Ein emotional bewegender Roman nicht nur über Freundschaft.
Die Engel von BerlinDer Zeitraum von 1931 bis 1945 wird in bewegenden Bildern aus Berlin und London als Kriegsbrennpunkte des 2. Weltkriegs herauskristallisiert, ohne das Über-/Leben von Juden im Nazi-Deutschland auszuklammern.
Die ...
Der Zeitraum von 1931 bis 1945 wird in bewegenden Bildern aus Berlin und London als Kriegsbrennpunkte des 2. Weltkriegs herauskristallisiert, ohne das Über-/Leben von Juden im Nazi-Deutschland auszuklammern.
Die Historie der Pfadfinder spielt hier eine besondere Rolle. Die Gestapo hatte die Weiterarbeit der Christlichen Pfadfinderschaft 1937 endgültig verboten. Hitler hat sich die Pfadfinderbewegung als Vorbild für seine Hitler-Jugend genommen, Lord Baden-Powells Grundsätze und Erkenntnisse für nationalsozialistische Interessen missbraucht. Hitler wollte manipulieren, diese Girls-Guides erzogen zu eigenständigen Persönlichkeiten – so dachten zumindest unsere Protagonisten Martha und Annegret.
Wenn es viel mehr Pfadfinder oder andere damals gegeben hätte, die sich für Frieden und Nächstenliebe eingesetzt hätten, wie wäre dann der Lauf der Geschichte fortgesetzt worden?
Zum Kindertransport jüdischer Kinder nach Großbritannien: Es hieß, dass um die 10000 jüdische Kinder vor dem Krieg hatten ausreisen können. Aber seit Kriegsbeginn gab es kein Entkommen mehr. Der letzte Transport, der aus Prag kam, wurde gestoppt, und über 50 Kinder waren in den sicheren Tod zurückgeschickt worden. Ein paar der älteren Kinder des Kindertransports wurden nach Kriegseintritt als »friendly enemy aliens«, als Feinde, interniert. Es mussten um die eintausend Transportkinder sein, die in Internierungslagern auf der Isle of Man gelandet waren. Grausam das alles hier im Roman zu lesen als Nachkriegsdeutsche.
Juden durften ja längst nicht mehr in die öffentliche Schule gehen, Mischlinge inzwischen auch nicht mehr. Die Jüdische Gemeinde in Berlin gab zum Glück Unterricht. Gemäß der Rassenlehre wurden Mischlinge inzwischen aber genauso diskriminiert und verfolgt – all diese Informationen in diesem Roman empören mich sehr.
Neu ist für mich auch die Aktivität von deutschen Künstlern aus dem Exil: Einmal im Monat kam in der BBC die Sendung Deutsche Hörer. Hier sprach z.B. Thomas Mann, Schriftsteller, der in die USA emigriert war, zum deutschen Volk. Damals hatte er in einem amerikanischen Magazin auch einen Artikel mit Details über deutsche Gräuel in Polen vorgelesen und prangerte die Tötung von fast elftausend polnischen Juden mit Giftgas an. In luftdicht verschlossene Wagen hatte man sie gesteckt und alle kurzerhand ermordet, unter dem Gelächter der SS-Schergen, die die Gräuel begangen hatten.
Das Glück kann man hoffentlich immer noch im Kleinen finden. In Menschen, die gut zu einem sind.