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Veröffentlicht am 04.03.2022

Spannender, undurchsichtiger Fall, dem es etwas an Dynamik mangelt, der dafür aber mit einer schönen Urlaubskulisse aufwarten kann und ohne Blutvergießen für heimelige Lesestunden sorgt.

Nordwesttod
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Kriminalkommissarin Anna Wagner ist nach ihrer Scheidung von München nach Kiel gezogen, um im dortigen Landeskriminalamt eine Einheit für Vermisstenfälle aufzubauen. Ihr erster Fall führt sie nach St. ...

Kriminalkommissarin Anna Wagner ist nach ihrer Scheidung von München nach Kiel gezogen, um im dortigen Landeskriminalamt eine Einheit für Vermisstenfälle aufzubauen. Ihr erster Fall führt sie nach St. Peter-Ording, wo Nina Brechtmann, engagierte Umweltschützerin und Tochter einer reichen Hoteliersfamilie, vermisst wird.
Doch nicht nur Anna ist "die Neue". An der Polizeidienststelle in St. Peter-Ording kam es zu einem Führungswechsel. Hendrik Norberg hat sich nach dem Tod seiner Ehefrau an den Familienwohnsitz versetzen und sich damit vom Kriminalisten zum Schutzpolizisten in Uniform degradieren lassen. Er unterstützt Anna bei ihren Ermittlungen, denn die Zeit bei Vermisstenfällen drängt. Als Nina Brechtmanns Auto mit Blutspuren im Kofferraum gefunden wird, stellt sich die Frage, ob Nina Opfer eines Verbrechens geworden ist und überhaupt noch lebt. Widersprüchliche Zeugenaussagen und offensichtliche Lügen ihrer eigenen Familie machen es den Ermittlern nicht leichter.

"Nordwesttod" ist ein Kriminalroman mit ganz viel Lokalkolorit, in dem zwar ein Kriminalfall im Fokus steht, jedoch auch das Privatleben, die Schwierigkeiten und Entwicklungen diverser handelnder Personen eine größere Rolle spielen. Anna muss im Norden Fuß fassen und zu Beginn allein an dem komplexen Vermisstenfall ermitteln. Hendrik muss sich damit abfinden, "nur" noch Schutzpolizist zu sein und als frischer alleinerziehender Vater Zeit für seine Söhne aufbringen, die beide auf unterschiedliche Art und Weise um ihre vor Kurzem verstorbene Mutter trauern. Zudem muss er eine Polizeidienststelle leiten, die in ihren Strukturen eingefahren ist und in der nicht jeder teamfähig ist.

Durch weitere Perspektiven erhält man kurze Einblicke in das Leben der Angehörigen und Bekannten des Opfers, die scheinbar alle etwas zu verbergen haben. Im Laufe der Ermittlungen wird immer weniger wahrscheinlich, dass Nina freiwillig verschwunden oder gart entführt worden ist, um ihre reiche Familie zu erpressen, die ihr aufgrund ihrer Kritik an den Expansionsabsichten ihrer Hotelkette alles andere als wohlgesonnen ist.

Der undurchsichtige Fall ist spannend geschildert und ein vielversprechender Auftakt der Krimireihe um die SoKo St. Peter-Ording. Durch die vielen Perspektivenwechsel und zahlreichen Nebenschauplätze, die eröffnet werden, zieht sich die Fallaufklärung ein wenig in die Länge und rückt den Fokus immer wieder weg von den eigentlichen Ermittlungen. Gleichzeitig lassen die Details aus dem Privatleben die Ermittler menschlich wirken und hauchen der Kriminalgeschichte mehr Leben ein.

"Nordwesttod" ist ein Kriminalroman, dem es etwas an Dynamik mangelt, der dafür aber mit vielen interessanten Haupt- und Nebenfiguren sowie einer wunderschönen Urlaubskulisse aufwarten kann und ohne Blutvergießen gewaltfrei für heimelige Lesestunden sorgt.

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Veröffentlicht am 28.02.2022

Atmosphärisches Drama über Schuld, Liebe, Lügen und Verrat, das die Spannung stetig anwachsen lässt - inspiriert von einem wahren Ereignis, das bis heute ein Mysterium ist.

Die Leuchtturmwärter
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Im Dezember 1972 verschwinden die diensthabenden Leuchtturmwärter von Maiden Rock spurlos. Die Tür des Leuchtturms ist von innen verschlossen, der Tisch für zwei Personen gedeckt, die Uhren sind stehengeblieben, ...

Im Dezember 1972 verschwinden die diensthabenden Leuchtturmwärter von Maiden Rock spurlos. Die Tür des Leuchtturms ist von innen verschlossen, der Tisch für zwei Personen gedeckt, die Uhren sind stehengeblieben, aber die Laterne leuchtet noch. Niemand weiß, was passiert ist, Verschwörungstheorien kommen auf, Verdächtigungen werden ausgesprochen. Insbesondere der junge Hilfswärter Vincent Bourne, der erst 1970 aus dem Gefängnis entlassen worden war, gerät in Verdacht, an dem Verschwinden Schuld zu sein. Die verantwortliche Leuchtfeuerverwaltung Trinity House hält im Frühjahr 1973 eine Abschiedszeremonie ab und übrig bleiben drei Frauen, die ohne ihre Männer und im Unklaren über ihren Verbleib weiterleben müssen.
20 Jahre später möchte der bekannte Autor Dan Sharp ein Buch über das Mysterium schreiben und den Frauen die Chance geben, Gehör zu finden. Doch nur Helen, die Frau des Oberwärters Arthur Black, ist wirklich bereit, sich zu öffnen.
"Die Leuchtturmwärter" ist inspiriert von einem realen Ereignis. Der Flannan-Isles-Leuchtturm bei Schottland erlangte traurige Berühmtheit durch das Verschwinden dreier Wärter im Jahr 1900, das nie vollständig aufgeklärt wurde.
Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und schildert die Ereignisse im Dezember 1972 aus Sicht der drei Leuchtturmwärter Arthur Black, Bill Walker und Vince Bourne. Arthur ist der Oberwärter, Bill ein erfahrener Kollege, Vince ein neuer Hilfswärter. Jeder von ihnen hat einen anderen Bezug zum Meer und zum Leuchtturm sowie einen unterschiedlichen Beweggrund, dieser besonderen Tätigkeit, bei der sie über Wochen von der übrigen Zivilisation getrennt und nur sich selbst überlassen sind, nachzugehen.
1992 sind es die hinterbliebenen Frauen Helen, Jenny und Michelle, die sich durch die Recherchen des Autors noch einmal den Geistern der Vergangenheit stellen müssen, wobei der Autor als Person keine Rolle spielt. Die Interviews werden passiv ohne wörtliche Rede wiedergegeben.
Durch den Wechsel der Perspektiven, der Offenheit Helens und den Rückblenden in die Vergangenheit ist es möglich, sich seine eigenen Gedanken zu dem mysteriösen Verschwinden der Leuchtturmwärter zu machen und über die Ereignisse von Silvester 1972 zu spekulieren. Während Menschen wie Helen an eine übersinnliche Macht glauben, beschuldigen andere den aus dem Gefängnis entlassenen Hilfswärter. Tatsächlich ergibt sich durch die Erzählungen ein Geflecht aus Lügen und Geheimnissen, die durch massive zwischenmenschliche Differenzen Arthur und Bill in einem anderen Licht dastehen lassen. Auch was sich unmittelbar vor der Silvesternacht abspielte, ob es tatsächlich Besuch von einem Mechaniker gab und wer der ominöse silberne Mann ist, der von verschiedenen Menschen gesehen wurde, erscheinen undurchsichtig und wirken verdächtig.
"Die Leuchtturmwärter" ist ein atmosphärisches Drama über Schuld, Liebe, Lügen und Verrat, das die Spannung stetig anwachsen lässt.
Im Fokus des Romans steht nicht die Aufklärung eines Verbrechens, eines Unfalls oder eines Aberglaubens, sondern die Figuren, ihre Motivation, der einsame Arbeitsalltag auf einem Leuchtturm und die Folgen für die Arbeiter, aber insbesondere auch für ihre Familien, mit einem ebenso einsamen und rastlosen Leben zurechtkommen müssen.
Geschickt schafft es die Autorin, verschiedene Theorien über das unerklärliche Verschwinden der drei Leuchtturmwärter aufzustellen und ein Konglomerat als Lösung erscheinen zu lassen. Dennoch bleiben nicht nur für die hinterbliebenen Frauen Fragen offen, so dass das Mysterium aufrechterhalten bleibt und die Grenze zwischen Realität und Einbildung verschwimmen.

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Veröffentlicht am 25.02.2022

Humorvolle und turbulente Geschichte in der Welt der Literatur um zwei Charaktere nach der Devise "Was sich neckt, das liebt sich", die durch raffinierte Wendungen überraschen kann.

Aber der Sex war gut
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Annie Shepherd ist eine erfolgreiche Liebesromanautorin. Mit Elizabeth Sunderland hat sie in ihrer "Trust me"-Reihe eine Heldin geschaffen, mit der sich vor allem ihrer weiblichen Leserinnen identifizieren ...

Annie Shepherd ist eine erfolgreiche Liebesromanautorin. Mit Elizabeth Sunderland hat sie in ihrer "Trust me"-Reihe eine Heldin geschaffen, mit der sich vor allem ihrer weiblichen Leserinnen identifizieren können. Was niemand ahnt, ist, dass Annie hinter der Romanreihe ein Geheimnis verbirgt, das nur ihr Lebensgefährte und Literaturprofessor Joe Duke kennt. Als dieser bei einem letzten Liebesakt ums Leben kommt, droht ihr nicht nur ihr Versteckspiel kurz vor der Veröffentlichung des nächsten Bandes aufzufliegen, Annie steht auch noch finanziell vor dem Nichts, denn Alleinerbin von Joes Nachlass ist seine unausstehliche Tochter Lacey. Annie bleibt nichts anderes übrig, als sich mit ihrem biederen Literaturagenten Henry Higgins zusammenzutun. Während ihrer Arbeit an dem Buchprojekt entwickelt sich eine ungeahnte Hassliebe. Kann Annie nun doch noch ihr eigenes Happy End schreiben?
Der Roman ist aus den Perspektiven von Annie und Henry geschrieben, die sich abwechseln, wobei aber nicht jeweils jedes zweite Kapitel aus der Sicht von Annie oder Henry verfasst ist, so dass man auch über mehrere Kapitel hinweg länger in die Lebens- und Gedankenwelt eines der Protagonisten eintauchen kann.
Beide sind wie Tag und Nacht, er der kühle Brite, sie die temperamentvolle Amerikanerin und scheinen bis auf die Liebe zur Literatur keine Gemeinsamkeiten zu haben. Während Henry hohe Ansprüche an sich selbst und seine Klienten hat und Trivialliteratur verabscheut, hat Annie selbst angeblich kein Talent zum Schreiben und pflegt lieber die soziale Komponente zu ihren Leserinnen. Sie ist zudem naiv und wenig verantwortungsbewusst, weshalb ihr auch das Abhängigkeitsverhältnis zu Joe zum Verhängnis wurde. Sie lebt sorglos in den Tag hinein und gerät in Panik, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich vorgestellt hat, während Henry strukturiert und gewissenhaft arbeitet und stets die Ruhe bewahrt.
Es macht Spaß ihre Kabbeleien zu verfolgen, denn der Roman ist wunderbar witzig geschrieben. Die Dialoge und Schlagabtauschs zwischen Annie und Henry sind erfrischend und humorvoll, ohne jemals aufgesetzt oder albern zu wirken. Dass das Ende der Geschichte frühzeitig zu erahnen ist, stört dabei nicht. Wie in Annies Romanreihe, in der es für die Heldin nach einer abenteuerlichen Geschichte stets ein Happy End gibt, ist auch dieser Roman um das Suchen und Finden der Liebe, wenn zwei Figuren die Liebe vor sich haben, diese jedoch nicht erkennen können, klassisch aufgebaut.
Für alle Buchliebhaber interessant, ist der Einblick in das Schaffen eines Romans und die Handlungsabläufe zwischen Agenten, Verlagen und Autoren, die anschaulich geschildert werden. Es geht um die Förderung von Talent, aber auch, wie viel gelogen und betrogen wird, wenn nur noch der finanzielle Profit und nicht die Leidenschaft und die eigene Stimme für das Schreiben im Vordergrund steht.
"Aber der Sex war gut" ist ein humorvolles und abwechslungsreiches Buch, das durch die Weiterentwicklung der Charaktere und ihrem Weg zur Selbstfindung nicht oberflächlich bleibt und eine Spur Feinsinn erhält. Im Vordergrund stehen jedoch der Humor und eine turbulente Geschichte in der Welt der Literatur um zwei Charaktere nach der Devise "Was sich neckt, das liebt sich", die gerade im letzten Drittel durch raffinierte Wendungen überraschen kann.

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Veröffentlicht am 17.02.2022

4.0 out of 5 stars Kein nervenaufreibender Thriller, aber eine dennoch spannende, authentische Geschichte um den Verdienst einer zweiten Chance

Safe House - Nirgends bist du sicher
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Wenige Wochen nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis sucht sich Steffi Finn eine renovierungsbedürftiges Cottage in Cornwall, um neu anzufangen. Sie hat einen anderen Namen angenommen und möchte als ...

Wenige Wochen nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis sucht sich Steffi Finn eine renovierungsbedürftiges Cottage in Cornwall, um neu anzufangen. Sie hat einen anderen Namen angenommen und möchte als Charlie Miller die Vergangenheit hinter sich lassen. Sie hatte ihrem damaligen Lebensgefährten vor zwei Jahren zunächst ein falsches Alibi gegeben, wodurch er nicht verhaftet wurde, sondern erneut einen Mord begehen konnte. Nach den Ermittlungen begann eine Hetzjagd durch die Medien und die Angehörigen der Opfer auf Steffi und selbst ihre Eltern wendeten sich von ihr ab. Sie selbst macht sich Vorwürfe aufgrund ihrer Naivität und der starken Abhängigkeit von ihrem manipulativen Exfreund, hofft aber dennoch auf eine zweite Chance. Doch die Dämonen der Vergangenheit lassen sie selbst in dem abgelegenen Dorf nicht los.

Der Roman handelt im Herbst 2018, zwei Monate nach der Entlassung von Steffi Finn aus dem Gefängnis wegen Behinderung der Justiz. Durch Rückblenden in das Jahr 2016 wird deutlich, welche toxische Beziehung sie zu Lee Fisher führte und wie es dazu kam, dass sie ihm voll Vertrauen in seine Integrität ohne nachzudenken ein falsches Alibi gegeben hat.
In Cornwall angekommen, versucht sie sich in die Dorfgemeinschaft zu integrieren, beteiligt sich an einem Buchclub und übernimmt kleine handwerkliche Tätigkeiten. Mit ihrer neuen Identität fühlt sie sich sicher, doch dann ereignen sich immer wieder kleinere Unfälle und seltsame Zufälle lassen sie glauben, dass sie jemand enttarnt hat und verfolgt.
Die Angst von Steffi ist spürbar und ihre Paranoia nachvollziehbar geschildert.

Tatsächlich erfährt der Leser aus zwei weiteren Perspektiven, dass sich Steffi nicht sicher fühlen kann. Mindestens zwei Personen sind hinter ihr dicht auf den Fersen, um Rache zu üben.

"Safe House - Nirgends bist du sicher" ist kein nervenaufreibender, komplexer Thriller, entwickelt aber trotz seiner Vorhersehbarkeit eine solide Grundspannung. Zudem sind das Alltagsleben und die Hoffnung auf einen Neuanfang, auf Rehabilitation nach einer verbüßten Strafe und einen gerechten Neuanfang, authentisch und abwechslungsreich geschildert. Auch die charakterliche Veränderung von Steffi ist glaubwürdig. Durch die Haftstrafe und Reflexion über ihre Beziehung und ihre Tat hat sie sich von einer naiven, unsicheren jungen Frau zu einer körperlich und mental stärkeren Person entwickelt, die es verdient hat, neu zu beginnen. Eine drohende Gefahr von mehreren Seiten - sei es eingebildet oder echt - ist kontinuierlich vorhanden.
Das Ende des Romans mutet fast schon ein wenig kitschig an und ist für einen Thriller entschieden zu glückselig.

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Veröffentlicht am 15.02.2022

Bittersüße Geschichte, die abwechslungsreich und lebendig und trotz der Ernsthaftigkeit und Schwere der Themen spielerisch-leicht statt bedrückend geschildert ist.

Ewig braucht doch keiner
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Tischlerlehrling Meyer ist an Thymuskrebs erkrankt und befindet sich nach Operation und Chemotherapie in einer Rehaklinik für krebskranke Kinder und Jugendliche in Bayern. Dort freundet er sich mit mehreren ...

Tischlerlehrling Meyer ist an Thymuskrebs erkrankt und befindet sich nach Operation und Chemotherapie in einer Rehaklinik für krebskranke Kinder und Jugendliche in Bayern. Dort freundet er sich mit mehreren Jugendlichen in seinem Alter an, darunter Adrian, der die Idee hat, eine neue Religion zu gründen. Die sechs Jugendlichen philosophieren und entwickeln Ideen. Unabhängig davon, ob es einen Gott gibt oder nicht, soll die Religion den Menschen in erster Linie Trost spenden. Der Tod soll dabei nicht das Ende sein. Menschen sollen solange wiedergeboren werden, wie es die Menschheit gibt - denn ewig braucht doch keiner.
Während der Treffen in ihrer Verschwörerecke verliebt sich Meyer in Johanna und erlebt mit ihr trotz des Damoklesschwerts Krebs, das über ihnen allen schwebt, die unbeschwerte Zeit des Verliebtseins und die süßen Früchte der ersten Liebe.

"Ewig braucht doch keiner" ist ein Jugendbuch, kann aber auch ohne Weiteres von lebensälteren Leserinnen gelesen werden. Die Geschichte handelt in einer Einrichtung für krebskranke Kinder und Jugendliche, die von einer Stiftung gefördert wird, in der es weniger um die körperliche, als vielmehr die seelische Gesundung der jungen Patienten geht.

Das Buch ist auch Sicht des 17-jährigen Meyer geschrieben, der seinen altbackenen Vornamen zunächst bewusst verheimlicht und den Leser direkt anspricht. Er schreibt selbst seine eigene Geschichte über den Aufenthalt in der Reha auf und könnte sich das Szenario auch gut als Film vorstellen.

Auch wenn alle handelnden Personen von der Diagnose Krebs betroffen sind und das Leid, das sie in ihren jungen Leben schon haben durchmachen müssen, ihnen anzusehen ist, ist die Geschichte keinesfalls beklemmend oder deprimierend. Die Krebsarten, Behandlungen und Heilungschancen werden - wenn überhaupt - nur als Nebensache erwähnt. Im Fokus der Handlung stehen die Freundschaft der Protagonisten und ihr gemeinsames Ziel der Gründung einer neuen Religion. Das Projekt beschäftigt sie intensiv und ist eine Form der Ablenkung von den vordringlichen Problemen. Religion ist dabei ein sehr großes Wort. Die Jugendlichen, die keine Angst vor dem Tod haben und mit ihren Erkrankungen souverän umgehen, suchen eher nach einem Anker und einem Trost, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist.
Die Charaktere sind individuell gezeichnet - manch einer schüchtern und zurückhaltend, der eine feinfühlig, der andere plump, von selbstbewusst und fordernd bis liebenswert skurril. So philosophieren, diskutieren, streiten und vertragen sie sich, bis sie die Grundlagen für ihre Religion gefunden haben, die sie der breiten Masse vorstellen möchten.

Die Geschichte ist abwechslungsreich und lebendig und trotz der Ernsthaftigkeit und Schwere der Themen spielerisch-leicht statt bedrückend geschrieben. Die scharfsinnige und optimistische Erzählstimme von Meyer, der sich selbst niemals bedauert oder mit seinem Schicksal hadert, macht Mut und schenkt Leser
innen jeder Altersklasse Hoffnung, beschönigt jedoch auch nichts. Gerade am Ende wird die bittersüße Geschichte nicht nur etwas langatmig, sondern auch ein wenig wehmütig, zeigt aber eben ganz realistisch wie das Leben so spielt und weckt keine falschen Erwartungen.

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