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Veröffentlicht am 12.01.2022

Ganz große Klasse

Das Haus am Deich – Unruhige Wasser
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Die 50er Jahre bringen Frida fast alles, was sie sich erträumt hat: Wohlstand, eine kleine Familie und endlich kann sie wieder Klavier spielen. Nur glücklich ist sie dabei nicht. Ihre Ehe mit Horst steht ...

Die 50er Jahre bringen Frida fast alles, was sie sich erträumt hat: Wohlstand, eine kleine Familie und endlich kann sie wieder Klavier spielen. Nur glücklich ist sie dabei nicht. Ihre Ehe mit Horst steht unter keinem guten Stern, denn er ist ihr immer wieder untreu und hält ihr jedesmal vor Augen, wie sehr sie von ihm abhängig ist. Dabei sehnt Frida sich nach Selbständigkeit in ihrem Leben. Und dann ist da noch Focko! Frida kann ihn einfach nicht vergessen und muß sich eingestehen, daß sie ihn liebt. Für Fridas Freundin Erna sieht es auch nicht rosig aus. Sie darf ihre Tochter Sanne immer noch nicht zu sich nehmen, muß sogar erleben, daß Sanne in ein Kinderheim kommt. Als alleinstehende Frau hat sie kein Recht, ihr Kind aufzuziehen. Erst als ihr Bruder und ihre Mutter sich vom despotischen Vater lossagen, bekommt Erna etwas Beistand. Für beide Freundinnen ist das Haus am Deich eine Zufluchtsstätte. Nur hier finden Sie Trost und Ruhe.

Im zweiten Teil der Trilogie "Das Haus am Deich", "Unruhige Wasser", wird die altertümliche Moralvorstellung dieser Zeit ganz deutlich hervorgehoben. Regine Kölpin erzählt sehr ehrlich von dem Stellenwert einer alleinstehenden Frau. In der heutigen Zeit kann man darüber nur den Kopf schütteln. Auch das damalige Scheidungsrecht und die haarsträubenden Zustände in den Kinderheimen werden schonungslos beschrieben. Diese Geschichte wirft ein ganz anderes Licht auf die hochgelobte Zeit des Wirtschaftswunders. Die heile Welt ist das jedenfalls nicht. Wie immer gibt Regine Kölpin den Personen in ihren Büchern eine Seele. Durch ihre liebevollen Beschreibungen werden die Charaktere erst zu Menschen mit ihren Träumen und Selbstzweifeln, aber auch mit Fehlern und Eigenarten. Dadurch paßt wohl jeder Leser ein klein wenig mit in die Geschichte hinein. Bei manchen Passagen des Buches hört man irgendwie das Rauschen der Wellen und spürt die steife Brise der Nordsee. In der Vorstellung steht man dann am Deich und wartet auf Frida und Erna.
Das Buch ist ganz große Klasse. Ich bin schon sehr gespannt, wie diese wundervolle Geschichte weitergeht!

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Veröffentlicht am 09.01.2022

Gelungener Auftakt

Töchter der Hoffnung
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Helena und ihre Schwestern wachsen auf dem Lindenhof in Meersburg auf. Als im Jahr 1917 die Mutter mit strenger Hand regiert, die Gästezimmer leer bleiben und Vater Gustav an der Front ist, nimmt Helena ...

Helena und ihre Schwestern wachsen auf dem Lindenhof in Meersburg auf. Als im Jahr 1917 die Mutter mit strenger Hand regiert, die Gästezimmer leer bleiben und Vater Gustav an der Front ist, nimmt Helena sich vor, den Gasthof in ein Grandhotel zu verwandeln. Als sich ein adliger Fremder im Gasthof einmietet und Helena und er sich näher kommen, entdecken sie Gemeinsamkeiten.

"Töchter der Hoffnung" ist der erste Teil der "Bodensee-Saga" aus der Feder von Maria Nikolai. Geschickt bringt sie dem Leser hier die drei Schwestern Helena, Lilly und Katharina näher. Alle drei haben ihre Träume und Eigenheiten, durch die jede von ihnen einen unverwechselbaren Charakter erhält. Durch ihre gemeinsamen Erlebnisse sind sie ein Team, welches sich fest im Leserherz verankert. Maria Nikolai versetzt den Leser an den Bodensee des Jahres 1917. Sie vermittelt hierbei historische Details, man erfährt z. B. einiges über die damalige Lebensart und Geschehnisse sowie die Region. Maria Nikolai bindet den Leser durch einen hohen Spannungsbogen an die Geschichte. Diesen hält sie u. a. durch geschickte Wechsel der Handlungsorte und einem Geheimnis stets aufrecht. Wie von der Autorin gewohnt, besticht der Roman durch einen einfühlsamen und leichten Schreibstil, der Spaß macht! Im Anhang des Buches findet man ein Personenregister, welches nach fiktiven und realen Personen unterteilt ist, Informationen zu historischen Hintergründen sowie leckere Rezepte!

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Veröffentlicht am 09.01.2022

Lehrreich!

Folter, Pranger, Scheiterhaufen. Rechtsprechung im Mittelalter
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"Folter, Pranger, Scheiterhaufen" von Wolfgang Schild ist ein absolut lehrreiches Buch für alle, die sich für das Mittelalter interessieren. Wie der Titel schon sagt, behandelt es die Rechtsprechung im ...

"Folter, Pranger, Scheiterhaufen" von Wolfgang Schild ist ein absolut lehrreiches Buch für alle, die sich für das Mittelalter interessieren. Wie der Titel schon sagt, behandelt es die Rechtsprechung im Mittelalter. In den einzelnen Kapiteln geht es um Gott, das lebenspraktische Recht, rechtliche Verfahren und letztlich werden die verschiedenen Missetäter und Strafarten erläutert. All dies wird auf sachliche, nicht unterhaltende Art erläutert, so daß man sich während des Lesens schon etwas konzentrieren muß. Doch es lohnt! Man lernt hier unendlich viel. Gerade die Rechtsprechung wird hier sehr genau beschrieben. Es muß sich aber niemand vor allzu viel Brutalität fürchten - diese Szenen werden nicht näher behandelt. Hier merkt man deutlich, wie intensiv sich Wolfgang Schild mit dem Thema beschäftigt hat. Seine Ausführungen sind glaubhaft, gut nachvollziehbar und schlüssig dargelegt. Aufgewertet wird das Buch durch wunderbare alte Zeichnungen, die wahre Schmuckstücke sind und das Buch genau dazu machen!

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Veröffentlicht am 08.01.2022

80 Tage auf See

Allein zwischen Himmel und Meer
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Boris Herrmann ist momentan der bekannteste deutsche Segelsportler. Er nahm an der Vendée Globe 2020/2021 teil und hatte als erster Nicht-Franzose sogar die Chance zu gewinnen. Seine Erlebnisse übermittelte ...

Boris Herrmann ist momentan der bekannteste deutsche Segelsportler. Er nahm an der Vendée Globe 2020/2021 teil und hatte als erster Nicht-Franzose sogar die Chance zu gewinnen. Seine Erlebnisse übermittelte er tägliche per Sprachnachricht an Andreas Wolfers. Daraus entstand das Buch "Allein zwischen Himmel und Meer". Mit diesem Buch nimmt Boris Herrmann den Leser mit bei der Verwirklichung seines Lebenstraumes - einmal am härtesten Segelrennen der Welt teilzunehmen. Und er hat mich wirklich mitgenommen. Ich fühlte mich mit an Bord, erlebte den Start, die Fahrt durch das Südpolarmeer, Kap Hoorn und nicht zuletzt die verzweifelte Suche nach Kevin Escoffier, dessen Schiff auseinanderbrach und auf einer Rettungsinsel im Südpolarmeer trieb. Diese Passage war wirklich spannend und beeindruckend. In zeitlicher Reihenfolge erlebt man die Rettungsaktion aus verschiedenen Blickwinkeln. Mal ist man bei Boris auf der "Seaexplorer", mal an Land, dann wieder mit den anderen an der Suche beteiligten Seglern an Bord. Beeindruckend hier der Zusammenhalt, der erkennen läßt, daß sich jeder der Teilnehmer der Gefahren bewusst ist und die Segler eine eingeschworene Gemeinschaft bilden. Boris Herrmann schreibt hier nicht nur über sich selbst - er stellt auch seine "Konkurrenten" vor, schildert ihre Erlebnisse, Pannen und Schäden an ihren Yachten. Dies ganz ohne Häme, sondern voller Mitgefühl - denn auch nur dies ist angebracht. Automatisch bekommt man vor jedem von ihnen noch mehr Hochachtung, als man ohnehin schon hat. Er vermittelt die Härte dieses Rennens schonungslos, vergisst aber auch nicht die schönen Seiten. Fast poetisch beschreibt er die Faszination, wenn die Yacht auf ihren Foils dahin gleitet, die Schönheit der See und die Begegnung mit einem Albatros. Fast nebenbei erfährt man über die Inseln, an denen er vorbeifährt, die Klimazonen und die Tücken des Windes. Aber Boris Herrmann hat auch eine Mission: Er setzt sich für den Schutz seines "Arbeitsplatzes" ein, setzt Bojen aus, die in der Strömung Daten sammeln und übermitteln. Dies alles und noch so viel mehr beschreibt Boris Herrmann auf leicht verständliche Sprache, so daß wirklich jeder an diesem Buch Freude haben wird. Highlights sind die Farbfotos, die er während des Rennens gemacht hat. Diese habe ich sehr bewundert, sind sie doch faszinierend und lassen gedanklich das Rennen noch intensiver zu Leben erwachen. Am Ende des Buches wird jeder der Teilnehmer mit einem offiziellen Starterfoto vorgestellt, was ich sehr sympathisch finde. Ebenso finden sich anschließend zwei Pläne der "Seaexplorer" mit technischen Daten und Lage der wichtigsten Bauteile sowie ein Glossar der Segelsprache.
"Allein zwischen Himmel und Meer" ist spannend und lohnend - auch wenn man wie bei "Titanic" weiß, wie es endet.

Übrigens pflanzen die Autoren für jedes verkaufte Buch im "Malizia Mangrove Park eine Mangrove!

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Veröffentlicht am 04.01.2022

Spannend

Raum der Angst
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Sieben Spieler nehmen an einem Escape-Room-Spiel teil, organisiert von Professor Andreas Zargert. Als Preis für ihre Teilnahme wurde jedem Teilnehmer eine schöne Summe Geld versprochen. Jedoch wird die ...

Sieben Spieler nehmen an einem Escape-Room-Spiel teil, organisiert von Professor Andreas Zargert. Als Preis für ihre Teilnahme wurde jedem Teilnehmer eine schöne Summe Geld versprochen. Jedoch wird die Vorfreude jäh gedämpft, die Gruppe wurde entführt - und nun geht es nicht mehr um Geld, sondern um das bloße Überleben....

"Raum der Angst" ist das Erstlingswerk von Marc Meller. Für mich ist es sehr gut gelungen. Für mich sowieso schon eine gruselige Vorstellung in einem Escape-Room gefangen zu sein - übertrifft das Buch die schlimmsten Vorstellungen. Der Autor spielt mit der Angst, eingesperrt zu sein, ausgeliefert einem Spiel, das nur einen Sieger hervorbringen darf. Ununterbrochen fragt man sich, wer dies sein wird, wer hinter diesem brutalen Spiel steckt und ob die Polizei vielleicht doch schneller ist. Der Spannungsbogen ist von Beginn an hoch angesetzt - und bleibt dies bis zum Schluß, so daß man fast atemlos immer weiter liest und das Buch, auch dank des sehr eingängigen Schreibstiles, nicht mehr aus der Hand legen mag. Marc Meller hat seine Charaktere sehr bedacht ausgesucht. Jeder einzelne Charakter ist ein Unikum, zusammen jedoch ergeben sie ein Ganzes, in dem jeder seine Aufgabe hat und seinen Zweck erfüllt. Man lernt jeden einzelnen in all seinen Facetten kennen und lernt, ihn zu verstehen. Hier zittert man tatsächlich um jeden - denn es ist klar, daß dieses Spiel Opfer fordert. Die spannende Frage ist aber: Wen trifft es wann? Aus dieser Frage gibt es für den Leser kein entrinnen. Deshalb bekommt das Buch von mir eine absolute Leseempfehlung!

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