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Veröffentlicht am 14.03.2022

Wer ist der wahre Mörder?

Nebelopfer
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Klappentext:

„An einem nebligen Februarmorgen wird zwischen den Dörfern der Geest an einem uralten Galgenbaum eine Leiche gefunden. Am Hals des Toten baumelt ein Schild, das Kriminalkommissarin Frida ...

Klappentext:

„An einem nebligen Februarmorgen wird zwischen den Dörfern der Geest an einem uralten Galgenbaum eine Leiche gefunden. Am Hals des Toten baumelt ein Schild, das Kriminalkommissarin Frida Paulsen Rätsel aufgibt:

Ich gestehe, im Prozess gegen Cord Johannsen falsch ausgesagt zu haben.

Ihr Kollege Haverkorn erinnert sich sofort an den Fall. Vor vielen Jahren wurde der Bauer Johannsen für den kaltblütigen Mord an seiner Familie verurteilt, seither sitzt er im Gefängnis. Als kurz nach dem Leichenfund in der Geest ein weiterer Zeuge getötet wird, der im Prozess gegen Johannsen aussagte, ahnen die beiden Kommissare: Sie müssen den wahren Täter von damals finden, sonst wird es weitere Opfer geben ...“



Es gibt alte Folterplätze, Mordsteine oder auch Galgenbäume. In der Marsch und in der Geest gibt es so einige gruselige Fundstellen grausamer Taten. Romy Fölck hat sich den Galgenbaum für ihre neueste Geschichte „Nebelopfer“ ausgewählt und lässt dem Leser das Blut in den Adern gefrieren. Nachdem ihr letzter Band „Mordsand“ mich nicht überzeugen konnte, waren die Hoffnung nach einem Lesegenuss hier nun weit oben angesiedelt. Ich wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil! Die Geschichte rund um den Toten am Galgenbaum löst eine höchst spannende Lesezeit aus. Auf der einen Seiten haben wir eine Art Cold-Case und dann eben den aktuellen Fall. Der vermeintliche Mörder Cord Johannsen scheint der falsche im Gefängnis zu sein. Für Frida Paulsen und Kollege Haverkorn beginnt ein extrem spannender Fall und wir werden von Autorin Romy Fölck richtig gehend verrückt gemacht. Der Spannungsbogen ist irre angespannt und wir tappen von einem Dunkel ins nächste bzw. stehen im Nebel. Vermutungen werden blitzschnell zerschlagen und die Figuren müssen so einiges ertragen. Dennoch gibt es auch persönliche Stellen der Protagonisten im Buch und diese lockern die Gänsehaut-Spannung gezielt und sehr gut akzentuiert auf. Die Suche nach dem wahren Mörder ist nervenaufreibend und hat dadurch einen extrem guten Plot. Da es tatsächlich diese Galgenbäume bei uns hier im hohen Norden gibt (genau wie Mordsteine) finde ich das Setting äußerst gelungen. Fölck hat zu ihren alten Zeiten zurück gefunden und einen äußerst runden und anspruchsvollen Krimi verfasst. Ihr Sprachstil und auch der Ausdruck sind rund, die Figuren entwickeln sich gekonnt weiter. Der aufkommende Lesesog hält bis zum Schluss an und bietet ein richtig tolles Lesevergnügen! Ebenfalls ein Pluspunkt für alle optischen Fans: das Cover reiht sich nahtlos an die Vorgänger-Bände an.

Alles in allem ein richtig, richtig guter Fölck-Krimi! 5 von 5 Sterne!

Veröffentlicht am 13.03.2022

Fernweh inklusive

Fernweh Fernost
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Klappentext:

„Fernweh Fernost ist eine Hommage an das ferne Asien und eine Liebeserklärung an Fernweh und Freiheit in Zeiten von Covid-19. Dieser bildgewaltige Fotoband im Großformat begleitet das Autoren- ...

Klappentext:

„Fernweh Fernost ist eine Hommage an das ferne Asien und eine Liebeserklärung an Fernweh und Freiheit in Zeiten von Covid-19. Dieser bildgewaltige Fotoband im Großformat begleitet das Autoren- und Fotografen-Duo Alexa Schels und Patrick Pichler auf ihrer transkontinentalen Reise durch acht Länder in Fernost.



Stelzenfischer in Sri Lanka, Rentiernomaden in den Steppen der Mongolei, das flirrende Leben in pulsierenden Metropolen wie Tokio und die ungezähmte Schönheit der Natur auf dem Dach der Welt im Himalaya - es sind die Geschichten von ganz persönlichen Begegnungen, die inspirieren. Die atemberaubend schönen Fotos lassen uns im Geiste bereits den Rucksack packen und losreisen, sobald die Welt sich wieder zu einem Reisekosmos verbinden kann.“



Asien - allein der Name birgt schon Fernweh inne und genau so ist der Buchtitel und der Inhalt hier mehr als passend. Da bei den meisten Menschen aber immer diese Region mit vielen Touristen-Strömen in Verbindung bringen, zeigen uns die beiden Autoren deshalb diesen Kontinent in Pandemie-Zeiten. Der komplette Kontrast. Die Bilder, egal wo aufgenommen, strahlen von ganz besonderer Kraft und einer gewissen Reinheit. Die Natur bekommt eine besondere Bedeutung und auch die Gebäude und die Einheimischen lernen wir von einer ganz anderen Seite kennen. Alles wirkt so unberührt.

Die Optik und Haptik sind wieder typisch teNeues und sind demzufolge hochwertig. Die Bindung ist präzise, ebenso der Druck und die Auswahl der Qualität der Buchseiten. Die Größe hätte für meine Begriffe noch etwas ausladender sein dürfen aber sie bietet dem Leser genügend Raum für Träumereien. Ich vergebe gern 5 von 5 Sterne.

Veröffentlicht am 13.03.2022

Ein besonderes Buch

Innere Harmonie
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Klappentext:

„Den Frieden in sich selbst suchen - in unseren bewegten Zeiten ein immer wichtigeres Bedürfnis. Dieser großartige Bildband lässt verstehen, warum fernöstliche Meditation Menschen weltweit ...

Klappentext:

„Den Frieden in sich selbst suchen - in unseren bewegten Zeiten ein immer wichtigeres Bedürfnis. Dieser großartige Bildband lässt verstehen, warum fernöstliche Meditation Menschen weltweit inspiriert.

Zwölf Jahre lang bereiste der Fotograf und Arzt Jon Kolkin Asiens Zentren des Buddhismus. Mit seiner Kamera begleitete er den Alltag der Mönche und Nonnen auf ihrer Suche nach Spiritualität. Eindringlich, aber respektvoll geben die rund 220 überwiegend in Schwarzweiß gehaltenen Fotografien Einblick in eine sonst verborgene Welt der Meditation und Achtsamkeit. Mit Kolkins Gespür für Licht und Komposition gelingt es ihm, die Einzigartigkeit des Augenblicks einzufangen, geprägt von innerer Harmonie.“



Die Frage mach der inneren Einkehr und Harmonie stellt sich in jedem von uns. In diesem Buch dürfen wir anhand bezaubernder Bilder inne halten und erlesen wo und wie die innere Harmonie bei jedem einzelnen zu finden ist. Die Bilder strahlen eine ungeheure Ruhe und Ausgeglichenheit aus. Schnell ist klar, was die Menschen, die wir hier kennenlernen, an der Meditation finden und warum sie sie so brauchen. Der Fotograf Jon Kolkin zeigt sehr vielfältige und besondere Momente zu diesem Thema. Man meint die Stille zu hören, die Gesänge, den Duft von Räucherstäbchen zu riechen…einfach abtauchen in die Stille der Meditation und das Suchen der inneren Harmonie zu befriedigen.

Ein besonderes Buch in Coffeetable-Book-Größe mit ausgezeichneten Fotografien und einer besonderen Thematik ist ein echtes Highlight und erhält deshalb 5 von 5 Sterne. Die Haptik und auch die Optik überzeugen in allen Maßen und werden dem Buchthema nur gerecht.

Veröffentlicht am 13.03.2022

Verbrannte Erde

Prix Pictet, Fire Deutsche Ausgabe
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Klappentext:

„Ein brillantes Zeugnis der Fotokunst für alle an Nachhaltigkeit, Klimawandel und Biodiversität Interessierten.

Nach der Verleihung und Ausstellung im Victoria & Albert Museum, London im ...

Klappentext:

„Ein brillantes Zeugnis der Fotokunst für alle an Nachhaltigkeit, Klimawandel und Biodiversität Interessierten.

Nach der Verleihung und Ausstellung im Victoria & Albert Museum, London im Dezember 2021 folgen New York und weitere Städte

Feuer ist das vierte Element, Feuer zerstört, schafft Neues - und ist mit seiner existentiellen Bedrohlichkeit so allgegenwärtig wie unfassbar: der Brand von Notre-Dame de Paris, Wälder in Flammen vom Amazonas bis Australien, verheerende Feuersbrünste in Kalifornien. Grund genug für den Prix Pictet als weltweit führender Auszeichnung für Fotografie und Nachhaltigkeit, sich im aktuellen Fotoband den vielen Facetten der Thematik Feuer zu widmen.

Die Vorschläge für die bildgewaltige Auswahl aus den Reihen internationaler Fotokünstler liefern über 300 renommierte Fotografie-Experten aus aller

Welt. Aus der Shortlist der Nominierten und weiteren herausragenden Einzelbildern kuratiert dieser eindrucksvolle Bildband über 100 Meisterwerke zeitgenössischer Fotografie.“



Diese Bilder hier brennen sich wahrlich ins Gedächtnis ein. Alle vier Elemente können lebensbedrohlich werden und Leben zerstören. Feuer ist hier das Hauptthema. Bilder wie diese sind mehr als besonders und wurden in ebenso diesen Momente geschossen. Wir erleben hier verbrannte Erde, Möglichkeiten dieses Element mit Löschflugzeugen u.ä. in Schach zu halten bzw. es komplett zu bekämpfen und auch teilweise wieder den Aufstieg von Wachstum aus diesem. Der Kampf ist mehr als hart und gleicht oft dem Unmöglichem. Was die Fotografen hier geleistet haben ist bzw. sich teilweise selbst in Gefahrengebiete begeben haben, ist beeindruckend.

Zur Optik und Haptik: Die Größe entspricht einem Coffeetable-Book und auch die Qualität der Fotos und der Seiten auf denen sie gedruckt sind, zeugen von bester Qualität.

Dieses Buch ist einmalig und ganz besonders und genau dafür vergebe ich 5 von 5 Sterne.

Veröffentlicht am 12.03.2022

Was für ein Debüt!

Auf der Straße heißen wir anders
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!ein Lesehighlight 2022!



Klappentext:

„Die Kinder aus der Hochhaussiedlung in Bremen-Nord kennen die Herkunftsorte ihrer Familien genau: Türkei, Russland, Albanien. Nur bei Karla ist alles etwas anders. ...

!ein Lesehighlight 2022!



Klappentext:

„Die Kinder aus der Hochhaussiedlung in Bremen-Nord kennen die Herkunftsorte ihrer Familien genau: Türkei, Russland, Albanien. Nur bei Karla ist alles etwas anders. Sie weiß zwar, dass die Großmutter in den 60ern als Gastarbeiterin aus Istanbul nach Deutschland kam, und auch, dass die Familie armenische Wurzeln hat, doch gesprochen wird darüber nicht. Als Karlas Großmutter stirbt, taucht der Name einer Frau auf, Lilit, samt einer Adresse in Armenien. Karla gelingt es, ihren Vater zu einer gemeinsamen Reise zu überreden – in eine Heimat, die beide noch nie betreten haben.“



Autorin Laura Cwiertnia erzählt uns hier eine ganz besondere Geschichte die aktueller nicht sein könnte. Eine der Hauptprotagonisten ist Karla, oder Karlotta, (aber besser „Karla“, da kann ihr nichts passieren) und genau sie führt uns durch diese Geschichte neben anderen wichtigen Personen. Der Tod der Großmutter öffnet eine neue Tür, lässt ein neues Kapitel in Karlas Leben und ihrer Familie aufschlagen. Die Reise nach Armenien soll nun die Lösung bringen und wer jemals im Geschichtsunterricht gut aufgepasst hat, wird Armenien mit dem Völkermord (wobei es hier im Buch nur bedingt darum geht. Es ist keine Geschichtsreportage o.ä.!) in Verbindung bringen. Ein Volk sollte ausgelöscht werden und die, die überlebten, durften sich nicht zu erkennen geben und mussten eine neue Identität, einen neuen Namen annehmen. Ihnen wurde die Heimat genommen, ihre Kultur, ihre Religion, ihr Denken, ihre Familien. Das prägt sich die tief in die Seelen der Menschen ein und erklärt, warum schweigen besser ist, als es immer und immer wieder mit eigenen Worten aus dem Unterbewusstsein hervorzurufen. Sie sind ewig ziehende Vagabunden auf der Suche nach ihrer eigentlichen Heimat. All dies wirkt generationsübergreifend. Die, die es geschafft haben zu überleben und dem Genozid entfliehen konnten, sind nicht mehr die selben Menschen mit armenischen Wurzeln, zumindest nach außen hin. In Cwiertnias Geschichte geht es um viel mehr als nur Heimatsuche, hier geht es um Karlas eigene Wurzeln, ihre Identität, die sie bislang nie kannte, eine Suche obwohl sie gar nichts suchen wollte. Cwiertnia gibt mit ihren Figuren rund um Karlas Familie feine und ruhige Gedankenstränge hervor. Durch Zeitenwechsel und Personenwechsel fügt sich allmählich ein ganz zartes Netz zusammen, welches zum Schluss vollendet ist. Die Charaktere werden uns realistisch und wirklich einfühlsam dargestellt. Als Leser beginnen wir immer schneller zu verstehen warum, wieso, weshalb, denn der Start in die Geschichte scheint schon recht standfest, ist er aber nicht. Es entstehen Wirrungen und Irrungen, wir erleben das Heute und das, was war, damals vor langer Zeit. All dies erklärt so manches Schweigen der Großmutter, manche Ausflüchte oder Lüge, die Karla sich anhören musste, die sie schlucken und akzeptieren musste. Aber wir sehen auch eine unheimliche Stärke der Frauen (ohne das es gleich um Feminismus gehen muss), denn die Zeiten in der Großmutter und viele andere damals nach Deutschland kam, war eine komplett andere als zu Karlas.

Die Autorin nutzt hier einen feinsinnigen Ausdruck und überrascht den Leser mit kleinen, humorvollen Wörtern/ Sätzen, die sie sehr akzentuiert und wohl-bedacht wählt ohne dabei jemanden zu kränken. Sie erzählt hier sehr vielseitig und breit gefächert. Jeder Leser kann sich hier seinen Lieblingspart heraus picken und genießen. Wir Leser dürfen fremde Welten kennenlernen und haben dabei das Gefühl, wir sind damit nicht allein. Den Figuren im Buch geht es ebenso. Sie lernen sich neu kennen, fremde Menschen, fremde Kulturen und doch sind sie sich, sind wir uns, so nah.

Das was Laura Cwiertnia hier erzählt kommt nicht einfach mal so von ungefähr…kommt nicht einfach mal aus den Fingern gesogen. Cwiertnias Vater ist Armenier und so wie ihre Figur Karla ist sie ebenfalls in Bremen aufgewachsen. Egal welche Geschichte sie hier erzählt, ob autobiographisch oder nicht, sie trifft ins Herz, sie berührt, sie wühlt auf, sie schockiert, sie öffnet den Blick dafür, sie rüttelt wieder wach, sie könnte aktueller nicht sein.

„Auf der Straße heißen wir anders“ bot mir eine besondere Lesezeit und ich vergebe hier sehr gern eine Leseempfehlung mit 5 von 5 Sternen.