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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.03.2026

Ausbruch im Zoo – Mitmachen erwünscht!

Bloß nicht öffnen
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Na das ist deutlich: "Bloß nicht öffnen!" steht in großen bunten Lettern oben auf dem Buch. Aber die fünf Tiere darunter sehen so lustig und süß aus - da muss man es einfach öffnen. Gesagt, getan - und ...

Na das ist deutlich: "Bloß nicht öffnen!" steht in großen bunten Lettern oben auf dem Buch. Aber die fünf Tiere darunter sehen so lustig und süß aus - da muss man es einfach öffnen. Gesagt, getan - und schon ist es passiert: Die Tiere entkommen und laufen jetzt frei im Zoo herum.
Statt einfach eine Geschichte vorgelesen zu bekommen, werden die Kinder hier aktiv miteingebunden und müssen mithelfen, die Zootiere wieder einzufangen. Da darf man Antippen, mit der Nase malen oder gleich das ganze Buch schütteln, damit die Tiere wieder zurück in ihr Gehege kommen. Jede Doppelseite fordert mit wenigen Sätzen zum erneuten Mitmachen auf, insgesamt gibt es nur wenig Text.
Die Illustrationen sind liebevoll, fröhlich und sehr gut auf das Geschehen abgestimmt: Beispielswiese sieht man im dunklen Schuppen nur fünf Augenpaare und den Lichtschalter. Und nachdem man die Tieren die Farben weggepustet hat, folgen zwei kunterbunte Seiten.
Gedacht ist dieses Mitmachbuch für Kinder ab 3 Jahren, ist aber durch die kurzen und einfachen Sätze auch schon für Jüngere gut geeignet: beim mit der Nase malen, rubbeln oder pusten haben sie bestimmt auch ihre Freude.
Insgesamt ein tollen Mitmachbuch mit abwechslungsreichen und lustigen Aufträgen - Langeweile kommt da keine auf.

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  • Charaktere
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  • Cover
Veröffentlicht am 06.12.2025

Manchmal hilft ein kluger Text mehr als tausend gute Ratschläge

Wie fühlst du dich?
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In unruhigen, unsicheren Zeiten versucht Axel Hacke in diesem Buch, seine Gedanken, Erfahrungen und sein Wissen darüber zu teilen, wie es um uns und unsere Gesellschaft steht – und warum wir dort gelandet ...

In unruhigen, unsicheren Zeiten versucht Axel Hacke in diesem Buch, seine Gedanken, Erfahrungen und sein Wissen darüber zu teilen, wie es um uns und unsere Gesellschaft steht – und warum wir dort gelandet sind, wo wir heute stehen. Sein Fazit zieht er gleich zu Beginn und es ist unmissverständlich: Gefühle werden in unserer Zeit massiv unterschätzt und oft sogar unterdrückt, während dem Verstand fast überall der Vorrang gegeben wird. Hacke zeigt, dass dies geschichtlich keineswegs immer so war und es Zeiten gab, in denen der Verstand nur eine untergeordnete Rolle spielte.
Dem Titel entsprechend widmet er sich in einzelnen Kapiteln den Gefühlen, die unsere Gesellschaft prägen – leider sind es überwiegend negative: Wut, Angst, Hass und Ohnmacht, Einsamkeit, Überforderung. Er verbindet persönliche Erfahrungen mit geschichtlicher Betrachtung, berichtet aus aktuellen Forschungen und zitiert sowohl zeitgenössische als auch historische Literatur. Zudem beschreibt er, wie Politik über Jahre hinweg das Gefühlsleben der Menschen missachtet hat – und wie Populisten dieses Vakuum nutzen, indem sie gezielt Angst, Wut und Hass schüren.
Doch Axel Hacke bleibt nicht beim Befund stehen. Er zeigt, wie wichtig es ist, sich der eigenen Gefühle bewusst zu werden, sie kennenzulernen und sie nicht von anderen missbrauchen zu lassen. In Kapiteln wie „Freude“, „Sinn“ oder „Dankbarkeit“ gibt er Denkanstöße, wie sich dem Negativen etwas entgegensetzen lässt – mit Wirkung auf die eigene Umgebung und das eigene Lebensgefühl. Axel Hacke ist ein Menschenfreund, und genau das macht dieses Buch aus. Es liest sich wie ein Gespräch mit einem guten Freund, der einem vertraut – und dem man selbst gern vertraut.

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Veröffentlicht am 25.10.2021

Rasant, witzig und bitterböse

Spook Street
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Während die KollegInnen des MI5, dem britischen Inlandsgeheimdienst, versuchen die Hintergründe eines Bombenattentats in einem Einkaufszentrum mit über 40 Opfern aufzuklären, sitzt Jackson Lambs Truppe, ...

Während die KollegInnen des MI5, dem britischen Inlandsgeheimdienst, versuchen die Hintergründe eines Bombenattentats in einem Einkaufszentrum mit über 40 Opfern aufzuklären, sitzt Jackson Lambs Truppe, die Slow Horses, unmotiviert in Slough House die Zeit ab,. Nur River Cartwright, auch er ein ‚Abservierter‘, ist eigenmächtig unterwegs: Sein geliebter Großvater, der viele Jahre die wichtigste Person im MI5 war und nun langsam den Bezug zur Realität verliert, fühlt sich verfolgt. Und das offenbar nicht zu unrecht. Als die Slow Horses die überraschende Nachricht von Rivers Tod erreicht, bricht hektische Betriebsamkeit aus: Einer von ihnen ermordet – was ist da los?

Es ist der vierte Band über die abservierten Spione in Slough House und wie bereits die Vorgänger spannend, überraschend, bitterböse und schräg und auch ohne Kenntnis der vorhergehenden Bücher verständlich. Allein die Dialoge, nicht nur von Jackson Lamb, sind schon des Lesens wert.

‚Glauben wir wirklich, dass ein Projekt, das David Cartwright vor mehr als zwanzig Jahren ins Leben gerufen hat, für Westacres verantwortlich ist?‘
‚So ausgedrückt‘, sagte Lamb, ‚klingt es wie ein Hirngespinst, das sich nur eine Alkoholikerin, ein Ex-Spion und ein Geisteskranker mit PTBS ausdenken könnten.‘
‚Wer ich sein soll, habe ich rausgekriegt, sagte sie. ‚Aber welcher von denen bist du?‘
‚Ich habe mich selbst ausgelassen. Ich wollte nur das freie Assoziieren erleichtern.‘

Wie zwei unabhängig voneinander sich entwickelnde Handlungsstränge zusammenfinden, ist schon große Erzählkunst ebenso wie die Schilderungen der Verfolgungsjagden oder der Überfall auf Sloan House. Obwohl bei diesen Actionszenen jeweils ein ziemliches Chaos herrscht, sind die Beschreibungen so detailliert, dass man beim Lesen nie den Überblick verliert.

Alles in allem ein rundum gelungener Spionagekrimi mit Spannung, Action und viel Humor. Bitte mehr davon!

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Veröffentlicht am 25.10.2021

Dunkelblum ist überall

Dunkelblum
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Und schon wieder ein Buch über die Nazivergangenheit - hat man doch bereits -zigmal gelesen, mag so Manche/r denken.
Aber dieses Buch ist etwas Besonderes und unbedingt lesenswert, auch wenn der Inhalt ...

Und schon wieder ein Buch über die Nazivergangenheit - hat man doch bereits -zigmal gelesen, mag so Manche/r denken.
Aber dieses Buch ist etwas Besonderes und unbedingt lesenswert, auch wenn der Inhalt vielleicht nicht ganz so überraschend sein mag.

Dunkelblum ist eine fiktive Kleinstadt in unmittelbarer Nähe der Grenze zu Ungarn, dort "wissen die Einheimischen alles voneinander, und die paar Winzigkeiten, die sie nicht wissen, die sie nicht hinzuerfinden können und auch nicht einfach weglassen, die sind nicht egal, sondern spielen die allergrößte Rolle: Das was nicht allseits bekannt ist, regiert wie ein Fluch."
Meist sind es Dinge aus der Vergangenheit, damals als der Horka der Schrecken des Ortes war. Während der Naziherrschaft konnte dieser ohne Folgen seinen sadistischen Neigungen nachgehen und als die Russen das Sagen hatten, brachte er es sogar zum Polizeichef. Doch nun, es ist 1989, beginnt die junge Generation sich für längst Vergangenes zu interessieren: Die jüngste Tochter des Biobauern plant mit dem Dorfchronisten ein Heimatmuseum und beginnt, unangenehme Fragen zu stellen. Und aus der Hauptstadt reisen Studierende an, um den örtlichen jüdischen Friedhof zu restaurieren. Als auf einer Wiese ein Skelett gefunden wird und die Presse davon Wind bekommt, wird das Interesse an Dunkelblums Vergangenheit immer größer, die wider Willen der BewohnerInnen deutlich bis in die Gegenwart reicht.

Eva Menasse präsentiert uns hier eine Vielzahl von Menschen eines Ortes, die aufgrund ihrer Herkunft alle miteinander verbunden sind, im Guten wie im Schlechten. Einen solchen Mikrokosmos zu entwerfen haben bereits Andere vor ihr gemacht (beispielsweise Juli Zeh in Unterleuten oder Raphaela Edelbauer in Das flüssige Land), doch nicht mit derart feinen Verflechtungen innerhalb eines sozialen Netzes und ebenso wenig mit diesem wundervoll schwarzhumorig-ironischen Tonfall.
"Unserer Frau Balaskó hat sie gesagt, sie sucht nach Dunkelblumer Kriegsverbrechern, stell dir das vor, Kriegsverbrecher, bei uns! Das Mädel ist Anfang zwanzig, früher haben sich die jungen Leute für was anderes interessiert, für Tanzen und Flirten . . .".

Auch wenn die Geschichte auf der des realen Ortes Rechnitz beruht, ist es keine Aufarbeitung der dortigen Geschehnisse. Es geht um den Umgang mit der Vergangenheit Jahrzehnte danach: Verdrängung, Rechtfertigung, Verleugnung ... Und was mit den Menschen geschehen ist und geschieht, wenn sich die Wahrheit ans Licht drängt. Ein grandioses Buch!

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Veröffentlicht am 30.09.2021

Das Leben und Sarah Jane

Sarah Jane
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Sarah Jane war Herumtreiberin, Soldatin, Köchin, Cop, Sheriff. So wie sie ihre Berufe wechselte, wechselte sie ihren Wohnsitz, auch heraufbeschworen durch unglückliche Beziehungen verschiedenster Art und ...

Sarah Jane war Herumtreiberin, Soldatin, Köchin, Cop, Sheriff. So wie sie ihre Berufe wechselte, wechselte sie ihren Wohnsitz, auch heraufbeschworen durch unglückliche Beziehungen verschiedenster Art und Weise. Stets auf der Suche nach einem Ort, wo sie bleiben kann, sich sicher fühlt, landet sie schließlich in Farr, einer Kleinstadt „irgendwo in der Mitte des Landes“ und wird ein Cop. Als ihr Chef verschwindet, wird sie umstandslos zum Sheriff befördert und versucht neben dem Alltagsgeschäft auch das Verschwinden ihres früheren Vorgesetzten aufzuklären.

Obwohl es irgendwann noch einen Toten gibt, dessen Person vielleicht mit Sarah Janes Vergangenheit in Zusammenhang zu stehen scheint, ist das Buch kein Krimi. Es ist die Geschichte von Sarah Janes Leben, von dem sie rückblickend erzählt. Auch wenn sie praktisch ihr ganzes Leben schildert, bleibt Vieles im Ungefähren, denn immer wieder bricht sie ab, um Gedanken zu folgen, die nahezu philosophischen Charakter haben.

"Alle Geschichten sind Geistergeschichten, über verlorene Dinge, verlorene Menschen, Erinnerungen, Heimat, Leidenschaft, Jugend, über Dinge, die darum ringen, von den Lebenden gesehen und anerkannt zu werden."

Von den schlimmsten Erlebnissen scheint sie fast gleichgültig zu berichten und wirkt erst einmal nicht wie eine Protagonistin, der man gerne folgt. Doch je mehr man von ihr und über sie liest, desto näher kommt sie einem, denn hinter dieser scheinbar so leidenschaftslosen Erzählerin verbirgt sich eine intelligente und sehr empathische Person. Aufmerksam hört sie den Menschen zu, die sonst offensichtlich von niemandem Zuwendung erfahren und nimmt sich voller Respekt und Achtsamkeit Zeit für sie und ihre Anliegen.

Es ist eine Geschichte über das Leben von Menschen, die sich am Rande der Gesellschaft bewegen und trotzdem irgendwo, irgendwie dazugehören wollen. Zumindest ein bisschen.

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