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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2022

humorvoll und sehr unterhaltsam

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
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Man soll so was ja nicht machen, aber das wundervolle Cover hat mich magisch angezogen. Und der Klappentext klang nach einem Buch, dass mit leichter Hand daherkommt und gute Laune macht. Ich wurde auch ...

Man soll so was ja nicht machen, aber das wundervolle Cover hat mich magisch angezogen. Und der Klappentext klang nach einem Buch, dass mit leichter Hand daherkommt und gute Laune macht. Ich wurde auch nicht enttäuscht.

Michael Hartung ist ein moderner Felix Krull. Mit einer gehörigen Portion Gelassenheit und Respektlosigkeit. Einer, der eine Gelegenheit zu ergreifen weiß, wenn sie sich ihm bietet. Auch wenn er sicherlich nicht einkalkuliert hat, wie Groß die Kreise sind, die diese Geschichte ziehen wird. Auch wenn er damit hätte rechnen müssen, denn heutzutage sind die Medien eine Macht, die man nicht unterschätzen sollte.

Der Plot ist erfrischend und überraschend; der Erzählstil humorvoll und mit einem dicken Augenzwinkern. Eine Geschichte nach der Wende, über die Wende aber eigentlich ein Possenstück über den Wunsch der Menschen nach Helden des Alltags, nach einem, der über sich hinauswächst und mutiger ist, als man es vielleicht selber gewesen wäre. Und Michael könnte so einer sein. Oder doch nicht?

Veröffentlicht am 26.03.2022

unterhaltsam

Ein Präsident verschwindet
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Da ich schon die Akte Adenauer gelesen hatte und ich Gerber einen interessanten Charakter finde, habe ich jetzt den zweiten Band der Reihe gelesen. Diesmal geht es scheinbar um eine Entführung und niemand ...

Da ich schon die Akte Adenauer gelesen hatte und ich Gerber einen interessanten Charakter finde, habe ich jetzt den zweiten Band der Reihe gelesen. Diesmal geht es scheinbar um eine Entführung und niemand geringerer als Otto John, der Verfassungsschutzpräsident der BRD, ist das Opfer.

Kriminalhauptkommissar Philipp Gerber wird persönlich vom Bundeskanzleramt dafür eingesetzt den Fall schnell und mit möglichst wenig Aufsehen zu klären.
Wie schon beim ersten Mal fand ich das Buch eher wie einen Spionagethriller. Sämtliche Geheimdienste geben sich in der Geschichte ein Stelldichein. Mittendrin Gerber und seine Geliebte Eva, die erneut auf eine sehr undurchsichtige Art und Weise agiert und der man eine Beteiligung an der Entführung unterstellen könnte.

Der Roman liest sich schnell und hat durch die kurzen Abschnitte ein sehr hohes Tempo. Manchmal hätte ich mir etwas mehr Ruhe und Tiefe gewünscht. Die Charaktere agieren etwas vorhersehbar und bedienen das ein oder andere Klischee. Unterhaltsam.

Veröffentlicht am 01.03.2022

düster und eisig

Eisflut 1784
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Wie man am Titel erkennen kann, spielt der Kriminalroman im Jahr 1784. Es war eine düstere Zeit, denn es gab viel Armut. Dazu kam in diesem Winter auch noch eine unglaubliche Kälte, die sogar Kutscher ...

Wie man am Titel erkennen kann, spielt der Kriminalroman im Jahr 1784. Es war eine düstere Zeit, denn es gab viel Armut. Dazu kam in diesem Winter auch noch eine unglaubliche Kälte, die sogar Kutscher während ihrer Arbeit auf dem Kutschbock töten konnte. Aber eigentlich ist es ein anderer Fall, der den Amtmann Henrik Venray beschäftigt. Es scheint, als treibe ein Serienmörder sein Unwesen und die Menschen müssten mehr fürchten als Eis und Schnee.

Mir hat diese leicht depressive Grundstimmung ganz gut gefallen. Und dank der passenden Jahreszeit konnte ich die Kälte fast selber spüren. Der Autor hat einen anspruchsvollen Erzählstil, der ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit verlangt dafür aber mit viel geschichtlichen Feinheiten belohnt. Dem Amtmann zur Seite steht eine kluge Apothekerin, die mit ihrem Fachwissen ein bisschen wie eine altertümliche Forensikerin wirkt.

Man sollte wissen, dass es einige Leichen in diesem Buch gibt und durchaus auch einige actionlastige Szenen. Die Zeit war damals einfach eine andere. Es starb sich schneller und blutiger. Also kein gemütlicher Krimi. Mir hat es gut gefallen.

Veröffentlicht am 06.02.2022

intensiv

Dschinns
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Dschinns, das sind die Geister, die es in jeder Familie irgendwo gibt. Bei der türkischen Familie Yilmaz sind es düstere und dunkle Geister, die alle belasten und an denen alle schwer tragen. Die Dschninns ...

Dschinns, das sind die Geister, die es in jeder Familie irgendwo gibt. Bei der türkischen Familie Yilmaz sind es düstere und dunkle Geister, die alle belasten und an denen alle schwer tragen. Die Dschninns stehen seit Jahren zwischen ihnen. Sprachlosigkeit, Zorn und Wut sind tief in die Herzen eingegraben. Als das Familienoberhaupt Hüseyin überraschend stirbt, trifft sich die ganze Familie und die alten Kämpfe brechen auf.

Aus den verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder erzählt die Autorin messerscharf und sehr nah an den Personen dran. Das ist oft schmerzhaft zu lesen und unglaublich glaubhaft. Nach und nach erkennt man die Spirale, die all das in Gang gesetzt hat. Die aufbrechenden Wunden, der Eiter, der herausströmt, hat aber bald das Potential zu einer Heilung, die man der Familie wünscht. Aber die Autorin hat noch einen Trumpf in der Hand.

Anspruchsvoll und intensiv.
Eine tolle Coveraufmachung.

Veröffentlicht am 02.01.2022

solide

Der Traumpalast
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Kurz nach dem ersten Weltkrieg beginnt die Geschichte des Traumpalastes in dessen Mittelpunkt die UFA und ihre Gründung stehen. Wurde vorher der Film vor allem zum Transportieren politischer Botschaften ...

Kurz nach dem ersten Weltkrieg beginnt die Geschichte des Traumpalastes in dessen Mittelpunkt die UFA und ihre Gründung stehen. Wurde vorher der Film vor allem zum Transportieren politischer Botschaften und Weltgeschehnisse benutzt, so steht jetzt immer mehr die Kunst und die Unterhaltung der Massen im Vordergrund.

Der Bankierssohn Tino bringt geschickt die nötigen Finanziers zusammen, interessiert sich für das Filmgeschäft an sich aber auch für die jungen Damen, die es hier leicht und schnell zum Kennenlernen gibt. Als er sich allerdings in die Krankenschwester Rahel verliebt, hat er nur noch Augen für sie. Rahel ist jung und freiheitsliebend und weiß noch nicht, was das Leben alles für sie bereithält. Sie hat eigene Vorstellungen von ihrer Freundschaft mit Tino und es fällt ihr schwer, Kompromisse einzugehen.

Peter Prange erzählt mit hohem Tempo und großer Sachkenntnis. Man darf sich als Leser zwischen Stars und großen Kinoereignissen tummeln aber lernt auch das ganze zeitgenössische Umfeld und die politische Lage kennen.

Auf Rahel und ihre störrische sprunghafte Art muss man sich einlassen. Dagegen ist Tino ein sympathischer Charakter, der eine positive Entwicklung in dieser Geschichte durchmacht. Die Handlung ist ausgewogen - die Liebesgeschichte ist wichtig steht aber nicht alleine im Mittelpunkt.

Ein solider Histo-Schmöker, der mit einem zweiten Band fortgesetzt werden soll den ich sicher auch lesen werde.