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Veröffentlicht am 06.07.2017

Inspirationen zum (Neu-)Entdecken der Stadt

MARCO POLO Mach`s in Dresden
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Der ungewöhnliche Reiseführer „Machs in Dresden“ soll einen neuen Blick auf die Stadt eröffnen – für Alteingesessene, aber sicher auch für Neulinge. Ich denke, für beide Gruppen ist er gut geeignet. Aber ...

Der ungewöhnliche Reiseführer „Machs in Dresden“ soll einen neuen Blick auf die Stadt eröffnen – für Alteingesessene, aber sicher auch für Neulinge. Ich denke, für beide Gruppen ist er gut geeignet. Aber eine Voraussetzung gibt es, um mit diesem Büchlein seine Freude zu haben: Experimentierfreudigkeit.

Denn die Aufgaben, die hier gestellt werden, haben es teilweise in sich. Während es sicherlich noch für jedermann machbar ist, eine Flaschenpost in die Elbe zu werfen, in der man einem Hamburger erklärt, warum Dresden viel schöner ist geht es bei anderen Challenges ans Eingemachte. „Laufe durch Dresden und halte Lobreden auf die vielen Wichtigtuer der Stadt! Kreuze im Buch die Reaktionen der Leute an! (Sie klatschen, sie lachen mich aus, einige machen mit,…)“ Also, ich gebe zu – das war mir nix. Da knacke ich doch lieber 3 Haselnüsse für Aschenbrödel im Schloss Moritzburg. Einige der Aufgaben habe ich erledigt, andere nicht. Und so sollte jeder entscheiden, welche der angebotenen Möglichkeiten er wahrnimmt.

Tendenziell empfand ich die Aufgaben als etwas zu papier-lastig. Da gibt es Puzzle zum Ausschneiden und wieder Einkleben, Seiten um spontane Ideen festzuhalten und ein Ausmalbild zum Selbstgestalten von Schloss Übigau. Ich hätte mir noch mehr Aufgaben gewünscht, die die Highlights oder auch gern den einen oder anderen Sightsseing-Geheimtipp Dresdens fokussieren.

Viele der Aufgaben haben Kreativität zu tun: „Male deinen eigenen Canaletto-Blick“, „Werde zum Geschichtenschreiber wie die Märchenerzähler in der Yenidze“, „Zeichne deine Wege durch Dresden in die Karte“, oder „Mach dem Gesicht im Buch ein paar Dreadlocks, damit der in der Neustadt nicht auffällt. Benutze Nadel, Faden, Schere und zeig deine Friseur-Künste.“ Ich gebe zu – ganz so künstlerisch begabt bin ich nicht und so habe ich mich eher auf die Sightseeing-Aufgaben konzentriert. Der Papierflieger vom Turm der Frauenkirche aus oder das Papierbootrennen (bzw. Schiffe versenken) auf der Elbe zum Beispiel. Das macht Spaß und bringt einen der Stadt wirklich näher.

Fazit: Definitiv ein Reiseführer für kreative Köpfe. Aber auch „Normal-Touristen“, die mal über den Tellerrand schauen wollen, finden pfiffige neue Ideen und Inspirationen.

Veröffentlicht am 18.06.2017

Familiengeschichte vor idyllischer Kulisse

Mein Herz ist eine Insel
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Isla kommt nach Jahren in Edinburgh wieder zurück auf ihre kleine schottische Heimatinsel. Sie wusste nach der Trennung von ihrem langjährigen Lebensgefährten und Rausschmiss aus der gemeinsamen Wohnung ...

Isla kommt nach Jahren in Edinburgh wieder zurück auf ihre kleine schottische Heimatinsel. Sie wusste nach der Trennung von ihrem langjährigen Lebensgefährten und Rausschmiss aus der gemeinsamen Wohnung einfach nicht, wohin sie sonst sollte… Nun holt sie die Vergangenheit wieder ein, denn sie hatte nicht nur einen wütenden Vater zurückgelassen und zwei grummelnde Brüder, sondern auch ihre Jugendliebe Finn.

Während ihr Start in der alten Heimat sehr holprig verläuft, gibt ihr nur die alte Dame Shona Rückendeckung. Shona, die selbst seit vielen Jahren ein Geheimnis hütet. Als mit Jared ein weiterer Fremder auf die kleine Insel kommt und merkwürdige Fragen stellt, spitzt sich die Lage zu und die Gefühle der Inselbewohner werden auf eine harte Probe gestellt.
Der Roman ist natürlich zum Entspannen und Wohlfühlen gedacht. Insofern gibt es einige aus meiner Sicht vorhersehbare Entwicklungen. Aber wenn man einfach mal ein wenig die Seele baumeln lassen möchte – sei es im Urlaub oder einfach nach Feierabend - dann ist „Mein Herz ist eine Insel“ genau das Richtige dafür.

Ich habe den Roman als Hörbuch gehört, dabei bringen eine weibliche Sprecherin und ein männlicher Sprecher Abwechslung in die Geschichte. Besonders die Interpretation von Shona hat mir gefallen, man hörte förmlich, wie verschmitzt Shona trotz ihres hohen Alters war. Das fand ich sehr gelungen!

Die Geschichte an sich wartet sicherlich nicht mit außergewöhnlichen Ideen auf. Aber das habe ich in diesem Genre auch nicht erwartet. Letztlich ist es ein solide geschriebener Frauen-Roman, der entspannte Stunden gewährleistet.

Veröffentlicht am 21.05.2017

Die Generation „Perfektes Leben“

Frag nicht nach Sonnenschein
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Die Schönen und Reichen machen es vor: es Instagram-Foto vom Urlaub auf der Segelyacht im Mittelmeer, eine Twittermeldung aus dem neuesten In-Restaurant, der Facebook-Post vom hipsten Event der Stadt… ...

Die Schönen und Reichen machen es vor: es Instagram-Foto vom Urlaub auf der Segelyacht im Mittelmeer, eine Twittermeldung aus dem neuesten In-Restaurant, der Facebook-Post vom hipsten Event der Stadt… So stellt sich auch Katie ihr Leben in London vor, als sie ihren (schlecht bezahlten) Assistenz-Job bei einer Marketingagentur antritt. Dass das meiste der glamourösen Welt ihrer Kollegen und Freunde nur schöner Schein ist, merkt sie zunächst nicht. Als sie von ihrer ach so tollen Chefin, der Karrierefrau Demeter, auch noch einfach so gefeuert wird, liegt ihre Welt in Scherben.

Um sich nicht bloßstellen zu müssen, erzählt sie ihrem Vater, sie habe 6 Monate Sabbatical genommen und könne problemlos helfen, seine neue Geschäftsidee aufzubauen – eine „Glamping Farm“ (glamping = glamourous/camping). Als plötzlich Demeter mit ihrer Familie auftaucht, um den neuesten Schrei für erholungsbedürftige Londoner auszuprobieren, sieht Katie ihre Chance gekommen sich an Demeter zu rächen. Und das tut sie mit Wonne. Zunächst. Später mit Gewissensbissen. Denn auch Demeter ist nur ein Mensch, wie Katie langsam klar wird. Hinter der Karrieretussi stecken Ängste, Sorgen und eine Menge Unsicherheit… und beide lernen, dass das Leben nicht perfekt sein muss, damit man es genießen kann.

Die Aussage dieses kurzweiligen Romans von Sophie Kinsella hat mir gut gefallen. Weniger ist manchmal mehr und es muss nicht immer alles toll sein. Das Leben ist nun mal nicht immer perfekt. Bei keinem. Diese Aussage ist in eine hübsche Geschichte verpackt – mit Katie als sympathischer Hauptfigur und Demeter als wunderbar dargestellter Karrierefrau. Zwischen den Zeilen klingen die Probleme des digitalen Zeitalters an – die Schnelllebigkeit, die Macht der (retouschierten) Bilder und Internet-Posts. Jeder kann sich eine Welt erschaffen, wie er sie gern hätte – wieviel Wahrheit tatsächlich drin steckt, ist nebensächlich. Hauptsache viele Klicks und Follower.

Auch wenn die Geschichte fluffig und locker daher kommt – es steckt aus meiner Sicht viel Wahres drin. Und schon deshalb lohnt sie sich zu lesen, trotz der ab und zu aufkommenden Längen. Ich hab mich dennoch gut unterhalten gefühlt.

Veröffentlicht am 14.05.2017

Der sympathischste arrogante Fatzke, der mir seit langem untergekommen ist

Schwesterherz
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Dieser Roman polarisiert offenbar – zumindest gibt es sehr weit auseinandergehende Meinungen. Was mir dabei auffiel: wer andere Bücher von Kristina Ohlsson kennt, ist meist enttäuscht. Wer dieses Buch ...

Dieser Roman polarisiert offenbar – zumindest gibt es sehr weit auseinandergehende Meinungen. Was mir dabei auffiel: wer andere Bücher von Kristina Ohlsson kennt, ist meist enttäuscht. Wer dieses Buch als Erstes von ihr gelesen hat, war in der Regel zufrieden damit. Ich gehöre zur zweiten Kategorie, und auch ich muss sagen: es hat mich mitgerissen und ich fand es wirklich gut.

Ich kann – wie gesagt – nicht schreiben, was diesen Roman von Ohlssons anderen Büchern unterscheidet. Aber ich kann sagen, was mir daran gefallen hat (und was nicht). Zunächst mal: Martin Benner ist eine super Hauptfigur. Er ist nicht aalglatt, er hat Macken… sogar ziemlich viele. Er ist – um es auf den Punkt zu bringen – aber der sympathischste arrogante Fatzke (das treffendere Wort darf ich hier wohl eher nicht schreiben), der mir seit langem in einem Roman untergekommen ist. Manchmal hätte ich ihn schütteln wollen, manchmal hab ich die Augen verleiert… und manchmal war er mir irgendwie ganz nah. Ich finde, schon allein für Martin hat die Autorin Beifall verdient.
Auch die Konstruktion des Thrillers ist erstaunlich, denn die Handlung wirkt wie ein Sog. Genauso, wie Martin aus heiterem Himmel in eine riesige, perfide Geschichte hineingezogen wird, so wird auch der Leser in diesen Strudel aus Geheimnissen, Korruption, mafiaähnlichen Strukturen hineingezogen. Ich hatte das Gefühl, gut nachvollziehen zu können, wie Martin an seine persönlichen Grenzen kommt und irgendwann kaum noch einen Ausweg sieht.

Und nun komme ich zu dem Grund, weshalb ich doch einen Stern abgezogen habe: das Ende. Leider ist der Thriller nämlich nicht in sich abgeschlossen. Man hat das Gefühl, es wird einfach zwischendrin abgebrochen. Klar, der Leser soll natürlich auch den nächsten Band kaufen, der clevererweise schon angekündigt ist für Mitte Juni 2017. Hat die Autorin das Ende bewusst so gewählt? Oder ist das ein Schachzug des Verlags, um die Verkäufe der neuen Reihe in die Höhe zu treiben? Mir hätte es besser gefallen, zumindest auf einige offene Fragen bereits im ersten Teil Antworten zu lesen. Denn so hatte ich leider das Empfinden, dass ich mitten im Buch aufhören musste. Und das bleibt leider als negativer Eindruck hängen.

Aber auch ich kann natürlich nicht anders: Band 2 ist schon auf der Wunschliste vorgemerkt. Die Story ist einfach zu gut.

Veröffentlicht am 07.05.2017

Eine Liebeserklärung an menschliches und tierisches Leben aller Art

Weil sie das Leben liebten
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Was ich an Charlotte Roth so mag ist, dass sie sich immer wieder an tolle historische Themen wagt, die so noch von niemandem aufgearbeitet worden sind. In ihrem ersten Roman war das beispielsweise die ...

Was ich an Charlotte Roth so mag ist, dass sie sich immer wieder an tolle historische Themen wagt, die so noch von niemandem aufgearbeitet worden sind. In ihrem ersten Roman war das beispielsweise die Zeit der Wende im geteilten Deutschland und die Emanzipationsbewegung, im zweiten Buch waren es die Olympiade 1936 und das Thema Sportler im dritten Reich. In diesem Buch ist es die Geschichte der Sinti während des Nationalsozialismus und die wechselhafte, oft auch traurige, Geschichte des Berliner Zoos in dieser Zeit.

Und mit diesen wirklich gut recherchierten Themen sticht sie aus der Masse der Romane um das frühe 20. Jahrhundert heraus. Ich habe Frau Roth mittlerweile als Garantin für spannende historische Unterhaltung kennengelernt und so wurde ich auch diesmal nicht enttäuscht.

Die Personen des Romans haben es mir allerdings diesmal etwas schwerer gemacht. Franka und Carl sind für mich aufgrund ihrer Traumata, die sie durch ihr Leben begleiten, mitunter nicht so greifbar gewesen. Frankas Scheu im Umgang mit Menschen konnte ich teilweise nur schwer nachvollziehen, auch wenn die Autorin wirklich versucht hat klarzumachen, wieso Franka so ist, wie sie eben ist. Carl, der ein ebenso schwieriger Fall war, konnte mich auch nicht so ganz „mitnehmen“. Und auch Adam, die dritte Hauptperson, ein junger Mann mit Sinti-Abstammung, war in mancher Situation für mich etwas schwer nachvollziehbar. Sein Stolz, seine Worte Franka gegenüber… ich empfand es nicht immer als passend, auch wenn die Verbundenheit zwischen den beiden nachvollziehbar geschildert war.

Ein besonderes Highlight des Buches waren aber für mich die Tiere des Berliner Zoos. Man lernte ein paar ganz besondere Exemplare als Begleiter von Franka, Carl und Adam sehr nah kennen. So zum Beispiel das Flusspferd Waltraud, das Zebra Arpad und den Kaiman Heinz-Peter. Im Nachwort erfährt man, dass diesen Tieren tatsächlich zur damaligen Zeit lebende Tiere aus dem Berliner Zoo Pate gestanden haben. Frau Roth hat auch hier wieder gut recherchiert und die Tiere noch einmal lebendig werden lassen und ihnen mit diesem Buch wohl auch ein kleines Denkmal gesetzt.

Jeder, der sich für die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland interessiert und Tiere mag, sollte dieses Buch lesen. Denn es ist nicht vordergründig eine Liebesgeschichte. Oder vielleicht doch: es ist eine Liebeserklärung an menschliches und tierisches Leben in jeglicher Form.