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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.01.2022

Trotz langsamen Starts gut zu lesen

Gärten, Gift und tote Männer
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Im fiktiven Örtchen Oberdistelbrunn passiert selten Aufregendes. Das ändert sich schlagartig, als beim Literaturkränzchen ein Dorfbewohner unangemeldet auftaucht und dort röchelnd zusammenbricht und stirbt. ...

Im fiktiven Örtchen Oberdistelbrunn passiert selten Aufregendes. Das ändert sich schlagartig, als beim Literaturkränzchen ein Dorfbewohner unangemeldet auftaucht und dort röchelnd zusammenbricht und stirbt. Die pensionierte Lehrerin Pauline und Möchte-gern-Miss-Marple denkt sofort an eine Vergiftung. Wenig später verschwindet der Dorfpfarrer spurlos.

Der Dorfpolizist Kapplhuber ist wenig motiviert, dem Verschwinden des Pfarrers oder Paulines Hinweise auf den vergifteten Bauern nachzugehen. So forschen Pauline und ihre Freundinnen auf eigene Faust.

Doch damit ist der Aufregungen noch nicht genug. Paulines Schwester quartiert ihren Sohn Vincent samt Leihhund bei ein. Vincent bringt Leben in die gute Stube von Pauline, die mit ihrem Mann Fred, ein ziemlich langweiliges Leben führt.

„Ist ja steil, bei Euch geht echt was ab und ich habe Oberdistelbrunn für ein durch und durch verschlafenes Nest, also für einen Ort, wo das schlimmste Verbrechen darin besteht, die Restmülltonne am falschen Tag vor die Haustüre zu stellen.“ (S. 90)

Wenig später vergeht Vincent das Lachen, denn er wird des Mordes an einem Besucher der Gartenausstellung verdächtigt. Pauline und ihre Freundinnen intensivieren ihre Ermittlungen und machen sich bei der nun hinzugezogenen Kriminalpolizei nicht gerade beliebt ...

Meine Meinung:

Klaudia Blasl, die ja schon mehrere Krimis mit schrägen Hobby-Ermittlerinnen geschrieben hat, ist hier wieder ein leicht lesbarer Krimi gelungen. Ihre Kenntnisse von Giftpflanzen, die sie in zwei Büchern zu Papier gebracht hat, finden hier ihre Anwendung.

Es dauert eine geraume Zeit, bis der eigentliche Krimi so richtig losgeht. Zuerst werden die Protagonisten mit all ihren Ecken und Kanten vorgestellt. Allen voran natürlich die pensionierte Lehrerin Pauline, die fast alle im Dorf (zumindest die Jüngeren) unterrichtet hat und für viele eine Respektsperson ist. Pauline kennt sich gut mit Kräutern aus und hat für jedes Wehwehchen ein passendes Heilmittel in ihrer überdimensionalen Handtasche. Pauline wirkt ein wenig depressiv, was vor allem an Fred, einem ausgesprochenen Couchpotato liegt, der außer, Essen in sich hineinstopfen und Kreuzworträtsel lösen, den ganzen lieben Tag nichts tut.

Die Auflösung ist gelungen und bedient im weitesten Sinn das Klischee „der Mörder ist immer der Gärtner“.

Fazit:

Ein Krimi, der sich gut lesen lässt, obwohl er etwas langsam startet. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 05.01.2022

Neuauflage einer Chronik

Stalingrad
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Dieses 1.280 Seiten starke Buch ist die Neuauflage der ersten Teils des großen „Stalingrad-Epos“ von Wassili Grossmann (1905-1964), der selbst als Kriegsberichterstatter an den Schlachten um Stalingrad ...

Dieses 1.280 Seiten starke Buch ist die Neuauflage der ersten Teils des großen „Stalingrad-Epos“ von Wassili Grossmann (1905-1964), der selbst als Kriegsberichterstatter an den Schlachten um Stalingrad teilgenommen hat.

Das Epos ist erstmals noch zu Stalins Lebzeiten erschienen und mehrmals durch die Zensur verstümmelt worden. Man durfte absolut nichts Negatives über die UdSSR schreiben. Selbst das Ungeziefer, das die Bevölkerung und Soldaten heimgesucht hat, durfte nicht erwähnt werden.

Das vorliegende Buch ist nun redigiert und enthält nun auch wieder die vielen Zwischentöne Grossmanns.

Das Epos erinnert sehr stark an Leo Tolstois „Krieg und Frieden“. Ein Krieg als Hintergrund, statt des Feldzugs Napoleons eben der Hitlers, mit einem ähnlichen Fiasko, das aber erst im zweiten Teil „Leben und Schicksal“ behandelt wird. Ähnlich die Seitenanzahl, ähnlich das schier unerschöpfliche Reservoir an „Personal“und ähnlich die Verflechtung eben jenes Personals in die Geschichte.

Es dauert einige Hundert Seiten, bevor man sich der Kriegshandlungen zuwenden kann. Zuvor werden noch die interfamiliären Beziehungen dargestellt. Das kann die Geduld der Leser strapazieren. Auf den bildgewaltigen Schreibstil muss man sich einlassen.

Der erste Teil endet vor der sowjetischen Großoffensive im Spätherbst von 1942. Darüber lesen wir dann in "Leben und Schicksal".


Fazit:

Wer sich ein wenig an "Krieg und Frieden", das ja auch kein Leichtgewicht ist und einen Krieg in Russland zum Thema hat, erinnert fühlt, hat nicht ganz unrecht. Gerne gebe ich dieser Chronik 4 Sterne.

Veröffentlicht am 31.12.2021

Was wäre die Welt ohne Karten

Mad Maps
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Landkarten über eine seltsame Faszination auf viele Menschen aus. Ob Anfänger oder hauptberuflicher Kartograf - man kann Landkarten stundenlang betrachten und sich nicht daran sattsehen. Karten begegnen ...

Landkarten über eine seltsame Faszination auf viele Menschen aus. Ob Anfänger oder hauptberuflicher Kartograf - man kann Landkarten stundenlang betrachten und sich nicht daran sattsehen. Karten begegnen uns im Alltag überall, sei es als Papierkopie oder als Grafik im Navigationssystem im Auto. Doch sie können noch viel mehr als nur die Topografie von Orten darstellen.

Geograf Simon Küstenmacher hat in diesem Buch einige sehr spezielle Karten gesammelt. Manches ist nützlich, manches doch etwas skurril.
Wie viel Trinkgeld in den verschiedenen Ländern der Erde erwartet wird, mag ja noch einen gewissen Mehrwert haben. Aber, wie die Welt aus der Sicht der Delfine aussieht - schwer zu überprüfen bzw. nachzuvollziehen.

Das stellt unsere Welt auf ungewöhnliche Weise dar. Es regt an, die Welt aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Zahlen, Daten und Fakten lassen sich in Zusammenhang mit der Erdoberfläche anschaulich darstellen.

Ein Mangel ist das Buchformat, das einige Kartenteile im Falz verschwinden lässt.

Fazit:

Was wäre die Welt ohne Karten? Diesem originellen Buch, das vermutlich eher Anfänger in Sachen Karten anspricht, gebe ich gerne 4 Sterne.

Veröffentlicht am 20.12.2021

Eine gelungene Fortsetzung

Der Tote im Bach
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Chefinspektor Wendelin Kerschbaumer weilt wieder in Kärnten, genauer in Bad Kleinkirchheim (BKK), auf Urlaub und ist fest entschlossen, etwas für seine Fitness zu tun und sich in keinerlei Ermittlungen ...


Chefinspektor Wendelin Kerschbaumer weilt wieder in Kärnten, genauer in Bad Kleinkirchheim (BKK), auf Urlaub und ist fest entschlossen, etwas für seine Fitness zu tun und sich in keinerlei Ermittlungen verstricken zu lassen.

Doch leider erliegt er den kulinarischen Verlockungen und als dann noch eine Leiche im Bach gefunden wird, ist es mit den guten Vorsätzen vorbei, denn der Tote ist ein alter Bekannter aus Wien, Bernhard Bruchbichler, genannt Falko. Der Tod des Ganoven, der auch als Informant der Wiener Polizei tätig war, erhält auch deswegen eine größere Bedeutung, weil erstens seine Ex-Verlobte und zweitens ein bosnisches Brüderpaar, das wegen Falko ins Gefängnis musste, in BKK auftauchen. Haben die mit dem Mord an Falko zu tun? Oder ist alles ganz anders?

Meine Meinung:

Stefan Maiwald hat wieder mit diesem zweite Fall für den Wiener Chefinspektor Wendelin Kerschbaumer einen österreichischen Krimi geschaffen, der sich leicht und flüssig lesen lässt. Hier kommt das Sprichwort „Einmal Bulle, immer Bulle“ ganz gehörig zum Tragen. Selbst im wohlverdienten Urlaub kann es Kerschbaumer nicht lassen, seine Nase in Ermittlungen zu stecken. Natürlich eckt er dabei bei seinem Kärntner Pendant Chefinspektor Trevisol gehörig an. Der ist ja von der Schuld der Bosnier überzeugt und reist sogar nach Wien, um Kerschbaumer bei den Vorgesetzten anzuschwärzen.

Geschickt sind auch die alltäglichen Reibereien in der vom Tourismus abhägigen Gemeinde BKK eingeflochten. Ein Spielcasino soll zu mehr Touristen verhelfen und ein weiters Hotel soll für Zuwachsraten garantieren. Da gibt es natürlich auch Menschen, die solche Bauvorhaben verhindern wollen.
Die Story beginnt mit Kerschbaumers ersten Urlaubstag und endet am fünfzehnten. Jeder Tag beginnt mit einem Wetterbericht und einer Schlagzeile der örtlichen Presse „Besondere Vorkommnisse“. Das ist ein witziger Einfall, der mir schon im Vorgänger („Die Tote im Stadl“) sehr gut gefallen hat.

Für jene Leser, die gerne auf den Spuren des Wendelin Kerschbaumer wandeln wollen (ohne Leiche natürlich), sind im Nachwort einige kulinarische Spuren gelegt.

Fazit:

Ein Kärnten-Krimi, der mich gut unterhalten hat und 4 Sterne verdient.

Veröffentlicht am 20.12.2021

als das Alpenvorland noch ein Meer war ...

Haie im Alpenvorland
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Haie sind für viele Menschen faszinierend und furchterregend gleichzeitig. Man höre/lese und staune, denn Haie gibt es seit rund 33 Millionen Jahre. Sie haben die Welt im Oligozän und Miozän bevölkert ...

Haie sind für viele Menschen faszinierend und furchterregend gleichzeitig. Man höre/lese und staune, denn Haie gibt es seit rund 33 Millionen Jahre. Sie haben die Welt im Oligozän und Miozän bevölkert als das Urmeer Parathetys den größten Teil der Erde bedeckt hat. Daher kann man auch im Alpenvorland auf Überreste der Haie treffen. Allerdings beschränken sich die Funde vor allem auf deren Zähne, denn Haie verfügen über ein „nur“ Knorpelskelett.

Das Buch bietet auf den ersten rund 50 Seiten einen historischen Überblick und beschäftigt sich im zweiten Teil mit Haien und Rochen.

Wer sich allerdings eine Liste von (möglichen) Fundorten für Fossilien erwartet, wird enttäuscht werden. Es gibt lediglich den Hinweis auf geologische Karten und dort nach „Molasseböden“ zu suchen. Aber, aus Sicht der Wissenschaft ist das vermutlich richtig, um einen Ansturm von Sammlern hintanzuhalten, die im Überschwang zahlreiche geologisch und/oder paläontologisch wertvolle Überreste zerstören könnten.

Ihr Ziel, einen allgemein verständlichen Überblick für naturwissenschaftliche Laien zu erstellen, ist meiner Ansicht nach nicht ganz gelungen. Natürlich ist es notwendig, zahlreiche Fachbegriffe zu verwenden. Doch mit dem „Ausflug in die zoologische Nomenklatur (S. 46-53) sind vor allen Einsteiger in dieses Thema überfordert. Zu wissen, von welchem Hai der selbst gefundene Zahn ist, ist für den Anfänger erst in einem zweiten oder dritten Schritt relevant. Da ist es ohnehin nötig mit einem Spezialisten Kontakt aufzunehmen. Hier könnte eine Liste von Vereinen oder Museen hilfreich sein, die Anfänger in Sachen „Hai“ unterstützen.

Im zweiten Teil widmen sich die Autoren der ausführlichen Beschreibung jener Hai- und Rochenarten, die ehemals im Alpenvorland beheimatet waren. Zahlreiche exzellente Fotos, Zeichnung und präzise Dokumentation des Vorkommens bzw. des Lebensraumes zeichnen eine sehr detaillierte Dokumentation. Hier werden Fortgeschrittene in Sachen „Haizahn“ begeistert sein.

Fazit:

Ein großartiges Buch für Sammler von Haizähnen, die ihre Sammlung gerne richtig klassifiziert haben wollen. Da es für blutige Anfänger nicht unbedingt empfehlenswert ist, ziehe ich einen Stern ab und vergebe 4 Sterne.