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Veröffentlicht am 06.11.2021

Teufelskreis

Schwarzes Herz
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Jasmina Kuhnke war während der Buchmesse sehr präsent in den Medien, da sie ihre Auftritte dort wegen der gleichzeitigen Anwesenheit rechter Verlage absagte.

In ihrem ersten Roman "Schwarzes Herz" erzählt ...

Jasmina Kuhnke war während der Buchmesse sehr präsent in den Medien, da sie ihre Auftritte dort wegen der gleichzeitigen Anwesenheit rechter Verlage absagte.

In ihrem ersten Roman "Schwarzes Herz" erzählt die Ich-Erzählerin, eine Deutsche mit afrikanischem Vater, abwechselnd von ihrer Kindheit im Ruhrgebiet in den 80er Jahren, geprägt von Alltagsrassismus und vom Gefühl anders zu sein und ihrem Leben als erwachsene Frau, die es nicht schafft, sich von ihrem gewalttätigen Partner zu trennen und zwei Kinder mit ihm bekommt.

Die Schilderung ihrer Kindheit und Jugend verbunden mit dem Gefühl, nirgends richtig dazu zu gehören, gelingt Janina Kuhnke recht eindrücklich, manche Dinge aus ihrer Kindheit, wie etwa das Spiel "Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann" aus dem Sportunterricht kenne ich auch noch als selbstverständliche Bestandteile meiner eigenen Schulzeit, die unreflektiert von allen hingenommen wurden. Bei anderen Vorfällen wundert man sich aus heutiger Sicht, wie das möglich sein konnte und hofft, dass die Gesellschaft mittlerweile doch etwas weiter ist.

Was das Leben der Protagonistin als erwachsene Frau angeht, kann ich nicht alle Verhaltensweisen voll nachvollziehen. Es ist schwer zu verstehen, was sie daran hindert, ihren Partner, der sie so schlecht und respektlos behandelt, zu verlassen. Das wird nicht vollkommen klar. Die Schilderungen der Gewaltszenen in der Beziehung sind sehr deutlich, aber, es wird nicht so explizit beschrieben, dass es beim Lesen nicht auszuhalten ist. Nichtsdestotrotz würde ich um keinen Preis der Welt bei so jemandem bleiben und auch der Protagonistin hätten sich immer wieder Auswege geboten.

Ich habe das Hörbuch zum Roman gehört, gesprochen von der Autorin selbst. Dadurch wirkte alles sehr authentisch und man hatte oft das Gefühl, dass es sich beim Erzählten um Jasmina Kuhnkes eigene Erlebnisse handelt. Inwiefern das der Fall ist, kann aber wohl nur sie wissen.

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  • Erzählstil
  • Sprecherin
  • Cover
Veröffentlicht am 15.10.2021

Eine junge Putzmacherin findet ihren Weg

Atelier Rosen
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Wie das Cover bereits vermuten lässt, handelt es sich bei "Atelier Rosen - Die Frauen aus der Marktgasse" um einen historischen Roman. Dieser spielt in Kassel, im Jahr 1830. Dort betreibt Charlotte Rosen ...

Wie das Cover bereits vermuten lässt, handelt es sich bei "Atelier Rosen - Die Frauen aus der Marktgasse" um einen historischen Roman. Dieser spielt in Kassel, im Jahr 1830. Dort betreibt Charlotte Rosen ein kleines Putzmacher-Atelier, in dem Hüte und Kopfbedeckungen für die bürgerliche und adelige Kundschaft angefertigt werden. Ihre unehelich geborene 20-jährige Tochter Elise arbeitet ebenfalls im Atelier mit und lernt bei einem Auftrag die junge Adelige Sybilla von Schönhoff kennen. Die beiden freunden sich trotz der Standesschranken an, dann wird die Freundschaft aber auf eine harte Probe gestellt, als Sybillas Verlobter sich in Elise verliebt und auch Elises Leben gerät komplett durcheinander.

Ich fand es sehr spannend, in eine andere Zeit abzutauchen und mehr über den mittlerweile ausgestorbenen Beruf der Putzmacherin zu erfahren. Elise und Sybilla sind sehr sympathische Protagonistinnen, in die man sich gut hineinversetzen kann und mit ihnen mitfiebert, bzw. mitleidet. Ich fand es auch sehr interessant, dass die politischen Umstände der damaligen Zeit immer wieder eine Rolle spielten. Am Ende waren mir nur die Wendungen und Verstrickungen etwas zu viel und nicht mehr alles komplett glaubwürdig, hier hätte mir auch etwas weniger Drama gereicht. Der Schreibstil der Autorin ist aber sehr anschaulich und gut lesbar, sodass man das Buch trotz der recht stolzen Seitenzahl zügig lesen kann.

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  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 15.09.2021

Die Zeit, die bleibt

99 Tage mit dir
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Emma und Nathan lernen sich ausgerechnet in der Brustkrebs-Sprechstunde kennen, ansonsten wären sie sich wahrscheinlich nie über den Weg gelaufen, weil sie so verschiedene Leben führen. Emma ist Bibliothekarin, ...

Emma und Nathan lernen sich ausgerechnet in der Brustkrebs-Sprechstunde kennen, ansonsten wären sie sich wahrscheinlich nie über den Weg gelaufen, weil sie so verschiedene Leben führen. Emma ist Bibliothekarin, was Männer angeht total unerfahren und sie pflegt ihre an MS erkrankte Mutter, während Nathan mit einem Fallschirm aus Flugzeugen springt und schon viel auf der Welt herumgekommen ist. Ihr Schicksal schweißt sie dann aber schnell zusammen und sie beschließen, nun, wo sie nicht wissen, wie lange sie noch zu leben haben, bewusst Dinge zu tun, die ihnen wichtig sind, die sie sich aber bisher nicht getraut haben oder für die sie bisher nicht die Zeit aufgebracht haben. Bei Catherine Millers Debütroman hat mich die Umschlaggestaltung auf jeden Fall schon mal total angesprochen. Die raue Haptik kombiniert mit der aufgesetzten goldenen Schrift und den süßen Papageientauchern gefällt mir sehr gut. Was die Handlung angeht, liegt der Liebesgeschichte definitiv ein ernstes Thema zu Grunde, sodass auch eine gute Dosis Tiefgang und viele Emotionen mit dem Lesen der Geschichte verbunden sind. Der Schreibstil der Autorin ist gut und flüssig lesbar, mein Verhältnis zu den beiden Hauptpersonen blieb aber etwas distanziert, so ganz konnte ich mich in ihre Eigenheiten und Charaktereigenschaften nicht hineinversetzen. Dazu trägt sicher auch ein bisschen bei, dass der Roman in der "Er-Form" und nicht der "Ich-Perspektive" verfasst wurde, auch wenn widerum gelegentliche Tagebucheinträge mehr über die Protagonisten und ihre Gefühlslage verraten.

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Veröffentlicht am 12.09.2021

Perspektivwechsel

Die Berge, der Nebel, die Liebe und ich
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Bei "Die Berge, der Nebel, die Liebe und ich", dem neuen Buch von Tessa Randau handelt es sich um ein recht kleinformatiges und dünnes Büchlein, dessen Cover aber sehr ansprechend gestaltet ist. Und auch ...

Bei "Die Berge, der Nebel, die Liebe und ich", dem neuen Buch von Tessa Randau handelt es sich um ein recht kleinformatiges und dünnes Büchlein, dessen Cover aber sehr ansprechend gestaltet ist. Und auch auf verschiedenen Seiten finden sich weitere, zum Inhalt passende bunte Illustrationen.

Eine Frau, knapp über 40, hat ihrem Mann, mit dem sie 3 Kinder hat, ein Wochenende in einer Berghütte zum Geburtstag geschenkt, weil sie das Gefühl hat, dass die Nähe zwischen ihnen verloren gegangen ist. Dort angekommen hat er aber andere Pläne als mit ihr zu wandern und so zieht sie alleine los und trifft an einem besonderen Stein auf einen älteren Mann, der vor längerer Zeit ebenfalls in einer tiefen Beziehungskrise steckte und hilfreiche Ratschläge für sie hat.
Durch das Gespräch mit ihm und einer alten Freundin von ihm, lernt sie, bestimmte Dinge anders zu sehen und auch eigene Schwachpunkte wahrzunehmen.

Die Autorin bezieht dabei unter anderem die vier Seiten einer Nachricht von Schulz von Thun mit ein, aber auch weitere wissenschaftliche Theorien zur Kommunikation und zu Beziehungen. Manches war mir bereits bekannt, manche Theorie ist meiner Meinung nach etwas zu weit her geholt, aber es sind auf jeden Fall Punkte dabei, auf die ich noch mehr achten könnte. Was den Schreibstil angeht, ermöglicht es dieser, sich gut in die Protagonistin, deren Name nicht genannt wird, hineinversetzen.

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Veröffentlicht am 29.08.2021

Anders als gedacht

Bis ans Ende aller Fragen
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Maxi ist Anfang 40, kinderlos und wurde von ihrem Expartner für eine Jüngere verlassen. Mehr durch einen Zufall kam es dazu, dass sie ein recht gut laufendes Café betreibt, wo sie bei einer Trauerfeier ...

Maxi ist Anfang 40, kinderlos und wurde von ihrem Expartner für eine Jüngere verlassen. Mehr durch einen Zufall kam es dazu, dass sie ein recht gut laufendes Café betreibt, wo sie bei einer Trauerfeier einen Witwer mit seinen beiden kleinen Kindern näher kennenlernt, was ihre Nichte auf die Idee bringt, sie in eine Trauergruppe einzuschleusen, um dort den passenden Mann oder eben auch gleich eine kleine Familie zu finden.

Ich fand die Idee hinter der Geschichte grundsätzlich recht gut, die Sache mit der Trauergruppe ging mir persönlich aber zu weit und war mir zu makaber. Außerdem entwickelte sich alles recht schnell in eine andere Richtung, als ich dem Klappentext nach erwartet hatte. Maxi ist mir aber grundsätzlich sympathisch, sie wirkt nur manchmal etwas unreif und wankelmütig, dafür, dass sie eigentlich schon Ü-40 ist. In mancher Hinsicht kann ich mich aber dennoch gut in sie hineinversetzen. Das Anne Hertz-Duo schreibt gewohnt humorvoll und gut lesbar, sodass man einen unterhaltsamen Frauenroman bekommt.

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