Reise in die Vergangenheit
Auf der Straße heißen wir andersKarlas Oma ist verstorben. Die Oma, die so toll kochen konnte, die immer da war. Und zum ersten Mal wird Karla bewusst, dass sie armenische Wurzeln hat. Die Oma wollte nach dem armenischen Ritus beerdigt ...
Karlas Oma ist verstorben. Die Oma, die so toll kochen konnte, die immer da war. Und zum ersten Mal wird Karla bewusst, dass sie armenische Wurzeln hat. Die Oma wollte nach dem armenischen Ritus beerdigt werden und überraschend konnte ein Priester gefunden werden. Karlas Vater Avi hat sie viel von seiner Jugend erzählt. Sein richtiges Leben begann eigentlich erst in Deutschland, wo er zum Entsetzen seiner Mutter in eine Einheimische verliebte. Zwar hielt die Beziehung nicht, doch an Karla haben die Eltern das nicht ausgelassen. Nach dem Leichenschmaus muss die Wohnung der Oma geräumt werden. Dabei finden die Hinterbliebenen einen Armreif, der für Lilit bestimmt ist.
Karlas Familie ist mit ihren armenischen Wurzeln, dem Leben in der Türkei und der Auswanderung nach Deutschland schon sehr international. Doch leider ist die Familiengeschichte nicht von Aufbruchstimmung bestimmt, sondern von Leid, Vertreibung und Flucht. Dabei hat die Oma ebenso viel für sich behalten wie Avi. Doch Avi hat noch Zeit zu reden. Gemeinsam fliegt er mit Karla nach Jerewan, um nach der geheimnisvollen Lilit zu suchen. Besonders für Avi wird es eine Reise zu seinen Wurzeln, die er nie richtig kennenlernen durfte. Und Karla kann an ihrem Vater neue Seiten entdecken.
Die Beschreibung zu diesem Roman macht neugierig, schließlich geht es auch um einen Teil der Geschichte, über die normalerweise nicht so viel bekannt ist. Auch die verwickelten Familienbeziehungen wirken sehr interessant und man ist gespannt, ob Vater und Tochter das Rätsel um Lilit lösen können. Allerdings ist die Handlung so aufgebaut, dass sich nicht so leicht eine emotionale Beziehung zu den handelnden Personen aufbauen lässt. Viele Dinge werden nur angedeutet. Da wirkt die Autorin irgendwie genauso verschwiegen wie ihre Protagonisten, obwohl sich Karla in Bezug auf ihren Vater genau darüber beklagt. Auch aus Karlas Erwachsenenleben erfährt man wenig. Dafür kann man sich gut in sie hineinversetzen als sie von ihrer Schulzeit berichtet, wo sie und die meisten ihrer Klassenkameraden irgendwie nicht dazugehörten und deshalb zusammenhalten mussten. Wenn man eine direktere Sprache bevorzugt, mag dieser Roman etwas schwierig sein, doch wenn es einem liegt, das Unausgesprochene zu deuten, kann dieses Buch gerade das richtige sein.