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Veröffentlicht am 27.03.2022

Wer spielt hier gern mit Puppen?

Braves Kind (Thriller)
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Ein grauenvolles Video macht die Runde. Auf immer mehr Social Media Kanälen ist ein Mädchen mit Puppe zu sehen. Am Strand, wie angespült, eine Stoffpuppe mit blutverschmierten Augen in der Hand. Als Sina ...

Ein grauenvolles Video macht die Runde. Auf immer mehr Social Media Kanälen ist ein Mädchen mit Puppe zu sehen. Am Strand, wie angespült, eine Stoffpuppe mit blutverschmierten Augen in der Hand. Als Sina Claasen und Erik Bartels vom LKA vor Ort sind, finden sie anstatt des Mädchens die grausam zugerichtete Leiche eines prominenten Politikers.

Es beginnt, wie es immer beginnt. Ich lerne die Guten und die Bösen kennen. Die Grenzen verschwimmen hierbei und des Öfteren zweifle ich an so manch aufrechtem Charakter, bin mittendrin statt nur dabei. Die Story nimmt immer mehr an Fahrt auf.

Ein weiteres Video taucht auf – oh Gott! Hoffentlich ist dieses Video ein Fake! Kindesmissbrauch ist ein Thema, das keiner einfach wegsteckt. Die Ermittlungen laufen dem Geschehen hinterher. Wer blockiert? Oder sind sie etwa unfähig und viel zu uneinsichtig, die Fakten richtig zu deuten? Abgründe tun sich auf, so mancher Alleingang rächt sich bitterlich. Ich möchte sie anschieben, zuweilen stoppen, sie warnen.

Unerbittlich, skrupellos und manipulativ setzen sie die einen ihren Willen durch, jedes Mittel ist denen recht, während andere erlittenes Unrecht auf ihre Art und Weise sühnen. „Ihr werdet büßen. Ihr werdet leiden. Niemand kommt ungeschoren davon.“

Schon der Titel lässt Rückschlüsse zu, die in eine Richtung abdriftet, in der es so manchen Verlierer geben wird. Die Kapitel sind kurz, mehrere Handlungsstränge ziehen sich durchs Buch. Jeder für sich ist spannend, die Charaktere meist nicht sehr nett. Man braucht schon gute Nerven, um in all die menschlichen Abgründe zu blicken.

Ein Thriller, der es in sich hat. Rasant geht es dem Ende zu, einiges an Action fand ich zu überzogen, trotzdem war ich gerne dabei, kann „Braves Kind“ jedem Thriller-Fan empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.03.2022

Ein tödlicher Fall für die SoKo St. Peter-Ording

Nordwestnacht
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Sie drehen da, wo andere Urlaub machen – in St. Peter Ording. Die Darstellerriege der erfolgreichen Krimi-Reihe sollte verjüngt werden und schon gibt es Zickenkrieg. Als ein Urlauber auf seinen Fotos etwas ...

Sie drehen da, wo andere Urlaub machen – in St. Peter Ording. Die Darstellerriege der erfolgreichen Krimi-Reihe sollte verjüngt werden und schon gibt es Zickenkrieg. Als ein Urlauber auf seinen Fotos etwas Seltsames entdeckt, das aussieht, als ob da ein Mensch an einen Pfahl mitten im Wasser angebunden ist, verständigt er die Polizei. Einer aus dem Filmteam hängt da, er hat es wohl überstanden. Aber nicht genug, verschwindet kurz darauf eine neu dazugekommene Schauspielerin.

Es ist der dritte Band um die SoKo hoch oben im Norden. Obwohl ich die beiden ersten Fälle nicht kenne, war ich gleich drin. Ich finde es immer gut, dass man in Reihen auch mittendrin einsteigen kann ohne das Gefühl zu haben, dass Infos fehlen. Die drei Ermittler Anna Wagner, Hendrik Norberg und Nils Scheffler, der hier eine ganz besondere Rolle spielt, waren mir schnell vertraut. Ich mag sie alle drei, jeden auf seine ganz besondere Art und werde mir ganz bestimmt die Vorgängerbände holen denn so ganz verabschieden möchte ich mich nicht von ihnen, kommen sie mir doch schon wie alte Bekannte vor.

Es geht um Mord und eine vermeintliche Entführung. Um Verdrängen und Vertuschen und um handfeste Lügen geht es auch. Die Charaktere haben Ecken und Kanten, sind liebenswert, hinterhältig und rachsüchtig mit so manch krimineller Energie. Eine glaubwürdige Handlung mit einer guten Prise Privatleben macht einen fesselnden Krimi, der schnell weggelesen war.

„Nordwestnacht“ war gute Unterhaltung mit ein wenig Urlaubsfeeling und dem festen Vorsatz, demnächst an die Nordseeküste zu fahren und in St. Peter Ording vorbeizuschauen. Und natürlich macht das offene Ende neugierig auf den vierten Fall.

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Veröffentlicht am 16.03.2022

Hetzjagd

Den Wölfen zum Fraß
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Eine junge Frau wird am Flussufer gefunden. Ermordet wurde sie, wie sich bald herausstellt und auch ein Verdächtiger – ein ehemaliger Lehrer - ist schnell aufgetan. Alles spricht für ihn als Täter, ist ...

Eine junge Frau wird am Flussufer gefunden. Ermordet wurde sie, wie sich bald herausstellt und auch ein Verdächtiger – ein ehemaliger Lehrer - ist schnell aufgetan. Alles spricht für ihn als Täter, ist er doch anders, nicht Mainstream. Perfekt für die Medien, sie stürzen sich auf ihn.

Ander und Gary ermitteln in diesem Fall und bald stellt sich heraus, dass Ander und Michael Wolphram, der Verdächtige, sich von früher kennen. Während Ander an der Wahrheit interessiert ist, verfällt Gary eher der reißerischen Berichterstattung der Medien.

“Sie wurde mehr als nur umgebracht. Sie ist mehr als nur tot.“ Ein Kriminalroman, der doch ganz anders ist. Der Schreibstil ist mitunter sperrig, so manche Passage musste ich zweimal lesen. Es dauerte, bis ich mich einfand, mich im Buch so einigermaßen wohl fühlte. Man muss schon sehr konzentriert lesen, das ist kein Roman für nebenher.

Der Macht der Medien unterliegen viele, sie konsumieren, lassen sich verführen und sich alles einreden, ohne zu hinterfragen. Die Zustände der Eliteschule und den 80ern sind sehr detailliert geschildert. Der gute Ruf war wichtig, nach außen hin musste geglänzt werden. Was drinnen passiert, bleibt verschlossen. Die Hetzjagd der Medien kann so manche Existenz zugrunde richten, es hat sich in der Jetzt-Zeit zum Schlimmeren verändert.

„Den Wölfen zum Fraß“ ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Ein treffender Titel, ein Krimi, der auf einem wahren Fall basiert. Man sollte dran bleiben, auch wenn die Geschichte anfangs keine Sogwirkung hat.

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Veröffentlicht am 16.03.2022

So wie das Leben eben ist

Das Fundbüro der verlorenen Träume
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Für das Fundbüro lebt sie – Dot Watson. Sogar eine Uniform trägt sie, wenngleich diese ihrer Fantasie entsprungen ist und doch passt genau dieser Kleidungsstil perfekt zu ihrer überaus korrekten Art. Sie ...

Für das Fundbüro lebt sie – Dot Watson. Sogar eine Uniform trägt sie, wenngleich diese ihrer Fantasie entsprungen ist und doch passt genau dieser Kleidungsstil perfekt zu ihrer überaus korrekten Art. Sie katalogisiert akribisch genau all die hier abgegebenen Dinge und wenn dann diese im Fundbüro aufbewahrten Stücke ihren Besitzer wiederfinden, ist Dots Freude groß. Eines Tages erscheint Mr. Appleby, der untröstlich darüber ist, seine Tasche samt den für ihn sehr wertvollen Inhalt verloren zu haben.

Das Buch beginnt ganz interessant, es scheint die Geschichte um Mr. Appleby zu sein, der Dot den Grund, warum er unbedingt diese Tasche wiederhaben möchte, erzählt hat. Eine ganze Weile plätschert die Geschichte vor sich hin, der Alltag im Fundbüro entspricht einer festgesetzten Norm.

Julia Meier, die das Hörbuch eingesprochen hat, macht daraus sehr viel. Dots Stimmungen arbeitet sie gut heraus, schon deshalb lohnt es sich dranzubleiben. Jedem einzelnen Charakter gibt sie seine Persönlichkeit, man merkt der Sprecherin ihre Ausbildung an, sie studierte Schauspiel und hat viel Erfahrung als Hörbuchsprecherin.

Man braucht schon etwas Durchhaltevermögen, denn es ist so viel mehr als die Geschichte um die verlorenen Gegenstände. Das Vergangene schimmert durch, es geht um Verlust und Trauer, Dots Leben war nicht immer so durchgetaktet. Regeln bestimmen ihr jetziges Dasein, fast meint man, sie hält sich daran fest, lässt nichts mehr an sich herankommen. Und doch schält sich zunächst zaghaft, dann sehr durchdringend ihr doch sehr vielschichtiges Leben heraus. Missverständnisse müssen erkannt und aufgearbeitet werden, was gar nicht so einfach ist. Je weiter man hört, desto intensiver wird es. Das zu Herzen gehende Ende hätte ich so nicht erwartet. Es hätte mir gefallen, die Geschichte dahinter sehr viel eher gehört zu haben. Der doch recht langwierige Anfang hätte dafür gerne gekürzt werden können. Julia Meier habe ich gerne zugehört, sie hat mir unterhaltsame 11 Stunden und 50 Minuten beschert.

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Veröffentlicht am 14.03.2022

Ein Sommer, der alles verändert

Leo und Dora
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So hat sich Leopold Perlstein das nicht vorgestellt. Schlecht gelaunt sitzt er in der Kleinbahn, die sich entlang des Harlem River hinaufschiebt. Seine Schreibblockade will er endlich überwinden und so ...

So hat sich Leopold Perlstein das nicht vorgestellt. Schlecht gelaunt sitzt er in der Kleinbahn, die sich entlang des Harlem River hinaufschiebt. Seine Schreibblockade will er endlich überwinden und so hat ihm Alma ihr Haus zur Verfügung gestellt, das aber leider abgebrannt ist. Im einem zweitklassigen Hotel wird er untergebracht, das die putzwütige, äußerst kleinliche Dora führt mit ihren stotternden Helfern und einer schwäbelnden Köchin, deren Essen ungenießbar ist. Wer will schon ein zu Stein gebratenes Steak oder Würstchen aus der Dose! Auch sein Zimmer ist eine Zumutung! Ja, er würde Alma telegrafieren, dass sie ihn rettete oder ihm eine Schiffspassage zurück nach Jaffa schickte. Aber hier – hier konnte er nicht bleiben.

Amüsant und ein wenig exaltiert geht es los, wir sind mit im Juni des Jahres 1948 gelandet, mit ihm sozusagen gestrandet. Mit Leo, dem Nörgler, dem so gar nichts passt. Er beobachtet die anderen Gäste, es sind Ferien und die Mütter mit ihren Kindern nehmen viel Platz ein, er muss sich ein wenig unterordnen. Noch dazu gibt es sowas wie einen Geist, den es zu vertreiben gilt.

Wie das Leben eben so ist, so sind auch die Charaktere. Alle mit Ecken und Kanten, anfangs eher unsympathisch, man muss sie erst etwas näher kennenlernen. Da sind die Geringers, mit denen Leo sich anfreundet oder Anton, der mit seinen jungen Jahren so einiges zuwege bringt. Und natürlich Dora. So unterkühlt, wie es anfangs scheint, ist sie gar nicht und auch Leo taut immer mehr auf.

Aus den unnahbaren titelgebenden Protagonisten werden immer mehr dem Leben zugewandte, sich öffnende Personen, denen das Schicksal nicht immer wohlgesonnen war. Und doch gilt es, jetzt zu leben, nach vorne zu schauen. Ein Sommer, der so viel ändert, der ihren Leben eine Wendung gibt, die sie nicht mehr für möglich gehalten hätten… Und dann ging er hinunter und begann zu schreiben. ‚Romanze in Triest‘ soll es heißen, Leos Buch. Eine Liebesgeschichte mit einem Gespenst.

„Leo und Dora“ - ein unaufgeregtes Buch, ein sich annähern. Eingefahrene Bahnen verlassen, mit offenen Augen durchs Leben gehen, Neues zulassen. Die schnäbelnden Vögel vom Cover versinnbildlichen dieses Gefühl sehr gut. Das Herbstlaub hängt noch an einem Ast, während auf dem anderen die Knospen sprießen, alles sprüht Lebendigkeit und Lebensfreude aus. Ein Wohlfühlbuch, das auch ernste Töne anschlägt, das ich gerne gelesen habe.

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