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Veröffentlicht am 06.04.2022

Ein Buch, das sich anders entwickelt als erwartet

Der Mann aus dem Schatten
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David Lagercrantz ist den meisten Lesern bekannt als der Autor, der die berühmte Millenium-Trilogie von Stieg Larsson nach dessen Tod fortgeführt hat. Nun gibt es eine neue Reihe von ihm, die auf drei ...

David Lagercrantz ist den meisten Lesern bekannt als der Autor, der die berühmte Millenium-Trilogie von Stieg Larsson nach dessen Tod fortgeführt hat. Nun gibt es eine neue Reihe von ihm, die auf drei Bände angelegt ist. Den Mittelpunkt bildet dabei das Ermittlungs-Duo Hans Rekke und Micaela Vargas. Rekke ist ein egozentrischer Psychologe, der sich auf Verhörtechniken spezialisiert hat, Vargas eine ehrgeizige Polizistin mit Migrationshintergrund.
In ihrem ersten gemeinsamen Fall geht es um einen ermordeten Fußball-Schiedsrichter, der ursprünglich aus Afghanistan stammt. Der Fall beginnt recht unspektakulär, der Tote wurde bereits gefunden, ein Verdächtiger sogar schon verhaftet. Doch dieser wird wieder freigelassen, der Fall kommt zu den Akten. Rekke und Vargas kommen jedoch durch einen Zufall wieder zusammen und rollen den Fall erneut auf. Mit einer Entdeckung, die die beiden machen, entwickelt sich der Fall zu einer völlig neuen Dimension…
Die Geschichte spielt in Stockholm im Jahr 2003. Anfänglich dümpelt die Story vor sich hin. Erst mit der Wendung, die der Fall erfährt, wird es interessanter und auch politischer. Die beiden Protagonisten sind beide Außenseiter. Die ursprünglich aus Chile stammende Streifenpolizistin Micaela Vargas hat gegen jede Menge Vorurteile anzukämpfen. Aufgewachsen in einem Problemviertel von Stockholm hat sie zudem einen Bruder, der auf der anderen Seite des Gesetzes unterwegs ist. Dennoch konnte mich die junge Frau nicht so ganz überzeugen. Ganz anders hingegen ist Rekke, den man kaum nüchtern erwischt. Ständig steht er unter dem Einfluss von diversen Psychopharmaka, doch dann ist er wieder genial wie einst Sherlock Holmes, der aus winzigen Details seine Schlüsse ziehen konnte. Gerade dieses „like Sherlock Holmes“ konnte mich faszinieren und Rekke war mir wesentlich sympathischer als Micaela.
Vertrauend auf den Klappentext hatte ich eigentlich eine ganz andere Erwartung an das Buch. Dass es nach dem ersten Drittel so eine Wendung geben würde, hatte ich nicht erwartet und ich war positiv überrascht. Thematisiert werden Gefangenenlager und der Afghanistan-Krieg in den 80ern.
Insgesamt also nicht ganz das was ich von einem skandinavischen Thriller erwartet habe.
Auch die Sprache fand ich nicht ganz so flüssig, die Sätze oft verschachtelt und manche Ausdrücke irgendwie veraltet.
Insgesamt eher ein Buch für Fans von politischen Thrillern, als typischen skandinavischen Thriller kann man das Buch nicht bezeichnen. Die Figur Rekke fand ich faszinierend und ich bin gespannt auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 29.03.2022

Kein highlight, aber guter Durchschnitt

TEAM HELSINKI
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Mittsommer in Finnland. Einer der wichtigsten Feiertage Finnlands, überschattet von einem mysteriösen Mord. Vor der Landvilla einer bekannten Unternehmerfamilie steht plötzlich ein Container, bis oben ...

Mittsommer in Finnland. Einer der wichtigsten Feiertage Finnlands, überschattet von einem mysteriösen Mord. Vor der Landvilla einer bekannten Unternehmerfamilie steht plötzlich ein Container, bis oben hin gefüllt mit Meerwasser. Darin eine ertrunkene, dunkelhäutige Frau. Zunächst ist die Identität der Toten unbekannt, doch die Ermittlungen ergeben, dass es sich dabei um die Lehrerin Rauha Kalando handelt, die erst kurz zuvor aus Namibia einreiste. Auch die Unternehmerfamilie baute ihren Erfolg auf ihrer Tätigkeit in Namibia auf. Warum also steht der Container vor deren Villa? Und warum musste die Frau sterben?

Der Einstieg in das Buch fordert die ganze Aufmerksamkeit. Das Polizeiteam rund um die Kommissarin Paula Pihjala wird im Schnellverfahren eingeführt, zudem werden mehrere Handlungsstränge angerissen, bei denen zunächst noch kein Zusammenhang erkennbar ist. Dennoch machen diese vielen Informationen unglaublich neugierig darauf zu erfahren, was hier passiert ist.
Paula ist eine große und auch durchsetzungsfähige Frau, die sich gut in ihrem Team behaupten kann. Dennoch wurde ich nicht so richtig warm mit ihr. Vielleicht lag es an dem dunklen Geheimnis, das sie umgibt und zum Ende hin zumindest ansatzweise geklärt wird. Ganz anders ihr Kollege Renko, der mir sofort sympathisch war. Er redet zwar gerne ein wenig zu viel, ist aber ein zuverlässiger und cleverer Partner.
Der Schreibstil ist flüssig und das Buch lässt sich gut lesen. Durch die entfachte Neugier zu Beginn folgt man gespannt der Handlung und es passiert eigentlich auch immer wieder etwas. Lediglich mit den Namensbezeichnungen hatte ich meine Schwierigkeiten. Viele ähnlich klingende Namen bei denen die Vor- und Nachnamen leicht mutieren. Aber da die Anzahl der Personen doch recht übersichtlich ist, festigen sich die Figuren mit der Zeit. Das Ende war ziemlich überraschend und konnte somit den kleinen Durchhänger in der Mitte des Buches retten.
Hinter dem Pseudonym A. M. Ollikanen verbirgt sich das Autoren-Ehepaar Aki und Milla Ollikainen, die bereits mehrere Romane geschrieben haben, dies ist jedoch ihr erstes gemeinsames Projekt. Die Reihe scheint auf mehrere Bände hin ausgelegt zu sein, daher bleiben gerade in Hinblick auf Paula noch einige Fragen offen.
Insgesamt ein Thriller, der recht unblutig daherkommt, aber doch recht spannend ist. Die finnischen Krimis werden aktuell immer beliebter, dieser war jetzt nicht unbedingt mein highlight, aber immer noch gut über dem Durchschnitt.

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Veröffentlicht am 14.02.2022

Sieben starke Stories

Eifersucht
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Den meisten Menschen ist Jo Nesbo als der Autor der grandiosen Harry-Hole-Reihe bekannt. Mit „Eifersucht“ glaubte ich einen Stand-alone Kriminalroman in den Händen zu halten. Doch weit gefehlt. Das Buch ...

Den meisten Menschen ist Jo Nesbo als der Autor der grandiosen Harry-Hole-Reihe bekannt. Mit „Eifersucht“ glaubte ich einen Stand-alone Kriminalroman in den Händen zu halten. Doch weit gefehlt. Das Buch beinhaltet sieben Kurzgeschichten unterschiedlicher Länge, die alle eines gemeinsam haben, das Thema Eifersucht.
Eifersucht ist ein Gefühl, das wir alle kennen. Diese Emotion kann Menschen sogar soweit verändern, dass sie bereit sind dafür zu morden. Die Geschichten in dem Buch sind alle unabhängig voneinander lesbar, die meisten davon aus der Ich-Perspektive erzählt. Auch die Länge der Geschichten fand ich sehr angenehm. Lediglich die titelgebende Geschichte „Eifersucht“ ist etwas länger geraten. Die Stories sind spannend und kurzweilig und überraschen zum Ende hin mit einer unerwarteten Wendung. Sprachlich konnte ich sofort den mir bekannten Jo Nesbo wiederfinden, der es auch versteht in seinen Geschichten immer ein bisschen Sozialkritik unterzubringen.
Insgesamt ein spannendes und kurzweiliges Buch, das auf den ersten Blick nur unterhaltsam und spannend ist. Erst wenn man ein wenig über das Gelesene nachdenkt, merkt man auch den Tiefgang der Handlung. Man erkennt, was Eifersucht aus einem Menschen machen kann und wie weit er dann bereit ist zu gehen, um dieses Gefühl zu bekämpfen.

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Veröffentlicht am 23.01.2022

Der zehnte Taunus-Krimi

In ewiger Freundschaft (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 10)
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Nach zweijähriger Wartezeit endlich der 10. Fall der Taunus-Krimi-Reihe von Nele Neuhaus. Dieses Mal bekommen es die beiden Kommissare Pia Sander und Oliver von Bodenstein vom K11 in Hofheim mit einem ...

Nach zweijähriger Wartezeit endlich der 10. Fall der Taunus-Krimi-Reihe von Nele Neuhaus. Dieses Mal bekommen es die beiden Kommissare Pia Sander und Oliver von Bodenstein vom K11 in Hofheim mit einem Fall zu tun, der im Verlagswesen angesiedelt ist. Die Lektorin Heike Wersch wird vermisst und kurze Zeit später tot aufgefunden. Kurz vor ihrem Tod hatte sich die Lektorin äußerst unbeliebt gemacht, indem sie einen ihrer Autoren des Plagiats beschuldigt und damit seine Karriere zu Ende gebracht hatte. Aber auch Nachbarn und andere missgünstige Kollegen waren nicht gut auf Heike zu sprechen. Doch bevor der Fall überhaupt richtig ins Rollen kommt, wird ein weiterer Mitarbeiter des Verlags bei dem Heike angestellt war, tot aufgefunden. Pia und Oliver müssen weit zurück in die Vergangenheit, um den Fall lösen zu können.

Obwohl ich alle Bücher der Reihe bisher begeistert gelesen habe, lässt mich dieses etwas enttäuscht zurück. Nele Neuhaus kennt sich sicherlich in der Verlagswelt bestens aus und versucht hier noch so nebenbei dem Leser den langen Weg eines Buches bis zum Druck aufzuzeigen. Ich fand dies weniger spannend und hätte mir so manche Erklärung dazu lieber gespart. Der Fall an sich ist aber dennoch spannend, da bereits im Prolog klar wird, dass alles mit einem Geheimnis, das in der Vergangenheit liegt zu tun hat. Die Anzahl der Figuren anfänglich ist schon gewaltig, insbesondere wenn man mit der Reihe nicht vertraut ist. Doch dazu ist dem Buch zu Beginn ein hilfreiches Personenregister vorangestellt. Auch die privaten Probleme der Protagonisten nehmen hier wieder eine Menge an Raum ein. Dieses Mal ist es besonders Oliver von Bodenstein, der mit einigen Problemen und Beziehungen zu kämpfen hat. Aber diesen Teil fand ich teilweise amüsant, aber auch fast genauso spannend wie den eigentlichen Fall.
Gut gefallen hat mir wieder das Lokalkolorit. Die Autorin ist mit der Region Taunus und Rhein-Main vertraut und das spürt man. Da auch ich mich in der Gegend gut auskenne, konnte ich mir vieles bildlich vorstellen und war praktisch mittendrin. Aber selbst, wenn einem die Gegebenheiten nicht vertraut sind, Nele Neuhaus erzählt so lebendig, dass man sich alles genau vorstellen kann. Zu Beginn des Buches mag alles noch etwas verwirrend sein mit den vielen Perspektiven, doch im Nachhinein erkennt man erst die Zusammenhänge. Die Spannung ist ständig vorhanden und da die Zahl der Figuren letztendlich doch beschränkt ist, kann man gut miträtseln oder auch den falschen Spuren folgen.

Insgesamt habe ich mich sehr gefreut, dass es mit der Taunus-Reihe endlich weiterging. Ich hoffe es bleibt auch nicht der letzte Fall.

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Veröffentlicht am 20.01.2022

Unterhaltsame Geschichten rund um Prags berühmteste Brücke

Die Brücke der Ewigkeit
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In seinem historischen Roman „Eine Brücke für die Ewigkeit“, in dem es um den Bau der berühmten Karlsbrücke in Prag geht, nimmt der Autor Wolf Hector den Leser mit auf eine unterhaltsame Zeitreise ins ...

In seinem historischen Roman „Eine Brücke für die Ewigkeit“, in dem es um den Bau der berühmten Karlsbrücke in Prag geht, nimmt der Autor Wolf Hector den Leser mit auf eine unterhaltsame Zeitreise ins 14. Jahrhundert.
Prag, 1342. In einer stürmischen Gewitternacht wird die Judithbrücke, die über die Moldau führt von einem Hochwasser zerstört. Der damals 12jährige Jan Otlin muss dabei um das Leben seiner Mutter kämpfen, die in den Fluten zu ertrinken droht. In dieser Nacht gibt er einen Schwur ab: Sollte Gott seine Familie retten, so will er ihm eine neue Brücke bauen. Eine Brücke, die für die Ewigkeit sein soll.

Jahre später kann Jan diesen Schwur einlösen, als er sich um den Posten als Baumeister unter Kaiser Karl IV bewirbt. Doch Jan ist nicht der Einzige, der Bauleiter werden möchte. Allen voran ist da der missgünstige Rudolph von Straßburg, der sich um das Amt des Bauleiters betrogen fühlt. Ihm ist jedes Mittel recht doch noch der Baumeister dieses Jahrhundertwerks zu werden. Aber auch andere Figuren treiben ihre Intrigen und Machtspiele und es gibt zahlreiche Verwicklungen. Die Anzahl der Charaktere ist übersichtlich, zumal dem Buch zu Beginn ein Namensregister vorangestellt ist, aus dem auch hervorgeht welche Figuren fiktiv und welche historisch belegt sind. Dabei sind die Charaktere nicht unbedingt in Gut und Böse einzuteilen, sondern zeigen auch ihre Schwächen und haben so manchen Makel.
Schon der Anfang des Buches ist ungewöhnlich, denn es beginnt mit dem Ende. Natürlich wird nicht allzu viel verraten, aber doch so viel, dass man unglaublich neugierig darauf wird, wie es zu dieser Situation kommen konnte. Anfänglich hatte ich zwar meine Probleme in das Buch hineinzufinden, da die Figuren erst etwas blass waren und ich mir kein rechtes Bild von ihnen machen konnte. Doch je tiefer man in die Geschichte eindringt umso spannender wird es. Im Mittelpunkt stehen vor allem Jan Otlin und sein Rivale, ein Straßenmädchen und ein sympathischer Mönch, der quasi zum Ersatzvater des Mädchens wird. Man leidet mit den einzelnen Protagonisten und freut sich mit ihnen, durchleidet Höhen und Tiefen. Im Nachhinein betrachtet möchte ich keine der 600 Seiten missen. Der Bau der Brücke ist zwar das zentrale Thema, doch der Autor langweilt seine Leser nicht mit trockenen Informationen zu dem Bau, sondern spickt die Handlung mit interessanten Geschichten, die genau so passiert sein könnten. Auch das Ende ist stimmig und lässt seinen Leser zufrieden zurück.

Ich freue mich immer, wenn ich von einem historischen Roman nicht nur gut unterhalten werde, sondern auch Wissenswertes mitnehmen kann, das mir das Leben zu der damaligen Zeit etwas näherbringt. So war es auch bei diesem Buch, bei dem ich das Gefühl hatte, dass der Autor, der hier im Übrigen unter einem Pseudonym schreibt, sich viel Mühe mit seiner Recherche gegeben hat.
Insgesamt also ein unterhaltsamer historischer Roman rund um Prags berühmte Brücke. Ein Lesevergnügen, dass ich nur empfehlen kann.


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