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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Rachefeldzug eines Vaters

Dem Tode nah
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Jim Cutter, Vater des 17-Jährigen Dereks versucht verzweifelt die Unschuld seines Sohnes an der Ermordung der Nachbarsfamilie zu beweisen. Doch bei seinen privaten Nachforschungen stößt er auf zahlreiche ...

Jim Cutter, Vater des 17-Jährigen Dereks versucht verzweifelt die Unschuld seines Sohnes an der Ermordung der Nachbarsfamilie zu beweisen. Doch bei seinen privaten Nachforschungen stößt er auf zahlreiche Geheimnisse im Leben seiner Frau Ellen. Und deckt Geheimnisse auf, die ihm bald zur Gefahr werden …
Der Roman verfolgt mehrere Handlungsstränge, die leider von der Haupthandlung ablenken. Einmal geht es um ein gestohlenes Manuskript und einen möglichen Selbstmord und plötzlich um die Verfehlungen des Bürgermeisters und die Untreue einer Frau. Zwar versucht der Autor einen Spannungsaufbau herzustellen, doch das gelingt ihm mehr schlecht als recht. Es gibt unnötigerweise eine Menge Opfer, weil der Mörder auf einem persönlichen Rachefeldzug agiert und dadurch erinnert das Geschriebene sehr stark an einen typisch amerikanischen Thriller mit wenig psychologischen Raffinessen, mit einem oberflächlichen Plot und einer Handlung die auf Action basiert. Trotz dieser offensichtlichen Defizite liest sich die Lektüre flüssig und sorgt für Unterhaltung.
Fazit: Ein mittelmäßiger Roman, dem es an Spannungsmomenten mangelt, die interessante Grundidee wurde leider nicht ausreichend ausgeschmückt und vorhandenes Potential dadurch verschenkt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Von der Bedeutsamkeit einer Begegnung

Zwanzig Zeilen Liebe
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Der Roman erzählt nicht nur eine, sondern ganz viele Geschichten, Geschichten von Menschen, die ihr Leben neu überdenken müssen, die es in Ordnung bringen müssen, weil sie nicht mehr lange auf dieser Welt ...

Der Roman erzählt nicht nur eine, sondern ganz viele Geschichten, Geschichten von Menschen, die ihr Leben neu überdenken müssen, die es in Ordnung bringen müssen, weil sie nicht mehr lange auf dieser Welt sein werden. Die Hospizschwester Stella verfasst für ihre sterbenden Patienten Briefe an deren Angehörige und schickt sie an den jeweiligen Adressaten, sobald die Hospizbewohner verstorben sind. Doch auch in Stellas Leben existiert eine große Trauer, eine schwere Last liegt auf ihren Schultern, seitdem ihr über alles geliebter Mann bei einem militärischen Auslandseinsatz ein Bein verloren hat. Ihre Ehe steht mittlerweile kurz vor dem emotionalen Aus und doch gelingt es ihr, für andere der Anker in stürmischen Zeiten zu sein …

Nachdem ich den ersten Roman der Autorin „Einfach unvergesslich“ sehr genossen habe, war meine Vorfreude auf den Nachfolger natürlich riesengroß. Gewünscht habe ich mir eine emotional, tief berührende, traurig-hoffnungsfrohe Geschichte über das Leben und das Sterben, mit vielen ergreifenden Szenen und bitte auch Taschentuchalarm, einfach weil ich solche Bücher mag, bei denen man mitfühlen und mitleiden kann. Leider konnte die Erzählung meine Ansprüche nicht ganz erfüllen, weil sie ihre zahlreichen sehr guten Ansätze nicht ausschöpft, weil sie zu viele verschiedene Geschichten in einem Roman aufgreift und dadurch irgendwie steckenbleibt.

Der Schreibstil und die Wortwahl sind wunderschön und animieren beim Lesen ganz wesentlich, so dass man gut vorankommt und die Szenen bildhaft vor Augen hat. Auch die einzelnen Abschiedsbriefe gehen zu Herz, denn sie zeigen ganz nebenbei, dass jeder Mensch in seinem Leben Spuren hinterlässt und für andere eine Bedeutung hat und sei es auch nur eine Momentaufnahme des Glücks und der Liebe.

Auch die Grundaussage des Buches, dass es manchmal nur die kleinen, anscheinend unbedeutenden Situationen sind, die das eigene Leben in eine bestimmte Richtung lenken, finde ich zutreffend. Der Roman beschreibt sehr ausführlich die Bedeutsamkeit einer Begegnung, die Hoffnung die aus Zuwendung erwachsen kann, den positiven Umgang mit Trauer und Verlust und nicht zu vergessen die menschliche Stärke des Verzeihens.

Fazit: Ich vergebe gute 3,5 Sterne für diesen Roman, der trotz seiner Sprachgewalt und wunderschönen Ausstattung nicht an den Vorgängerroman heranreicht, weil er sich in zu vielen Einzelheiten verliert und mein Leserherz nicht gänzlich erreichen konnte. Eine Leseempfehlung für Zwischendurch vergebe ich dennoch, denn er unterhält ausgezeichnet.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Gefängnis am Meeresboden

Atlantia
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Rio und Bay leben als Töchter verstorbenen Hohepriesterin Ozeana in den Tiefen des Meeres, gefangen in der bedrückenden Atmosphäre Atlantias. Jedes Jahr darf ein Familienmitglied den Weg nach „Oben“ wählen ...

Rio und Bay leben als Töchter verstorbenen Hohepriesterin Ozeana in den Tiefen des Meeres, gefangen in der bedrückenden Atmosphäre Atlantias. Jedes Jahr darf ein Familienmitglied den Weg nach „Oben“ wählen und diesmal verabschiedet sich Bay von der Gemeinschaft. Doch Rio ist vollkommen verzweifelt, zum einen weil sie diejenige der Schwestern war, die schon immer nach „Oben“ wollte, zum anderen weil sie Bay anscheinend doch nicht so gut kannte, wie sie glaubte. Sie schmiedet einen gewagten Fluchtplan, erfährt dann aber von ihrer Tante Maire immer mehr über ihre besondere Gabe, über ihre Berufung als Sirene und die tatsächliche Macht ihrer Stimme. Doch als Rio endlich das „Oben“ erreicht, scheint bereits alles verloren zu sein …

Prinzipiell eine wunderschöne dystopische Idee, die an versunkene Königreiche und schillernde Meerjungfrauen erinnert, doch die Umsetzung ließ hier zu wünschen übrig. Atlantia selbst wird als ein düsterer, beklemmender Ort beschrieben, der mehr Gefängnis als Erfüllung zu sein scheint. Die Hauptprotagonistin Rio ist eine entschlossene, zielstrebige Person, der trotz ihres persönlichen Verlustes der Kampfwillen erhalten geblieben ist. Ihr Versuch an die Oberfläche zu gelangen ist ihr einziges Ziel und dafür opfert sie sogar eine beginnende Liebe, ihre Fähigkeit Vertrauen zu schenken und den Glauben an von ihr geliebte Menschen. Zu oft erscheint sie mir wütend, verärgert und skeptisch, so dass mir viele ihrer Handlungen fremd sind.

Der Schreibstil des Buches ist sehr angenehm und ganz im Stil von „Cassia und Ky“, also spannend und unterhaltsam. Auch die Atmosphäre der Unterwasserwelt und das Verhalten ihrer Bewohner werden ansprechend wiedergegeben, so dass es sich hier durchaus um ein gelungenes Werk auf dem Sektor der Jugendbücher handelt.

Fazit: Ich vergebe 3,5 Sterne für einen unterhaltsamen Jugendroman, der mich leider nur bedingt überzeugen konnte. Die wirklich schöne, fantasievolle Grundidee wurde nur mäßig umgesetzt, weil die Autorin zu selten an das Leserherz appelliert hat, weil meine Eindrücke beim Lesen wie unter einer Glaskuppel gefangen waren und mir der direkte Zugang zum Geschehen fehlte. Ich hatte mir von der Story etwas mehr erhofft vor allem das gewisse Etwas.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Reich und Schön in Schweden

Die Erbin
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Die junge Natalia de la Grip ist nicht nur Teil einer großen schwedischen Familiendynastie sondern darüber hinaus eine überaus erfolgreiche Juristin. Als sie vom berühmt-berüchtigten David Hammar zum Essen ...

Die junge Natalia de la Grip ist nicht nur Teil einer großen schwedischen Familiendynastie sondern darüber hinaus eine überaus erfolgreiche Juristin. Als sie vom berühmt-berüchtigten David Hammar zum Essen eingeladen wird, nimmt sie an ohne den Grund für sein plötzliches Interesse zu kennen. Und bereits nach wenigen Treffen ist sie ihm vollkommen verfallen. Doch die kurze, heiße Affäre die beide beginnen, scheint eine Farce zu sein, denn David verfolgt einen ehrgeizigen Racheplan, dessen Ziel die Zerstörung von Natalias Familienunternehmen ist. Nur die Gefühle der beiden zueinander gehen weit über eine nette Unverbindlichkeit hinaus, so dass ihre beruflichen Pläne im krassen Gegensatz dazu stehen. Wie wird sich David wohl entscheiden – Geld oder Liebe?

Simona Ahrnstedt entwirft hier auf 600 Seiten einen zeitgenössischen Liebesroman, der den Leser in die schöne, reiche, prestigeträchtige Finanzwelt der schwedischen Metropole Stockholm entführt. Eine Welt voller Glamour, Geld, teuren Statussymbolen und leider auch oberflächlichen Verhaltensweisen. Die High-Society verfolgt eigene, oft korrupte Ziele, deren Selbstzweck darin besteht, noch mehr Macht und Ansehen anzuhäufen unabhängig von moralischen Grundsätzen.

Während das Buch einen durchaus interessanten Handlungshintergrund in der Finanzwelt schafft, bleibt die eigentliche Liebesgeschichte zwischen Natalia und David auf der Strecke. Einerseits bekommt man Kapitel voller detaillierter Sexszenen präsentiert, andererseits zwei zwiespältige Hauptprotagonisten, die vollkommen differenzierte Wünsche und Erwartungen hegen. Vieles wirkt auf mich konstruiert, emotionslos und manchmal auch überzogen. Außerdem verliert sich die Geschichte in Banalitäten und ausschweifenden Nebenhandlungen, teils auch in absoluten Unwahrscheinlichkeiten. All das konnte mich nicht wirklich überzeugen, so dass ich hier nur eine mittelprächtige Bewertung abgeben kann.

Fazit: Ich vergebe drei Sterne für einen abwechslungsreichen Unterhaltungsroman, der wahrheitsgetreue Gesellschaftskritik übt aber mit einer recht flachen Liebesgeschichte aufwartet. Prinzipiell fällt er nicht in mein Beuteschema und konnte mich dementsprechend auch nicht restlos begeistern.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Überlebenskampf einer Unbestimmten

Die Bestimmung - Tödliche Wahrheit
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Der Kampf zwischen den Fraktionen stellt Beatrice Prior, geborene Altruan, gewählte Ferox vor ein großes Problem. Nicht nur die Tatsache, dass sie ihre Eltern verloren hat und ihr Bruder in die feindlichen ...

Der Kampf zwischen den Fraktionen stellt Beatrice Prior, geborene Altruan, gewählte Ferox vor ein großes Problem. Nicht nur die Tatsache, dass sie ihre Eltern verloren hat und ihr Bruder in die feindlichen Reihen wechselte, sondern vor allem ihre Liebe zu Tobias scheint unter den gegebenen Umständen unmöglich zu sein. Ständig steht sie unter Strom, ist gezwungen ihre Mitmenschen zu verraten und zu belügen, um den Gegner auszuschalten. Doch immer wieder scheitern ihre selbstlosen Versuche: Freunde werden zu Feinden und umgekehrt. Als Beatrice erkennt, dass ihr bisheriges Weltbild ein einziger Trugschluss ist, setzt sie alles auf eine Karte, um die Wahrheit herauszufinden und schließt sich gegen den Willen ihres Freundes dem feindlichen Lager an.

Nachdem ich voller Begeisterung und innerhalb weniger Tage den ersten Band der Trilogie gelesen habe, waren meine positiven Erwartungen an Band 2 natürlich ziemlich hoch. Leider schafft es der Folgeroman nicht in die Liste meiner Favoriten, weil einfach viel zu viel fehlt. Zum einen verlagert sich die Handlung unschöner Weise auf ein chaotisches Kriegsfeld, zwischen Schutt und Asche, Menschen die wie Roboter agieren und einer verwüsteten Welt, dort versucht ein junges Mädchen zur Heldin zu werden. Zum anderen stagniert sowohl die begonnene Liebesgeschichte als auch die charakterliche Weiterentwicklung der Protagonistin. Es gibt auf den knapp 500 Seiten des Buches zahlreiche Hänger, langweilige Episoden und ein mühsames Weiterhangeln im Verlauf. Deshalb ist dieses Jugendbuch alles andere als ein Pageturner und hat ganze zwei Wochen Lesezeit in Anspruch genommen.

Dennoch gelingt es der Autorin durch einen munteren, Ursachen erforschenden Schreibstil und einem geschickten Textaufbau den Leser zu erreichen, so dass es durchaus keine Zeitverschwendung ist, bis zum spannenden Finale weiterzulesen. Es bietet sich hier geradezu an, die Bände in chronologischer Reihenfolge aufzunehmen, damit sich die richtigen Verknüpfungen und Rückschlüsse ziehen lassen. Außerdem fehlt es Band 2 an einer eigenständigen Geschichte, die es separat zu erzählen lohnt.

Fazit: Ein eher schwacher Folgeroman, ohne nennenswerte Höhen und Tiefen, den es sich nur zu lesen lohnt, wenn man sich für die Geschichte der Fraktionen interessiert und beabsichtigt auch den Abschlussroman der Trilogie kennenzulernen. Insgesamt vergebe ich 3 Sterne für ein durchschnittliches Werk im Bereich Jugendbuch/ Dystopie.