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Veröffentlicht am 25.11.2021

Feinfühlige Geschichte über eine Mutter-Tochter-Beziehung, die trotz manch schwieriger Themen, die es zu bewältigen gilt, unterhaltsam ist und keinerlei Schwermut verbreitet.

Kleine Wunder überall
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Charlotte ist 33 Jahre alt, Mutter zweier Töchter, arbeitet in Teilzeit in der Werbeagentur ihres Mannes und kümmert sich um den gesamten Haushalt. Sie beschwert sich nie, denn die Ansprüche an sich selbst ...

Charlotte ist 33 Jahre alt, Mutter zweier Töchter, arbeitet in Teilzeit in der Werbeagentur ihres Mannes und kümmert sich um den gesamten Haushalt. Sie beschwert sich nie, denn die Ansprüche an sich selbst sind groß. Sie möchte die perfekte Mutter, Hausfrau, Ehefrau und Tochter sein.
Als ihre Mutter Barbara, die Mann und Tochter vor zwanzig Jahren verließ, überraschend von Lanzarote nach Deutschland zurückkehrt, gerät Charlottes Leben aus den Fugen. Ihre Mutter ist mittellos und an Krebs erkrankt, weshalb sie sich im Gästezimmer der Familie einquartieren darf. Die Enkelinnen sind begeistert von ihrer Hippie-Omi, aber Charlotte droht die gesamte Situation über den Kopf zu wachsen. Sie hatte Barbara nie verziehen, dass sie sie mit dreizehn Jahren im Stich ließ, aber peu à peu kommen Dinge ans Licht die die Situation von damals in einem anderen Licht stehen lassen. Mutter und Tochter nähern sich an, doch wie viel gemeinsame Zeit bleibt ihnen noch?

"Kleine Wunder überall" ist eine abwechslungsreiche, unterhaltsame und wendungsreiche Geschichte. Protagonistin Charlotte, aus deren Perspektive der Roman verfasst ist, ist eine sympathische Frau, die allerdings zum Perfektionismus neigt und keine Kontrolle abgeben kann. Das Verlassenwerden durch die Mutter hat sie nachhaltig geprägt, weshalb sie für ihre Töchter eine bessere Mutter sein möchte. Auch musste sie durch das alleinige Zusammenleben mit ihrem Vater früh Verantwortung übernehmen und managt den Haushalt und das Familienleben quasi allein. Ihre eigenen Träume und Ambitionen bleiben außen vor, selbst beruflich hat sie sich angepasst und arbeitet in der Agentur ihres Mannes.

Der Schreibstil ist lebendig und es ist einfach, sich in Charlotte und ihren trubeligen Alltag hineinzuversetzen. Auch wenn manche Szene etwas überzeichnet ist und man stets auf die nächste kleinere oder größere Katastrophe gewappnet ist, die Charlotte erneut das Leben schwermacht, ist der Roman keinesfalls einfältig.
Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter wird schrittweise aufgearbeitet, während sich Charlotte und Barbara einander wieder näher kommen. Auch muss Charlotte schmerzhaft begreifen, dass sie und Markus an ihrer Ehe arbeiten müssen und es nicht nur ausreicht, sich um die Töchter zu kümmern und die Agentur am Laufen zu halten.
Der Roman ist realitätsnah und beschreibt den Alltag so, wie er sich in vielen Familien gestaltet. Der Umgang mit der Krebserkrankung ist behutsam und gerät erst am Ende der Geschichte in den Fokus. Es ist berührend zu sehen, wie Charlotte trotz allem für ihre Mutter kämpft - sich erneut aufreibt - aber auch verständlich, dass Barbara in ihrer schier hoffnungslosen Situation keine Kraft mehr zu kämpfen hat.

"Kleine Wunder überall" ist eine feinfühlige Geschichte über eine Mutter-Tochter-Beziehung, die trotz manch schwieriger Themen, die es zu bewältigen gilt, unterhaltsam ist und keinerlei Schwermut verbreitet.

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Veröffentlicht am 20.11.2021

Spannender und unterhaltsamer Young Adult-Roman mit problembehafteten Figuren, die durch die Liebe zu einander lernen, was es heißt, zu vertrauen und Gefühle zuzulassen

Liebe ist was für Idioten. Wie mich.
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Viki hat es nicht leicht in ihrem Leben. Ihre Mutter ist an Krebs verstorben, ihr Vater ein Alkoholiker, der seine Wut an seiner Tochter auslässt und sich und ihre Wohnung verwahrlosen lässt. Viki gibt ...

Viki hat es nicht leicht in ihrem Leben. Ihre Mutter ist an Krebs verstorben, ihr Vater ein Alkoholiker, der seine Wut an seiner Tochter auslässt und sich und ihre Wohnung verwahrlosen lässt. Viki gibt sich stark, ist jedoch mit ihrem Leben überfordert. In der Schule hat sie Probleme, in vielen Fächern steht sie vor einem Ungenügend und der einzige Halt in ihrem Leben bildet ihre beste Freundin Melanie.
Als Viki an ihrem siebzehnten Geburtstag einen Joint zu viel raucht, landet sie mit Jay im Bett, dem Sänger einer Schülerband, den sie eigentlich überhaupt nicht leiden kann. Am nächsten Morgen hat sie kaum mehr eine Erinnerung an den Abend und was passiert ist, aber Jay geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Die beiden können nicht voneinander lassen und so öffnet sie Jay auch ihr Herz. Doch Jay hat etwas zu verbergen, was Viki an ihrer Beziehung zweifeln lässt.
Viki ist ein siebzehnjähriges Mädchen, die ihre Probleme gern mit sich selbst ausmacht und ihre Emotionen hinter einer Fassade aus Zynismus und Ironie verbirgt. Der Roman ist aus ihrer Perspektive geschrieben, so man hinter die Mauern blicken kann, die sie aufgebaut hat und aufgrund ihres familiären Hintergrunds ihre Wut und Ängste verstehen kann. Jay bleibt dagegen etwas undurchsichtig, denn auch er verbirgt etwas, das er nicht preisgeben möchte, was der Geschichte die nötige Spannung verleiht.
Die Charaktere sind vielschichtig, haben ihre Ecken und Kanten, und hinter der typischen Teenie-Coolness verbergen sich zwei fürsorgliche und verletzlich Persönlichkeiten. Die Dialoge sind spritzig und amüsant, denn beide haben eine ironische Art und können wunderbar mit Worten umgehen. Die Geschichte hat deshalb humorvolle Szenen, auch wenn stets eine gewisse Düsterheit mitschwingt.
Auch wenn sich beide Protagonisten schnell annähern und aus der körperlichen Liebelei bald mehr wird, ahnt man, dass dies noch nicht das Happy End ist, sondern dass es noch zu einer Katastrophe kommen wird.
"Liebe ist was für Idioten. Wie mich." ist ein spannender und unterhaltsamer Young Adult-Roman mit problembehafteten Figuren, die durch die Liebe zu einander lernen, was es heißt, zu vertrauen und Gefühle zuzulassen. Der Roman handelt von Alkoholmissbrauch, Drogen und Vernachlässigung, wobei man nie die Hoffnung verliert, dass Viki aus ihrem sozialen Milieu ausbrechen kann und dass auch Jay nicht im Drogenrausch versumpft. Die Mischung aus Drama, Romantik und Humor ist ausgeglichen und durch den wortwitzigen Schreibstil ist die Geschichte auch für lebensältere Leser durchaus unterhaltsam und mitreißend, hätte jedoch gegen Ende etwas gestrafft werden können.

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Veröffentlicht am 15.11.2021

Interessante, wendungsreiche Familiengeschichte mit dem Fokus auf zwei ungleichen Schwestern, die zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar ist.

Die Hummerschwestern
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Als Idellas und Avis Mutter bei der Geburt ihres vierten Kindes stirbt, sind die beiden sechs und knapp acht Jahre alt. Der Vater Bill, ein Farmer und Hummerfischer, ist dem Whiskey stark zugeneigt und ...

Als Idellas und Avis Mutter bei der Geburt ihres vierten Kindes stirbt, sind die beiden sechs und knapp acht Jahre alt. Der Vater Bill, ein Farmer und Hummerfischer, ist dem Whiskey stark zugeneigt und mit der Erziehung seiner Kinder überfordert. Sein Sohn Dalton lebt in der Scheune, um seinem Vater aus dem Weg zu gehen. Die Mädchen sind für den Haushalt zuständig, bis Bill eine französische Haushaltshilfe, Madeleine, engagiert, die selbst ihre Geheimnisse birgt, sich aber von der schroffen Art von Bill nicht abschrecken lässt. Als es fast zum Eklat kommt, entlässt Bill Maddie und schickt seine beiden Töchter zu seiner Schwägerin nach Maine. Dort erhalten sie die Chane, drei Jahre zur Schule zu gehen, bis ihr Vater sie nach einem Jagdunfall wieder zu sich holt.
Wenige Jahre später verlassen Idella und Avis ihr Elternhaus, um in die USA zu emigrieren. Während Avis ihr unabhängiges Leben genießt, ordnet sich Idella zunächst als Hausmädchen ihren Arbeitgeberinnen unter und heiratet später Edward, dessen Mutter die gesamte Familie vereinnahmt.

Der Roman erzählt eine 70-jährige Familiengeschichte, beginnend im Jahr 1016. Der Fokus liegt zunächst auf dem Zusammenleben der Familie Hillock nach dem tragischen Tod der Mutter im Kindbett, bevor das Leben von Idella als erwachsene Frau in den Mittelpunkt rückt. Idella ist eine sympathische junge Frau, deren Leben fremdbestimmt ist. Erst erledigt sie zuverlässig die Arbeiten für ihren Vater, dann kümmert sie sich um die Familie ihres Ehemannes. Sie ist zufrieden, denn sie hat keine Erwartungen oder Träume.

Die Geschichte ist unterhaltsam und spanend erzählt, da stets eine unterschwellige Dramatik vorhanden ist und auch immer wieder etwas passiert, dass die Familie nachhaltig beeinflusst und bewegt. Die Autorin starb, bevor sie den Roman beendigen konnte, weshalb er aus einzelnen Kurzgeschichten besteht, was insbesondere durch die Zeitsprünge in den Leben der Charaktere auffällt, aber sonst nicht weiter störend ist.

Es ist eine besondere Geschichte, denn die Charaktere sind einzigartig und selbst der schroffe Vater auf seine Art liebenswert. Der Verlauf ihrer Leben ist nicht vorhersehbar und auch die eigentümliche Atmosphäre auf der Farm der Hillocks an der Ostküste Kanadas, aber auch bei Idellas Schwiegereltern im amerikanischen Boston sorgen für Spannung.

Der Beginn der Geschichte ist fesselnd und auch das Heranwachsen von Idella und Avis, den beiden ungleichen "Hummerschwestern" ist interessant geschildert. Anschließend hat der Roman seine Längen, da es ihm an Dramatik mangelt, was jedoch durch das bewegende Ende wieder ausgeglichen wird.

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Veröffentlicht am 07.11.2021

Familiengeschichte, die von Zwängen, hohen Erwartungen und gesellschaftlichen Konventionen, von Selbstbestimmung und der ungleichen Dynamik innerhalb einer Familie handelt.

Wir sind schließlich wer
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Als Anna von Betteray in dem Dorf Alpen am Niederrhein, in dessen Nähe sie aufgewachsen ist, die Vertretung des erkrankten Pastors übernimmt, ist nicht nur die langjährige und unverschämt indiskrete Haushälterin ...

Als Anna von Betteray in dem Dorf Alpen am Niederrhein, in dessen Nähe sie aufgewachsen ist, die Vertretung des erkrankten Pastors übernimmt, ist nicht nur die langjährige und unverschämt indiskrete Haushälterin der Pfarrei skeptisch, ob die junge Frau der Aufgabe gewachsen ist. Schnell entstehen Gerüchte über verschiedenste Affären, die die Geschiedene mit den ledigen Männern des Dorfes haben soll. Dabei ist das einzige männliche Wesen an ihrer Seite ihr treuer Goldendoodle Freddy.
Ernsthaft kann sich Anna ohnehin nicht mit dem Dorftratsch beschäftigen, da ihre ältere Schwester Maria ihre Unterstützung braucht. Ihr Ehemann, der wie die von Betterays adeliger Abstammung ist, wurde wegen Steuerhinterziehung verhaftet und anschließend verschwindet auch noch Annas elfjähriger Neffe Sascha, der wegen seines kriminellen Vaters in der Schule gemobbt wird. Die Fassade von Maria beginnt zu bröckeln, die im Gegensatz zur wilderen Anna stets die Vorzeigetochter ihrer Mutter war. Durch das Unglück kommen sich die beiden ungleichen Schwestern wieder näher und sogar die dem Landadel gegenüber missgünstigen Dorfbewohner Alpens helfen bei der Suche nach dem vermeintlich entführten Sascha.

Neben dem Skandal um die Verhaftung und das negative Bild, das damit auf die auf den schönen Schein wahrende Familie von Betteray geworfen wird, steht insbesondere das Verhältnis der beiden ungleichen Schwestern Anna von Betteray und Maria von Moitzfeld im Vordergrund. Vier Jahre Altersunterschied trennen sie und zwei ungleiche Persönlichkeiten. Während Anna noch nie Angst davor hatte, sich die Finger schmutzig zu machen, der Wildfang der Familie war, besonders ihrem Vater nahe stand, an die falschen Männer geriet und mit Mitte Dreißig bereits geschieden ist, hat sich Maria als Prinzessin und Liebling der Mutter Mechthild stets deren Erwartungen gebeugt und einen standesgemäßen Grafen geheiratet.
Anna, die Kummer gewöhnt ist, zeigt in der Krisensituation, dass sie die stärkere der beiden Schwestern ist, denn die einst so disziplinierte Maria hatte schon längst die Kontrolle über ihr eigenes Leben verloren und agiert nun kopflos.

Trotz des Unglücks, das auf die Familie von Betteray hereinbricht und der bitteren Vergangenheit Annas, die lange im Verborgenen bleibt, ist der Roman unterhaltsam und vielfach überraschend humorvoll geschrieben. Die Geschichte wirkt lebensnah, die Charaktere sind authentisch und das verschlafene Dorf mit den antiquierten Ansichten der Bewohner lässt sich bildhaft vorstellen. Der Neid und der Unmut, der gegenüber dem Landadel herrscht, der aus Langeweile und Sensationslust verbreitete Dorftratsch und auch die Überheblichkeit des Adels, die durch Maria und Mutter Mechthild verkörpert wird, mögen etwas überspitzt dargestellt sein, machen die Geschichte aber auch so lebendig und unterhaltsam.
Anna ist ein warmherziger Charakter, der sich durch nichts unterkriegen lässt und sich nicht nur in ihrer Eigenschaft als Pastorin aufopferungsvoll um andere kümmert. Vorbildhaft unterstützt sie Maria und ihre Mutter, obwohl diese ihr das Leben schwergemacht haben und auch in der gegenwärtigen Situation wenig Dankbarkeit zeigen.
Einblicke in das Verhältnis der beiden Schwestern erhält man insbesondere durch Rückblicke in die Vergangenheit, die aus der Perspektive Marias erzählt werden. Auf diese Weise fällt es auch leichter zu verstehen, weshalb sich Maria, die schon immer fremdbestimmt war, so unbeholfen und garstig verhält.
Neben den Enthüllungen, die sich im Rahmen der Ermittlungen der Polizei über die Familie auftun, wird die Entführung fast zur Nebensache. Annas Großtante Ottilie, die nichts auf ihre adelige Abstammung gibt, lockert die Stimmung durch ihre resolute, gleichzeitig aber auch besonnene und altersweise Art auf, ohne dass dies im Alter mit Anfang 90 zu aufgesetzt wirkt.

Die Geschichte hat Charme, aber in einzelnen Situationen driftete die Dramödie fast in Richtung Klamauk ab. Auch wurde mir in Gegenwart einer Alkoholikerin entschieden zu viel Alkohol getrunken.
Nichtsdestotrotz ist "Wir sind schließlich wer" eine gelungene Familiengeschichte, die von Zwängen, hohen Erwartungen und gesellschaftlichen Konventionen, von Selbstbestimmung und der ungleichen Dynamik innerhalb einer Familie handelt, für die der äußere Schein stets das Wichtigste war. Emotional und spannend ist geschildert, wie die Mauern einreißen, wie Standesdünkel abgeschüttelt werden und wie zwei Schwestern sich nach Jahren der Distanz wieder näher kommen. Den Rahmen bildet eine abenteuerliche Entführungsgeschichte, die allerdings am Ende etwas langatmig wird, da man als Leser den Hintergrund schneller durchschaut, als die Protagonisten. Letztlich steht eher Unterhaltung als Tiefgang im Vordergrund, da Probleme nicht wirklich gelöst werden und auch Annas Vergangenheit nur sehr vage bleibt.

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Veröffentlicht am 05.11.2021

Rasanter Thriller mit einer originellen Verbindung von Musik und Geschichte, auch wenn die Symbolik für den Leser nur schwer zu entschlüsseln ist.

Playlist
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Die 15-jährige Feline Jagow wurde auf dem Weg zur Schule entführt, eine Lösegeldforderung geht nicht ein. Stattdessen wird Feline vier Wochen später in einem Transporter gefesselt vor ihrem Elternhaus ...

Die 15-jährige Feline Jagow wurde auf dem Weg zur Schule entführt, eine Lösegeldforderung geht nicht ein. Stattdessen wird Feline vier Wochen später in einem Transporter gefesselt vor ihrem Elternhaus abgestellt. Ihr Vater Thomas wird darauf aufmerksam gemacht, entscheidet sich nach einem Anruf jedoch dagegen, seine Tochter zu befreien. Seine Ehefrau engagiert daraufhin den Privatermittler Alexander Zorbach, ihre Tochter zu finden. Zusammen mit Felines Physiotherapeutin Alina Gregoriev stößt er auf eine Playlist ihrer Lieblingsmusik, die vor Kurzem jedoch entscheidend gekürzt und verändert wurde. Alexander und Alina gelangen zu der Überzeugung, dass die neue Playlist eine Botschaft enthält, wo Feline festgehalten wird. Es beginnt ein Spiel gegen die Zeit, denn nicht nur Felines Leben steht auf dem Spiel, Alexander muss auch in zwei Tagen eine zweijährige Haftstrafe antreten.

Wer "Der Augensammler" und "Der Augenjäger" gelesen hat, wird mit Alexander Zorbach und Alina Gregoriev auf alte Bekannte stoßen. Zum Verständnis von "Playlist" ist es jedoch nicht zwingend erforderlich, die beiden Thriller gelesen zu haben, auch wenn während der Suche nach Feline immer wieder Bezug auf den "Augensammler" genommen wird, der damals nicht gefasst werden konnte.

"Playlist" ist als Fitzek-Roman gewohnt rasant und voller abenteuerlicher, lebensgefährlicher Situationen, die die Protagonisten heldenhaft und selbstlos bewältigen, ohne dass die Berliner Polizei eine große Rolle bei der Aufklärung der Entführung spielt.
Der Kniff mit der Playlist ist eine originelle Idee und es ist interessant, neben dem Roman die Songs zu hören und auf ihre Texte zu achten. Die rätselhafte Botschaft, die hinter den fünfzehn ausgewählten Musikstücken steht und offenbar von Feline trotz ihrer Entführung erstellt werden konnte, ist so knifflig zu entschlüsseln, dass man als Leser auf den kreativen Kopf von Alexander Zorbach angewiesen ist, der sich schrittweise Felines Peiniger und ihrem Versteck anzunähern scheint.
Bald ist zu ahnen, dass mit der Entführung insbesondere Felines strenger Vater, der zugleich Lehrer an ihrer Schule ist, abgestraft werden soll. Wie jedoch das ominöse Resort Ambrosia, in das sich Felines Mutter in ihrer Verzweiflung einschleicht, damit zusammenhängt, ob Alina ihrem Verlobten Nils wirklich vertrauen kann und ob hinter der Entführung wirklich der "Augensammler" steckt, ist spannend zu erfahren. Dabei ist der Thriller bis zum Schluss wendungsreich, da letztlich kein Protagonist durchschaubar ist.
Die verschiedenen Perspektiven und Handlungsstränge tragen zu einem dynamischen Handlungsverlauf bei und steigern die Spannung, auch wenn man als Leser mit der Lösung der Symbolik, Anagramme, Zahlen- und Wortfindungen der Playlist schlicht überfordert ist und die Geschichte damit ein wenig konstruiert wirkt. Nichtdestotrotz ist die Verbindung von Musik und Thriller eine innovative Idee, die eine Entführung mit altbewährten Motiv neuartig in Szene setzt.

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