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Venatrix

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Veröffentlicht am 27.02.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Mostbarone
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„...Manche Menschen muss man nur reden lassen, eine alte Weisheit, die sich immer wieder bewährt hat...“

Der österreichische Krimiautor Helmut Scharner lässt nach einer längeren Pause seinen Ermittler ...

„...Manche Menschen muss man nur reden lassen, eine alte Weisheit, die sich immer wieder bewährt hat...“

Der österreichische Krimiautor Helmut Scharner lässt nach einer längeren Pause seinen Ermittler Leo Brandner, in der Zwischenzeit zum Major befördert, wieder ermitteln.

Die Leiche von Franz Haider, seines Zeichen Primus der Mostbarone, einer Vereinigung von Mostbauern, zwingt Brandner nach Neuhofen an der Ybbs ins (eh klar) Mostviertel.

Während sich der Herr Major mit der ganz und gar nicht trauernden Witwe, die ihm sofort einen Täter servieren will, unterhält, plagt sich seine Frau Eva damit, einen Urlaubsort für sich und ihre beiden Töchter zu finden. Aus den bekannten Gründen sind Destinationen am Meer wie Mallorca oder die verpönte Obere Adria buchstäblich ins Wasser gefallen. Nach langwieriger Suche findet sie in Blindenmarkt, unweit des Tatortes einen Reiterhof, der auch den Ansprüchen des pubertierenden Nachwuchses genügen sollte.

Wie es Autor und Zufall so wollen, gehört die Hotelchefin auch den Mostbaronen an und lässt sich mit „Baroness“ anreden.

Als dann der, von der Haider-Witwe als Täter verdächtigte, selbst einem Mord zum Opfer fällt, muss Leo Brandner noch ein wenig länger auf ein Wiedersehen mit seiner Familie warte.

Meine Meinung:

Ich mag Regionalkrimis und besonders jene, die in Österreich spielen, erhalte ich doch den einen oder anderen Geheimtipp zur Landschaft oder Brauchtum.

Grinsen musste ich über die eine oder andere Anspielung auf die Politiker und deren Handlungen im Sommer 2020.

“Urlaub in Österreich?“ „Den Gefallen wollte ich unseren Kanzlerbuben nicht machen.“

Nun, besagter Kanzler ist Geschichte und wir dürfen sowohl Leo als auch seine Familie durch die heißen Sommertage begleiten.

Ein nettes Stilmittel ist, die unausgesprochenen Gedanken der Protagonisten in kursiver Schrift darzustellen. Doch leider nützt sich dieser Kunstgriff recht bald ab, da er inflationär gebraucht wird. Schade, hier wäre weniger, mehr gewesen.

Sprachlich ist der Krimi gut gelungen. Nach rund 120 Seiten gibt es für mein Empfinden einen kleinen Durchhänger, bis eine unerwartete Wendung dem Krimi einen neuen „Drive“ gibt, der in einem fesselnden Showdown endet.

Die wechselnden Perspektiven ergeben ein rundes Gesamtbild der Geschichte. Die Beschreibung von Land und Leuten ist gut in die Handlung integriert. Vielleicht entdeckt der eine oder andere Leser das schöne Mostviertel als Ausflugs- oder Urlaubsziel.

Brandners Familie ist mir einen Hauch zu dominant in Szene gesetzt, aber das ist nur mein persönliches Empfinden, anderen gefällt es.

Fazit:

Wer einen Regionalkrimi mit einem unerwarteten Ende sucht, ist hier richtig. Gerne gebe ich 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.02.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Seidenwalzer
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Dieser historische Roman spielt im Jahr 1815. Der Wiener Kongress, der jede Menge Diplomaten, Liebschaften und sonstige Aufregung nach Wien gebracht hat, tagt, tanzt und liebt. Napoleon Bonaparte ist für ...

Dieser historische Roman spielt im Jahr 1815. Der Wiener Kongress, der jede Menge Diplomaten, Liebschaften und sonstige Aufregung nach Wien gebracht hat, tagt, tanzt und liebt. Napoleon Bonaparte ist für seine 100 Tage von der Insel Elba geflohen und stürzt Europa wieder in den Krieg. Es wird noch einige Zeit dauern, bis er in der Schlacht von Belle Alliance, besser bekannt als Schlacht von Waterloo, endgültig besiegt und auf St. Helena verbannt werden kann.

Sophie und Fanny, beide inzwischen verheiratet, kämpfen ihren eigenen Schlachten. Sophie, vor den Intrigen der Schwiegermutter aus England zu ihrer Familie nach Wien geflüchtet ist und die schwangere Fanny, die sich wie schon in „Debütantenball“ lieber dem Vergnügen hingeben will.

Gleichzeitig lenkt die Autorin den Blick der Leser auf einen oft nicht beachteten Teil von Wiens (Wirtschafts)Geschichte: der boomenden Erzeugung von Seidenwaren. Einer dieser Seidenfabrikanten, Alois Pointner, kreuzt die Wege der Familie von Wohlleben und sorgt mit seiner Mitarbeiterin und Couturière Emilia, für gehörige Turbulenzen.

Meine Meinung:

Diese Fortsetzung der fiktiven Familiengeschichte derer von Wohlleben lässt sich gut lesen.

Die eigenwillige Fanny bekommt sowohl mit Ihrer Schwester Sophie als auch mit Emilia eine ernst zunehmende Konkurrenz um die Gunst der Leser.

Fanny hat bei mir einige Sympathien verspielt, denn sie wirkt auf mich nach wie vor wie ein verzogenes Kind. Eine Ehe, ein verlorenes Kind und der Status als Witwe hätten sie doch ein wenig reifen lassen können.

Fanny lässt sich einfach treiben, während Sophie um ihren Mann und ihre Ehe kämpft. Erst als Fanny vom Schicksal Emilias erfährt, kommt sie in Fahrt.

Wie es sich für eine Historikerin gehört, ist der Roman sehr gut recherchiert. Vielen Leser ist nicht bekannt, dass Wien Ende des 18. und zu Beginn eine Stätte der prosperierenden Seidenproduktion war. In den damaligen Vorstädten wie Neubau, St. Ulrich und Schottenfeld florierten die Unternehmen unter Ausbeutung der Arbeiterinnen. Michaela Baumgartner verschweigt in diesem Seitenblick nicht, unter welchen miserablen Bedingungen Kinder und Frauen die begehrten Stoffe hergestellt haben und welchen sexuellen Übergriffen sie ausgesetzt waren, während die Eigentümer im Luxus lebten. Daher wundert es nicht, dass man diese Vorstädte unter dem Begriff „Brillantengrund“ zusammengefasst hat. Heute erinnert unter anderem die Seidengasse im 7. Bezirk von Wien daran, dass hier Seidenstoffe gewebt und verarbeitet worden sind.

Zur Seidenproduktion gibt es ein ausführliches Glossar, das die gängigsten Fachausdrücke eingehend erklärt.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, die einen Einblick in das Wien um 1815 und die Seidenproduktion gibt. Von mir gibt es dafür 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.02.2022

Mehy Psychogramm als Krimi

Grado im Licht
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Die frischgebackene Commissaria Maddalena Degrassi dringt mit ihrem Dienstantritt in eine absolute Männerdomäne ein und wird mehr als scheel angesehen. Dazu kommt, dass es für die engagierte Polizistin ...

Die frischgebackene Commissaria Maddalena Degrassi dringt mit ihrem Dienstantritt in eine absolute Männerdomäne ein und wird mehr als scheel angesehen. Dazu kommt, dass es für die engagierte Polizistin nichts zu tun gibt. Noch herrscht Ruhe, bevor die Ferienzeit anbricht und Abertausende Urlauber, vornehmlich aus Österreich die Stadt und die Strände bevölkern.

Dann endlich, passiert etwas: Pauline, die neunjährige Tochter der Familie Wildner verschwindet spurlos ...

Meine Meinung:

Dieser Krimi stellt eigentlich den Beginn der Reihe rund um Commissaria Maddalena Degrassi dar, erzählt er doch von ihrem Dienstantritt bei der Polizia di Stato im beliebten Urlaubsort Grado. Wer, so wie ich, alle Fälle Degrassis kennt, wird zwar nicht restlos zufrieden sein, aber das Buch doch gerne lesen. Dafür sorgt schon das Cover.

Wer Maddalena noch nicht kennt, kann sich ein Bild von der jungen Frau machen, die einen - für ihre Familie - ungewöhnlichen Berufsweg einschlägt. Wir erfahren viel über die Dienststelle, die Kollegen und Maddalenas Chef, der in den weiteren Bänden eine immer größer werdende Rolle spielen wird. Allerdings besteht die Gefahr, dass der starke Fokus auf die Familie des Opfers und weniger auf die Ermittlungen den einen oder anderen Leser enttäuschen könnte.

Sehr geschickt und gut eingefügt ist das Psychogramm der Familie Wildner, die ziemlich dysfunktional ist. Für das (Noch)Ehepaar konnte ich keine Sympathie aufbringen! Besonders der Vater ist für mich ein Versager, der nur wegschaut und letztlich auch vor seiner alkoholkranken Ehefrau wegläuft und die Kinder allein zurücklässt. Dabei sollte er als Richter wissen, dass er sich der Vernachlässigung von Schutzbefohlenen schuldig macht.

Dass Personen mit psychischen Problemen immer sehr gut gelingen, ist dem Brotberuf von Andrea Nagele geschuldet. Sie ist Psychotherapeutin und kann aus dem Vollen schöpfen, wenn sie ihren Klienten betreut.

Leider tritt der Kriminalfall zu zugunsten der Psychogramme in den Hintergrund. Daher ist die Auflösung des rätselhaften Verschwindens der kleinen Pauline nicht ganz rund. Sicher, spannend, weil wieder eine psychisch angeschlagene Person aus dem heimischen Umfeld der Wildners in Grado auftaucht und von der Autorin dazu benützt wird, für Degrassi und die Leser die eine oder andere falsche Spur zu legen.

Gefreut habe ich mich, Simon Rosner wieder zu treffen, auch wenn er Degrassi ziemlich überheblich gegenüber tritt. Simon Rosner ist Ermittler in (s)einer eigenen Krimi-Reihe.

Fazit:

Ich bin ein wenig zwiegespalten, denn die eigentliche Krimihandlung kommt doch ein wenig zu kurz und vor allem Maddalena Degrassi wird in den Hintergrund gerückt. Die psychologische Komponente dominiert hier eindeutig. Daher gibt es diesmal 4 Sterne.

Veröffentlicht am 25.02.2022

Ein Plädoyer für das NIchtstun

Langeweile
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Dieses Buch ist Teil der Reihe „Übermorgen“ aus dem Verlag Kremayr & Scheriau, die sich mit aktuellen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Themen auseinandersetzt. Das Motto dieser Reihe ist ...

Dieses Buch ist Teil der Reihe „Übermorgen“ aus dem Verlag Kremayr & Scheriau, die sich mit aktuellen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Themen auseinandersetzt. Das Motto dieser Reihe ist „Gib mir nur ein Wort“ - und so besteht der Titel jedes Werks nur aus einem Schlagwort. Nach „Wir“,“Pathos“, „Dummheit“, „Offenheit“, „Hoffnung“, „Sorge“, Heimat“ und „Angst“ dürfen wir uns mit der Langeweile beschäftigen.

„Ein Mangel ist die Langeweile, auch der Wunsch nach einem tröstlichen Nichts, einem Fallenlassen und danach, dass man aufgefangen wird.“

Autorin Isabella Feimer lässt ihren Gedanken zu „Langeweile“ freien Lauf. Spüren wir überhaupt noch Langeweile? In einer Gegenwart, in der wir allerlei gewünschten und unerwünschten Reizen ausgesetzt sind, ist es schwierig echte Langeweile zu spüren. Swir sind ständig bemüht, auch die kleinsten Leerläufe mit sinnvollen (?)Tätigkeiten zu füllen. So wird in den öffentlichen Verkehrsmitteln (lautstark) telefoniert, auf den Smartphones gespielt oder eifrig Nachrichten ausgetauscht. Den kleinen Auszeiten, in denen manchmal Langeweile aufkommen könnte, wird keine Aufmerksamkeit geschenkt.

Im Zeitalter des „Dauernd-beschäftigt-sein“ fühlen sich manche Menschen, die es nicht gelernt haben mit sich selbst zu sein, von der Langeweile bedroht. Das Nichtstun, das „Löcher-in-die Luft-starren“ (eine Spezialität mancher Männer, die uns Frauen rasend macht) oder das „aus-dem-Fenster-schauen“ ist abgekommen.

„Man genießt etwas ganz und gar Zufälliges, man betrachtet das ganze Dasein von diesem Standpunkt, lässt die Wirklichkeit des Daseins daran scheitern.“ (S.69)

Meine Meinung:

Mir hat dieser Essay recht gut gefallen. Wir haben verlernt, mit Langeweile umzugehen und sie zu genießen.

Sprachlich ist dieses Buch ein Genuss. Was mich allerdings stört, sind die vielen englischen Zitate, die hier doch sehr zahlreich abgedruckt sind. Natürlich ist ein Zitat in der Originalsprache eindrucksvoller als in einer Übersetzung. Das kostet den 5. Stern.

Sehr hübsch ist das Cover, das aus einem Linolschnitt angefertigt ist.

Fazit:

Ein Plädoyer für das Nichtstun und das Spüren der Langeweile. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 20.02.2022

Very British - ein skurriler Krimi

Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar
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Judith Potts (77) und alleinstehend hat zwei tägliche Freuden: das Nacktschwimmen in der Themse und ein Glas guten Whiskys. Daneben genießt sie ihr selbstbestimmtes Leben und generiert knifflige Kreuzworträtsel ...

Judith Potts (77) und alleinstehend hat zwei tägliche Freuden: das Nacktschwimmen in der Themse und ein Glas guten Whiskys. Daneben genießt sie ihr selbstbestimmtes Leben und generiert knifflige Kreuzworträtsel für eine Zeitung. Die Beschaulichkeit ändert sich flugs, als sie während des Schwimmens einen Schuss hört und ihren Nachbarn tot auffindet. Die herbeigerufene Polizei findet allerdings keine Leiche und hält Judith für ein wenig überspannt.

Judith beginnt Mithilfe der Hundesitterin Suzie und der Pfarrersfrau Rebecca „Becks“ auf eigenen Faust zu recherchieren. Wenig später gibt es einen zweiten Toten und die ermittelnde Polizistin Detective Sergeant Tanika Malik wirkt auf den ersten Blick ein wenig überfordert.

Erst als DS Malik aus der Not heraus das Trio zu Hilfspolizistinnen macht, kommen die Ermittlungen so richtig in Gang.

Meine Meinung:

Hier handelt es sich um einen typisch britischen Krimi, der im Aufbau an die Doyenne der Kriminalgeschichten, Agathe Christie, erinnert.
Die Geschichte wird von den skurrilen Persönlichkeiten getragen. Dennoch gibt es den einen oder anderen ernsten Gedanken, der erst das Handeln des „Marlowe Mord Club“ ermöglicht: das Kaputtsparen der polizeilichen Infrastruktur bei gleichzeitiger Vorgabe, die Verbrechen schnell aufzuklären, sodass Detective Sergeant Tanika Malik quasi als „Notmaßnahme“, das Damen-Trio zu Hilfspolizistinnen erklärt.

Gekonnt ist die malerische Umgebung in den Krimi eingeflochten. Die Art, wie die Morde verübt worden sind, habe ich erst unlängst in einem anderen Krimi gelesen. Doch das macht gar nichts, denn jeder Autor legt seine Spuren anders. Mehrmals müssen die Damen in Sackgassen umkehren, bis sie den Mechanismus und das Motiv erkennen, nachdem die Morde inszeniert werden.

Fazit:

Wer einen typisch britischen Krimi sucht, wird hier auf seine Kosten kommen. Gerne gebe ich diesem Reihenauftakt 4 Sterne.