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Veröffentlicht am 03.02.2022

Die findige Sekretärin

Die stumme Tänzerin
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Einmal im Leben will Paula Haydorn, Tochter aus gutem Haus, erleben, wie es auf dem Hamburger Kiez zugeht. Dummerweise gerät sie mitten in eine Razzia und landet auf dem Polizeirevier. Dort schafft sie ...

Einmal im Leben will Paula Haydorn, Tochter aus gutem Haus, erleben, wie es auf dem Hamburger Kiez zugeht. Dummerweise gerät sie mitten in eine Razzia und landet auf dem Polizeirevier. Dort schafft sie es, sich davonzumachen und landet in den Räumlichkeiten der weiblichen Kriminalpolizei. Die Geschichte spielt im Jahr 1928 und weibliche Kriminalbeamtinnen sind eine absolute Novität, kritisch beäugt von den männlichen Kollegen.
Paula, die als Sekretärin bei einer Hamburger Werft arbeitet, beschließt kurzerhand, sich bei der KriPo als Sekretärin zu bewerben, doch in Nullkommanichts landet sie stattdessen als Ermittlerin im Team um Josefine Erkens. Sie wird zu einem Tatort mitgenommen, es handelt sich um eine schrecklich zugerichtete Leiche in einer Kirche. Es stellt sich heraus, dass das Opfer eine Prostituierte war. Schnell gerät der Besitzer des Etablissements, in dem die junge Frau arbeitete, ins Visier der Kommissare. Der Tatort wird abgesucht, doch es ist Paula, die ein wichtiges Beweisstück findet.
Paulas Familie ist ganz und gar nicht begeistert davon, dass ihre Tochter ihren alten Job gekündigt hat und nun bei der Polizei arbeitet. Sie wollen mit allen Mitteln erreichen, dass sie den neuen Job verliert. Als ihr Vater in ihrem Namen kündigt, schaltet sich sogar der Polizeipräsident ein und sorgt dafür, dass Paula Teil des Ermittlerteams bleibt. Spätestens an dieser Stelle habe ich zum ersten Mal mit den Augen gerollt. Wie lange ist Paula zu diesem Zeitpunkt schon bei der Kriminalpolizei? Eine Woche? Und doch setzt sich der Polizeipräsident persönlilch für die junge Frau mit keinerlei Berufserfahrung ein, wirklich sehr realistisch!
Bald wird eine zweite Leiche gefunden, wieder eine Prostituierte. Paula ermittelt auf eigene Faust und löst die Fälle quasi allein. Was das Private anbelangt, so scheint Paula der Leiter der Ermittlungsgruppe, Martin Broder, gut zu gefallen und umgekehrt, doch sie geraten immer wieder aneinander. Dem Leser/Hörer ist jedoch klar, dass sich zwischen den beiden irgendwann etwas entwickeln wird. Ich gehe jedenfalls stark davon aus, dass dies nur der erste Band um „die findige Sekretärin“ (wie sie einmal genannt wird) ist.
Ich fand die Geschichte ziemlich an den Haaren herbeigezogen und die akribischen Beschreibungen der verstümmelten Leichen hätte ich nicht gebraucht. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und ich hatte auch Probleme mit der Art und Weise, wie die Sprecherin manche Personen darstellte. Das Ganze kam mir ein bisschen wie ein historischer Groschenroman vor. Ich werde jedenfalls Paulas Werdegang nicht weiter verfolgen.

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Veröffentlicht am 06.01.2022

Düster und bedrückend

Die Nacht des Feuers
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In dem kleinen Dorf Tilltorp in Schweden wird in der Silvesternacht ein Brandanschlag auf eine alte Schule verübt, bei der mehrere Flüchtlinge ums Leben kommen. Bald zeichnet sich ab, dass es sich um eine ...

In dem kleinen Dorf Tilltorp in Schweden wird in der Silvesternacht ein Brandanschlag auf eine alte Schule verübt, bei der mehrere Flüchtlinge ums Leben kommen. Bald zeichnet sich ab, dass es sich um eine rassistisch motivierte Tat handelt. Mehrere Nachbarn scheinen etwas beobachtet zu haben, behalten ihr Wissen aber für sich.
Ann Lindell, frühere Ermittlerin und jetzt Käsereiangestellte, die ihren Job an den Nagel gehängt hat, um in der dörflichen Umgebung von ihrer Alkoholsucht wegzukommen, beginnt sich umzuhören und ihren früheren Kollegen Sammy, der mit den Ermittlungen betraut ist, mit Informationen zu versorgen. Die Dorfgemeinschaft ist alles andere als begeistert von ihrer Neugier und versucht sie durch allerlei ekelhafte Aktionen davon abzubringen, weiterhin ihre Nase in Dinge zu stecken, die sie nichts angehen.
Bei einem weiteren Brand kommt eine junge Schwedin ums Leben, wie sich herausstellt, eine überzeugte Nationalsozialistin. Dann geschieht ein Attentat, bei dem ebenfalls etliche Menschen, darunter ein Kind, ums Leben kommen. Zeugen wollen gesehen haben, wie sich Araber vom Anschlagsort entfernt haben. Doch der verwendete Sprengstoff wurde möglicherweise in der Nähe von Tilltorp von einer Baustelle gestohlen.
Die Geschichte beginnt durchaus vielversprechend. Eine dörfliche Gemeinschaft, die keineswegs so idyllisch ist wie man anhand des beschaulichen (und ganz und gar unpassenden) Covers annehmen möchte, geprägt von Einwohnern, die lieber wegschauen als sich in irgendetwas einzumischen. Junge Leute, die es zu nichts gebracht haben und die Schuld an allem den Asylsuchenden geben, von denen Schweden ihrer Meinung nach überschwemmt wird. Rechtsextremismus, Gewalt, Hoffnungslosigkeit, alles in allem ein äußerst düsteres Bild, das vom heutigen Schweden gezeichnet wird. Leider wurde das Potenzial dieser Story ganz und gar nicht ausgeschöpft. Die Handlung plätschert so dahin und der Autor verliert sich in Nebensächlichkeiten und Rückblicken auf die Vorgängerbände aus dieser Reihe. Auch die persönlichen Probleme und Befindlichkeiten der Protagonisten werden über alle Maßen beleuchtet, wodurch keine Spannung aufkommt.
Der Schreibstil hat mich nicht angesprochen, viel zu zahlreich sind die Abschweifungen und Schachtelsätze. Manche Sätze waren für mich auch nach mehrmaligem Lesen ganz und gar unverständlich, ob dies im schwedischen Original genauso ist oder der Übersetzung geschuldet ist, kann ich nicht beurteilen.
Für mich eine schleppende und deprimierende Lektüre, für die ich keine Leseempfehlung aussprechen kann.

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Veröffentlicht am 19.09.2021

Seicht und vorhersehbar

Erben wollen sie alle
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Die Witwe Bianca, die auf Mallorca eine schöne Finca besitzt, wird 75. Vor kurzem hat sie den etwas jüngeren Wolfgang kennengelernt und spontan beschlossen, ihre Finca zu verkaufen und mit „Wolfi“ eine ...

Die Witwe Bianca, die auf Mallorca eine schöne Finca besitzt, wird 75. Vor kurzem hat sie den etwas jüngeren Wolfgang kennengelernt und spontan beschlossen, ihre Finca zu verkaufen und mit „Wolfi“ eine Weltreise zu unternehmen. Wozu alles den Kindern vererben, die sich sowieso nicht um sie kümmern?
Doch ebendiese werden von Biancas Putzfrau Teresa über das Vorhaben informiert und fliegen höchst alarmiert ein, schließlich sehen sie ihre Felle bzw. das Erbe davonschwimmen. Sie sind überzeugt, dass es sich bei Wolfi um einen Heiratsschwindler handelt.
Biancas Sohn und Tochter hatten sich von ihr entfremdet, nachdem sich Bianca von ihrem Mann getrennt hatte und dieser kurz darauf starb. Obwohl sie eigentlich nur des Geldes willen nach Mallorca kamen, entwickelt sich nun doch wieder eine Art von Familienverbundenheit und manches kommt zutage, von dem sie keine Ahnung hatten.
Den Beginn des Buchs fand ich noch ganz amüsant. Nach vielen Lektüren mit schwerer Kost wollte ich mal zwischendurch mal etwas Lustiges lesen. Allerdings war mir diese Geschichte dann doch zu seicht und klischeehaft. Bianca hat die nervige Angewohnheit, ihre Tage abends im Telegrammstil in Form von Tagebucheinträgen festzuhalten. Man liest unzusammenhängende Gedankenfetzen, z.B. „also weiterlügen, würde Steffen helfen, zurück nach Deutschland?“, das Ganze gespickt mit Emojis. Diese Art von Schreibstil mögen manche Leute lustig finden, ich empfand es als Zumutung. Überhaupt ist das Ganze äußerst leichte Kost, ich hatte mir mehr Humor und ein Minimum an Tiefgang versprochen. Wie das große Geheimnis um den verstorbenen Ehemann gelüftet wird, ist einfach lachhaft und an den Haaren herbeigezogen. Die vielen Missverständnisse und Probleme werden selbstverständlich nach entsprechendem Hin und Her aus der Welt geräumt und am Ende sind alle wie zu erwarten glücklich. Ich habe mich ziemlich durch das Buch gequält.

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Veröffentlicht am 21.05.2021

Dümpelt so vor sich hin

Venezianische Verwicklungen (Ein Luca-Brassoni-Krimi 1)
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Ein renommierter deutscher Kunstprofessor reist mit einer Doktorandin nach Venedig, um die Echtheit eines neu aufgetauchten Gemäldes von Picasso zu untersuchen. Kurz danach wird er ermordet, auf die Doktorandin ...

Ein renommierter deutscher Kunstprofessor reist mit einer Doktorandin nach Venedig, um die Echtheit eines neu aufgetauchten Gemäldes von Picasso zu untersuchen. Kurz danach wird er ermordet, auf die Doktorandin wird ebenfalls ein Anschlag verübt. Commissario Luca Brassoni , der den Fall untersucht, hat alsbald Zweifel an der Integrität sowohl des Professors als auch des Leiters des Museums, dem der Picasso zum Kauf angeboten wurde.
„Venezianische Verwicklungen“ lebt hauptsächlich von den Beschreibungen des Schauplatzes Venedig und den vielen eingestreuten italienischen Sätzen, der eigentliche Kriminalfall dümpelt so vor sich hin. Erst ganz am Schluss nimmt die Geschichte Fahrt auf und es entsteht Spannung. Was für meine Begriffe vollkommen unnötig ist und mich entsprechend gelangweilt hat, waren die Exkursionen in Brassonis Liebesleben, das teilweise äußerst schwülstig beschrieben wird.
Brassoni, der bereits eine gescheiterte Ehe hinter sich hat, benimmt sich wie ein pubertierender Teenager, wird in Gegenwart seiner Angebeteten rot und fängt an zu stammeln, und obwohl er die Affäre mit einer verheirateten Sekretärin am liebsten beenden möchte, ist er nicht dazu in der Lage, sondern ist angesichts ihrer körperlichen Reize (tolle Figur, meerblaue Augen, perlweiße Zähne) völlig hilf- und willenlos. Anscheinend entwickelt sich der Commissario im Lauf der nächsten Bände der Reihe und benimmt sich wie man es von einem Mann seines Alters eher erwarten würde, doch mir hat diese kurze Begegnung mit Brassoni gereicht, ich werde sie nicht weiter vertiefen.
Am meisten gestört hat mich an diesem Hörbuch, dass mir einiges ganz und gar unlogisch erschien und so mancher Verdacht ohne irgendwelche Beweise plötzlich zur Tatsache mutiert.
Was ich mir allerdings gut vorstellen könnte, ist eine Verfilmung der Geschichte. Es wäre sicher viel interessanter, den morbiden Charme Venedigs zu sehen, anstatt ihn nur beschrieben zu bekommen.

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Veröffentlicht am 03.05.2021

Im Osten nichts Neues

Kim Jiyoung, geboren 1982
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Die 33jährige Kim Jiyoung leidet unter einer Persönlichkeitsstörung. Sie spricht und verhält sich wie ihre Mutter, dann wieder wie eine verstorbene Freundin, wobei sie von Ereignissen erzählt, die sie ...

Die 33jährige Kim Jiyoung leidet unter einer Persönlichkeitsstörung. Sie spricht und verhält sich wie ihre Mutter, dann wieder wie eine verstorbene Freundin, wobei sie von Ereignissen erzählt, die sie gar nicht miterlebt hat, ein Umstand, der nicht weiter erklärt wird.
Kim Jiyoung sucht daraufhin einen Psychiater auf, der Kims Werdegang in knappen und emotionslosen Worten schildert. Als mittlere von drei Geschwistern wächst sie in einer Familie auf, in der die Mutter die Fäden in der Hand hält und dafür sorgt, dass die Kinder ein gutes Leben führen können. Trotzdem ist es der wenig erfolgreiche Vater, der sich damit brüstet, wie weit sie es gebracht haben. Die Mutter, eine starke Frau, lässt dies jedoch so nicht stehen und bietet ihm Paroli.
Mit einer starken Mutterfigur vor Augen wundert es mich sehr, dass Kim Jiyoung so unterwürfig und duckmäuserisch durchs Leben geht. Ja, das Leben in Südkorea scheint ausgesprochen sexistisch und frauenfeindlich zu sein. Aber wenn man sich wie Kim Tag für Tag diesem Sexismus unterordnet und nie traut, den Mund aufzumachen und sich zu wehren, wie soll sich dann jemals etwas an der Situation ändern? Als Kim hochschwanger in der U-Bahn beleidigt wird, rennt sie beispielsweise tränenüberströmt davon und geht den restlichen langen Weg zu Fuß nach Hause, anstatt wütend zu werden und sich zu verteidigen. Dieses Verhalten ging mir unheimlich gegen den Strich. Vieles, was in diesem Buch geschildert wird, ist wirklich übel, aber Kims Verhalten ist es auch. Mimimi auf über 200 Seiten!
Es ist kaum vorstellbar, dass die geschilderten Zustände sich auf die jüngste Vergangenheit beziehen sollen. Ist Südkorea in gesellschaftlicher Hinsicht wirklich so rückständig? Zu gern würde ich eine südkoreanische Doktorandin befragen, die ich vor 2 Jahren kennenlernte, zu der ich aber leider den Kontakt verloren habe. Ihre Meinung würde mich wirklich sehr interessieren. Ich erinnere mich, dass sie auf jeden Fall von Deutschland nach Seoul zurückkehren wollte, weil sie sich dort gute Zukunftschancen ausrechnete. Das passt überhaupt nicht zu der im vorliegenden Roman propagierten Darstellung.
Ich hatte die Leseprobe sowie begeisterte Rezensionen gelesen, erwartete also ein interessantes Buch. Leider bin ich sehr enttäuscht. Der Sprachstil ist simpel und erinnert mich an den Schulaufsatz eines Drittklässlers, und leider konnte ich keine Empathie mit der Protagonistin empfinden, da ich mich so über ihre passive Opferrolle geärgert habe. Mir ist es ein Rätsel, wie es dieses Buch geschafft hat, zum „Weltbestseller“ zu werden!

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