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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.02.2022

Kein leichter Sommertag

Der Papierpalast
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Inhalt:

Elle Bishop macht mit ihrer Familie im Ferienhaus ihrer Familie Urlaub. Dort trifft sie auf ihre Jugendliebe Jonas und muss nun eine Entscheidung treffen, ob sie bei ihrem Mann bleiben will oder ...

Inhalt:

Elle Bishop macht mit ihrer Familie im Ferienhaus ihrer Familie Urlaub. Dort trifft sie auf ihre Jugendliebe Jonas und muss nun eine Entscheidung treffen, ob sie bei ihrem Mann bleiben will oder Jonas doch der richtige für sie ist.

Meinung:

Ich habe tatsächlich mit einer etwas leichteren Liebesgeschichte gerechnet, die kurzweilig und emotional ist. Dieses Buch ist aber absolut keine leichte Kost und behandelt sehr ernste Themen wie sexualisierte Gewalt. Daher hätte ich hier eine Triggerwarnung für angebracht gefunden.

Es werden zwei Handlungsstränge miteinander verknüpft. Die Gegenwart handelt von einem einzigen Tag, während der zweite Strang die Vergangenheit der Protagonistin Elle Stück für Stück entfaltet. Hierbei lernen wir ihre ganze Familie kennen und es kommen dunkle Geheimnisse und Schicksale ans Licht. Die vielen Personen und die ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart waren oft anstrengend. Zum Ende hin hat mich das Buch aber trotzdem gepackt, da einige Wendungen für Spannung gesorgt haben.

Miranda Cowley Heller kann wirklich toll schreiben! Man kommt der Protagonistin Elle sehr nahe und kann sehr tief in ihre Seele, Emotionen und Gedanken blicken. Die Autorin entfaltet mit Worten wunderschöne Bilder und beschreibt damit Gedanken sowie Gefühle sehr treffend.

Es geht um Geheimnisse, Entscheidungen, Liebe und Ehe. Der Roman ist sehr berührend und lässt einen nicht kalt.

Fazit:

Ein eindrücklicher Roman, der toll geschrieben ist! Der leichte Schreibstil versöhnt einen , da die Thematik sehr erdrückend sein kann. Die verschiedenen Zeitebenen und die Beschreibung der Charaktere haben mir gut gefallen!

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Veröffentlicht am 09.02.2022

Der Tatenlosigkeit entkommen

Erschütterung
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Inhalt:

Zach bezeichnet sich selbst als eher unglücklichen Menschen. Er hat eine tolle Frau und eine bezaubernde Tochter, aber wird dennoch hin und wieder von Gedanken an einen Selbstmord heimgesucht. ...

Inhalt:

Zach bezeichnet sich selbst als eher unglücklichen Menschen. Er hat eine tolle Frau und eine bezaubernde Tochter, aber wird dennoch hin und wieder von Gedanken an einen Selbstmord heimgesucht. Die Beziehung zu seiner Frau ist kälter geworden, seine Tochter ist die einzige, die er innig liebt. Als sie die schlimme Diagnose erhalten, dass ihre Tochter Sarah eine tödliche Krankheit und damit keine hohe Lebenserwartung hat, bricht seine Welt zusammen. Um vor der eigenen Tatenlosigkeit zu fliehen, flieht er nach New Mexico, um einem Hilferuf nachzugehen, den er in der Tasche einer Second-Hand-Jacke gefunden hat.

Meinung:

Zach habe ich als sehr interessanten Protagonisten empfunden. Er ist ein nerdiger Paläontologe, der etwas kalt und distanziert ist. Der Schreibstil macht ihn lebendiger, da hiermit seine Distanz sowie seine Melancholie und sein Unglücklichsein, also sein inneres Wesen authentisch widergespiegelt werden. Auch dass Zach selbst Fehler macht und nicht immer richtig handelt, macht ihn sehr menschlich.

Mich hat seine Verbindung zu seiner Tochter sehr berührt. Das gemeinsame Schachspielen zieht sich als Bindeglied zwischen Vater und Tochter durch den gesamten Roman. Zach beschreibt immer wieder, wie sehr er seine Tochter liebt, was durch verschiedene Gedanken und Erinnerungen, deutlich gemacht wird. Er erträgt es daher nicht, bei seiner Tochter zu bleiben, und tatenlos mit ansehen zu müssen, wie sich ihr Zustand verschlechtert. Obwohl der Schreibstil eher distanziert ist, werden sein Schmerz und seine Trauer sehr intensiv vermittelt.

Um dieser Tatenlosigkeit zu entkommen, entscheidet sich Zack dafür, dem Hilferuf zu folgen. Damit eröffnet sich ein anderer Handlungsstrang, der Spannung in den Roman bringt. Diese Art der Trauerbewältigung fand ich sehr interessant und habe sie sehr gerne mitverfolgt.

Dass Zach nun eine Aufgabe hat, bei der er anderen Menschen helfen kann, gibt ihm die nötige Kraft, den immer schlechter werdenden Zustand seiner Tochter zu ertragen. Die beiden Handlungsstränge haben mir gut gefallen, wobei mir der zweite Strang in New Mexico ein wenig konstruiert bzw. weit hergeholt wirkte. Dennoch konnte man mit ihm mehr über Zach erfahren.

Fazit:

Der Roman behandelt die Trauerbewältigung auf eine neuartige und bewegende Weise. Der Umgang des Protagonisten mit der Erschütterung seiner Welt ist spannend und authentisch dargestellt. Der zweite Handlungsstrang macht den Roman besonders, auch wenn er vielleicht etwas weit hergeholt wirken könnte.

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Veröffentlicht am 09.02.2022

Toxische Beziehung

Unser wirkliches Leben
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Anna befindet sich zurzeit in der Ausbildung zur Opernsängerin. Eine Karriere als Opernsängerin ist ihr größter Traum. Doch bis dahin muss sie sich finanziell irgendwie über Wasser halten. In einer Bar ...

Anna befindet sich zurzeit in der Ausbildung zur Opernsängerin. Eine Karriere als Opernsängerin ist ihr größter Traum. Doch bis dahin muss sie sich finanziell irgendwie über Wasser halten. In einer Bar trifft sie dann plötzlich auf den wohlhabenden Max. Er ist anders als die anderen Männer, leicht geheimnisvoll und scheinbar ohne bestimmte Absichten.

Sie beginnen eine Affäre, die sich schnell zu einer toxischen Beziehung entwickelt. Er zeigt ihr, wie es ist ohne Geldsorgen zu leben. Während sie fasziniert von ihm ist, bleibt er jedoch kalt und zeigt kein richtiges Interesse an Anna. Anna ist aber so fixiert auf ihn, dass sie sich nicht von ihm losreißen kann.

Beim Lesen wird einen schnell klar, dass Max Anna nicht gut tut. Anna wird immer unabhängiger und ich fand es sehr spannend mitzuverfolgen, welche Wirkung diese toxische Beziehung hat. Die Machtverhältnisse zwischen den beiden werden sehr deutlich geschildert. Oftmals war ich schockiert darüber, wie Max mit Anna umgeht. Die Geschichte nimmt einen daher sehr mit.

Nebenbei erfährt man auch viel über Annas Gesangsausbildung, was ich auch sehr interessant fand, weil ich vorher nichts darüber wusste. Hiermit kommt auch Annas Persönlichkeit sehr gut zur Geltung. Sie brennt leidenschaftlich fürs Singen. Dazu mischen sich aber auch Ängste und Zweifel. Ihre Gedanken werden mit psychologischem Feingefühl dargestellt.

Die Gespräche zwischen Anna und Max und Anna und Laurie haben mir am besten gefallen. Die Dialoge sind sehr schön geschrieben!

Teilweise gab es aber Längen, sodass die Handlung langsam vorangeschritten ist. Einige Nebenhandlungen weniger hätte mir besser gefallen.

Alles in allem ist es ein spannender Roman über eine Frau, die nach Karriere strebt und mit einer toxischen Beziehung kämpft, die zu Problemen führt. Die Folgen solcher asymmetrischen Machtverhältnisse in einer Beziehung werden überzeugend geschildert!

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Veröffentlicht am 02.10.2021

Voller Leid und Trostlosigkeit

Shuggie Bain
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Inhalt:

Der kleine Junge Shuggie wächst zur Thatcher-Zeit in einer Arbeitersiedlung in Glasgow auf. Er selbst merkt früh, dass er anders ist als die anderen Jungen in seinem Umfeld und wird deswegen von ...

Inhalt:

Der kleine Junge Shuggie wächst zur Thatcher-Zeit in einer Arbeitersiedlung in Glasgow auf. Er selbst merkt früh, dass er anders ist als die anderen Jungen in seinem Umfeld und wird deswegen von ihnen beleidigt und zusammengeschlagen. Sein Vater verlässt die Familie sehr früh und seine Mutter Agnes ist alkoholsüchtig. Er tut alles, um seine Mutter zu beschützen, sie vom Alkohol fernzuhalten und sie glücklich zu machen.

Meinung:

Der Roman gewährt einen Einblick in eine Familie, in der die Alkoholsucht eine große Rolle spielt. Dass Shuggie bereits mit 10 Jahren anfängt, sich für seine Mutter aufzuopfern, und die Schule schwänzt, um bei ihr zu bleiben, hat mich sehr traurig gemacht. Die toxische Beziehung zwischen ihm und seiner Mutter steht im Vordergrund. Während er sie glücklich machen und vom Alkohol fernhalten möchte, beachtet Agnes ihn kaum, nutzt ihn aus und lässt ihn verhungern, weil sie das ganze Geld für ihren Alkohol ausgibt. Er selbst bekommt so gut wie gar keine Aufmerksamkeit und wird für sein feminines Verhalten geächtet. Seine Homosexualität sieht er selbst als einen schlimmen Fehler an, weil sein Umfeld es ihn glauben lässt. Douglas Stuart hat mit Shuggie einen Protagonisten geschaffen, der einem nur ans Herz wachsen kann.

Der Inhalt ist voller Trostlosigkeit und Leid. Im Roman spielen neben dem Alkoholmissbrauch auch sexueller Missbrauch und Gewalt eine große Rolle. Daher kommt beim Lesen keine Freude auf, man liest aber trotzdem weiter, weil Shuggies trauriges Schicksal einen in den Bann zieht. Im Verlauf des Romans wurde ich immer abgestumpfter, was bei dem Inhalt eigentlich sehr erschreckend ist. Durch Stuarts nüchternen Schreibstil gab es aber immer eine Distanz zwischen mir und dem Inhalt, sodass ich die schonungslose Geschichte weiterlesen konnte, ohne das Buch abbrechen zu müssen.

Die Perspektive wechselt sehr oft, sodass man auch Agnes und Shuggies Geschwister Leek und Catherine besser kennenlernt. Vor allem Agnes' Geschichte ist wichtig, um die toxische Beziehung zwischen ihr und Shuggie zu verstehen.

Parallel werden auch die Folgen von Thatchers Regierung in den 80er Jahren deutlich. Die vielen Arbeiter, die arbeitslos geworden sind, werden an den Rand der Gesellschaft und der Stadt gedrängt. Sie werden völlig vergessen und mit ihrer Armut sowie weiteren Problemen alleine gelassen.



Fazit:

Der Roman zeigt sehr schonungslos auf, wie das Leben eines Kindes von der Alkoholsucht der Eltern geprägt wird. Shuggies Aufopferung für seine Mutter und die zu früh übernommene Verantwortung ziehen sich durch das gesamte Buch und haben mich nicht kalt gelassen. Am Ende war ich aber froh, dass ich das Buch beiseitelegen konnte, da bei dem Inhalt alles andere als ein Lesegenuss aufgekommen ist. Man sollte darauf gefasst sein, dass sich der Roman aufgrund der Thematik nicht einfach mal schnell wegliest und einen herunterziehen kann.

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Veröffentlicht am 27.08.2021

Wunderschöne Poesie!

Greta und Jannis
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Inhalt:

Jannis und Greta lieben sich, obwohl sie es nicht dürfen. Jannis lebt in der Stadt und Greta in einem weit entfernten Dorf, wo sie ihrer Großtante Severine, die nichts von Männern hält, unter ...

Inhalt:

Jannis und Greta lieben sich, obwohl sie es nicht dürfen. Jannis lebt in der Stadt und Greta in einem weit entfernten Dorf, wo sie ihrer Großtante Severine, die nichts von Männern hält, unter die Arme greifen muss. Dem Liebespaar stehen viele Hindernisse im Weg, sodass Greta Jannis ständig heimlich besuchen muss.

Meinung:

Die poetische Sprache hat mich von der ersten Seite an mitgerissen und begeistert. Man hat das Gefühl, eine ganz andere Welt kennenzulernen, wo die Zeit langsamer läuft, wo die Atmosphäre von Melancholie geprägt ist. Die Atmosphäre ist märchenhaft und man kann den Roman nicht in Raum und Zeit einordnen.

Von Anfang an spürt man die vertraute Beziehung zwischen Jannis und Greta. Sie sind füreinander bestimmt und ich habe mich der Protagonistin Greta sehr nahe gefühlt, weil ihre Gefühle verständlich beschrieben werden.

Beim Lesen musste ich mich konzentrieren, um wirklich zu verstehen, was in dem Roman passiert. Durch die poetische Sprache und die außergewöhnliche Geschichte war dies nämlich nicht immer sehr leicht. Trotzdem habe ich es sehr genossen, diese neue Welt kennenzulernen und in diese eintauchen zu können.

Fazit:

Mit diesem Roman konnte ich in eine außergewöhnliche und stille Welt eintauchen, die mir lange in Erinnerung bleiben wird. Die Sprache ist ein Highlight, sodass die Lektüre in jedem Fall ein Genuss ist!

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