen halben Punkt Abzug gibt es dafür, dass mir aus welchen Gründen auch immer, die Liebesgeschichte zwischen Jules und seiner Jugendliebe Alva nicht richtig nahe ging. Wahrscheinlich weil es ihnen selbst immer etwas schwer viel, Nähe zuzulassen, aber dennoch fieberte ich bei den beiden nicht so richtig mit, außer natürlich am Ende.

Benedict Wells ist auf alle Fälle ein Autor,den ich mir merken werde!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Schöne altmodische Gruselgeschichte

Die Familie des Wurdalak
0

Im Jahre 1815 trifft man sich zu einem geselligen Abend der höheren Gesellschaft. Der Marquis d'Urfé erzählt dabei eine Geschichte, die er selbst in jungen Jahren erlebt hat. Auf einer Reise durch Osteuropa ...

Im Jahre 1815 trifft man sich zu einem geselligen Abend der höheren Gesellschaft. Der Marquis d'Urfé erzählt dabei eine Geschichte, die er selbst in jungen Jahren erlebt hat. Auf einer Reise durch Osteuropa findet er Unterschlupf bei einer Familie. Das Familienoberhaupt Gorcha ist im Moment in den Wäldern unterwegs, um einen Dieb zu jagen. Vorher ringt er seiner Familie das Versprechen ab, dass sie ihn mit einem Pfahl durchs Herz töten sollen, wenn er nicht innerhalb von 10 Tagen wiederkommt. Denn es gibt dort die Sage, dass es dort in der Gegend Wurdalak gibt. Das ist eine slawische Übersetzung für Vampire, die die Besonderheit haben nach ihrer Verwandlung als erstes ihre Familie anzugreifen. Der alte Gorcha kehrt nach 10 Tagen zurück und wird trotz seines merkwürdigen Verhaltens wieder aufgenommen. Danach geschiet einiges seltsames und verstörendes von dem der Marquis Zeuge wird.

Dieses Buch ist eine wirklich schöne Schauergeschichte im Stile des 19.Jh. Nach wenigen Seiten war ich in der Geschichte drin und folgte dem Marquis in den kalten Osten. Auch wenn die Geschichte vorhersehbar ist, war sie spannend und ich wurde gut unterhalten.
Damit aus der kurzen Geschichte ein Buch wird, gibt dazu noch eine Analyse und Hintergründe zur Vampirliteratur. Und die Geschichte nochmal im Original in französischer Sprache. Eine wirklich gute Mischung.
Dieses Buch ist allen zu empfehlen, die gerne traditionelle Vampir- und Gruselgeschichten mögen. Sie werden nicht enttäuscht sein.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Vielschichtig, spannend und überraschend

Die rote Königin (Die Farben des Blutes 1)
0

Victoria Aveyard hat eine interessante dystopische Welt geschaffen mit bekannten Merkmalen. Diese Welt ist geteilt in Machthaber und Machtlose. Erkennbar am unterschiedlichen Blut, wobei die Mächtigen ...

Victoria Aveyard hat eine interessante dystopische Welt geschaffen mit bekannten Merkmalen. Diese Welt ist geteilt in Machthaber und Machtlose. Erkennbar am unterschiedlichen Blut, wobei die Mächtigen silbernes Blut haben und das einfache Volk rotes. Dazu kommt, dass die Silbernen über verschiedene Fähigkeiten besitzen, sehr unterschiedlich ausgeprägt, z.B. heilen, mit Feuer kämpfen, Metall kontrollieren oder Gedanken manipulieren. Erinnert etwas an die X-Mutanten. Die Silbernen leben in Reichtum und lassen die Roten für sich arbeiten. Dazu kommt, dass jeder Rote Wehrdienst leisten muss, der keine geregelte Arbeit findet. So muss er für die Silbernen in einen scheinbar endlos scheinenden Krieg ziehen, mit wenig Hoffnung daraus wiederzukehren. Diese Zukunft scheint auch Mare bevorzustehen, denn außer einer großen Kunst im Taschendiebstahl kann sie nichts vorweisen. Ihre scheinbar letzte Chance endet in einer Katastrophe. Dann bringt ihr eine Zufallsbegegnung die scheinbare Rettung und ihr Leben verändert sich für immer.

Mare ist ein spannender Charakter: mutig, aber auch unsicher. Misstrauisch, aber manchmal auch etwas naiv. Auch ihre Kratzbürstigkeit machte sie mir sympathisch. Im Roman macht sie dazu eine Entwicklung durch, die realistisch und nachvollziehbar beschrieben ist. Sie ist nicht perfekt und das ist perfekt, denn es ist menschlich. Perfekte HeldInnen sind langweilig und unrealistisch.

Während ich am Anfang noch dachte, dass es wieder einer der typischen Geschichten nach dem Aschenputtelschema ist, wurde ich überrascht. Die Liebesgeschichte ist hier weitaus komplizierter und überraschender. Auch dadurch wird der Spannungsbogen im Roman gehalten. Dazu beschreibt Victoria Aveyard einerseits detailiert diese Welt, auch mit vielen Hintergrundinformationen. Anderseits schafft sie es dabei nicht auszuufern. Perfekt wäre nur gewesen, wenn es im Buch eine Übersicht der verschiedenen Königshäuser gegeben hätte. Denn da hatte ich ähnlich wie Mare meine Probleme. Aber insgesamt wirklich ein empfehlenswerter Roman bei dem großen Angebot von Dystopien. Es gibt Ähnlichkeiten zu anderen Romanen, aber dennoch hebt sich dieser durch seine Vielschichtigkeit und der ungewöhnlichen Protagonistin ab.

Veröffentlicht am 28.04.2026

Die Geschichte von Hildur geht weiter

Hildur – Die Toten am Meer
0

Gleich zu Beginn sollte gesagt werden, auch wenn die einzelnen Kriminalfälle in der Hildur Reihe abgeschlossen sind, sollte man die Romane dennoch in der Reihenfolge lesen. Denn vor allem die Familiengeschichte ...

Gleich zu Beginn sollte gesagt werden, auch wenn die einzelnen Kriminalfälle in der Hildur Reihe abgeschlossen sind, sollte man die Romane dennoch in der Reihenfolge lesen. Denn vor allem die Familiengeschichte der Protagonistin Hildur nimmt immer eine zentrale Rolle in den Romanen ein.

Der Krimi startet mit einem scheinbar harmlosen Sommer in Ísafjörður, doch Hildur merkt schnell, dass ihr ruhiger Alltag völlig aus den Fugen gerät: Auf dem elterlichen Anwesen am Meer werden vier menschliche Skelette entdeckt, während gleichzeitig eine alte Freundin ihrer Mutter auf mysteriöse Weise stirbt. Hildur, die gerade einen Misshandlungsfall auf einem Kreuzfahrtschiff bearbeitet, beginnt mit ihrer eigenen Ermittlung.

Besonders überzeugend ist die Art, wie die Autorin die persönliche Vergangenheit von Hildur in den aktuellen Fall verwebt. Kleine Rückblenden aus den 1990er‑Jahren lassen den Leser mehr über Hildurs Eltern, Rúnar und Rakel. Parallel dazu tauchen Briefe auf, die für das Rätsel um die vier Toten auf dem Familiengrundstück entscheidende Hinweise liefern. Diese Verknüpfung von Familiengeschichte und Gegenwart gibt dem Krimi eine zusätzliche emotionale Tiefe.

Wie in den vorherigen Bänden ist Hildur eine vielschichtige Protagonistin: Sie ist nicht nur fähige Kriminalbeamtin, sondern auch leidenschaftliche Surferin und träumt gelegentlich von „hellseherischen“ Warnungen, die sie vor Gefahren mahnen. Ihre enge Zusammenarbeit mit dem finnischen Kollegen Jakob, der mit seinem Strickhobby seit Band 1 bei mir für humorvolle Auflockerung sorgt, bleibt ein konstanter Anker der Serie.

Stilistisch bleibt die Prosa klar, atmosphärisch dicht und gleichzeitig gut lesbar. Die isländische Landschaft, von eisigen Fjorden über schneebedeckte Berge bis hin zu den endlosen Sommertouristenströmen, wird lebendig gezeichnet und dient nicht nur als Kulisse, sondern als aktiver Teil der Erzählung.

Insgesamt wieder ein guter isländischer Krimi, der mich von der Insel träumen lässt. Ein schwach war diesmal der Kriminialfall oder besser Fälle. Bei allen fehlte mir die Spannung und die Aufklärung wurde durch den Zufall bestimmt. Ich hoffe im Folgeband steht ein spannender Kriminialfall im Vordergrund und nicht nur die Familiengeschichte von Hildur.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.01.2025

Spannender Thriller mit interessantem Setting

One Perfect Couple
0

Von diesem Buch habe ich spannende Unterhaltung in exotischer Kulisse erwartet und genau das habe ich bekommen. Schon allein der Plot verspricht Abwechslung: verschiedene Paare werden für eine Realityshow ...

Von diesem Buch habe ich spannende Unterhaltung in exotischer Kulisse erwartet und genau das habe ich bekommen. Schon allein der Plot verspricht Abwechslung: verschiedene Paare werden für eine Realityshow auf eine Insel geschafft und ein Unwetter kappt alle Verbindungen nach draußen. Das dies zu Problemen führen wird, ist dann schon vorprogrammiert.
Mit der Protagonistin Lyla hat man eine etwas untypische Realityteilnehmerin. Sie ist Wissenschaftlerin an der Universität und hangelt sich von Projekt zu Projekt. Gerade geht es wieder auf das Ende einer Projektphase zu und sie weiß noch nicht wie es weitergehen soll. Das erklärt wahrscheinlich auch ihre Zustimmung, dass sie ihren bisher recht erfolglosen Schauspielerfreund begleiten will. Die Gründe warum Lyla teilnimmt, kamen mir anfangs etwas zu konstruiert vor, aber es fügte sich dann doch gut zusammen, vor allem als man mehr über ihre Beziehung erfährt.
Die Geschichte wird aus Sicht von Lyla in der Ich-Perspektive erzählt, einer Protagonistin, in die ich mich gut hineinversetzen konnte. Die anderen Charaktere blieben für mich etwas farblos, was zu Beginn Sinnmachte, da sie alle eine Rolle nach außen spielten für die TV Show, aber es hätte für mich mehr Tiefe in die Charakterzeichnung geben können. Was der Geschichte und dem Spannungsbogen keinen Abbruch tat. Gekonnt spielte die Autorin mit plötzlichen Wendungen und sorgte dafür, dass ich das Buch im letzten Drittel kaum weglegen konnte.
Insgesamt ein richtig guter Thriller, der mich sehr gut unterhalten hat. Nach meinen ganzen nordischen oder englischen Thrillern, war das Setting mal eine schöne Abwechslung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere