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Veröffentlicht am 31.05.2017

Gentrifizierung in Berlin - spannender Krimi zu einem aktuellen Thema

Mitternachtsnotar
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Martin Sanders hat gerade den Mietvertrag für seine neue Detektei unterschrieben, da erhält er auch schon einen neuen Auftrag. Kleiner Wermutstropfen ist dabei, das es sich bei dem Auftraggeber ausgerechnet ...

Martin Sanders hat gerade den Mietvertrag für seine neue Detektei unterschrieben, da erhält er auch schon einen neuen Auftrag. Kleiner Wermutstropfen ist dabei, das es sich bei dem Auftraggeber ausgerechnet um seinen Vater, den Anwalt Rainhard Sanders handelt, zu dem er ein etwas kompliziertes Verhältnis unterhält. Diese Widrigkeuten können ihn aber nicht davon abhalten, sich mit Feuereifer in die Ermittlungen zu stürzen, um Licht ins Dunkel rund um die Vorkommnisse in der Kleinhaussiedlung "Am Rabennest" zu bringen, deren langjährige Bewohner einen eigentlich aussichtslosen Kampf gegen eine zwielichtige Immobiliengesellschaft führen, die hier Luxussanierungen zum Wohle der Investoren, zu denen auch Rainhard Sanders gehört, plant.
Als dann aber auch seine Bekannte Liberty "Libby" Vale in die Sache verwickelt wird und in Gefahr gerät, überschlagen sich die Ereignisse plötzlich ...

Bettina Kerwien führt hier die Geschichte um das ungleiche Paar Libby Vale und Martin Sanders, die irgendwie zwar nicht miteinander, aber schon gar nicht ohneeinander können, fort und schließt somit an das Buch "Märzwinter" an, in dem sich die beiden zum ersten Mal begegnen. Dabei kann man dieses Buch allerdings auch problemlos ohne Vorkenntnisse aus dem ersten Buch lesen und verstehen, die erforderlichen Informationen zur Vorgeschichte werden gut in die laufende Handlung eingefügt, ohne dabei den Lesefluß zu stören.

Geschickt verknüpft sie die Geschichte ihrer beiden Protagonisten und das aktuelle Thema Gentrifizierung zu einem spannenden, gut konstruiertem Kriminalroman im klassischen amerikanischen Hard-Boiled-Style und treibt dabei die Story aus immer wieder wechselnden Erzählperspektiven temporeich voran, bis sie sich schließlich in einem fulminanten Showdown entlädt.

Das Buch erreicht dabei nicht ganz die Klasse des Vorgängers, bietet aber immer noch beste Krimiunterhaltung.

Veröffentlicht am 19.05.2017

Erschreckender und spannender Thriller zum Thema "Zucker in Lebensmitteln"

Blutzucker
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Paul Hartmann, Lebensmittelchemiker beim Global Player WorldFood, will zusammen mit seiner Freundin, der Journalistin Nicole, die geheimen Machenschaften seines Arbeitgebers aufdecken. Ein Bombenanschlag ...

Paul Hartmann, Lebensmittelchemiker beim Global Player WorldFood, will zusammen mit seiner Freundin, der Journalistin Nicole, die geheimen Machenschaften seines Arbeitgebers aufdecken. Ein Bombenanschlag in Bogota, bei dem Nicole ums Leben kommt, beendet diesen Plan zunächst jäh. Als Paul dann aber entdeckt, das WorldFood hinter dem Anschlag steckt, startet er einen gnadenlosen Rachefeldzug.
Für Kommissar Berg und sein Team von der Frankfurter Kriminalpolizei beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Leif Tewes behandelt in diesem Thriller ein wichtige Thema und bereitet es auf spannende und zugleich anschauliche Art und Weise auf.
Am Beispiel des Themas "Zucker in Lebensmittel" zeigt er die Verflechtungen zwischen Lebensmittel- und Pharmaindustrie auf und konfrontiert seine Leser mit der Frage: Was genau essen wir da eigentlich ?
Geschickt verpackt er die Informationen dazu in eine spannende Thrillerhandlung, die trotz einiger Längen im Mittelteil zudem bestens unterhält und dabei auch noch mit einem packenden Schreibstil, sowie gut charakterisierten Protagonisten zu überzeugen weiß. Der Umstand, das die Täter hier von Anfang an bekannt sind, macht die Geschichte zwar ein Stück weit vorhersehbar, dies nimmt dem Buch aber dennoch nichts an Spannung.

Wer auf spannende Thriller mit aktuellen Themen steht, kommt hier voll auf seine Kosten.

Veröffentlicht am 16.05.2017

Abgedrehter und temporeicher Thriller mit reichlich Action und Spannung

Wolf spielt das Lied vom Tod
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Tom Wolf, Ex-Zielfahnder beim BKA, will nach seiner Rückkehr aus Malta eigentlich nur seine Wunden lecken, ein Anschlag auf sein Leben und eine Begegnung mit dem MAD werfen seine Pläne aber schnell über ...

Tom Wolf, Ex-Zielfahnder beim BKA, will nach seiner Rückkehr aus Malta eigentlich nur seine Wunden lecken, ein Anschlag auf sein Leben und eine Begegnung mit dem MAD werfen seine Pläne aber schnell über den Haufen. Und so wirft er sich schon bald wieder mit Feuereifer und Todesverachtung mitten ins Geschehen, um seinen Ziehsohn Philip aus der Schusslinie zu holen. Doch seine Gegner sind absolut skrupellos und verfügen über erstaunlich viel Einfluß.

Martin Schöne brennt in seinem inzwischen dritten Thriller um Tom Wolf ein wahres Actionfeuerwerk ab und bringt seine Hauptperson mit hohem Tempo von einer brenzligen Situation in die Nächste.

Die Handlung knüpft dabei direkt an das Geschehen im Vorgängerbuch an und setzt am Anfang in Sachen Charaktere und Vorgeschichte schon einiges an Wissen voraus, so das es sich insgesamt doch empfiehlt, vor der Lektüre dieses Buches die beiden Vorgänger zu kennen. Als Quereinsteiger ins Wolf-Universum habe ich hier schon eine gewisse Zeit gebraucht, um im komplizierten Beziehungsgeflecht und der Vorgeschichte der Protagonisten den kompletten Überblick über das Geschehen zu erlangen.

Wenn diese Anfangsprobleme aber erst einmal überwunden sind und man sich voll und ganz auf die abgedrehte Geschichte einlässt, wird man mit einem spannenden und wendungsreichen Thriller belohnt, der sich selber nicht immer so ganz ernst nimmt, daber aber zu keinem Zeitpunkt in Richtung einer reinen Parodie abdriftet. Ein lockerer Schreibstil, der auch immer wieder mit flapsigen Sprüchen aufwartet, unterstreicht diese Erzählform zudem vortrefflich.

Reichlich Spannung, hohes Tempo und viel Humor sorgen für gute Thriller-Unterhaltung, wer aber realitätsnahe Geschichten sucht, wird hier eher nicht fündig.

Veröffentlicht am 12.05.2017

Überzeugender Hamburg-Krimi vor dem Hintergrund der Lampedusa-Flüchtlinge

Flucht ins Viertel
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Der Sprecher einer Flüchtlingsgruppe, den sogenannten Lampedusa-Flüchtlingen, wird brutal ermordet. Hauptkommissar Werner Jensen übernimmt den politisch brisanten Fall und ermittelt in alle Richtungen.
Auch ...

Der Sprecher einer Flüchtlingsgruppe, den sogenannten Lampedusa-Flüchtlingen, wird brutal ermordet. Hauptkommissar Werner Jensen übernimmt den politisch brisanten Fall und ermittelt in alle Richtungen.
Auch die Journalistin Nele wird in die Sache verwickelt, als Freunde des Opfers sie um Hilfe bitten. Dabei weiß sie noch nicht, das der Mörder längst nicht nur sie, sondern vor allem ihren Sohn Cairo ins Visier genommen hat.

Der Autor Cord Buch entwickelt seinen spannenden und insgesamt überzeugenden Hamburg-Krimi vor der wahren Geschichte der Lampedusa-Flüchtlinge, die seit Jahren darum kämpfen, als gesamte Gruppe anerkannt zu werden und nicht mehr einzeln die Prüfung ihres Flüchtlingsstatus durchlaufen zu müssen.

Die Handlung knüpft an den Vorgänger "Mord im Viertel" an und führt die persönliche Geschichte der Hauptprotagonisten fort. Dabei kann man das Buch grundsätzlich auch ohne Vorkenntnisse lesen, dennoch empfiehlt es sich schon, das erste Buch zu kennen, um die Beziehungen zwischen den einzelnen Protagonisten umfassend nachvollziehen zu können, die sich ansonsten erst nach und nach erschließen und am Ende doch ein wenig lückenhaft bleiben, auch wenn diese Lücken den überzeugenden Gesamteindruck nicht wirklich trüben können.

Das Buch besticht neben einer gut konstruierten Geschichte, symphatisch und glaubwürdig gezeichneten Charakteren noch durch einen packenden Schreibstil, der mich mit jeder Seite tiefer in seinen Bann gezogen hat und nebenbei auch politisch klar Stellung bezieht, ohne dabei allzu aufgesetzt zu wirken.

Veröffentlicht am 09.05.2017

Gelungene Krimikomödie mit klassischem Antihelden in einem abgedrehten Fall

Hopsgegangen
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Lukas Born, Ex-Polizist und jetzt als abgehalfteter Privatdetektiv am Niederrhein unterwegs, soll eigentlich nur die Journalistin Natascha Feldmann zum Treffen mit einem Informanten begleiten. Als er am ...

Lukas Born, Ex-Polizist und jetzt als abgehalfteter Privatdetektiv am Niederrhein unterwegs, soll eigentlich nur die Journalistin Natascha Feldmann zum Treffen mit einem Informanten begleiten. Als er am Treffpunkt erscheint kann er noch einen kurzen Blick auf den leblosen Körper seiner Auftraggeberin werfen, bevor bei ihm die Lichter ausgehen. Als er erwacht, ist von einer Leiche aber weit und breit keine Spur, auch die Polizei in Person seiner Noch-Ehefrau Julia schenkt seiner Geschichte nur wenig Glauben. Also muss Lukas wohl oder übel die Sache wieder einmal selber in die Hand nehmen ...

Mit Lukas Born hat der Autor Erwin Kohl einen klassischen Antihelden geschaffen, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt und sich dabei auch immer wieder selbst in Schwierigkeiten bringt, aus denen er sich anschließend mit List und Tücke befreien muss.
Gerade der Campingplatz, auf dem Lukas notgedrungen haust, seit ihm seine Frau den Stuhl vor die Tür gesetzt hat, bietet dabei eine hervorragende Kulisse für allerlei schräge Typen und komische Situationen.
Auch wenn hier eindeutig der Humor im Vordergrund steht und die zahlreichen skurrilen Gestalten des Buches für jede Menge Situationskomik sorgen, greift das Buch mit dem Handel mit gefälschten Medikamenten ein durchaus ernstes und auch aktuelles Thema auf und behandelt es auf angemessene Art und Weise, ohne dabei sein Augenzwinkern zu verlieren.

Eine klassischische Krimikomödie mit reichlich Witz und Humor, die gekonnt mit den typischen Klischees des Genres spielt, dabei aber durchaus auch eine spannende Krimihandlung zu bieten hat.
Gelungene Mischung, die viel Spaß macht.