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Veröffentlicht am 22.02.2022

Netter Roman für Zwischendurch

Kein Isländer ist auch keine Lösung
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An diesem Roman hat mir vor allem das Setting gefallen; eine Crime Kreuzfahrt inklusive Schreibworkshop ist schon grandios und mal was ganz anderes, eine ausgesprochen kreative Idee! Und dann kamen auch ...

An diesem Roman hat mir vor allem das Setting gefallen; eine Crime Kreuzfahrt inklusive Schreibworkshop ist schon grandios und mal was ganz anderes, eine ausgesprochen kreative Idee! Und dann kamen auch noch die atmosphärischen Beschreibungen der einzigartigen Natur Islands sowie der Färöer-Inseln hinzu, toll!

Wie sehr hatte ich gehofft, dass dieses mit einem niedlichen Cover und einem humorvollen Buchtitel ausgestattete Werk mich begeistern würde! Ich liebe Feel-Good-Storys und gerade in Zeiten, in denen sich meine Reisen auf literarische Ausflüge beschränken, bin ich Feuer und Flamme für Geschichten, die mich träumen und fremde Orte erkunden lassen.

Die beiden weiblichen Hauptfiguren, die 38-jährigen besten Freundinnen Steffie ("kinderlos, […] Karrierefrau, von Beruf Chefin eines florierenden Spielwarenladens") und Merle ("alleinerziehend, Single, unterbezahlt und überbeschäftigt"), haben eine Gruppenreise gebucht; mit der Fähre soll es bis zu ihrem Sehnsuchtsreiseziel gehen: Island. Im hohen Norden wohnt übrigens auch eine Onlinebekanntschaft von Merle: ihr Sprachlernpartner Hannes, von dem sie allerdings noch nie ein Foto gesehen hat. Es soll ein Mädelstrip werden, Merle ist vom Vater ihrer Teenagertochter zu sehr verletzt worden und daher nicht auf der Suche nach einer neuen Liebe – Steffie hingegen findet, Merle sei durchaus bereit für etwas Neues und mischt sich prompt fleißig in das Liebesleben ihrer besten Freundin ein.

Mit fortschreitender Handlung wurden mir die Damen zunehmend unsympathischer – Merle, an sich eine herzensgute Person, die dazu neigt, das Wohl anderer über ihr eigenes zu stellen, rutscht in die Rolle eines naiven, wankelmütigen Teenagers und Steffie beweist regelmäßig, dass sie in erster Linie nur an sich selbst denkt. Ihre Freundschaft wirkte auf mich nicht ausgeglichen; Merle gibt und geht Kompromisse ein, Steffi nimmt und macht, was sie will. Beide bleiben blasse Figuren und werden mir nicht so sehr im Gedächtnis bleiben wie die Nebenfiguren, die zum Teil echte Unikate und enorm liebenswert sind, speziell Lasse und Einar.

Der Schreibstil ist umgangssprachlich und unkompliziert. Humor ist allgegenwärtig und manchmal kam er mir etwas arg herbeigezwungen vor, vielleicht lag dies auch an der mal flapsigen, mal over-the-top-möchte-gern-lustigen Ausdrucksweise in den Dialogen, die eher zu zwei Teenagern auf einer Klassenfahrt gepasst hätte als zu fast 40-jährigen Frauen. Es sollte sicher zeigen, wie ulkig, junggeblieben und modern die Damen sind; mir wurde es schnell zu anstrengend. Vor allem erschien es mir nicht glaubwürdig. Interessanterweise beschränkt sich dieser Eindruck der in meinen Augen unpassenden Wortwahl nur auf die Dialoge zwischen Merle und Steffi.

Sehr lobenswert hervorzuheben ist der Spannungsaufbau in der ersten Hälfte des Buches; ich habe gerätselt und gerätselt – wer ist der ominöse Hannes?

Meine 3 Sterne beruhen auf der Storyidee, dem ausgefallenen Setting (inklusive der wirklich schönen Landschaftsbeschreibungen) und der Gesamtaufmachung des Werkes (niedliches Cover, Vokabelübersicht zu Beginn).

Fazit: Mein Herz habe ich zwar nicht verloren an die Hauptfiguren, dennoch bietet "Kein Isländer ist auch keine Lösung" Fans von locker-flockigen Frauenromanen gewiss unterhaltsame Lesestunden und lädt zum Miträtseln ein; und da jeder Mensch einen anderen Sinn für Humor hat, wer weiß – vielleicht treffen die Dialoge genau euren Geschmack. Mein Highlight waren ganz klar die Landschaftsbeschreibungen, weswegen ich das Werk zudem allen Island-Begeisterten empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 01.02.2022

Reihenauftakt mit Luft nach oben

Dance into my World
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Für mich stand von Anfang an fest, dass ich die beim Blanvalet Verlag erschienene, in zauberhaft glitzernde Cover verpackte und in einer meiner Lieblingsstädte spielende Move-District-Reihe von Maren Vivien ...

Für mich stand von Anfang an fest, dass ich die beim Blanvalet Verlag erschienene, in zauberhaft glitzernde Cover verpackte und in einer meiner Lieblingsstädte spielende Move-District-Reihe von Maren Vivien Haase unbedingt lesen muss - eine New Yorker Tanzschule als Setting, wie cool ist das denn?!

Die Geschichte um Jade (aus deren Perspektive in Ich-Form erzählt wird) und Austin entwickelt sich gemütlich und ohne große Überraschungen, ist hier und da gewürzt mit dem genretypischen Drama und fügt sich wunderbar in die literarische Welt der bereits bestehenden New-Adult-Romane ein. Es passiert nicht wahnsinnig viel, doch schon allein aufgrund der einladenden Tanzschulatmosphäre liest sich das Buch unterm Strich angenehm und unterhaltsam. Mit der weiblichen Hauptfigur, Jade, habe ich allerdings ein kleines Hühnchen zu rupfen: Aufgrund der Erlebnisse in ihrer eigenen Vergangenheit sollte gerade sie wissen, wie mies Gerüchte sind und dass man Menschen nicht verurteilen darf, ohne die tatsächlichen Fakten zu kennen. Stattdessen tut sie aber genau das; sie nimmt fremder Leute Geschwätz über Austin unhinterfragt für bare Münze und lässt ihre Wut direkt an ihm aus. Insgesamt blieben sowohl sie als auch Austin mir leider einen Tick zu blass bzw. es fehlte ihnen an Tiefe, das Prickeln zwischen ihnen erreichte mich nicht. Am meisten begeistert hat mich noch die lebenslustige Nebenfigur Olivia.

Der Schreibstil ist jugendlich locker, sehr (!) umgangssprachlich und unkompliziert, lediglich ein paar (Wort-)Wiederholungen haben sich eingeschlichen. Hinsichtlich der Entwicklung der Handlung wäre etwas mehr Spannung zu Beginn und über den Mittelteil schön gewesen, nicht erst gegen Ende, und auch Jades Leidenschaft für Mode blieb für mich irgendwie auf der Strecke. Ein wichtiges, ernstes Thema hätte gerne ausführlicher behandelt werden können. Die authentischen Tanzszenen hingegen gefielen mir gut; man spürt, dass die Autorin selbst gerne tanzt und genau weiß, wovon sie schreibt.

Fazit: Wo kann ich mich zur Hip-Hop-Class anmelden? Ein netter Reihenauftakt, der zwar noch Luft nach oben hat, dafür aber mit tollem Setting und ganz viel Tanz-Liebe punktet!

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Veröffentlicht am 29.01.2022

Leider schwächer als Band 1

Like Fire We Burn
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Nachdem "Like Snow We Fall" mir ziemlich gut gefallen hatte, fieberte ich gespannt dem nächsten Werk von Ayla Dade entgegen und freute mich total darauf, nach Aspen zurückzukehren. Tatsächlich gab es das ...

Nachdem "Like Snow We Fall" mir ziemlich gut gefallen hatte, fieberte ich gespannt dem nächsten Werk von Ayla Dade entgegen und freute mich total darauf, nach Aspen zurückzukehren. Tatsächlich gab es das erhoffte Wiedersehen mit bereits vertrauten Figuren, und auch wenn dieses Mal Aria und Wyatt im Fokus standen, waren es doch die Nebenfiguren, die mich am meisten erreichten.

Das Cover ist ein Traum und ein absoluter Hingucker im Bücherregal! Nur leider hat mich das Feuer bezüglich des Inhalts nicht entzündet, der Funke sprang nicht über.

Mit den Hauptprotagonisten hatte ich dieses Mal meine liebe Not. Was Aria betrifft – es tut mir wahnsinnig leid, aber ich wurde nicht warm mit ihr, teilweise erschien sie mir unreif, unfair und verhielt sich wie ein bockiges Kind. Mit fortschreitender Handlung wurde sie mir immer unsympathischer. Es ging schon damit los, dass ich es nicht mag, wenn Figuren sich in Büchern selbst über den grünen Klee loben. Wer denkt denn bitte über sich selbst: Hach, was bin ich nur für eine "selbstlose" Person? Ich bin ja soooo ein guter Mensch. - Ja, I get it, sie ist 'die Gute', der wehgetan wurde; man soll mit ihr sympathisieren. Aus meiner Sicht hätte das besser funktioniert, wenn andere Menschen ihr solche Dinge sagen (= sie loben) würden oder man es aufgrund ihres Verhaltens von ihr denken würde. Ihr Selbstmitleid und ihr ich-bezogenes Verhalten waren mir auf Dauer zu viel.

Sie und Wyatt drehen sich eine gefühlte Ewigkeit im Kreis, kurz vor knapp gibt es dann eine Kehrtwende und Aria verhält sich (obwohl ich rein plottechnisch diese Entwicklung begrüßte) komplett widersprüchlich zu ihrem bis dahin präsentierten Charakter. Ebenfalls als schwer nachvollziehbar empfand ich, wie leicht sie Gwens sonderbare Erklärung geschluckt hat. Aber Hauptsache, sie ließ Wyatt vorher durch die Hölle gehen und mit ihm - um den doch 95% ihrer Gedanken kreisten - kam kaum eine gescheite Kommunikation zustande. Natürlich hatte er sich schrecklich verhalten, und allein seine Reue sollte nicht als Freifahrtschein ausreichen, damit man ihm verzeiht, aber zwischenzeitlich tat er mir einfach nur leid. Himmel, er kämpfte sich wirklich einen Wolf. Mir kam es so vor, als hätte Aria Wyatt je nach Laune benutzt und dann wieder abgewiesen. Einzig die Liebe zu ihrer Mutter kaufte ich ihr voll und ganz ab, das war glaubwürdig.

Ich bin der Meinung, nach solch einem Vertrauensbruch wie bei Aria und Wyatt gibt es 2 Möglichkeiten: 1.: verzeihen und das Ganze abhaken, was bedeutet, dass man nicht immer wieder bei passender Gelegenheit das alte Drama aufwärmt oder 2.: einen klaren Schlussstrich ziehen und sich auch daran halten, ohne dem Ex-Partner falsche Hoffnungen zu machen. Aber dieses permanente Hü, Hott war hauptsächlich eins: anstrengend. Ich liebe dich noch – aber du hast mich verletzt – aber ich liebe dich noch – aber ich kann nicht vergessen, was du getan hast – aber ich liebe dich noch – aber ich kann dir nicht vertrauen… Irgendwann dachte ich diesbezüglich an Arias eigene Gedanken vom Anfang zurück: "verdammtnochmalwannhörtdasauf".

Der Schreibstil wechselt ebenfalls hin und her, ist mal geprägt von jugendlich lockerer, umgangssprachlicher Wortwahl, von Ausdrücken wie supernice, mindfuck oder diversen Markennamen und schwenkt dann plötzlich wieder zu tiefgründig, hochemotional und (für meinen Geschmack) übertrieben poetisch. In Band 1 übte das noch einen ganz eigenen Zauber auf mich aus, hier erschien es mir jedoch teilweise fast erzwungen bzw. wirkte einfach nicht authentisch.

Lobend zu erwähnen ist auf jeden Fall das Setting, welches wieder einmal so einladend gezeichnet worden ist, dass man am liebsten sofort ein Ticket nach Colorado buchen möchte. Alle Fans von Small-Town-Romance-Werken werden diesbezüglich begeistert sein.

Fazit: Eine Grundidee mit viel Potential, das in der Umsetzung leider nicht ausgeschöpft worden ist. Einige langatmige Passagen, ein überstürztes, unrealistisches Ende und traurig-zerrissene, oftmals wütende Hauptfiguren, die ich nur bedingt mochte. Das fand ich unheimlich schade, denn ich war wild entschlossen gewesen, dieses Buch zu lieben. Für zukünftige Ausgaben empfehle ich zudem eine Triggerwarnung.

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Veröffentlicht am 24.01.2022

Maximal mittelmäßig

Das Jahr der Rosenschwestern
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Dieser sommerlich angehauchte, lockerleicht geschriebene Roman der U.S. Bestsellerautorin Susan Mallery hat mich stellenweise gut unterhalten, hin und wieder gelangweilt, des Öfteren aufgrund gewisser ...

Dieser sommerlich angehauchte, lockerleicht geschriebene Roman der U.S. Bestsellerautorin Susan Mallery hat mich stellenweise gut unterhalten, hin und wieder gelangweilt, des Öfteren aufgrund gewisser Figuren aufgeregt und insgesamt nur bedingt überzeugt. Im Nachhinein bin ich unentschlossen, wie ich das Gelesene bewerten soll. Der Schreibstil hätte (trotz einiger Ausschweifungen und langatmiger Passagen) solide 4 Sterne verdient. Die Handlung würde ich mit 3 Sternen bewerten; die Ausarbeitung der Figuren würde 4 Sterne erhalten, der Sympathiefaktor hingegen liegt bei 3 sehr wohlwollend aufgerundeten Sternen. Erst nach rund 150 Seiten fand ich einen emotionalen Zugang zur Story. Der Anfang der Geschichte, der mich eigentlich für die zweieiigen Zwillinge Margot und Sunshine begeistern sollte, erschien mir schleppend, dafür war das Ende des Buches unbefriedigend, wirkte übereilt (und in Bezug auf eine der Schwestern unverdient).

Benimmcoach Margot soll der exzentrischen Filmdiva Bianca Wray - auf deren eigenen Wunsch hin – ein gemäßigteres, ihrem zukünftigen Diplomatengatten zuliebe passenderes Auftreten beibringen. Hierbei sei angemerkt: Der betreffende Verlobte liebt Bianca so, wie sie ist, inklusive ihrer direkten Art, und drängt sie nicht zu einer Veränderung. Vielmehr sind es Biancas eigene Ängste, die hinter dem Auftrag an Margot stecken. Für die Dauer des Coachings zieht Margot bei ihrer Klientin ein. Schon bald muss die kompetente junge Frau feststellen, dass die Arbeit mit der selbstverliebten Schauspielerin sich recht kompliziert gestaltet. Zudem macht Biancas attraktiver, reservierter Sohn Alec Margot zunehmend nervös. Sunshine hat ebenfalls gerade einen neuen Job begonnen – sie arbeitet als Kindermädchen für Connor, den achtjährigen Sohn des charismatischen Witwers Declan. Sowohl Margot als auch Sunshine steht aktuell nicht der Sinn nach romantischen Verwicklungen, aber das Leben hat andere Pläne mit ihnen.

Was mir (neben dem blumig hübschen Cover) gut gefallen hat:

Margot, Sunshine und Bianca sind Charaktere mit Ecken und Kanten. Man muss sie nicht alle mögen, doch zumindest sind die weiblichen Hauptfiguren vielschichtig ausgearbeitet worden.

Mit Margot konnte ich mich gut identifizieren. Sie wäre eine tolle Hauptfigur für einen Roman gewesen, in welchem es nur um ihren Handlungsstrang geht. Ich mochte ihre gründliche, professionelle Arbeitseinstellung. Sie ist strukturiert, klug, kompetent, verständnisvoll und warmherzig.

Eine gewisse Szene wird mir in Erinnerung bleiben: Am liebsten hätte ich laut Beifall geklatscht, als Sunshine einer früheren Arbeitgeberin begegnet ist – die damit verbundene Ansage war längst überfällig!

Was mir weniger gut gefallen hat (Achtung, Spoiler):

Die Namenswahl wirkte mir zu aufgesetzt: ein flippiger Name für die flatterhafte Sunshine, ein braver Name für die ordnungsliebende Margot Baxter. Mir ist bewusst, dass Namen die Charakterzüge unterstreichen sollen, aber für mich wirkte das unglaubwürdig.

"Bianca konnte charmant und witzig sein, aber sie war auch egozentrisch und gedankenlos." Sie ist scharfzüngig, rücksichtslos, kritikresistent, unpünktlich, respektlos, taktlos – ich hätte an Margots Stelle nicht solche Engelsgeduld mit ihr aufbringen können. Selbst Alec fasst die Lebensphilosophie seiner Mutter wie folgt zusammen: "Irgendwer anders war immer da, der am Ende die Sauerei beseitigte". Immer wieder gab es ungemütliche Situationen, in denen ich mir gewünscht hätte, dass nicht jeder permanent auf Eierschalen um sie herumtanzt.

Ich mag es nicht, wenn Dinge unnötig übertrieben werden. Hätte es nicht gereicht, dass Declan Witwer – und somit ‚frei‘ für Sunshine – ist? Musste man seiner verstorbenen Frau auch noch einen negativen Charakter andichten? Vielleicht geschah dies in dem Versuch, dem andernfalls blassen Protagonisten Declan ein weiteres Gesprächsthema (neben seiner Vaterrolle) zu verschaffen oder um Sunshine positiver dastehen zu lassen.

Anfangs tat mir Margots lebenslustige, wenn auch komplexbeladene Schwester irgendwie leid – sie hat von sich selbst den Eindruck, dass sie nur aus "Brüsten und Hintern" besteht und neben der eleganten Margot nie richtig wahrgenommen wird. Je näher ich sie allerdings kennenlernte, desto unsympathischer wurde Sunshine mir. Nicht etwa, weil sie sich aufgrund ihres guten Aussehens regelmäßig in Selbstmitleid suhlt und das Gefühl hat, sie werde auf Äußerlichkeiten reduziert, oder weil sie einen oberflächlichen Lebensstil hat und – laut eigener Aussage – "beim ersten Anzeichen von Interesse seitens eines Mannes immer wieder alles stehen und liegen lassen" hat (da halte ich es nach dem Motto 'jeder, wie er möchte'). Wirklich übel nehme ich ihr jedoch, dass sie als Kindermädchen deshalb bereits MEHRERE (!) Male Kinder im Stich gelassen hat. Sie besaß weder den Anstand, sich von ihren Schützlingen zu verabschieden noch konnte sie später den Mut aufbringen, auf die Nachrichten der verzweifelten Kleinen zu reagieren. Wie herzlos und grausam kann man sein, Kinder, die man bis dahin rund um die Uhr betreut hat, die einem vertrauen und einen vergöttern, einfach so zu ghosten?! Zwei dieser Kinder mussten deshalb anschließend sogar eine Therapie besuchen, weil ihr Urvertrauen zerstört war. Von wegen, Sunshine "folgt ihren Träumen", wie es im Klappentext heißt – sie folgt höchstens jedem nächstbesten Kerl und wäre garantiert auch bei Connor wieder abgehauen, hätte Declan nicht die Initiative ergriffen. Ich bin ganz ehrlich: Jemand wie sie hat – zumindest bei null charakterlicher Weiterentwicklung – in meinen Augen kein Happy End verdient.

Apropos Ende: Nach dem ewig langen Aufbau wirkte es komplett übereilt. Hätte nicht das ganze Werk so knackig und direkt auf den Punkt sein können? Dann würde es passen.

Zum Setting kann ich nur sagen: langweilig. Ich weiß gar nicht, warum mir das noble Privatanwesen, ein ehemaliges Kloster, so fade erschien; die Idee an sich ist schließlich mal was anderes. Doch es packte mich schlichtweg nicht.

So schön und klangvoll ich den Buchtitel auch finde, so irreführend erscheint er mir. – Ja, der Roman handelt von zwei Schwestern und ja, eine von ihnen hat eine Vorliebe für schöne Gärten. Aber weder liegt ein Schwerpunkt auf Rosen noch umfasst der Handlungszeitraum ein Jahr.

Um das Ganze mit einem positiven Gedanken abzuschließen: Immerhin habe ich auch wieder etwas Neues dazugelernt. - "Menschen, die Schmetterlinge und Motten erforschen, heißen Lepidopterologen."

Fazit: Weder romantische Liebesgeschichte noch wahre Feel-Good-Story. Kann man mal gelesen haben, muss man aber nicht. Ideal als Lektüre für zwischendurch, bei der man nicht viel nachdenken möchte. Ich vergebe 3 aufgerundete Sterne.

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Veröffentlicht am 31.12.2021

Durchwachsen

Mohnschwestern
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Ein expressionistisches Gemälde orange-rot-gelber Mohnblüten steht im Mittelpunkt dieser Geschichte, mit der Autorin Ilona Einwohlt gegen das Vergessen ankämpft, indem sie uns die furchterregendste, düsterste ...

Ein expressionistisches Gemälde orange-rot-gelber Mohnblüten steht im Mittelpunkt dieser Geschichte, mit der Autorin Ilona Einwohlt gegen das Vergessen ankämpft, indem sie uns die furchterregendste, düsterste Zeit Deutschlands lebhaft und schonungslos vor Augen führt. So interessant ich die Grundidee des Romans finde, so unentschlossen bin ich hinsichtlich der Bewertung. Einige Elemente haben mir gut gefallen, wie beispielsweise der mitreißende, emotionale Einstieg, aber insgesamt ist der zündende Funke nicht auf mich übergesprungen.

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, Vergangenheit vs. Gegenwart. Aufgrund des Klappentextes hatte mich auf eine dramatische Liebesgeschichte in den Wirren des Zweiten Weltkriegs erhofft, mich auf romantische Momente zwischen Lotte und Wilhelm gefreut. Aber direkt nach der verheerenden Brandnacht aufgrund des Bombardements zu Beginn des Werkes hatte es sich damit erledigt. Zwar erleben wir rückblickend, wie es dem Paar zuvor ergangen war, doch weder die Beschreibungen hinsichtlich ihrer Beziehung noch jene im Hinblick auf ihre Aktivität gegen das Regime konnten mich überzeugen und wirklich berühren. Lediglich das Grauen der Kriegszeit wird intensiv, atmosphärisch und in eindringlichen Bildern erzählt.

Die Handlung um die mir schlichtweg unsympathische Hazel empfand ich als überflüssig, blass und störend, weder der Schreibstil in diesen Passagen noch die betreffende Figur und ihre Geschichte gefielen mir. Das Buch hätte, natürlich mit ein paar plottechnischen Änderungen diesbezüglich, ohne Hazels Story deutlich besser abgeschnitten (wenn auf die Verknüpfung der beiden Frauen - welche ohnehin erst ziemlich spät erfolgt, dafür aber recht kurz und lieblos abgehandelt wird - verzichtet worden wäre). Eine Geschichte rein um Wilhelm und Lotte, das wäre noch eher nach meinem Geschmack gewesen. (Oder aber, es wäre komplett auf die Romanze verzichtet worden, z.B. wenn die Autorin den Fokus auf die Judenverfolgung gelegt hätte.)

Das in Sepiatönen gehaltene Cover ist treffend gewählt worden; man ahnt sofort, dass es sich um einen historischen Roman handelt.

Fazit: Ich hatte mir mehr erwartet. Da ich sehr viele historische Romane lese, insbesondere welche, die zur Zeit der Weltkriege spielen, sind meine Ansprüche eventuell etwas hoch, dennoch erwarte ich mir einfach packende Emotionen und Eindrücke, die noch lange nachhallen. Im direkten Vergleich mit anderen themenähnlichen Werken (z.B. von Katharina Fuchs, Bettina Storks, Lilli Beck, Sandra Jungen …) kann die vorliegende Geschichte leider nicht punkten. Wer sich allerdings generell für die NS-Zeit und das damalige Schicksal der jüdischen Bevölkerung interessiert, wird mit "Mohnschwestern" trotzdem interessante Lesestunden erleben.

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