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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.10.2021

Ein spannendes Kinderbuch mit einer tollen Atmosphäre

Die Geister der Pandora Pickwick
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Inhalt: Da Fannys Eltern eine Geschäftsreise nach Amerika unternehmen müssen (ihre Eltern sind im Schnürsenkelbusiness), darf Fanny die Sommerferien bei ihrer Tante Harriet in London verbringen. Das Beste ...

Inhalt: Da Fannys Eltern eine Geschäftsreise nach Amerika unternehmen müssen (ihre Eltern sind im Schnürsenkelbusiness), darf Fanny die Sommerferien bei ihrer Tante Harriet in London verbringen. Das Beste daran: Tante Harriet führt den kleinen, aber feinen Antiquitätenladen Pandora’s Antiques, in dem es viel zu entdecken gibt. Dazu zählen nicht nur antike Rückenkratzer, Vasen und Möbel aller Art. Nachts hört Fanny nämlich seltsame, polternde Geräusche, die aus dem Verkaufsraum stammen und deren Ursprung sie unbedingt klären möchte…

Persönliche Meinung: „Die Geister der Pandora Pickwick“ ist ein Kinder- und Jugendbuch von Christina Wolff. Erzählt wird es aus der Perspektive von Fanny, einem Mädchen, mit einer besonderen Fähigkeit. „Die Geister der Pandora Pickwick“ ist sowohl ein spannendes als auch lustiges Buch und strotzt vor kreativen Ideen. So zeichnet sich die Handlung durch einen schönen Spannungsbogen aus, weshalb man das Buch gar nicht aus der Hand legen will. Immer wieder werden neue Rätsel und Geheimnisse aufgeworfen, die geklärt werden wollen: Im Verkaufsraum poltert es nachts, eine Truhe verstaubt sich scheinbar von selbst, seltsame Charaktere, die man nicht sofort einordnen kann, treten auf und niemand möchte Fanny etwas über ihre leiblichen Eltern (Fanny ist adoptiert) erzählen. Komplettiert wird die Spannungskurve außerdem durch einen rätselhaften Prolog, dessen wahre Bedeutung erst zum Ende der Handlung offenbart wird. Mehrmals führt Christina Wolff die Leser*innen durch falsche Fährten hinters Licht, wodurch die Aufdeckung der Geheimnisse überraschend ist. Die Handlung ist dabei sehr gut durchdacht und stimmig. Zudem ist „Die Geister der Pandora Pickwick“ durchzogen von einem leichten, an die Zielgruppe angepassten Grusel, der besonders durch die atmosphärisch dichte Beschreibung einzelner Handlungsorte (insbesondere eines bestimmten Schlosses) zustande kommt. Zudem erhält man originelle Einblicke in die Geisterwelt: So schweben Geister unterschiedlichster Art umher, es gibt kreative Geisterspeisen und – mehr kann ich, ohne zu spoilern, nicht verraten :D Auch die Figuren sind schön ausgearbeitet und erhalten alle eine eigene Hintergrundgeschichte. Besonders Alastair, ein frecher Geisterjunge, sorgt mit seiner Art für eine lustige Momente. Eine zusätzliche Portion Humor kommt dadurch in die Handlung, dass die Figuren teilweise in die lustigsten Situationen navigiert werden. Der Schreibstil von Christina Wolff ist bildhaft und in der Wortwahl erfrischend, sodass er sich sehr flüssig lesen lässt. Insgesamt ist „Die Geister der Pandora Pickwick“ ein spannendes und atmosphärisches Kinder- und Jugendbuch mit vielen kreativen Ideen, das nicht nur zu Halloween seine Wirkung entfaltet.

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Veröffentlicht am 27.10.2021

Eine tolle Halloweenanthologie mit unterschiedlichsten Geschichten

Kürbisgemetzel
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„Kürbisgemetzel“ ist eine Anthologie, die von Roxane Bicker und Sarah Malhus herausgegeben worden ist und sich thematisch um Halloween, Samhain und Allerheiligen dreht. Sie versammelt 15 verschiedene Kurzgeschichten, ...

„Kürbisgemetzel“ ist eine Anthologie, die von Roxane Bicker und Sarah Malhus herausgegeben worden ist und sich thematisch um Halloween, Samhain und Allerheiligen dreht. Sie versammelt 15 verschiedene Kurzgeschichten, die im Schnitt jeweils ca. 10 Seiten lang sind. Diese Kurzgeschichten entspringen den unterschiedlichsten Genres und sind inhaltlich bunt gemischt. So reiht sich bspw. Horror neben Dystopie, Satire und Fantasy. Hier ziehen Serienmörder durch Wälder, Magier führen eine jahrzehntealte Fehde zu Ende und das Gemüse versucht, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Eine weitere Geschichte spielt wiederum in Japan und greift den Glauben an die Hitodama auf. Auch ein Krimi und eine kleine Fortsetzung von Irvings „The Legend of Sleepy Hollow“ finden in „Kürbisgemetzel“ einen Platz. Zuletzt schließt die Anthologie mit einem satirischen Text, der die Historie verkehrt. Manche der Geschichten spielen im Geisterreich, andere scheinen ein Traum zu sein, wieder andere zeigen den Horror des Alltäglichen. Geeint werden die Geschichten durch ein Element: In jeder Geschichte tritt ein sprechender Kürbis auf, wobei dieser Auftritt mal traditioneller, mal außergewöhnlicher ist. Die Erzählungen lassen sich durchweg flüssig lesen und sind originell, wobei sich Spannung, Grusel und Humor je nach Geschichte abwechseln. Zuletzt soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Erlöse der Anthologie einem gemeinnützigen Verein zugutekommen. Insgesamt ist „Kürbisgemetzel“ eine schöne Anthologie mit unterschiedlichsten Erzählungen, die verschiedene Genres bedienen, sodass für jede*n etwas dabei ist.

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Veröffentlicht am 19.10.2021

Ein schöner Coming of Age-Roman, der sich mit einem wichtigen Thema beschäftigt

Irgendwas in mir
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Inhalt: Auf den ersten Blick führt der 13-jährige Hugo ein normales Leben. Er ist gut an der weiterführenden Schule angekommen, hat Freunde gefunden, hört gerne Rap-Musik und spielt Lacrosse. Doch eines ...

Inhalt: Auf den ersten Blick führt der 13-jährige Hugo ein normales Leben. Er ist gut an der weiterführenden Schule angekommen, hat Freunde gefunden, hört gerne Rap-Musik und spielt Lacrosse. Doch eines Tages macht sich im Unterricht ein Übelkeitsgefühl in ihm breit, das fortan immer wieder auftaucht, wenn er nur an Schule denkt. Der Schulbesuch wird ihm plötzlich unmöglich: Je länger er nicht zur Schule geht, umso mehr nehmen ihn seine Gedanken gefangen, wodurch er immer tiefer zu versinken droht.

Persönliche Meinung: „Irgendwas in mir“ ist ein Coming of Age-Roman von Hendrik von Drachenfels, bei dem besonders das mentale Coming of Age beleuchtet wird. Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive Hugos, einem eigentlich lebensfrohen Jungen, der aber mit familiären Problemen belastet wird. Die Handlung spielt (zu Beginn) im Jahr 2005 und es finden sich viele Referenzen auf die Popkultur der frühen 2000er Jahre, mit der Hugo aufwächst. Durch diese Referenzen sind Hugos Lebenswelt und sein Alltag sehr realistisch und authentisch dargestellt. Leser*innen, die zu dieser Zeit aufgewachsen sind, werden dabei einiges Bekanntes (wieder)entdecken und wahrscheinlich einen kleinen Nostalgietrip erleben. Hugo hört z.B. den typischen Sound dieser Jahre, schaut K11 mit Michael Naseband und spielt mit Beyblades. Inhaltlich dreht sich der Roman um das Leben von Hugo, wobei die Schulangst, unter der Hugo leidet, eine große Rolle spielt. Mit diesem komplexen Thema geht Hendrik von Drachenfels sehr sensibel um. So wird ausführlich darauf eingegangen, wie Hugo sich fühlt und welche Auswirkungen die Schulangst auf das familiäre Umfeld bzw. den Freundeskreis besitzt. Die Schulangst, dieses „Irgendwas“ in ihm, das ihn einerseits innerlich zermürbt, das er andererseits aber sprachlich nicht wirklich greifen kann, wird dabei metaphorisch schön ausgearbeitet (wie genau, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten). Der Erzählstil von „Irgendwas in mir“ ist angenehm, sodass sich der Roman flüssig lesen lässt. Insgesamt ist „Irgendwas in mir“ ein schöner Coming of Age-Roman, der sich sensibel mit dem wichtigen Thema „Schulangst“ auseinandersetzt. Gleichzeitig ist er eine kleine Zeitreise in die frühen 2000er Jahre und – was noch viel wichtiger ist – ein Appell an erwachsene Leser_innen, mentale Probleme von Kindern und Jugendlichen ernst zu nehmen und empathisch mit ihnen umzugehen.

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Veröffentlicht am 18.10.2021

Ein schonungsloser Roman, geschrieben wie im Adrenalinrausch

Beide Leben
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Inhalt: South Kilburn, London. Das Leben, das Gabriel (genannt Snoopz) zwischen brutalistischen Betontürmen führt, ist alles andere als normal. Es ist geprägt von Gewalt, Raubzügen und Drogenkonsum, wobei ...

Inhalt: South Kilburn, London. Das Leben, das Gabriel (genannt Snoopz) zwischen brutalistischen Betontürmen führt, ist alles andere als normal. Es ist geprägt von Gewalt, Raubzügen und Drogenkonsum, wobei Snoopz keineswegs das Opfer ist: Wenn es was zu holen gibt, ist er immer vorne dabei. Doch darin geht Snoopz‘ Leben nicht auf. Zwischen Gefängnisaufenthalt, Dealen und Uhrenraub besucht Snoopz die Universität, studiert Englische Literatur und schreibt erstklassige Noten. „Beide Leben“ gibt einen Einblick in dieses (scheinbar) widersprüchliche Leben.

Persönliche Meinung: „Beide Leben“ ist ein autobiografischer Roman von Gabriel Krauze. Erzählt wird er aus der Ich-Perspektive der Figur Gabriel/Snoopz. Wann der Autor Krauze und die Erzählfigur Gabriel deckungsgleich sind bzw. an welchen Stellen der Autor sich erzählerische Freiheiten nimmt, ist dabei schwer zu beurteilen. So oder so gilt aber: „Beide Leben“ ist schonungslos und ehrlich – sprachlich sowie inhaltlich. Inhaltlich dreht sich der Roman um Gewalt, Liebe und das Durchbeißen auf der Straße. Freunde können dabei zu Feinden werden; kaum etwas ist gewiss. Bei allen Verbrechen, die Snoopz begeht, beschönigt er nichts. Auch Rechtfertigungen findet man nicht. Geschrieben ist das Buch wie im Drogen-/Adrenalinrausch, denen Snoopz in weiten Teilen des Romans ausgesetzt ist. Snoopz erzählt assoziativ, nur bedingt chronologisch und driftet immer mal wieder in einen Bewusstseinsstrom ab. Die Rauschhaftigkeit spiegelt sich auch in der Wortwahl (und der Übersetzung) wider. Ein Slang, der stellenweise vulgär ist und wenig mit der (schriftlichen) Standardsprache gemein hat, ist hier vorherrschend. Wörter werden geschleift, Vokale fallen oft heraus und manchmal fehlen Wortendungen, sodass die Wörter zackig, hart und roh klingen. Auch die Orthografie ist besonders: In Snoopz‘ rauschartigem Zustand sind starre Satzgrenzen nicht wichtig; sie stören den Fluss. So verschmelzen Sätze ohne Punkt – aber mit Komma – miteinander. Anführungszeichen, die wörtliche Rede markieren, fehlen ganz: Sie würden den Bewusstseinsstrom nur behindern. All diese syntaktischen und morphologischen Verschmelzungen, Kürzungen und Schleifungen verleihen dem Schreibstil einen melodischen Fluss. Dieser plätschert allerdings nicht sanft und sacht dahin, sondern ist unruhig und folgt wild einem nicht-begradigten Flussbett, wodurch eine – brachiale – Poesie entsteht. Alles das macht „Beide Leben“ zu einer außergewöhnlichen Lektüre, die unweigerlich – inhaltlich und sprachlich – anstößt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Gleichzeitig ist „Beide Leben“ dadurch kein Roman, den man mal eben zwischendurch durchliest, sondern eine anspruchsvolle Lektüre, auf die man sich einlassen muss. Insgesamt ist „Beide Leben“ eine realistische und schonungslose Erzählung mit einem besonderen Erzählstil, der Slang zur Poesie erhebt.

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Veröffentlicht am 06.10.2021

Ein bizarres Meisterstück

Quicksand House
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Inhalt: Zecke und seine Schwester Polly leben im Hort, einem abgeschotteten Bereich ihres Elternhauses, der sie angeblich vor schattenartigen Wesen schützen soll. Großgezogen werden sie von einer Nanny ...

Inhalt: Zecke und seine Schwester Polly leben im Hort, einem abgeschotteten Bereich ihres Elternhauses, der sie angeblich vor schattenartigen Wesen schützen soll. Großgezogen werden sie von einer Nanny und versorgt von Maschinen, die nach „Tischlein-deck-dich“-Manier arbeiten. Ihre Eltern haben sie noch nie gesehen. Diese kommen Zecke und Polly erst abholen, wenn sie die Pubertät abgeschlossen haben. Warum das so ist? Das will die Nanny nicht verraten. Doch eines Tages fallen die Nahrungsmaschinen aus. Zecke und Polly müssen den Hort verlassen und den Rest des Hauses betreten, der einem Labyrinth gleicht.

Persönliche Meinung: „Quicksand House“ von Charlton Mellick III ist eine bizarre Mischung aus Thriller, Horror, Science-Fiction und Mystery. Erzählt wird „Quicksand House“ – anders als das Cover vermuten lässt – nicht hauptsächlich aus der Perspektive von Polly, sondern aus derjenigen von Zecke (personaler Erzähler). Pollys Perspektive wird nur wenige Male eingenommen. In „Quicksand House“ geben sich verschiedene Genres die Hand, sodass das Buch ein außergewöhnlicher Genremix ist. Zunächst startet die Handlung als – leicht abstruser – Thriller. Polly und Zecke sind eingeschlossen, kennen ihre Eltern nicht. Ihre einzige Bezugsperson ist die Nanny. Außerdem dürfen sie den Hort nicht verlassen, weil außerhalb gefährliche, körperlose Wesen leben sollen – deren Existenz aber fraglich ist. Gleichzeitig kommen hier Sci-Fi-Elemente zum Einsatz (z.B. die „Tischlein-deck-dich“-Maschinen, die digitale Schule, die Zecke besucht, und weitere Gadgets). Im Laufe der Handlung treten verstärkt noch zusätzliche Sci-Fi-Elemente hinzu, auf die ich aber zur Spoilervermeidung nicht näher eingehe. Eine gehörige Portion Horror kommt in die Handlung hinein, als Zecke und Polly den Hort verlassen (auch hier: Zur Spoilervermeidung gehe ich nicht ins Detail). Und zuletzt wird alles durch Mystery und Suspense zusammengehalten: Warum kommen die Eltern von Polly und Zecke nicht? Warum wollen sie sie nicht sehen? Wieso hat Polly ein Geweih? Und was verbirgt sich eigentlich jenseits des Hortes? Durch diese Fragen, die alle nicht zu schnell/früh beantwortet werden, entsteht ein schöner Spannungsbogen mit einigen unerwarteten Wendungen. Bizarr ist „Quicksand House“ vor allem durch das Zusammenführen gegensätzlichster Dinge und der Erzeugung absurdester Bilder. Um Spoiler zu vermeiden, gehe ich auch hier nicht zu stark ins Detail und bleibe beim Cover von „Quicksand House“, das das Absurd-Gegensätzlich-Bizarre, das in „Quicksand House“ sprudelt, sehr gut auf den Punkt bringt und illustriert: Die grünhaarige Polly in der – für ihr Alter unpassenden – Kinderkleidung scheint auf den ersten Blick menschlich – wäre da nicht das Geweih, das ihr aus dem Kopf wächst. Komplettiert wird ihr merkwürdiges Auftreten durch das weiße Prozellangesicht einer Puppe, das Polly als Augenklappe benutzt (quasi ein Gesicht im Gesicht). Im Hintergrund erscheint eine altertümlich anmutende Tapete, vor der ein Käfig hängt, in dem Planeten gefangen sind. Trotz aller Schrägheit, Absurdität und Bizarrheit: Die Handlung funktioniert; sie ist rund und schlüssig und führt nicht in den absoluten Nonsens. Im Gegenteil: Die aufgeworfenen Fragen werden zufriedenstellend beantwortet. Der Erzählstil ist detailliert und erzeugt eingehende Bilder und atmosphärische Orte. Insgesamt ist „Quicksand House“ ein bizarrer Genremix, der auf einem hohen Spannungsgrad erzählt wird und mehrere, unvorhersehbare Wendungen besitzt.

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