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Veröffentlicht am 14.03.2022

Keine gute alte Zeit

Zeiten des Wandels
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Der Roman erzählt die Geschichte einer mallorquinischen Winzerfamilie beginnend im Jahr 1913.

Die Familie kommt gerade so über die Runden. Dazu müssen alle Familienmitglieder im Weinberg arbeiten. Das ...

Der Roman erzählt die Geschichte einer mallorquinischen Winzerfamilie beginnend im Jahr 1913.

Die Familie kommt gerade so über die Runden. Dazu müssen alle Familienmitglieder im Weinberg arbeiten. Das Geld reicht nicht, um einen Arbeiter einzustellen. Schweren Herzens entschließen sich die Eltern deshalb, den Weinbau aufzugeben und Mandeln und Aprikosen anzubauen . Sehr zum Missfallen des Sohnes Leo, der vom Weinbau geradezu besessen ist. Es kommt zum Bruch und Leo sucht sein Glück in der Stadt .

Die älteste Tochter Antonia heiratet den Buchhalter Mateo. Als er seine Stelle verliert, wandern sie nach Kuba aus, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Die jüngere Schwester Carla bleibt bei den Eltern. Das Leben hält auch für sie schwere Prüfungen bereit.

Was mir schon nach den ersten Seiten gut gefallen hat, ist die schnörkellose Sprache, die nicht beschönigt und das karge und durch Traditionen geprägte Leben der einfachen Winzerfamilie anschaulich beschreibt.

Jedes Familienmitglied hat seine Eigenheiten, zeigt einen anderen Weg mit den Gegebenheiten umzugehen und war mir mal mehr, mal weniger sympathisch.

Die Mutter ist eine starke Persönlichkeit, die die Familie zusammenhält und wichtige Entscheidungen trifft. Der Vater war für mich eher eine Randerscheinung, der auch bereit ist, sich seiner Frau unterzuordnen.

Antonia ist ganz die Tochter ihrer Mutter. Entschlossen macht sie sich auf den Weg in eine neue Welt, um sich dort eine erfolgreiche Zukunft aufzubauen. Probleme löst sie pragmatisch. Durch sie lerne ich die Zigarrenfabriken und das Leben der Tabakbarone kennen. Für mich neu und emotional bewegend war die Schilderung der Lebensverhältnisse der ehemaligen Sklaven.

Leo war mir von Herzen unsympathisch. Seine Besessenheit vom Weinbau lässt ihn jedes Mitgefühl vergessen und um sein Ziel zu erreichen, schreckt nicht vor kriminellen Machenschaften zurück.

Besonders ans Herz gewachsen ist mir Carla, die zuhause bleibt und die Eltern unterstützt. Sie verliebt sich in den herzensguten Francisco, der von ihrem Vater abgelehnt wird . Weitere Schicksalsschläge prägen ihr Leben.

Die Autorinnen zeigen ein ganz anderes Bild Mallorcas , als das der bunten Ferieninsel. Ich fand das sehr interessant. Auch die Schilderungen von Kuba waren lehrreich, weil ich ebenso wie Antonia Neuland betreten habe. Die Figuren empfand ich als realistisch und ich habe mit ihnen gelitten und mich gefreut. Für mich ist der Roman rundum gelungen und deshalb lesenswert.

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Veröffentlicht am 13.03.2022

Schwere Prüfungen für die 5 Gefährten

Wolfszeit
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Im Traum rufen Hakus Totemtiere, die Wölfe, nach ihm und bitten um Hilfe. Diesem Ruf kann sich Haku nicht entziehen. Schweren Herzens verlässt er Kaya und macht sich auf nach Norden.

Kaya folgt zusammen ...

Im Traum rufen Hakus Totemtiere, die Wölfe, nach ihm und bitten um Hilfe. Diesem Ruf kann sich Haku nicht entziehen. Schweren Herzens verlässt er Kaya und macht sich auf nach Norden.

Kaya folgt zusammen mit den meisten anderen Stammesangehörigen dem Kriegsaufruf gegen die drei Magierinnen, die das ganze Land unter ihre grausame Herrschaft zwingen wollen.

Die Elfe Elais fordert Tkemen und die Diebin Thea auf, sie zu unterstützen. Elais weiß , wie die Macht der Magierinnen gebrochen werden kann. Um die Aufgaben erledigen zu können, müssen die Gefährten getrennte Wege gehen, statt gemeinsam gegen das Böse zu kämpfen. Und drohen zu scheitern.

Das Buch hat mich von der ersten Seite an für sich eingenommen. Zum einen habe ich mich gefreut, die Figuren wieder zutreffen, die ich aus den lesenswerten Vorgängerbänden lieben gelernt habe. Zum anderen hält sich die Autorin nicht mit langem Vorgeplänkel auf, sondern schubst den Leser mitten in die Handlung.

Nacheinander treffe ich die Verbündeten, denen es in der Zwischenzeit zum Teil nicht gut ergangen ist. Dennoch sind alle bereit, den Kampf gegen das Böse aufzunehmen. Doch ihre Bemühungen erscheinen glücklos. All zu oft treffen sie falsche Entscheidungen. Das führt dazu, dass die Stimmung in der Erzählung eher düster und manchmal geradezu hoffnungslos ist.

Gut, dass die Autorin immer wieder Szenen einfügt, die eine heitere Grundstimmung verbreiten. Dazu gehören Kayas Gespräche mit ihren Totemtieren, den Goldammern, die ich besonders mochte.

Beeindruckend fand ich, dass keiner der Fünf ernsthaft in Erwägung zieht, aufzugeben. Alle sind bereit für ihre Überzeugung zu sterben.

Im Gegensatz dazu sind die Magierinnen das personifizierte Böse - heimtückisch, grausam, arrogant.

Die Sprache des Romans ist sehr bildhaft . Besonders anschaulich fand ich die Darstellung des kalten Nordens. Ich hatte das Gefühl, die eisige Kälte selbst zu spüren. Und als Kaya in die Schlacht zieht, glaubte ich den Klang der Schwerter und die Schreie der Verwundeten zu hören.

Die Autorin lässt mich am Ende des Buches mit den Hoffnungen und Ängsten der Gefährten für die Zukunft zurück und mir bleibt der Wunsch, dass es bald eine Fortsetzung gibt.

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Veröffentlicht am 01.03.2022

Nie die Hoffnung verlieren !

Das rote Band der Hoffnung
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Die 14jährige Ella wird auf dem Heimweg von der Schule aufgegriffen und nach Ausschwitz-Birkenau deportiert. Eben noch behütete Enkelin, die vom eigenen Modesalon träumt, findet sie sich in der Hölle ...

Die 14jährige Ella wird auf dem Heimweg von der Schule aufgegriffen und nach Ausschwitz-Birkenau deportiert. Eben noch behütete Enkelin, die vom eigenen Modesalon träumt, findet sie sich in der Hölle wieder. Nun geht es nur noch darum, zu überleben.

Glücklicherweise wird Ella der Nähwerkstatt zugewiesen. Dort wird exklusive Bekleidung für die Aufseher und ihre Familien angefertigt. Hier trifft Ella das Mädchen Rose, die ständig phantasievolle Geschichten erzählt und ihr Mitgefühl behält. Langsam entwickelt sich Freundschaft zwischen den beiden. Rose gibt Ella Hoffnung mit ihren Träumen von einer besseren Welt. Ella achtet darauf , dass Rose nicht verloren geht in diesem Universum aus Hunger, Niedertracht und Willkür.

Dann wird Rose krank, das schlimmste was passieren kann.

Der Autorin ist es wunderbar gelungen, das Grauen eines Konzentrationslagers darzustellen, ohne zu viele grausame Details darzustellen. So beschreibt sie die tägliche Suppe als braune Brühe und die Freude, wenn eine Karottenscheibe darin schwimmt. Jeder kann sich gut vorstellen, dass diese Suppe nicht satt machen kann. Geschweige denn die Kraft gibt, schere Arbeit verrichten zu können.

Ella will überleben. Kraft gibt ihr ihr Traum vom eigenen Modeatelier und dass sie sich nicht ihren Namen nehmen lässt. Aber Überleben bedeutet auch, die Chance auf mehr essen auch auf Kosten anderer zu ergreifen.

Rose ist der Gegenentwurf zu Ella. Rose lebt in ihren Phantasiegeschichten. Wenn sie etwas zu essen hat, teilt sie bereitwillig. Als sie krank wird und es keine ärztliche Hilfe gibt, war ich unglaublich traurig. Um so heftiger war mein Wunsch, dass Ella diese Hölle überleben möge.

Das Ende ist so märchenhaft wie Roses Geschichten.

Da es sich um ein Jugendbuch handelt, fand ich den Schluss absolut passend, da er Hoffnung auf bessere Zeiten macht. Eine Hoffnung, die angesichts der aktuellen Ereignisse überall auf der Welt, auch heute noch so wichtig ist.

Es ist unerlässlich, dass die Gräuel des Naziterrors nicht in Vergessenheit geraten und junge Menschen erfahren, zu was Menschen fähig sind - im Guten und im Bösen. Der Autorin gelingt es, die Balance zwischen Information und dem Erzählen einer bewegenden Geschichte, auf wunderbare Weise.

Das Buch ist meiner Meinung nach für jede Altersgruppe lesenswert.

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Veröffentlicht am 26.02.2022

Miss Marples ebenbürtige Erben

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar
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Die kleine beschauliche Stadt Marlow ist die Heimat der 77jährigen Judith Potts. Judith liebt Whisky, schwimmt gerne nackt in der Themse, entwirft Kreuzworträtsel und liebt ihre Unabhängigkeit.

Als sie ...

Die kleine beschauliche Stadt Marlow ist die Heimat der 77jährigen Judith Potts. Judith liebt Whisky, schwimmt gerne nackt in der Themse, entwirft Kreuzworträtsel und liebt ihre Unabhängigkeit.

Als sie beim Schwimmen einen Schuss hört und die Polizei alarmiert, findet sie sich unvermittelt in einer Morduntersuchung wieder. Die Polizei geht davon aus, dass Judiths Nachbar, das Opfer, Selbstmord begangen hat, was Judith wiederum nicht glaubt. Kurz entschlossen kümmert sie sich selber um den Fall. Bei ihren Nachforschungen lernt sie die Hundesitterin Suzie und die Pfarrersgattin Becks kennen, die Judith mal mehr, mal weniger begeistert bei den Ermittlungen unterstützen.

Der Fall ist kniffliger als ein Kreuzworträtsel, bis Judith den entscheidenden Hinweis findet und sich dadurch in tödliche Gefahr bringt.

Ich habe mich schon lange nicht mehr mit einem Buch so wohlgefühlt und dabei vor Spannung fast an den Fingernägeln geknabbert, unterbrochen von so manchen Lachanfall.

Zuerst mache ich Judiths Bekanntschaft, die mir mit ihren Macken gleich sympathisch war. Da sich die Polizei Judiths Meinung nach nicht genügend um den Mord kümmert, ergreift sie kurzerhand die Initiative. Ein wenig hat sie mich an die legendäre Miss Marple erinnert.

Der Autor stellt ihr zwei weitere sehr sympathische Mitstreiterinnen zur Seite. Becks geht, ganz vorbildliche Pfarrersfrau, ganz in der Fürsorge für die Familie auf und hält sich strikt an die Konventionen. Man merkt aber schnell, dass es da noch eine andere rebellische Seite gibt. Suzie vervollständigt das Trio. Sie hat mich an die gute alte Hippie-Zeit denken lassen.

Der Fall selbst wird immer undurchsichtiger. Nichts scheint ,Sinn zu ergeben. Mal fehlt das Motiv, dann wieder hat der Verdächtige eine Alibi.

Die Lösung des Falles ist stimmig, aber fast Nebensache, da das Trio zu absoluter Höchstform aufläuft und mir noch einige Schrecksekunden beschert .

Das Buch hat mich in jeder Beziehung überzeugt, so dass ich mich auf eine Fortsetzung freue. Bis dahin ein Glas Whisky bitte !

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Veröffentlicht am 17.02.2022

Ost trifft West und ein spannender Kriminalfall

Im Schatten der Wende
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Tobias Falck, wohnhaft in Dresden, waren Recht und Ordnung schon immer wichtig. Deshalb entscheidet er sich für den Beruf des Polizisten.
Als die Mauer fällt, hat er gerade den Lehrgang für Kriminalisten ...

Tobias Falck, wohnhaft in Dresden, waren Recht und Ordnung schon immer wichtig. Deshalb entscheidet er sich für den Beruf des Polizisten.
Als die Mauer fällt, hat er gerade den Lehrgang für Kriminalisten beendet und wird dem Kriminaldauerdienst zugeordnet. Dort trifft er auf die ihm bereits bekannten Kollegen Schmidt, an den er keine guten Erinnerungen hat und Steffi Bach.
Die Arbeit gestaltet sich eher langweilig, bis die Westkollegin Suderberg auftaucht und Amtshilfe bei der Aufklärung einer ihrer Fälle einfordert. Welten treffen aufeinander, was die Zusammenarbeit nicht erleichtert.
Als Falck die richtigen Schlüsse zieht, hängt das Leben seiner Kolleginnen bereits am seidenen Faden.
Ich lerne Falck kennen, als er noch Volkspolizist in der DDR ist. Er steht fest zu den den Grundsätzen der sozialistischen Republik und kann nicht verstehen, dass man unbedingt in den Westen, den Staat der Ausbeuter, will. Was mich aber für ihn eingenommen hat, sind seine Träume von Familie und eigener Wohnung, sein Gespür für Menschen, seine Empathie und Hartnäckigkeit.
Der Mauerfall ist erstmal ein Schock für ihn. Zum Glück kann er seine Arbeit behalten, wenn auch der Umgang mit den neuen alten Kollegen nicht einfach ist. Schmidt ist mir noch von seinem Auftreten in der DDR her unsympathisch. Er war in meinen Augen brutal und nicht unbedingt an der Aufklärung seiner Fälle interessiert. Kollegin Bach ist sehr darauf bedacht, dass es im Team zu keinen Konflikten kommt. Ich mochte sie, schon allein schon deswegen und weil sie sich um die Aufspürung von Sexualstraftätern bemüht - einer Tätergruppe, die es in der DDR offiziell nicht gab.
Turbulent wird es, als die westdeutsche Kollegin auf der Bildfläche erscheint. Beide Seiten sehen ihre Vorurteile gegenüber dem jeweils anderen bestätigt und arbeiten eher gegen als miteinander. Das führt zu einigen humorvollen Szenen, über die ich mich wunderbar amüsiert habe. Der Fall selbst wird immer verworrener und die Beamten geraten mehrfach in große Gefahr.
Die Lösung des Falles fand ich überzeugend und hat mir auch deshalb gefallen, weil bei allen Unterschieden es eben auch Gemeinsamkeiten gibt.

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