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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.01.2022

Abhandlung eines Gelehrten

Karma
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Sadhguru Jaggi Vaseduv vermittelt in diesem Sachbuch seine Weisheiten zum Thema "Karma". Er zeigt, dass Karma häufig falsch verstanden wird. Karma ist demnach ein umfassendes Konzept aller inneren und ...

Sadhguru Jaggi Vaseduv vermittelt in diesem Sachbuch seine Weisheiten zum Thema "Karma". Er zeigt, dass Karma häufig falsch verstanden wird. Karma ist demnach ein umfassendes Konzept aller inneren und äußeren Aktivitäten, auch der genetischen Anlagen, welche sich in den Menschen sammeln und diese unfrei machen. Er rahmt dieses Konzept in die yogische und buddhistische Praxis ein.

In einer sehr dichten und intellektuellen Abhandlung beschreibt Sadhguru in drei Teilen, wie sich Karma ansammelt, wie Karma abgebaut werden kann und bespricht im dritten Teil Fragen.

Sadhguruh ist ein glaubwürdiger Weiser, dem man seine Lehren abnimmt. Es ist zu spüren, besonders in den Gleichnissen und Übungen (Sadhana), dass er aus Erfahrungswissen schöpft.
Seine Ausführungen bewegen sich sprachlich und inhaltlich auf hohem Niveau und sind nicht immer verständlich. Vorallem nicht für Anfänger. Es ist die Sprache eines Gelehrten. Aber es liegt auch in der Komplexität des Themas, das nicht rein intellektuell verstanden, sondern selbst begriffen werden muss.
Viele Ausführungen sind sehr anregend und informativ. Sie lassen sich nach und nach gelesen, durch die Übungen vertieft verstehen und nachvollziehen. Es ist beeindruckend wie er sein umfassendes Wissen über gesellschaftliche und körperlich-geistige-energetische Zusammenhänge vermittelt. Ich nehme aus dem Buch besonders die Bedeutung des Wollens für die Entwicklung des eigenen Lebens und die eigene Verantwortung für die Entstehung von Leid mit.
Spannend sind auch seine Bezüge zur Yoga-Lehre, die seine Ausführungen für Yoga-Praktizierende greifbarer macht. Dem Buch würden Auflockerungen durch Bilder oder anschauliche Zusammenfassungen gut tun.

Keine leichte Kost, eher ein anspruchsvolles Werk über das umfassende Konzept "Karma". Anregend und informativ ist es trotzdem.

Veröffentlicht am 31.10.2021

Archivierte erste Liebe

Das Archiv der Gefühle
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Die erste Liebe vergisst man nicht? Das ist wohl das Thema des Buches. Der Protagonist dieses Romans hat für Franziska immer eine Leerstelle bewahrt. Doch beruht die Liebe auf Gegenseitigkeit? Sind es ...

Die erste Liebe vergisst man nicht? Das ist wohl das Thema des Buches. Der Protagonist dieses Romans hat für Franziska immer eine Leerstelle bewahrt. Doch beruht die Liebe auf Gegenseitigkeit? Sind es nicht eher seine Sehnsüchte, die er archiviert?

Die Erzählung beschreibt einen Mann, der sein Leben verpasst und sich verkriecht. Seine Weigerung sein Leben zu gestalten ist schwer zu verstehen. Die Frage ist ja, hat seine Sehnsucht nach Franziska Bestand, gibt es eine wirkliche Grundlage oder ist es mehr Wunsch als Wirklichkeit?
Die Erzählung lässt diese Grenze verschwimmen. Manche Situationen stellen sich im Nachhinein als nicht real heraus. Überraschend. Das kann es spannend machen, hat mich aber eher ermüdet. Der Protagonist bleibt seltsam fremd, namenlos und wenig greifbar. Auch konnte ich sein Verhalten oft schwer nachvollziehen und ertragen. Die Erzählung regt zwar zum Nachdenken an und hält nach, ist aber ansonsten eher langatmig.

Anregende aber langatmige Erzählung über mehr Wunsch als Wirklichkeit.

Veröffentlicht am 13.09.2021

Beklemmend

Raumfahrer
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Jan lebt mit seinem Vater in Kamenz, einer Stadt im ehemaligen Ostdeutschland. Von einem Fremden bekommt er eine Kiste mit Unterlagen, die die Geschichte seiner Familie aufdeckt, eng verwoben mit dem Künstler ...

Jan lebt mit seinem Vater in Kamenz, einer Stadt im ehemaligen Ostdeutschland. Von einem Fremden bekommt er eine Kiste mit Unterlagen, die die Geschichte seiner Familie aufdeckt, eng verwoben mit dem Künstler Baselitz. Die Zusammenhänge sind rein fiktiv, die Geschichte der Familie Baselitz scheint jedoch realistisch.

Jan weiß kaum was vom Leben seiner Eltern und deren Bezügen in der ehemaligen DDR. Alles ist uneindeutig. Wie Raumfahrer bewegen sich Jan und seine Eltern. Losgelöst, irgendwie distanziert, keinen festen Boden unter den Füßen. Dieses Sinnbild finde ich sehr stark. Es passt auch zu der kargen Landschaft und der ausgehöhlten Stadt, die der Autor beschreibt. Vergangenheit wird Zukunft, das zeigt sich in Jans Geschichte. Der Bogen wird in die heutige Zeit gespannt. Es ist spannend und zugleich bedrückend, wie die Nachkriegsgeschichte und die Trennung durch die Mauer dargestellt ist. Vorallem was es mit den Menschen macht und was die jeweiligen Menschen daraus machen. Die Aussage, dass es nicht nur Opfer und Täter gibt, sondern viel dazwischen liegt, finde ich stark. Menschen bespitzeln sich gegenseitig, werden vom Staat zum Spielball gemacht. Leider bleiben die individuellen Beweggründe unklar. Es ist sehr eindrücklich, wie diese Geschichte sich noch bis in Jans Gegenwart zieht. Diese Spannung ist auch der Grund dafür das Buch ganz gelesen zu haben. Und das trotz dem kargen Schreibstil, der fehlenden Emotionalität und die unvermittelten Sprünge zwischen den Zeitachsen, die das Lesen erschweren. Zwischendurch entgleitet mir die Geschichte. Die römischen Ziffern über den Kapiteln sind auch nicht gerade förderlich.

Eine sehr beeindruckende Erzählung über deutsche Nachkriegsgeschichte und deren Auswirkungen in der Gegenwart, aber schwer zu Lesen.

Veröffentlicht am 12.09.2021

Kompliziert geschrieben

Der Kolibri
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Dr. Marco Carrera ist Augenarzt in Rom. Dass ihn seine Frau Marina verlassen will, schwanger von einem anderen, erfährt er von unerwarteter Seite. Doch das ist nicht der erste Tiefpunkt seines Lebens.

Warum ...

Dr. Marco Carrera ist Augenarzt in Rom. Dass ihn seine Frau Marina verlassen will, schwanger von einem anderen, erfährt er von unerwarteter Seite. Doch das ist nicht der erste Tiefpunkt seines Lebens.

Warum das Buch "Der Kolibri" heißt, erklärt sich im Laufe der Geschichte. Ein sehr schönes Sinnbild! Es gibt viele Situationen, die durch dieses Sinnbild einen guten Rahmen bekommen und greifbar werden. Dies ist umso wichtiger, da die Erzählung sehr wechsel- und bruchstückenhaft ist.
Die Geschichte baut sich in vielen parallel verlaufenden Erzählsträngen auf, springt in die Vergangenheit und wieder zurück. Dann verlaufen die vielen Erzählstränge nicht einmal linear. Es geht zwar immer um Marco, aber es ist schwer die unterschiedlichen Perspektiven auf ihn mit seiner Person zu vereinbaren. Das wird mit der Zeit leichter, weil zwischen den Bruchstücken Bezüge sichtbar werden. Vieles bleibt im Unklaren und distanziert. Teilweise wirkt die Erzählung wie eine Story auf einer Theaterbühne, erzählt aus dem Hintergrund. In wenigen Situationen kam wirklich Stimmung auf, die mich berühren konnte. Die ewiglangen Schachtelsätze haben auch nicht gerade zum Lesefluss beigetragen, geschweige denn Emotionen transportiert. Vielleicht ist dies gut, da die Geschichte ein einziges Drama ist. Alles ist irgendwie kompliziert und anstrengend, das Lesen mühsam. Beinah hätte ich das Buch vorzeitig weggelegt. Die ungewöhnlichen Situationen, denen sich Marco stellen muss haben mich wohl davon abgehalten. Immer auf der Spur des Unglücks. Auch die Charaktere haben so ihren Reiz, haben was Schillerndes.

Lesen oder nicht? Schwer zu sagen. Komplizierte Erzählung über das Drama eines Lebens.

Veröffentlicht am 25.08.2021

Irritierend

Ich hatte nicht immer, was ich wollte, aber alles, was ich brauchte
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Björn Lindeblad gab sein erfolgreiches Berufsleben in Schweden auf, um buddhistischer Mönch in Thailand zu werden. Das Buch beschreibt seine Etappen in verschiedenen Klöstern und vermittelt buddhistische ...

Björn Lindeblad gab sein erfolgreiches Berufsleben in Schweden auf, um buddhistischer Mönch in Thailand zu werden. Das Buch beschreibt seine Etappen in verschiedenen Klöstern und vermittelt buddhistische Lehren. Ein bedeutender Teil des Buches umfasst den Weg aus dem Klosterleben und die Konfrontation mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung.

Das Buch liest sich zum größten Teil sehr zügig, ist an den richtigen Stellen spannend und trägt gleichzeitig nicht auf. Es gewährt realistische und verständliche Einsichten in die buddhistische Tradition, ist dabei aber unaufdringlich. Spannend und besonders lehrreich sind die Beschreibungen seiner Selbstzweifel und Schwierigkeiten mit den unterschiedlichen Herausforderungen des Lebens als Mönch. Da ist zum Beispiel seine Sehnsucht nach einer Partnerin. Die Kapitel sind recht kurzweilig, enthalten teils praktische Übungen und Lehren anderer Mönche.
In der Erzählung gibt es jedoch einen Bruch. Das Leben nach dem Mönchsdasein. Es geht vermehrt um seine Gegenwart, den Umgang mit seiner tödlichen Erkrankung. Dieser Teil wirkt auf mich stellenweise langatmig und etwas abgehoben. Es geht weniger um die buddhistischen Anteile, als um seine Auffassung vom Leben. Irritierend finde ich vorallem den Hinweis, fast schon ein Bekenntnis seinerseits, zur Autorenschaft am Ende. Ich kann wenig damit anfangen, dass diese tiefen Einsichten, die er gewonnen hat, ausschließlich von seinen Mitautoren beschrieben wurden. Das Buch suggeriert den größten Teil über etwas anderes. Das ist besonders enttäuschend vor dem Hintergrund der moralischen Inhalte.

Am Ende bin ich irritiert über den Ich-Erzähler, der keiner ist. Der spannende erste Teil über das Leben als Mönch wird davon überschattet.