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Veröffentlicht am 25.07.2017

Eine neue Chance für das Leben - und die Liebe

Ein Garten voller Sommerkräuter
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Der Roman "Ein Garten voller Sommerkräuter" von Julie Leuze spielt in Großbritannien. Im Mittelpunkt steht Miriam, die mit Anfang vierzig vor den Trümmern ihres Lebens steht: Ihr Mann hat eine andere, ...

Der Roman "Ein Garten voller Sommerkräuter" von Julie Leuze spielt in Großbritannien. Im Mittelpunkt steht Miriam, die mit Anfang vierzig vor den Trümmern ihres Lebens steht: Ihr Mann hat eine andere, ihre erwachsene Tochter braucht sie nicht mehr, und ihr Haus wurde bei der Scheidung verkauft. Wie soll es jetzt weitergehen? Da Miriam nichts mehr zu verlieren hat, fasst sie endlich den Mut, einen alten Traum zu verwirklichen. Sie lässt alles hinter sich, um im südenglischen Devon einen Neuanfang zu wagen. Im hübschen Reedcombe mit seinen weißen reetgedeckten Häusern spürt Miriam sofort: Hier will sie bleiben. Ihr Weg in ein neues Leben ist voller Hindernisse – aber auch voller Chancen auf ein neues Glück ...

Das Cover des Buches ist perfekt gelungen und lädt zum Träumen ein. Der Betrachter blickt auf ein reetgedecktes kleines Haus, das von einem verwilderten romantischen Garten umgeben ist. Es könnte sich um das verwunschene "Hexenhäuschen" in dem malerischen Dorf Reedcombe im südenglischen Devon handeln, das für Miriam zur neuen Heimat wird. Fast glaubt man, den köstlichen Duft der Kräuter zu spüren, die für Miriam zu einer neuen Herzens- und Lebensaufgabe werden. Der Titel des Buches ist gut gewählt; er fügt sich harmonisch in das liebliche Genre-Bild ein und macht auf das Geschehen neugierig, ohne zu viel vom eigentlichen Inhalt preiszugeben.

Die Protagonistin Miriam ist eine klare Sympathieträgerin. Aufgrund einer ungeplanten Schwangerschaft hat sie ihr Studium abgebrochen und auf eine eigene Karriere verzichtet. Stattdessen hat sie sich für Ehe und Familie entschieden und auf das klassische Rollenmodell gesetzt. Nach dem Scheitern ihres Lebenstraums muss sie ihre rosarote Brille absetzen und sich in der rauen Wirklichkeit zurechtfinden. Sie entscheidet sich, ihre Heimat zu verlassen und ihr Glück in England zu suchen. In einem gewissen Sinne tritt sie in die Fußstapfen der verstorbenen Vorbesitzerin Phyllis; sie übernimmt den betagten Hund Percy und kümmert sich hingebungsvoll um die Kräuter, aber sie bleibt nicht in Düsternis und Verbitterung hängen, sondern nutzt ihre Chance und sieht die Welt mit anderen Augen. Der Leser darf Miriam mehrere Monate lang auf ihrem Lebensweg begleiten und ihre (positive) Entwicklung von einer deprimierten verlassenen Frau zu einer aktiven, engagierten Unternehmerin beobachten, die ihr Leben (und die Liebe) tatkräftig in die eigenen Hände nimmt und ihre Träume lebt.

Julie Leuze schreibt in einem sehr schönen Stil. Das Buch lässt sich flüssig lesen, und man möchte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Es ist ein richtiger Wohlfühl-Roman. Das Dorf Reedcombe erwacht durch die anschaulichen Schilderungen von Julie Leuze zum Leben, und man sieht das verwunschene Hexenhäuschen inmitten der ländlichen Idylle vor sich. Der Inhalt des Romans wirkt glaubhaft; Julie Leuze zeichnet ein realistisches Bild von dem dörflichen Alltag in Reedcombe und spart bittere Enttäuschungen für ihre Protagonistin Miriam nicht aus. Besonders gelungen ist die Einteilung der einzelnen Kapitel. Die Autorin stellt ihre Sachkenntnis unter Beweis, stellt eine typische Pflanze für den jeweiligen Monat vor und weist auf ihre besondere Wirkung auf den Menschen hin. Auf diese Weise ist für jeden Monat ein Kraut gewachsen!

Für mich ist dieses Buch der perfekte Sommer-Roman, den man in seinem Garten mit einer guten Tasse Tee, umgeben von duftenden Sommer-Kräutern, genießen sollte.

Veröffentlicht am 30.06.2017

Familiengrab

Don't You Cry - Falsche Tränen
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Der Roman "Don' t you cry. Falsche Tränen" von Mary Kubica spielt in Chicago. Eines Nachts verschwindet die junge Studentin Esther Vaughan spurlos aus ihrem Appartement. Ihre Mitbewohnerin Quinn findet ...

Der Roman "Don' t you cry. Falsche Tränen" von Mary Kubica spielt in Chicago. Eines Nachts verschwindet die junge Studentin Esther Vaughan spurlos aus ihrem Appartement. Ihre Mitbewohnerin Quinn findet nur einen mysteriösen Brief, der vor die Frage stellt, wie gut sie die vermeintlich brave Frau wirklich kennt. Als sie dann noch erfährt, dass schon längst per Anzeige nach einer Nachmieterin für ihr Zimmer gesucht wird, bekommt sie langsam Angst. Quinn beginnt zu recherchieren: Was ist eigentlich aus dem Mädchen geworden, das vorher mit Esther zusammengewohnt hat? Je mehr sie erfährt, desto mehr bringt Quinn sich in tödliche Gefahr.

Das Cover zieht den Blick des Betrachters magisch an. Man sieht zwei hübsche Mädchengesichter, die einander zum Verwechseln ähnlich sind. Letzten Ende unterscheiden sie sich durch die Farbe der Augen, die einmal blau und einmal braun sind. Ihr Blick hat etwas Magisches, aber auch etwas Gehetztes und Verstörendes an sich. Die Pupillen sind leicht vergrößert. Die gut geschwungenen vollen Lippen sind leicht geöffnet; man fragt sich, was diese Mädchen erlebt und gesehen haben. Insoweit weckt das Cover das Interesse des Lesers und passt perfekt zum literarischen Genre.

Der Titel "Don' t you cry" ist raffiniert in Szene gesetzt worden. Einzelne Buchstaben werden verdreht; der Leser kann seiner Wahrnehmung nicht trauen. Auch der Untertitel "Falsche Tränen" gibt einen Hinweis, dass hier nicht alles ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint.

Das Geschehen wird aus zwei verschiedenen Perspektiven geschildert. Im Mittelpunkt stehen die Protagonisten Quinn und Alex, die jeweils aus der Ich-Perspektive erzählen. Sie stehen nicht auf der Sonnenseite des Lebens, sondern zählen eher zu den klassischen Verlierern. Quinn leidet unter leichten Lernschwächen, ist in der Schule gescheitert und schlägt sich als Gehilfin in einer Kanzlei durch. In ihrer Familie wird sie mit ihrer begabten Schwester verglichen; deshalb ist sie glücklich, ihre Familie hinter sich lassen und in einer Wohngemeinschaft mit Esther leben zu können. Auch Alex ist in diesem Punkt angeknackst. Er hat nie ein harmonisches Familienleben kennengelernt; seine gefühlskalte Mutter hat ihn im Stich gelassen, als er noch sehr klein war, und er musste bei seinem Vater aufwachsen, der als stadtbekannter Säufer in der Kleinstadt einen zweifelhaften Ruf genießt. Aufgrund seiner geistigen Fähigkeiten hätte er ein Stipendium bekommen und sein zerrüttetes Elternhaus verlassen können; aber er fühlt sich für seinen alkoholabhängigen Vater verantwortlich und kommt für dessen Verbindlichkeiten auf, indem er einen schlecht bezahlten Job in einem Restaurant angenommen hat.

Inhaltlich wechseln sich die zwei Handlungsstränge regelmäßig ab. Quinn sucht verzweifelt nach ihrer WG-Freundin und entdeckt viele rätselhafte Spuren, die ihr Bild von Esther ins Wanken bringen und sie an ihrer Wahrnehmung zweifeln lassen. Alex wiederum lernt eine unbekannte junge Frau kennen, die ihn durch ihre merkwürdige Ausstrahlung fasziniert. Er verbringt mehr und mehr Zeit mit ihr und kommt einem düsteren (Familien-) Geheimnis auf die Spur.

Mary Kubica schreibt in einem gut lesbaren Stil, und ihr Roman lässt sich flüssig lesen. Literarisch gesehen würde ich den Roman eher als ein Familiendrama sehen, aber er besitzt durchaus Elemente des klassischen (Psycho)-Thrillers. Der Plot ist nicht neu, aber gut durchdacht, und der Spannungsbogen wird konsequent durchgehalten. Sie spielt mit der Wahrnehmung des Lesers und legt geschickt einige falsche Fährten. Leider gibt es kleine stilistische Schwächen; die Autorin neigt zu Ausschmückungen und Wiederholungen, die manchmal störend wirken. Auch die Sprache der Protagonisten ist zu ähnlich; ich hätte mir feinere Nuancierungen in der Wortwahl gewünscht; Alex hätte sich gewählter ausdrücken müssen als Quinn.

Veröffentlicht am 29.05.2017

Familienbande

Das Leben fällt, wohin es will
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Hamburg ist der Schauplatz des Romans "Das Leben fällt, wohin es will" von Petra Hülsmann. Sie erzählt von Marie, deren Leben von Party, Spaß und Freiheit bestimmt wird. Sie liebt ihr sorgenfreies Dasein ...

Hamburg ist der Schauplatz des Romans "Das Leben fällt, wohin es will" von Petra Hülsmann. Sie erzählt von Marie, deren Leben von Party, Spaß und Freiheit bestimmt wird. Sie liebt ihr sorgenfreies Dasein und lebt in den Tag hinein. Diese Lebenseinstellung ändert sich jedoch schlagartig, als ihre Schwester Christine schwer erkrankt und sie darum bittet, sich während der Behandlung um ihre Kinder zu kümmern. Und nicht nur das - Marie soll auch noch Christines Posten in der familieneigenen Werft für Segelboote übernehmen. Darauf hat Marie ja mal so überhaupt keinen Bock, und auf ihren neuen "Chef", den oberspießigen Daniel, erst recht nicht. Während sie von einem Chaos ins nächste stolpert, wird ihr jedoch klar, dass es Dinge im Leben gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Und dass manches einen ausgerechnet dann erwischt, wenn man es am wenigsten erwartet - zum Beispiel die Liebe ...

Das Cover ist in frischen, maritimen Farben gehalten und von weißen und blauen Querstreifen durchzogen. Außerdem erkennt man einige Motive wie Schlapphut, Anker und Rettungsring, die eine wichtige Rolle spielen. Leider hat man es in dieser Form allzu oft gesehen; es ist also nichts Außergewöhnliches mehr.

Der Titel "Das Leben fällt, wohin es will" ist gut gewählt und fällt durch eine verspielt wirkende kursive rote Schrift ins Auge. Er spiegelt den Inhalt des Romans wieder und macht dem Leser deutlich, dass man sich nicht gegen alle Schicksalsschläge wappnen, sondern das Leben hinnehmen muss, wie es eben kommt.

Die Protagonisten werden sehr lebensecht gezeichnet. Sie sind nicht fehlerfrei, sondern besitzen viele Stärken und Schwächen. Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Marie und Christine, die ganz unterschiedliche Charaktere sind, sich aber sehr nahestehen. Während Christine eine durchorganisierte, kühle Business-Frau ist, die nach größtmöglicher Perfektion strebt, erscheint Marie als eine lockere Party-Maus, die jede Verantwortung ablehnt und lieber in den Tag hinein lebt. Im Verlaufe der Handlung vollzieht sie aber eine erstaunliche Entwicklung und zeigt sich als eine aufrichtige, zuverlässige junge Frau, die sich für ihre Familie (und das Unternehmen) mit ganzem Herzen einsetzt und einen neuen Lebenspartner gewinnt.

Der Roman "Das Leben fällt, wohin es will" lässt sich mühelos lesen und ist ein echter Page-Turner. Petra Hülsmann hat eine unverkennbare literarische Handschrift. Ihr Stil ist leicht und locker, und sie verbindet Ernst und Humor auf eine bemerkenswerte Weise. Das schwierige Thema Krebs behandelt sie mit viel Fingerspitzengefühl. Sie beschönigt oder verschweigt nichts. Aber trotzdem macht ihr Buch betroffenen Menschen oder Angehörigen Mut, dass auch sie es schaffen können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Figuren
  • Handlung
  • Lesespaß
Veröffentlicht am 08.05.2017

Altlasten

Erste Liebe, zweite Chance
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Der Roman "Erste Liebe, zweite Chance" von Meg Cabot spielt in Bloomville, wo Becky ein gutgehendes Umzugsunternehmen führt. . Den Sommer mit ihrer ersten großen Liebe Reed, der sich als erfolgreicher ...

Der Roman "Erste Liebe, zweite Chance" von Meg Cabot spielt in Bloomville, wo Becky ein gutgehendes Umzugsunternehmen führt. . Den Sommer mit ihrer ersten großen Liebe Reed, der sich als erfolgreicher Golfproi einen guten Namen gemacht hat, hat sie verdrängt, und mit Graham einen netten, verlässichen Freund gefunden. Als die Eltern von Reed anfangen, sich seltsam zu verhalten und in einem Restaurant mit einer Briefmarke bezahlen, ist es mit Beckys Frieden vorbei. Reed kehrt zurück. Und ausgerechnet Becky wird engagiert, seine Eltern in ihren neuen Alterswohnsitz umzusiedeln.

Das Cover wirkt frisch und modern und ist interessant gestaltet. Man sieht die Silhouette einer weiblichen Figur, die mehrere aufeinander gestapelte Kartons trägt. Das Bild weckt die Neugierde des Lesers und erinnert an den Spruch, dass jeder Mensch sein Päckchen tragen muss. Die Protagonistin Becky hat nicht nur beruflich mit Altlasten zu tun, sondern schleppt auch belastende Dinge in ihrem eigenen Leben mit sich herum.

Der aussagekräftige Titel wird gut in Szene gesetzt. Die verwendeten Farben fallen ins Auge und heben sich durch die glänzende Oberfläche von der matt gestalteten Oberfläche des Covers hervorragend ab.

Meg Cabot beherrscht ihr Handwerk perfekt. Sie hat einen leichten Roman vorgelegt, der sehr originell umgesetzt worden ist. Sie verzichtet auf einen klassischen Erzähler. Statt dessen verwendet sie in dem literarischen Text alle modernen Kommunikationsmittel wie SMS, Mail oder Whats App, aber auch Zeitungsartikel, Tagebucheinträge und Anzeigen auf EBAY.

Durch diese verwendeten Stilmittel ist die Darstellung der Protagonisten auf ein Minimum reduziert. Eine konkrete Beschreibung der handelnden Personen fehlt völlig; alles wird der Phantasie des Lesers überlassen. Trotzdem wirken die Protagonisten sehr authentisch und lebendig, und der Leser kann sich sehr schnell ein Bild von den handelnden Charakteren machen, wenn er sich auf dieses ungewöhnliche Buch einlässt, das sich wohltuend von der Masse der Liebesromane abhebt.

Ich habe das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen können. Es bietet locker-leichte Unterhaltung. Von mir gibt es eine klare 5-Sterne-Empfehlung.

Veröffentlicht am 14.04.2017

Liebe, Drama, Staatsräson

Die Hessin auf dem Zarenthron
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In der Biographie "Die Hessin auf dem Zarenthron. Maria, Kaiserin von Russland" erzählt die Historikerin Dr. Marianna Butenschön von Marie von Hessen und bei Rhein, die als junges Mädchen das Herz des ...

In der Biographie "Die Hessin auf dem Zarenthron. Maria, Kaiserin von Russland" erzählt die Historikerin Dr. Marianna Butenschön von Marie von Hessen und bei Rhein, die als junges Mädchen das Herz des späteren Zaren Alexanders II. erobern konnte. Ihre Ehe wird 40 Jahre halten, doch was mit einer Liebesheirat beginnt, sollte in Gleichgültigkeit und Entfremdung enden. Alexander II. übernimmt das Reich in einer schweren Krisenzeit. Maria steht ihm als Beraterin zur Seite. Doch die Niederlage im Krimkrieg und daraufhin eingeleiteten Reformen erschüttern das Land. Maria Alexandrowna war keine kämpferische Natur, aber eine tapfere Frau, die sich mit aller Kraft bemühte, ihre Pflichten zu erfüllen und Haltung zu bewahren. Entlang der Lebensgeschichte der Hessin führt Marianna Butenschön uns tief hinein in eine innen- und wie außenpolitisch weichstellende Zeit Russlands.

Das Cover des Buches zeigt das berühmte Gemälde, das Franz Winterhalter von Maria Alexandrowna geschaffen hat. Man sieht eine Frau mittleren Alters, die ein elegantes Kleid und kostbaren Perlenschmuck trägt. Das Bild soll Macht und Schönheit der dargestellten Persönlichkeit wiederspiegeln. Trotzdem ist der Betrachter betroffen von den großen traurigen Augen der Kaiserin, die ihre tiefe Melancholie deutlich werden lassen.

Auf den ersten Blick ist man erstaunt über die zahlreichen dynastischen Verbindungen zwischen den zwei unterschiedlichen Herrscherhäusern. Trotzdem gab es für diese Vorgehehensweise pragmatische Gründe. Alle zukünftigen Bräute mussten dem Hochadel angehören, durften aber nicht aus einer zu mächtigen Familie stammen, die Russland politisch gesehen in die Quere kommen konnte. Außerdem gehörten die ausgewählten Mädchen dem protestantischen Glauben an, konnten aber problemlos zur russisch-orthodoxen Kirche übertreten

Im Laufe ihres Lebens hat Marie von Hessen und bei Rhein alle an sie gestellten Erwartungen zur vollen Zufriedenheit erfüllt. Sie hat nicht nur die traditionellen Aufgaben einer Landesmutter übernommen und acht Kindern das Leben geschenkt, sondern auch großes Interesse an der Politik gezeigt und ihren Mann tatkräftig bei den anstehenden politischen Reformen unterstützt. Außerdem hat sie sich Verdienste um die Bildung von Frauen in Russland erworben und gilt als die Gründerin des russischen roten Kreuzes. Marie von Hessen und bei Rhein war ernst, gebildet und pflichtbewusst, konnte aber nicht die Herzen ihrer Mitmenschen erobern. Sie wurde von ihren Zeitgenossen geachtet, aber nicht geliebt. Man sagt ihr nach, dass sie russischer als die Russen und orthodoxer als die Orthodoxen gewesen sei.

Trotzdem ist sie in ihrer neuen Heimat nicht glücklich geworden. Auch wenn sie in den ersten Jahren eine glückliche Ehe geführt hatte, konnte ihr Mann nicht für längere Zeit treu sein und pflegte seine Affären mit anderen Frauen. Später setzte sich Zar Alexander II über alle Konventionen hinweg und gründete mit seiner dreißig Jahre jüngeren Geliebten eine zweite Familie, was für seine Ehefrau und seine Kinder wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein muss. Die Kaiserin hat niemals die Contenance verloren, sondern alle Schicksalsschläge klaglos ertragen und ihren Trost in der Religion gesucht. Der Tod des Thronfolgers nahm ihr allen Lebensmut. Nach einem langen schweren Leiden ist sie bereits 1880 an den Folgen ihrer Tuberkulose-Erkrankung gestorben.

Die Sprache des Buches ist klar und verständlich, und die Biographie lässt sich gut lesen. Die Autorin Dr. Marianna Butenschön hat viele Quellen genutzt und würzt die historisch belegten Fakten mit interessante Anekdoten. Auf diese Weise gelingt es ihr, die höfische Welt im 18. Jahrhundert lebendig werden zu lassen. Der Leser kann sich in die Lebensumstände der Protagonistin einfühlen und sie auf ihrer Reise durch die Geschichte begleiten.