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Veröffentlicht am 04.12.2021

Fesselnd, überraschend, emotional und außergewöhnlich!

Layla
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Seit meinem ersten Buch von Colleen Hoover bin ich ein riesengroßes Fangirl von ihr, ich liebe ihre Bücher einfach über alles. Ihre Werke sind stets absolute Must-Haves für mich. So durfte natürlich auch ...

Seit meinem ersten Buch von Colleen Hoover bin ich ein riesengroßes Fangirl von ihr, ich liebe ihre Bücher einfach über alles. Ihre Werke sind stets absolute Must-Haves für mich. So durfte natürlich auch „Layla“ in meiner CoHo-Sammlung auf gar keinen Fall fehlen.

Sie lernen sich auf einer Hochzeit kennen und lieben: Musiker Leeds, der als Bassist in einer Band engagiert ist, und Layla, die Schwester der Braut. Als sich die beiden das erste Mal begegnen, sprühen sofort die Funken zwischen ihnen. Alles scheint perfekt zu sein – doch dann taucht Leeds eifersüchtige Ex-Freundin auf und es kommt zu einem furchtbaren Zwischenfall, bei dem Lalya beinahe ihr Leben verliert. Danach ist nichts mehr wie es war. Um seine alte Freundin zurückzubekommen und ihre Beziehung zu retten, beschließt Leeds das Haus zu mieten, in welchem sie sich kennengelernt haben: Das Bed und Breakfast, wo die Hochzeit stattgefunden hat. Dort geht es jedoch eindeutig nicht mit rechten Dingen zu, lauter Merkwürdigkeiten ereignen sich und Leeds beginnt immer mehr an seinem Verstand zu zweifeln. Was geht hier nur vor sich? Und wieso verschlechtert sich Laylas Zustand zusehends?

Dass sich Colleen Hoover mit „Layla“ in ein für sie bisher völlig neues Genre gewagt hat und dieser Titel aus ihrer Feder somit anders ist als ihre gefühlvollen Liebesromane, war mir bereits vor dem Lesen klar. Ich war daher nun wirklich mega gespannt wie mir das Buch wohl gefallen wird. Die Meinungen darüber gehen ja ziemlich weit auseinander. Viele lieben es, für andere war es eine bittere Enttäuschung – zu welcher Gruppe würde ich wohl gehören?
Um es kurz zu machen: Das stärkste Werk der Autorin ist „Layla“ für mich nicht, aber hellauf begeistert bin ich dennoch. Nun, nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich es nur sehr gut nachvollziehen, warum sich daran die Geister scheiden. Die Story, die in „Layla“ schlummert, ist schon recht speziell und wird wirklich nichts jedermanns Sache sein. Meinen Geschmack aber hat sie getroffen; in meinen Augen hat Colleen Hoover eine geniale Idee gelungen umgesetzt und eine richtig coole Lovestory mit paranormalen Elementen aufs Papier gebracht. Solltet ihr gerne Bücher mit übersinnlichem Anteil lesen und einfach mal Lust auf eine Liebesgeschichte haben, die alles andere als klassisch und erfrischend anders ist, kann ich euch „Layla“ nur ans Herz legen.

Bereits der erste Satz macht deutlich, dass einem „Layla“ keine locker-leichte Romanze bescheren wird. Der Beginn von Kapitel 1 erinnert fast schon an den Anfang eines Krimis, sodass man zunächst keine genaue Vorstellung davon hat, wohin das Ganze wohl führen wird. Bei mir konnte dieser rasante Einstieg vollkommen punkten, ich war sofort ganz gebannt von den Geschehnissen und wollte einfach nur noch eines tun: Schleunigst weiterlesen, um die vielen Fragen in meinem Kopf mit Antworten zu füttern. Bekommen habe ich sie auch, allerdings natürlich nicht sofort. Das anfängliche hohe Spannungsniveau wird auf eine äußerst geschickte Art und Weise konstant gehalten und stellenweise auch um einiges gesteigert, sodass es einem sehr schwer fällt, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Bei mir zumindest war es so, ich habe mich dem packenden Lesesog der Handlung kaum mehr entziehen können und da sich Colleen Hoovers wunderschöner Schreibstil mal wieder superangenehm für mich hat lesen lassen, bin ich nur so durch die Seiten geflogen und habe das Buch innerhalb kurzer Zeit beendet.

Extrem gut gefallen hat mir auch, wie die Story aufgebaut ist und erzählt wird.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen geschildert: Da hätten wir zum einen den Teil, der in der Gegenwart spielt und in denen Leeds befragt wird (von wem, verrate ich hier nicht).
Bei den Kapiteln, die uns in die Vergangenheit mitnehmen, handelt es sich um Leeds Erinnerungen, in ihnen dürfen wir miterleben wie sich Leeds und Layla auf der Hochzeit kennenlernen und sich ihr Leben nach ihrer Rückkehr ins Bed und Breakfast immer mehr in einen wahren Albtraum verwandelt.
Die Erzählstränge nähern sich immer mehr an und da wir dabei nur stückchenweise mit Informationen und Erklärungen versorgt werden, fiebert und rätselt man so richtig mit und fragt sich immerzu, wie die beiden nur in diese verzweifelte Situation geraten konnten. Was genau hat sich Schlimmes zugetragen, sodass sich Layla und die Beziehung der beiden so sehr verändert haben und Leeds seine Freundin sogar ans Bett fesselt? Warum berichtet Leeds einem fremden Mann von den Ereignissen?

Da ich euch ziemlich die Spannung nehmen würde, wenn ich mehr über den Verlauf der Handlung berichte, werde ich nun nicht weiter ins Detail gehen. Stellt euch einfach mal darauf ein, dass euch viele Szenen ziemlich fassungslos und verwirrt stimmen werden und ihr öfters mit einer Gänsehaut dasitzen werdet. Zahlreiche Geheimnisse, unglaubliche Enthüllungen und nicht vorhersehbare Wendungen, jede Menge Nervenkitzel, Drama, Grusel und Emotionen, eine spannungsgeladene, düstere Atmosphäre – all das erwartet euch hier. Für den Herbst, allen voran die Halloweenzeit, ist „Layla“ wahrlich die perfekte Lektüre.

Erfahren tun wir alles ausschließlich aus der Sicht von Leeds in der Ich-Form. Dass sich Colleen Hoover für keine Perspektivwechsel entschieden hat und wir es mit einem männlichen Erzähler zu tun bekommen, hat mir persönlich ausgesprochen gut gefallen. Ich habe Leeds als einen ungemein interessanten Charakter wahrgenommen. Er war mir auf Anhieb sympathisch, allerdings habe ich ihn stellenweise nicht so wirklich einschätzen können und war öfters am überlegen, ob das, wovon er uns berichtet, wirklich der Wahrheit entsprechen kann oder ob er nicht vielleicht doch ein verrückter Psycho ist.
Layla ist ebenfalls eine ganz besondere Persönlichkeit. Ich mochte ihre lebensfrohe und etwas verrückte Art zu Beginn wahnsinnig gerne und ihre drastische Wandlung nach dem tragischen Zwischenfall hat mich richtig fasziniert. Mehr über Layla werde ich hier jedoch nicht erzählen, da ich ansonsten vermutlich spoilern würde.

Das Ende kam mir persönlich etwas zu schnell und irgendwie hatte ich es mir ein bisschen spektakulärer erhofft. Groß gestört hat es mich aber nicht, ich bin insgesamt echt begeistert von dem Buch und kann es nur empfehlen.

Fazit: Fesselnd, überraschend, intensiv und außergewöhnlich. Eine einzigartige Liebesgeschichte mit Sogwirkung.
Mir hat Colleen Hoover mit „Layla“ ein großartiges Leseerlebnis bescheren können. Ich bin richtig begeistert von diesem faszinierenden Mix aus Lovestory, Drama und Mystery-Gruselthriller und war von Anfang bis Ende völlig gebannt von der Handlung. Ich kann „Layla“ nur empfehlen und vergebe 4,5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 01.12.2021

Turbulent, frech und superwitzig!

Jule Bambule 1: Ente gut, alles gut
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Da mir meine bisherigen Bücher aus der Feder von Judith Allert total gut gefallen haben und ich die Zeichnungen von der Larisa Lauber sehr gerne mag, war ich augenblicklich Feuer und Flamme als ich von ...

Da mir meine bisherigen Bücher aus der Feder von Judith Allert total gut gefallen haben und ich die Zeichnungen von der Larisa Lauber sehr gerne mag, war ich augenblicklich Feuer und Flamme als ich von ihrem gemeinsamem Werk „Jule Bambule“ hörte. Da stand für mich einfach sofort fest, dass ich es lesen muss.

Auf das neue Schuljahr hat sich Jule riesig gefreut, allerdings wird ihre Freude gleich am ersten Schultag einen ordentlichen Dämpfer erhalten. Ihre Eltern benehmen sich plötzlich total sonderbar und die neue Mitschülerin in der Klasse macht sich mit ihrem eingebildeten Verhalten vom ersten Moment an äußerst unbeliebt bei Jule und ihren Freunden. Diese blöde Rieke ist auf einmal der Star der Klasse und stiehlt Jule und ihrer Bande voll die Show. Für Jule und ihre Freunde steht sofort fest: Sie werden es allen zeigen, sie sind eindeutig viel cooler als diese Schnieke-Rieke! Sie sind wahre Superhelden! Die Umsetzung ihres Plans wird nur leider nicht so verlaufen wie vorgesehen und in einem ziemlichem Chaos enden. Und als wäre das Tohuwabohu nicht schon groß genug, flattert dann auch noch eine verrückte Ente in Jules Leben.

Mir haben Cover, Klappentext und der ulkige Buchtitel definitiv nicht zu viel versprochen: Ich habe zauberhafte Lesestunden mit dem Gemeinschaftswerk von Judith Allert und Larisa Lauber verbracht. In meinen Augen ist den beiden mit „Jule Bambule - Ente gut, alles gut“ ein richtig cooler Comic-Roman geglückt, der voller Witz und Charme steckt und ein echter Guter-Laune-Macher ist. Solltet ihr gerne originell aufgemachte, liebenswert-chaotische und humorvolle Kinderbücher lesen, kann ich euch nur ans Herz legen die Bekanntschaft mit Jule Bambule zu machen.

Mich hat die Geschichte von Anfang an mitreißen und begeistern können. Da unsere Ich-Erzählerin Jule ihr trubeliges Leben in ihrem Notizbuch festhält und dies auf eine äußerst unterhaltsame und etwas überdrehte Weise tut, sitzt man von Beginn an mit einem breiten Grinsen im Gesicht da. Mir zumindest hat bereits Jules amüsante Vorstellung ihrer schrägen Familie ein Schmunzeln entlockt und auch mein Kennenlernen mit ihren Freunden – der MEUTE – hat mich bestens unterhalten. Besonders spaßig fand ich allerdings die Szenen mit Ente Dörte. Dörte ist echt genial, sag ich euch, diese schräge Ente zählte eindeutig zu meinen Lieblingsfiguren. Ausgesprochen gut gefallen hat mir auch wie die Verbindung zwischen ihr und unserer Hauptprotagonistin Jule dargestellt wird.

Die Thematik Haustiere wird in dem Buch toll aufgegriffen und behandelt, mit diesem Punkt hat mich die Autorin gänzlich überzeugen können, und dass das Thema Freundschaft besonders im Fokus der Handlung steht, fand ich ebenfalls großartig. Sei es Jules Beziehung zu Dörte oder die zur ihrer Meute – Freundschaft wird in diesem Buch ganz groß geschrieben.

Zu den Charakteren kann ich mich nahezu komplett positiv äußern. Mir persönlich war Jule teilweise etwas zu muffig drauf. Ich habe ihre miese Stimmung zwar nachvollziehen können, aber ein bisschen weniger nörgeln hier und da hätte ich dennoch nicht schlecht gefunden. In mein Herz geschlossen habe ich Jule aber natürlich dennoch. Sie ist so schön aufgeweckt und erfrischend ehrlich und, diese Eigenschaft an ihr hat mir besonders gut gefallen: Sie sieht ihre Fehler ein und lernt aus ihnen. Jule wird sich im Verlauf des Buches prima weiterentwickeln, was wundervoll beschrieben wird.
Die Nebenfiguren mochte ich ebenfalls unheimlich gerne. Sie wurden allesamt mit viel Liebe ausgearbeitet und besitzen alle so ihre Besonderheiten, mit denen sie uns Leserinnen verzaubern und erheitern.

Vom Verlag wird „Jule Bambule“ für Mädchen und Jungen ab 9 Jahren empfohlen und dem schließe ich mich an. Leser
innen ab diesem Alter sollte der Text meinem Empfinden nach keinerlei Schwierigkeiten beim Selberlesen bereiten. Lesemuffeln kann ich das Buch übrigens ganz besonders ans Herz legen. Dank der gelungenen Comic-Roman-Aufmachung ist es wirklich die ideale Lektüre für lesefaule Kinder.

Von der Innengestaltung bin ich richtig begeistert. Larisa Lauber hat die Geschichte mit vielen lustigen und süßen Zeichnungen versehen, die absolut perfekt zur Story passen, und neben den Illustrationen kommt man dann auch noch in den Genuss von lauter kreativen Schriftspielereien. Das Leseerlebnis ist wahrlich ein ganz besonderes und sehr abwechslungsreiches, langweilig wird es an keiner Stelle.

Ich hoffe nun sehr, dass es noch ein Wiedersehen mit Jule und Co. geben wird. Das Abenteuer endet zwar recht abgeschlossen, aber Potenzial für eine Fortsetzung ist auf jeden Fall vorhanden. Na, lassen wir uns überraschen.

Fazit: Turbulent, frech und superwitzig – ein herrliches Lesevergnügen mit Gute-Laune-Garantie.
Judith Allert und Larisa Lauber haben mit „Jule Bambule – Ente gut, alles gut“ einen wunderbaren Comic-Roman für Leser*innen ab 9 Jahren aufs Papier gebracht, welchen ich nur wärmstens empfehlen kann. Die Geschichte lässt an keiner Stelle Langeweile aufkommen und wird mit viel Tempo, Herz und Humor erzählt, sie steckt voller Entencharme und starker Freundschaftsmomente und ist klasse aufgemacht. Ich hatte tierisch viel Freude beim Lesen und vergebe 4,5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 30.10.2021

Ein herrliches Lesevergnügen!

Merdyns magische Missgeschicke – Zaubern will gelernt sein!
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Als man mir „Merdyns magische Missgeschicke – Zaubern will gelernt sein!“ als Rezensionsexemplar anbot, zögerte ich keine Sekunde lang und sagte zu. Der Klappentext klang nach einer Story wie für mich ...

Als man mir „Merdyns magische Missgeschicke – Zaubern will gelernt sein!“ als Rezensionsexemplar anbot, zögerte ich keine Sekunde lang und sagte zu. Der Klappentext klang nach einer Story wie für mich gemacht und auch das knallig grüne Cover hatte mich sofort. Das Buch musste ich einfach bei mir einziehen lassen.

Rosies größter Traum ist es eine berühmte Sängerin zu werden. Ob sich dieser jemals erfüllen wird, ist allerdings fraglich, denn Rosie ist leider wenig talentiert im Singen und Unterstützung von ihrer Familie kann sie kaum erwarten. Seit ihr Vater tot ist, lässt sich ihre Mutter total gehen und hängt nur noch vor dem Fernseher rum und ihr großer eitler Bruder beschäftigt sich nur mit seinem guten Aussehen. Und von ihrem Meerschweinchen Pupsie wird sie wohl auch keine Hilfe bekommen – nur viele Köttel.
Als eines Tages Hexenmeister Merdyn in ihr Leben stolpert, stehen Rosies Aussichten auf eine erfolgreiche Gesangskarriere schlagartig besser. Merdyn ist ein mächtiger Zauberer, der aus dem Mittelalter ins 21. Jahrhundert verbannt wurde. Einen gepflegten Eindruck macht er zwar nicht gerade und er hat die nervige Angewohnheit ständig mit kleinen Steinen auf Rosie zu werfen, aber mit seinen Zauberkräften kann er Rosies sehnlichsten Wunsch wahr werden lassen. Aber wie heißt es so schön, eine Hand wäscht die andere. Auch Merdyn benötigt dringend Hilfe – er will unbedingt zurück in seine eigene Zeit. Rosie erklärt sich schnell bereit ihm dabei zu helfen – was sich nur als schwieriger als gedacht herausstellen wird. Merdyn hat natürlich null Ahnung davon wie es im 21. Jahrhundert so zugeht und wird für das reinste Chaos sorgen. Und als dann auch noch plötzlich sein finsterer Widersacher Jerabo auf der Bildfläche erscheint, wird es auch noch richtig gefährlich.

Als ich mir den Klappentext damals durchlas und das Cover das erste Mal sah, ist mir sofort klar gewesen, dass eine äußerst spaßige und abgedrehte Story zwischen diesen giftgrünen Buchdeckeln schlummert. Da ich solche Erzählungen immer wahnsinnig gerne lese, bin ich fest davon ausgegangen, dass mir mein erstes Werk aus Feder von Simon Farnaby richtig gut gefallen wird. Tja, und wisst ihr was? Ich habe mit beiden Vermutungen goldrichtig gelegen!
In meinen Augen hat der britische Schauspieler und Drehbuchautor Simon Farnaby mit „Merdyns magische Missgeschicke – Zaubern will gelernt sein!“ ein gelungenes Kinderbuchdebüt aufs Papier gebracht, mit welchem er mir definitiv genau das beschert hat, was ich mir erhofft habe: Eine spannende und witzig-skurrile Mittelalter-Zeitreise-Geschichte voller Abenteuer, Überraschungen und Magie. Ich habe mich beim Lesen prächtig amüsiert und die gut 380 Seiten in weniger als zwei Tagen durchgelesen.

Mit dem Stichwort Seiten komme ich als nächstes mal zu meinem einzigen negativen Kritikpunkt: Die Altersangabe. Ich persönlich kann mich dieser nicht so wirklich anschließen, ich würde das Buch erst ab etwa 10 oder 11 Jahren empfehlen. Da es mit seinen fast 400 Seiten ziemlich dick ist und ich den Schreibstil als etwas zu anspruchsvoll für achtjährige Kinder empfunden habe, halte ich das vom Verlag empfohlene Lesealter für zu niedrig. Hinzu kommt, dass ich mir bei dem Humor nicht so sicher bin, ob er von achtjährigen Kids schon vollkommen verstanden werden wird. Aber da natürlich jedes Kind anders ist, muss man das einfach individuell entscheiden.

Mir, als Erwachsene, hat die Seitenzahl natürlich keinerlei Probleme bereitet und der Schreibstil hat sich prima für mich lesen lassen. Die Geschichte wird auf eine höchst amüsante und sehr originelle und mitreißende Weise erzählt, mich konnte sie von den ersten Seiten an in Begeisterung versetzen. Sehr cool fand ich auch, dass der Autor uns Leser*innen ständig direkt anspricht. So etwas liebe ich einfach.
Humormäßig bin ich ebenfalls ganz auf meine Kosten gekommen. Die Charaktere sind teils so schön überspitzt gezeichnet, allein Merdyn ist der Knaller, und die Handlung sprüht nur so vor absurden Momenten und fantasievollen Ideen. Ich habe das Schmunzeln stellenweise gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen; vor allem Rosies Meerschweinchen Pupsie hat mir immerzu ein breites Grinsen auf die Lippen gezaubert, nachdem es dank Merdyns magischen Kräften sprechen kann. Die Kommentare von diesem kleinen Kerlchen sind echt spitze. Und Pupsie macht seinem Namen wahrlich alle Ehre, hihi.

Die Geschichte ist allerdings nicht nur lustig. Auf eine einfühlsame und kindgerechte behandelt sie auch wichtige und ernsthafte Themen wie Verlust, Trauer, Mobbing, Vernachlässigung, Freundschaft, Familie, Zusammenhalt und Selbstfindung. Das Buch ist erstaunlich tiefgründig und warmherzig, sodass es einen nicht nur bestens unterhält und mitfiebern lässt, sondern auch nachdenklich stimmt und stellenweise sehr berührt. Lehrreich ist es zudem auch noch. Auf eine unterhaltsame Weise werden uns vom Autor verschiedene altertümliche (und sehr ulkige) Begriffe in Fußnoten erläutert (Hahnepampel beispielsweise, oder Schwabbelmeier) und hinten im Buch gibt es ein kleines Glossar mit welchem man seinen Wissensschatz über Gräser ein bisschen erweitern kann.

Mit den Charakteren hat mich der Autor ebenfalls auf ganzer Linie überzeugen können. Da hätten wir zum einen Merdyn, ein Hexenmeister aus dem Jahr 511, der in unserer Zeit landen und dort das reinste Chaos verursachen wird. Ich fand Merdyn einfach großartig und auch Rosie mochte ich super gerne. Sie ist mutig und sympathisch, in mein Herz hat sie sich sofort geschlichen. Mit ihr habe ich an vielen Stellen nur zutiefst mitgefühlt. Rosie hat es gerade echt nicht leicht im Leben. Sie hat keine Freunde, in der Schule wird sie gemobbt und seit ihr Vater verstorben ist, hängt ihre Mutter nur noch zu Hause vor der Glotze und futtert täglich tonnenweise Pralinen in sich rein. Aber – so viel sei schon mal verraten: Rosies Leben wird sich dank Merdyn noch sehr verändern. Positiv verändern.
Zu den weiteren Figuren sage ich nun mal nichts weiter. Stellt euch einfach mal darauf ein, dass ihr es mit einem einem ziemlichen außergewöhnlichen Haufen an liebenswert-verrückten Gestalten zu tun bekommen werdet.

Auch mit der Innengestaltung hat das Buch bei mir punkten können. Es gibt lauter kreative Schriftspielereien und die Handlung wird von vielen witzigen schwarz-weiß Illustrationen von Claire Powell begleitet, die einfach nur perfekt zur Geschichte passen. Von den Bildern hätte es liebend gerne noch ein paar mehr geben können. Mir gefällt der humorvolle Zeichenstil von Claire Powell unheimlich gut.

Die Geschichte endet in sich abgeschlossen, sodass das Buch durchaus für sich allein stehen könnte. Ich habe allerdings gesehen, dass es im Englischen bereits eine Fortsetzung gibt. Da hoffe ich nun sehr, dass diese ebenfalls noch ins Deutsche übertragen werden wird. Den zweiten Band möchte ich auch unbedingt kennenlernen!

Fazit: Ein wunderbares Lesevergnügen mit Gute-Laune-Garantie!
Simon Farnaby ist mit seinem Kinderbuchdebüt ein absolut überzeugender Reihenauftakt geglückt, den ich nur wärmstens empfehlen kann. Die Geschichte sprüht nur so vor Fantasie, Witz, Charme und herrlich schrägen Verrücktheiten, zugleich ist sie aber auch ernst und vermittelt wertvolle Themen und Botschaften. Also ich bin begeistert und habe tolle Lesestunden mit dem Buch verbracht. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 25.10.2021

Eine spannende & außergewöhnliche dystopische Abenteuergeschichte

Streuner - Auf der Suche nach Hoparion
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Da ich die Bücher von Rüdiger Bertram immer sehr gerne lese, war meine Neugierde umgehend geweckt als ich das erste Mal von seinem neuen Buch „Streuner – Auf der Suche nach Hoparion“ hörte. Cover und Klappentext ...

Da ich die Bücher von Rüdiger Bertram immer sehr gerne lese, war meine Neugierde umgehend geweckt als ich das erste Mal von seinem neuen Buch „Streuner – Auf der Suche nach Hoparion“ hörte. Cover und Klappentext sprachen direkt an – für mich stand sofort fest, dass ich das Buch lesen möchte.

Es gibt drei Regeln: Nummer 1: Hunde sind gefährlich. Nummer 2: Halte dich von ihnen fern. Nummer 3: Überlebe!
Seit dem TAG ist alles anders. Die Welt hat sich in eine graue, trockene Wüste verwandelt, viele Menschen sind gestorben, es gibt kaum noch Strom, Wasser und Essen und wilde Hunderudel haben die Herrschaft übernommen. Ganz auf sich alleine gestellt kämpfen Judith und ihr kleiner Bruder Abrogast in dieser gefährlichen Welt ums Überleben. Sie befinden sich auf der Suche – auf der Suche nach Hoparion, dem Ort, an dem es angeblich genug Wasser und Nahrung geben soll und Menschen und Hunde in Frieden zusammenleben. So hat es zumindest ihr Vater immer erzählt. Ob es diesen Ort wirklich gibt, wissen die Geschwister nicht. Sie halten dennoch an diesem Ziel fest, stolpern durch die staubige Einöde und schlafen nachts auf Bäumen, um sich vor wilden Hunden zu schützen. Auf ihrer Reise begegnen sie schließlich dem Mädchen Bilkis, die sich selbst als Kriegerin bezeichnet und sich Geschwistern anschließt. Als sie kurz darauf von einem Rudel angegriffen werden, bekommen sie überraschend Hilfe von drei Hunden: Nipper, Dash und Stubby. Diese drei Streuner sind anders, sie sind nicht böse und gefährlich. Die Streuner ziehen zu sechst weiter. Ob ihr Weg sie wohl nach Hoparion führen wird?

Von Rüdiger Bertram kenne ich in erster Linie witzig-schräge Kinderbücher, allerdings habe ich vor ein paar Jahren auch seinen historischen Abenteuerroman „Der Pfad“ gelesen, mit welchem er unter Beweis gestellt hat, dass er auch das Schreiben von ernsthaften Geschichten voll drauf hat. Mich zumindest hat er mit dem Buch damals gänzlich überzeugen können.
Mit „Streuner“ beschert uns der deutsche Autor nun also ein weiteres Werk, das nicht voller Humor steckt. Wie es mir gefallen hat? Richtig gut! Ich habe mir eindeutig nicht zu viel von dem Buch erhofft: Ich bin echt begeistert von dem, was mich in „Streuner“ erwartet hat. In meinen Augen ist Rüdiger Bertram mit seiner ersten Dystopie (die zugleich auch sein erster Hunderoman ist) etwas ganz Besonderes gelungen. Solltet ihr gerne in dystopische Abenteuergeschichten eintauchen, eine Schwäche für Hunde haben und Bücher mögen, die aus der Sicht von Tieren erzählt werden, kann ich euch „Streuner“ nur ans Herz legen. Allerdings sollte man nicht jünger als 10 Jahre sein. Ich muss sagen, dass ich mit der Altersangabe vonseiten des Verlags etwas hadere. Für manche zehnjährige Kids mag das Buch bestimmt schon etwas sein, aber da es insgesamt sehr ernst und auch drückend ist und stellenweise recht traurig, würde ich persönlich es erst ab 12 Jahren empfehlen.

Mir hat diese etwas beklemmende Grundstimmung, die von Beginn an herrscht, sehr gut gefallen. Ich habe sie in keinster Weise als unangenehm empfunden, für mich hat sie einfach wunderbar zur Story gepasst. Und keine Sorge, zu schwer wird die Atmosphäre auch nicht. Rüdiger Bertram hat die Menge an Ernst und Düsterkeit meiner Ansicht nach perfekt dosiert und eine genau richtige Leichtigkeit hinzugefügt. Die Kapitel, die aus dem Blickwinkel von Hund Nipper geschrieben sind, haben mir sogar den ein oder anderen kleinen Schmunzler gelockt.

Eine der größten Besonderheiten dieses Buches ist definitiv die Art und Weise wie es erzählt wird. Die Geschichte wird im Wechsel von Menschenmädchen Judith und dem einohrigen Hund Nipper geschildert, jeweils in der Ich-Form, und bei mir hat dieser Erzählstil ganz klar komplett punkten können. Er gestaltet das Leseerlebnis so schön abwechslungsreich und mitreißend, sodass von Beginn an ein fesselnder Lesesog geschaffen wird und da die zwei verschiedenen Sichtweisen unterschiedliche Schriftarten besitzen, weiß man jederzeit wer gerade an der Reihe ist mit dem Erzählen.

Ich habe unseren beiden Hauptprotagonisten sofort in mein Herz geschlossen. Judith fand ich einfach klasse, sie ist für Alter beeindruckend taff und tapfer und eine wundervolle große Schwester. Ich habe Judith zutiefst für ihre Stärke und Entschlossenheit bewundert und zu sehen, wie liebevoll sie sich um ihren kleinen Bruder Abrogast kümmert, hat mich sehr berührt.
Mit Nipper hat der Autor ebenfalls eine starke Figur erschaffen. Nipper besitzt nur noch ein Ohr und kann nicht mehr riechen, findet sich aber dennoch prima zurecht. Dieser einohrige Streuner ist wahrlich ein einzigartiger Hund und wird, wie ich finde, sehr authentisch dargestellt. Er spricht stets in ziemlich kurzen Sätzen, lässt öfters sogar die Personalpronomen weg und Dinge, die er nicht kennt, erhalten von ihm neue Bezeichnungen. So nennt er beispielsweise Kamele Höckertiere. Also ich finde, dass es Rüdiger Bertram wirklich richtig gut gelungen ist aus der Perspektive eines Hundes zu schreiben.

Mit der Ausarbeitung der weiteren Charaktere hat mich Rüdiger Bertram ebenfalls überzeugen können. Judiths süßer kleiner Bruder Abrogast (von seiner Schwester stets Abro genannt), die mutige und ausgefuchste Bilkis, Nippers Gefährten Dash und Stubby - ich fand sie allesamt großartig und habe sie nur zu gerne auf ihrer gefahrvollen und beschwerlichen Suche nach Hoparion begleitet.

Was genau unsere sechs Streuner auf ihrer Reise alles erleben und ob sie am Ende dieses mysteriöse Hoparion finden werden, werde ich euch hier nicht erzählen, das müsst ihr schon selbst herausfinden. Euch erwartet auf jeden Fall ein spannungsreiches und fantasievolles Abenteuer voller Geheimnisse, Gefahren und emotionaler und ergreifender Momente. Mich haben die Geschehnisse durchweg völlig in ihren Bann ziehen können, sodass ich das Buch innerhalb eines Tages durchgelesen habe.

Von dem Setting möchte ich euch aber unbedingt noch berichten. Sofern ich nichts überlesen habe, wird kein Jahr genannt, in welchem wir uns befinden, aber die Geschichte wird wohl in nicht allzu ferner Zukunft spielen. So weiß man beispielsweise, dass vor dem TAG, der alles verändert hat, noch Walkmans und Kassetten existiert haben (Fans vom kleinen Drachen Kokosnuss werden bei diesem Buch übrigens großen Grund zur Freude haben).
Auch bezüglich des TAGES werden wir Leserinnen etwas im Unklaren gelassen. Es muss jedenfalls etwas ganz Furchtbares passiert sein, sodass sich unsere Welt, wie wir sie kennen, in eine graue Wüste verwandelt hat und alle Menschen, die diesen schicksalshaften 31. Mai überstanden haben, in ständiger Angst vor den Hunden ums Überleben kämpfen müssen.
Mir hat die Zukunftswelt, die Rüdiger Bertram entworfen, unheimlich gut gefallen. Die düstere, geheimnisvolle und unheilschwangere Stimmung hat es mir, wie bereits erwähnt, sofort angetan, und die Idee, dass die Herrschaft von wilden Hunderudeln übernommen wurde, finde ich äußerst originell und faszinierend.

Das Ende hat mich zuerst ein wenig unzufrieden zurückgelassen, da es recht offen ist. Nachdem ich aber ein bisschen über den Schluss nachgedacht habe, finde ich ihn doch sehr gelungen. Er passt auf jeden Fall zur Story und macht zudem Hoffnung auf eine Fortsetzung. Ich persönlich gehe zwar davon aus, dass es bei „Streuner“ um einen Einzelband handelt, aber wer weiß, vielleicht irre mich ja auch. Also ich würde mich sehr über ein Wiedersehen mit Judith, Nipper und Co. freuen.

Fazit: Packend, cool und außergewöhnlich. Ein spannender Dystopieroman voller Abenteuer und Gefahren.
Mir hat Rüdiger Bertram mit „Streuner – Auf der Suche nach Hoparion“ tolle Lesestunden bereiten können. Ich war durchweg am Mitfiebern und Mitbangen und wollte das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen. Bis auf den Punkt, dass ich die Handlung für 10-jährige Leser
innen zu düster und traurig finde, kann ich mich nur begeistert zu dieser dystopischen und hundestarken Geschichte über Freundschaft, Mut und Zusammenhalt äußern. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 03.10.2021

Eine magische und abenteuerliche Reise voller Fantasie und Wunder!

Der Silberpfeil
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Als ich das erste Mal über „Der Silberpfeil“ stolperte, stand für mich augenblicklich fest, dass ich das Buch lesen muss. Von dem Cover habe ich mich wie magisch angezogen gefühlt; irgendwie hat es mich ...

Als ich das erste Mal über „Der Silberpfeil“ stolperte, stand für mich augenblicklich fest, dass ich das Buch lesen muss. Von dem Cover habe ich mich wie magisch angezogen gefühlt; irgendwie hat es mich sofort an den Polarexpress denken lassen – ein Weihnachtsklassiker, den ich über alles liebe. Da mich der Klappentext ebenfalls direkt ansprach und die Originalausgabe zudem äußert positive Kritiken erhalten hat, zögerte ich wirklich keine Sekunde lang und ließ den Silberpfeil bei mir einziehen.

Kate findet ihr Leben schrecklich langweilig. Warum nur kann sie nicht so spannende Abenteuer wie die Charaktere in Büchern erleben? Mit dem drögen Alltag soll es allerdings schlagartig vorbei sein, als Kate von ihrem Onkel Herbert eine echte Lokomotive namens Silberpfeil zu ihrem 11. Geburtstag geschenkt bekommt. Bei dem Silberpfeil handelt es sich jedoch um keine gewöhnliche Lok - es ist ein magischer Zug. Für Kate und ihren jüngeren Bruder Tom beginnt das Abenteuer ihres Lebens. Der Silberpfeil wird sie auf eine unglaubliche Reise mitnehmen, voller wundersamer Orte und sprechender, exotischer Tiere.

Als ich mit dem Lesen begann, war ich mir bereits nach wenigen Seiten ziemlich sicher, dass mich mein Riecher bei meiner Bücherauswahl mal wieder nicht im Stich gelassen hat und ich eine wunderbare Zeit mit dem Buch verbringen werde. Die Story konnte mich sofort in ihren Bann ziehen und der humorvolle, bildliche Schreibstil des Autors sagte mir auf Anhieb zu. Auch unsere personale Erzählerin Kate mochte ich vom ersten Moment an richtig gerne. Die Voraussetzungen, dass mir mein erstes Werk aus der Feder von Lev Grossman gefallen wird, standen also echt gut.
Langer Rede, kurzer Sinn: Mir hat „Der Silberpfeil“ bezaubernde Lesestunden bereiten können. Für die volle Sternenzahl hat es mir letztendlich zwar dann doch nicht gereicht – dieser allerletzte Funken wollte irgendwie nicht komplett überspringen – aber begeistert bin ich dennoch, auf jeden Fall. Der US-amerikanische Schriftsteller Lev Grossman hat mit „Der Silberpfeil“ eine außergewöhnliche Abenteuergeschichte für Jung und Alt aufs Papier gebracht, die unglaublich fantasievoll ist, eine großartige Message enthält und uns Leserinnen auf eine unvergessliche Zugreise voller magischer Momente mitnimmt.

Zu Beginn der Erzählung lernen wir unsere 11-jährige Hauptprotagonistin Kate und ihre Familie kennen, die ein ganz normales und eigentlich perfektes Leben in einem ganz normalen Haus führen. In Kates Augen aber ist ihr Leben furchtbar öde und langweilig. Jeder Tag ist gefühlt gleich, nie passiert etwas Spannendes. Was gäbe Kate dafür, wenn sie so aufregende Dinge wie die Figuren in ihren geliebten Büchern erleben würde.
Kates Wunsch wird in Erfüllung gehen, als sie von ihrem merkwürdigen und ziemlich reichen Onkel Herbert eine waschechte Lokomotive namens SILBERPFEIL zum 11. Geburtstag geschenkt bekommt – ein wahrlich sehr ungewöhnliches Geschenk. Die Eltern sind verständlicherweise wenig erfreut darüber, dass plötzlich eine Lok in ihrem Garten steht. Kate und ihr jüngerer Bruder Tom aber sind begeistert und gehen der Aufforderung ihres Onkels, sich verschiedene Waggons für ihren Zug zu wünschen, nur zu gerne nach.
Das Ergebnis ist eine Reihe von äußerst kreativer Abteilwagen wie ein Süßigkeitenwaggon oder ein Bibliothekswagen. Letzteres fand ich besonders genial, so ein Zugabteil hätte ich definitiv auch gewählt.

Mit dem Silberpfeil hat Lev Grossman einfach ein ganz besonderes Setting erschaffen. Ich habe mir diesen magischen Zug total cool vorgestellt und wäre nur zu gerne in das Buch hineingehopst, um die unterschiedlichen Abteile selbst zu erkunden und mich an lauter wundervolle Orte mitnehmen zu lassen. Da das Hineinspringen in Bücher leider nicht möglich ist, musste ich mich mit einer Erkundungstour und Reise über das Lesen begnügen, was aber zweifellos ebenfalls ein herrliches Erlebnis war.

Gemeinsam mit Kate und Tom werden wir die verschiedensten Landschaften durchfahren wie schneebedeckte Berge, wilde Dschungelwälder oder trockene Wüsten. Sogar durch das Meer werden wir brausen und auch in die Lüfte wird es uns verschlagen. Dem Einfallsreichtum sind hier wirklich keine Grenzen gesetzt.

Neben dem Zug und den Schauplätzen haben mir auch die Charaktere sehr gut gefallen. Kate und Tom sind zwei superliebe und aufgeweckte Kinder – ich habe sie sofort in mein Herz geschlossen. Die Zwei werden ihre Zugreise jedoch nicht alleine bestreiten: Im Verlauf der Geschichte werden so einige Passagiere in den Silberpfeil einsteigen, bei denen es sich allerdings um keine Menschen handelt. Nein, die Fahrgäste der Geschwister sind sprechende Tiere, die alle ein bestimmtes Ziel verfolgen und jeder so ihre Eigenarten und Besonderheiten besitzen. Von der Idee mit den Tieren war ich vom ersten Moment an ganz angetan und als mir dann schließlich bewusst wurde, welche Thematik uns der Autor damit näherbringen möchte, ist meine Begeisterung nur noch größer geworden.

„Der Silberpfeil“ beschert uns nicht nur ein packendes und unterhaltsames Fantasyabenteuer und lädt durchweg zum Mitfiebern und Staunen ein – die Geschichte regt auch sehr zum Nachdenken an und vermittelt auf eine kindgerechte und warmherzige Weise eine ganz wichtige Botschaft. Ich kann das Buch daher auch Erwachsenen nur ans Herz legen – für deutlich ältere Leser
innen ist „Der Silberpfeil“ definitiv genauso lesenswert wie für Kinder.
Was die Altersempfehlung angeht, schließe ich mich dem Verlag an. Mädchen und Jungen ab 10 sollten der Handlung meiner Ansicht nach ohne Probleme folgen und dessen Aussage verstehen können.

Das Ende hat mich ebenfalls zufriedenstellen können. Es schließt die Erzählung gelungen ab und obwohl es Spielraum für eine Fortsetzung lässt, gehe ich persönlich davon aus, dass es sich bei dem Buch um einen Einzelband handelt. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich ja auch. Also ich hätte auf jeden Fall große Lust dazu, mich vom Silberpfeil auf eine weitere spannende Zugfahrt mitnehmen zu lassen.

Was dann natürlich nicht unerwähnt bleiben darf, ist die Gestaltung. Das Cover, das wir dem amerikanischen Illustrator Brandom Dorman zu verdanken haben, liebe ich einfach, in meinen Augen ist es ein echter Hingucker.
Der Innenteil ist aber auch wunderhübsch aufgemacht. Die Erzählung wird von vielen ganzseitigen und sehr stimmungsvollen schwarz-weiß Illustrationen begleitet, die für die deutsche Ausgabe von Alina Brost gezeichnet wurden. Ich muss unbedingt noch mal schauen, welche Bücher sie sonst noch so bebildert hat. Mir gefällt ihr Zeichenstil ausgesprochen gut.

Fazit: Eine magische und abenteuerliche Reise voller Fantasie und Wunder!
Mir hat Lev Grossman mit seinem ersten Kinderbuch ein zauberhaftes Leseerlebnis bescheren können. Die Geschichte ist mit viel Herz und Humor geschrieben und lädt von Anfang an zum Träumen ein, sie ist wunderschön illustriert und enthält neben jeder Menge Magie, Spannung, Witz und Charme auch eine ganz tolle und wichtige Botschaft. Ich kann „Der Silberpfeil“ nur empfehlen und vergebe 4,5 von 5 Sternen!

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