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Veröffentlicht am 24.06.2022

Ein enttäuschend triviales Geheimnis der Großmutter, eine vorhersehbare Liebesgeschichte und ein aufgesetztes Happy End, das beide Handlungsstränge krampfhaft verbindet.

Der Sommer der Blaubeeren
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Kurz nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter begibt sich Ellen Branford in deren Heimatort Beacon in Maine, um ihren letzten Wunsch zu erfüllen. Ellen soll einem alten Freund einen Brief von ihrer Großmutter ...

Kurz nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter begibt sich Ellen Branford in deren Heimatort Beacon in Maine, um ihren letzten Wunsch zu erfüllen. Ellen soll einem alten Freund einen Brief von ihrer Großmutter übergeben. In Beacon angekommen muss sich die New Yorkerin erst an das Kleinstadtleben und die Menschen dort gewöhnen. Auch erweist es sich als schwieriger als gedacht, den Brief dem Empfänger zukommen zu lassen. Als Ellen mehr Details aus der Vergangenheit ihrer Großmutter erfährt, wird sie neugierig auf mehr, denn ihre Oma hatte nie von ihrer Zeit in Beacon gesprochen. Ellen bleibt länger, als ursprünglich geplant und lernt dabei einen Mann kennen, zu dem sie sich von Anbeginn hingezogen fühlt, obwohl sie in New York doch eigentlich glücklich verlobt ist.
Ellen hat ihre Großmutter sehr geliebt, weshalb sie ihr unbedingt den letzten Wunsch erfüllen möchte, den Entschuldigungsbrief an einen alten Freund zu übergeben. Auch wenn sie ihrer Oma sehr nahestand, begreift sie, dass diese ihr wesentliche Details aus ihrem jungen Leben verschwiegen hat. Sie versteht nicht, warum und beginnt nachzuforschen, um die Lücken ihres Lebens zu füllen. Die Persönlichkeit der Großmutter bleibt blass. Es gibt keine Abschnitte aus der Vergangenheit, durch die man sie näher kennenlernen würde. Ihre Beweggründe, warum ihre Enkelin post mortem einen Brief übergeben soll, fesseln deshalb nicht so, wie man es aus Geschichten kennt, die auf zwei Zeitebenen handeln.
Ellen selbst ist eine Großstadtpflanze und erfolgreiche Anwältin, die mit einem aufstrebenden Politiker verlobt ist. Beide sind versnobt und vorurteilsbehaftet, aber in Beacon beginnt sich Ellen zu verändern. Als Charakter wirkt Ellen unglaubwürdig, denn ihr Auftreten und ihre Tritte in jedes Fettnäpfchen passen nicht so wirklich zu der ehrgeizigen Rechtsanwältin. Auch dass sie sich so schnell zu einem fremden Mann hingezogen fühlt, obwohl sie bisher keine Zweifel an ihrem Verlobten hatte, ist nicht nachvollziehbar. Statt Ellens schnellem Wandel hätte ich mir lieber eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ihrer Großmutter gewünscht und ein Geheimnis, das es Wert gewesen wäre, so lange darüber zu schweigen.
Trotz Klischees und der Vorhersehbarkeit der Handlung ist der Roman unterhaltsam und leicht zu lesen. Die Kleinstadtatmosphäre ist bildhaft beschrieben und die Frage der Vergangenheit der Großmutter, die es zu ergründen gilt, sorgt eingangs für Spannungsmomente. Die Entdeckungen über die Großmutter sind jedoch letztlich enttäuschend trivial und eigentlich nicht der Rede Wert. Die Liebesgeschichte der Gegenwart kann noch weniger überzeugen. Ellens abrupter Lebenswandel ist implausibel und wirkt wie ein aufgesetztes Happy End um Vergangenheit und Gegenwart krampfhaft mit einander zu verbinden.

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Veröffentlicht am 06.06.2022

Sommerliche Auszeit in Kroatien und zwei verletzte Seelen, die Heilung finden. Die Handlung empfand ich allerdings als lieblos, simpel gestrickt und schlicht langweilig.

Die Insel der Herzen
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Nach einem missglückten Heiratsantrag, der auch noch im Internet viral ging, flüchtet die Britin Kate tief verletzt von ihrem langjährigen Freund James nach Kroatien, wo ihr Bruder Toby gerade dabei ist, ...

Nach einem missglückten Heiratsantrag, der auch noch im Internet viral ging, flüchtet die Britin Kate tief verletzt von ihrem langjährigen Freund James nach Kroatien, wo ihr Bruder Toby gerade dabei ist, eine Herberge zu eröffnen. Mit ihrer Abwesenheit möchte sie James aus der Reserve locken, den sie immer noch liebt. Während Kate auf James Reue und einen neuen Anfang mit ihm hofft, hilft sie Toby und seinem Lebensgefährten Filippo bei der Renovierung ihres Bed & Breakfast. Sie entdeckt dabei ihre Leidenschaft und ihr Talent für die Inneneinrichtung, was sich bald auf der kleinen Insel Hvar und dank ihres erfolgreichen Instagram-Accounts herumspricht. Bei ihren Arbeiten lernt sie den Schreiner Alex kennen, einen Briten, der ungebunden auf einem Boot vor Hvar lebt und wenig von sich Preis gibt. Kate fühlt sich von seiner geheimnisvollen und beruhigenden Art angezogen, obwohl sie immer noch an James hängt. Als dieser nach einigen Wochen tatsächlich wieder Interesse an Kate zeigt, muss sie sich entscheiden.

Der Roman beginnt vielversprechend mit einem turbulenten Heiratsantrag, Peinlichkeit, Scham, Zurückgezogenheit und dem Aufbruch in ein anderes Land. Kate möchte nicht nur Abstand gewinnen, sie möchte vor allem James zeigen, dass er sie doch vermisst, wenn sie einmal weg ist.
In Kroatien stürzt sich Kate in die Arbeit, kann sich damit recht gut ablenken, versinkt aber immer wieder in Selbstmitleid. Das ist auf die Dauer ermüdend, aber das sommerliche Inselfeeling hilft ein wenig über ihr sehnsuchtsvolles Wehklagen hinweg.
Als sie den bärtigen Alex kennenlernt, fühlt sie sich direkt zu ihm hingezogen, wenn auch zunächst nur als guten Freund. Er ist der erste, dem sie ihre wahren Sorgen und den Grund der Trennung von James anvertrauen kann. Er selbst ist dagegen sehr zurückhaltend. Auch ihn scheint etwas zu bekümmern, über das er allerdings nicht spricht. Die Gründe für seinen Rückzug aus England und für sein einfaches Nomadenleben auf einem schäbigen Boot bleiben unklar.

Die Handlung in Kroatien plätschert lange ereignislos ohne Höhen und Tiefen vor sich hin. Die Charaktere bleiben blass und unscheinbar. Nicht einmal für Kate, die nur sich und ihre Sorgen zu sehen scheint, kann man wirklich Sympathien entwickeln. Abgelenkt von Renovierungsarbeiten und Bootsausflügen schreitet die Handlung kaum voran. Kate hängt weiterhin an James, vertieft ihre Beziehung zu Alex, aber als es zu einer nicht unvorhergesehenen Wende kommt, reagiert sie plötzlich überraschend tough und legt ihre weinerliche Art ab - eine Entwicklung, die zu abrupt kommt und damit unglaubwürdig wirkt. Das Problem, das zwischen ihr und James steht, wird trotz Dramatik nur oberflächlich behandelt. Auch Alex Geheimnis, das überhaupt nicht zu seinem bisherigen Verhalten zu passen scheint, wird nicht nur unvermittelt aufgedeckt, sondern auch überhaupt nicht weiter vertieft. Dabei handelt es sich bei beiden Problemstellungen um schwerwiegende Themen, denen der Roman mehr Raum hätte geben können. So bleibt die Geschichte lieblos, simpel und schlicht langweilig. Darüber hinaus vermisste ich landeskundlich typische Beschreibungen, so dass der Roman auch auf jeder x-beliebigen Insel hätte spielen können.

"Die Insel der Herzen" bietet eine sommerliche Auszeit in Kroatien mit einer Geschichte über zwei verletzte Seelen, die zusammen Heilung finden. Kates Entwicklung zu einem Neuanfang und ihre Entscheidung zwischen zwei Männern sind jedoch zäh und langweilig dargestellt. Der Roman ist in weiten Teilen vorhersehbar, während Alex Geheimnis nicht notwendigerweise lange im Dunkeln bleibt, um die Spannung künstlich zu erhöhen, die sich allein aus Kates Geschichte nicht ergeben hätte.

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Veröffentlicht am 14.02.2022

Fantastische Idee, aber wenig gelungene Umsetzung: öde Aufenthalte in Parallelwelt, Logikfehler und flache Charaktere. Die Geschichte wirkte am Ende wenig durchdacht.

Wir zwei für alle Zeit
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Nachdem sich ihr Freund Mike nach fünf Jahren Beziehung überraschend von ihr getrennt hat, lernt Erica den einfühlsamen Daniel kennen. Doch am Tag der Trennung passiert Erica das, was ihr erstmals als ...

Nachdem sich ihr Freund Mike nach fünf Jahren Beziehung überraschend von ihr getrennt hat, lernt Erica den einfühlsamen Daniel kennen. Doch am Tag der Trennung passiert Erica das, was ihr erstmals als Zwölfjährige passiert ist. Sie verlässt Zeit und Raum und landet in einer Parallelwelt. Nun sieht sie eine andere Erica vor sich, die selbstbewusster und reiselustig ist und ein ganz anderes, unbeschwertes Leben führt. Sie ist hin- und hergerissen, ob sie diese Erica sein möchte oder einem Leben mit Daniel eine Chance geben möchte. Sie erzählt ihm von ihrer Gabe, die er nicht weiter hinterfragt und sie so akzeptiert, wie sie ist. Erica entschließt sich deshalb, ein bodenständiges Leben zu führen, erleidet jedoch einen schrecklichen Verlust, der sie ihre Entscheidung hinterfragen lässt. Sie sehnt sich nach einem anderen, besseren Leben und versucht auch Daniel in dieses andere Leben zu integrieren.

Der Roman mutet durchweg melancholisch an. Selbst als Erica eigentlich glücklich sein sollte, herrscht eine traurige Stimmung vor, denn Erica lebt in permanenter Angst, den Halt zu verlieren und ungewollt für unbestimmte Zeit in ein anderes Leben abzudriften.

Diese Aufenthalte in ihrer Parallelwelt sind jedoch augenscheinlich nur von kurzer Dauer und Erica verbleibt darin in einer rein beobachtenden Position. Sie kann sich nicht bewegen und sieht nur ihr alternatives Leben, das anders, vermeintlich besser ist.

Für diese Quantensprünge wird nach keiner Erklärung gesucht, sondern als Ericas Besonderheit, die sie mit Daniel und ihrer Familie teilt, hingenommen. Ihre "Zeitreisen" sind wenig erkenntnisreich und ihr reale Alltag eher belanglos. Selbst die Beziehung mit Daniel, die als lebensverändernd bezeichnet wird, ist vergleichsweise lieb- und leidenschaftslos geschildert.

Die Geschichte dümpelt vor sich hin, bis etwas Tragisches passiert, das in Erica die Sehnsucht weckt, aus ihrem bisherigen Leben zu fliehen. Sie möchte jedoch auch nicht auf Daniel verzichten. Je mehr sie sich hineinsteigert, desto egoistischer wirkt ihr Wunsch. Selbst wenn man in Betracht zieht, dass Erica verstört ist und trauert, macht ihr Bedürfnis, alles haben zu wollen und das Schicksal nicht akzeptieren zu können, sie nicht wirklich sympathisch. Erst ein weiteres tragisches Ereignis führt sie wieder zur Besinnung. Es ist nicht ihre eigene Entscheidung, sondern eine Folge der äußeren Umstände, weshalb das glückliche Ende einen wahrhaft faden Beigeschmack hat.

Die etwas fantastische Idee für den Roman hat mir gut gefallen, die Umsetzung der Geschichte ist leider nicht gelungen. Ich konnte mich weder für die flachen Charaktere erwärmen, noch war der Umstand der Reisen in eine Parallelwelt wirklich schlüssig, enthielt Logikfehler und ließ viel zu viele Fragen offen.

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Veröffentlicht am 03.02.2022

Ermüdend langweilige, konstruierte Geschichte voller Wiederholungen und unglaubwürdiger Verhaltensweisen.

BAD DREAMS – Deine Träume lügen nicht
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Als Sechsjährige wurde Arden Maynor in Widow Hills während eines Regensturms beim Schlafwandeln davongespült und war drei Tage lang vermisst. Die halbe Nation betete und schien nach ihr zu suchen und wie ...

Als Sechsjährige wurde Arden Maynor in Widow Hills während eines Regensturms beim Schlafwandeln davongespült und war drei Tage lang vermisst. Die halbe Nation betete und schien nach ihr zu suchen und wie durch ein Wunder wurde sie tatsächlich lebend im Abwassersystem an einem Gully gefunden. Arden wurde in den Medien gefeiert und ihre Mutter hat sogar ein Buch veröffentlicht. Doch der unerwartete Ruhm rief auch Neider und Stalker auf den Plan, weshalb Arden als Erwachsene ihren Namen änderte und versuchte ein neues, unbescholtenes Leben zu beginnen.
Zwanzig Jahre später lebt sie unter dem Namen Olivia Meyer in einem anderen Bundesstaat, wo sie sich seit zwei Jahren sicher fühlt. Doch als ihre Mutter stirbt und das 20-jährige Jubiläum des Wunders von Widow Hills näher rückt, beginnt Arden wieder mit dem Schlafwandeln und stößt eines Nachts auf eine Leiche in ihrem Garten. Der Tote stellt sich als ein Mann heraus, den sie aus ihrem Leben als Arden Maynor kennt.

Der Roman ist aus der Perspektive von Arden bzw. Olivia geschrieben, die zurückgezogen lebt und unter ihrem neuen Namen nie wieder über die Geschehnisse von damals gesprochen hat. Sich selbst gegenüber behauptet sie, sich an nichts zu erinnern. Als die Vergangenheit sie droht einzuholen, verhält sie sich panisch und paranoid. Sie fühlt sich beobachtet und weiß nicht, wem sie trauen kann. Der Leichenfund und die Verbindung in ihre Vergangenheit, von der an dem neuen Ort eigentlich niemand etwas wissen dürfte, verstärken ihre Ängste, bis sie sich wegen ihres Schlafwandelns selbst nicht mehr trauen kann.

Die Geschichte ist stark auf die Gedanken der Protagonisten reduziert, während sich die Handlung kaum weiterentwickelt. Durch die ständigen Wiederholungen und vagen Andeutungen liest sich das Buch äußerst zäh. Was in der Vergangenheit geschehen sein mag, wirkt arg konstruiert und auch die Tatsache, dass Arden unter anderem Namen ein neues Leben angefangen hat, andere aber dennoch ohne große Mühen heimlich ihre Identität aufgedeckt haben, lässt die Geschichte nicht wirklich glaubhaft erscheinen.

Die einzelnen Kapitel werden durch Zeitungsausschnitte, E-Mails und Protokolle von Telefonaten unterbrochen, was für Abwechslung sorgt. Die Ausschnitte tragen jedoch nichts Erhellendes zur Geschichte bei.

Die Charaktere sind blass und bleiben auf Distanz. Selbst zu Arden fällt es schwer, eine Verbindung aufzubauen und sich in ihre Situation hineinzuversetzen, weshalb mich das Buch nicht fesseln konnte. Einzig spannend ist, herauszufinden, wer aus welchem Grund für den Mord verantwortlich ist. Der Weg dorthin ist jedoch schon aufgrund der elendigen Gedankenspirale von Arden ermüdend, voller Wiederholungen und unglaubwürdiger Verhaltensweisen. Das Ende ist - positiv betrachtet - überraschend, aber realistisch gesehen - ähnlich wie die gesamte konstruierte Geschichte - absurd. Es kommt letztlich auch zu übereilt, mit einem Täter, mit dem schier nicht zu rechnen war und einem wirren Motiv, während das Mordopfer letztlich nur ein Statist ist.

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Veröffentlicht am 22.01.2022

Der Roman verliert sich in diversen Nebenhandlungen, die beliebig und für den Fortgang der Handlung unerheblich sind. Kein Familienroman, sondern eine langatmige Geschichte, die weder fesselt, noch emotional berührt

Das Nest
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"Das Nest" ist ein Treuhandfonds, den der bereits verstorbene Familienvater Leonard Plumb für seine vier Kinder angelegt hat. Dieser sollte am 40. Geburtstag der jüngsten Tochter Melody ausgezahlt werden. ...

"Das Nest" ist ein Treuhandfonds, den der bereits verstorbene Familienvater Leonard Plumb für seine vier Kinder angelegt hat. Dieser sollte am 40. Geburtstag der jüngsten Tochter Melody ausgezahlt werden. Wenige Monate zuvor verursacht der älteste Sohn Leo jedoch einen Unfall, weshalb Mutter Francie den Fonds als Schweigegeld für das Unfallopfer verwendet, um einen Skandal zu verhindern. Dummerweise hatten die Kinder jedoch mit der Auszahlung eines millionenschweren Erbes gerechnet, so dass sie sich nicht aus ihren bestehenden Finanzkrisen heraushelfen können. Leo vertröstet seine Geschwister zunächst und verspricht, sich um einen Ausgleich zu kümmern, aber dann verschwindet der Lebemann klammheimlich.

Der Roman ist aus der Perspektive zahlreicher Charaktere geschrieben, dass es zunächst schwerfällt, einen Überblick über alle Figuren zu erhalten und die Zusammenhänge zu erkennen. Es werden nicht nur Szenen aus dem Leben der vier Geschwister Plumb geschildert, sondern auch aus denen von Nebencharakteren, die für die Handlung keine wesentliche Rolle spielen. Auf diese Weise kommt man keinem Charakter wirklich nah, sie blieben distanziert und undurchsichtig. Auch stört die am Anfang sprunghafte Erzählweise den Lesefluss. Die einzelnen Episoden und Rückblenden wirken zusammenhanglos und es fehlt an einer aktiven Handlung, da sich der Roman mehr mit den Gedanken und Sorgen der Protagonisten beschäftigt.
Erst als der Fokus stärker auf Leo rückt und sein Charakter, der sich als eine arrogante, überhebliche und egoistische Persönlichkeit entpuppt, die keinerlei Unrechtsbewusstsein zu haben scheint, sich seine Schuld nicht eingesteht und für sich selbst einen Neuanfang möchte, wird das Buch interessanter und spannender. Leider verliert sich die Handlung dann erneut in Nebenschauplätzen, so dass sie am Ende nicht spannender sondern ermüdender wird.

"Das Nest" ist für mich kein klassischer Familienroman, denn dafür fehlte mir eine durchgehende Interaktion der Geschwister. Es bleibt vage, wie die Geschwister gemeinsam aufgewachsen sind und in welchen Verhältnissen sie zueinander stehen. Verbindendes Element scheint einzig der Treuhandfonds zu sein, weshalb sie sich überhaupt um Treffen bemühen. Details aus den Leben der jeweils anderen kennen sie nicht. Die Rolle von Mutter Francie ist nebulös und warum sie das Erbe eingesetzt hat, um negative Schlagzeilen zu vermeiden, wird nicht klar.

Auch wenn der rote Faden die ausstehende Wiedergutmachung Leos ist, auf die sich die Geschwister verlassen, um ihre finanziellen Probleme zu lösen, verliert sich der Roman in diversen Nebenhandlungen, die völlig beliebig und für den Fortgang der Handlung unerheblich sind, so dass er etwas langatmig und unfokussiert erscheint. Auch die fehlende Nähe zu den Charakteren erschwert es, an ihren Schicksalen teilzuhaben, so dass die Handlung weder sonderlich fesselt noch emotional berührt.

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