Profilbild von MissDaisy

MissDaisy

Lesejury Star
offline

MissDaisy ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MissDaisy über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2022

Schicksalhafte Begegnungen

Schallplattensommer
0

Als einziges Mädchen weit und breit und noch dazu mit dem ausgefallenen Namen Maserati lebt es sich mit einer dementen Großmutter, die den Lebensunterhalt mit einer kleinen Gaststätte betreibt, recht stressig. ...

Als einziges Mädchen weit und breit und noch dazu mit dem ausgefallenen Namen Maserati lebt es sich mit einer dementen Großmutter, die den Lebensunterhalt mit einer kleinen Gaststätte betreibt, recht stressig. Kurz vor ihrem 17. Geburtstag tauchen Theo und Caspar auf, Söhne reicher Eltern, die von Maseratis Problemen keine Ahnung haben. Und da ist Georg, der taubstumme ehemalige Klassenkamerad, der für Maserati immer schon der Retter in der Not war. Aber da sind auch Geheimnisse, die so geheim gar nicht sind. Und Maserati will einfach nur schnell volljährig werden, bevor doch noch alles schiefgeht …

Dieses Buch ist unendlich traurig und zugleich wunderschön! Man kann so oft schmunzeln und breit grinsen, weiß aber genau, dass das eine Art Galgenhumor ist. Immer wieder wird das Herz schwer und man möchte in die Geschichte springen und helfen. Maserati ist ein Mädchen, dem die Kindheit in gewisser Weise gestohlen wurde. Aber sie weiß auch, wer es gut mit ihr meint und wen sie schützen muss – und das mit allen Mitteln! Neben all ihren Pflichten, die sie sich selbst auferlegt hat, schafft sie sich kleine Inseln für sich allein. Sie könnte so schön unterm Radar fliegen, wenn da nicht das Leben einen Joker ausspielen würde und ihr in Form von neuen Nachbarn einen Streich spielte. Wird dadurch alles schlimmer? Oder doch besser? Oder einfach nur anders?

Die Story ist durchweg wie mit einem Nebel durchzogen. Das meiste bleibt im Verborgenen, vieles wird nur angedeutet und so hat der Leser jede Menge Raum für Kopfkino und eigene Schlüsse. Doch gerade das Ungesagte wiegt schwer und spricht für sich. Das hat Alina Bronsky unbeschreiblich gut hinbekommen und damit ein Buch geschaffen, das das Zeug zum Highlight hat.

Auf so wenigen Seiten so viel zu sagen, so viele Themen unterzubringen, so viel Mut zu machen, das ist eine ganz besondere Leistung. Die Pubertät, die (erste) Liebe, Drogen, Vernachlässigung, Demenz, Schulabbruch, die Macht der Medien - das sind nur einige der angeschnittenen Themen. Da ist jede Menge Stoff für Diskussionen und Gelegenheit, Dinge mal von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten.

Ich mag Maserati sehr – sie ist ein starkes Mädchen, dem ich gern helfen möchte, dem ich aber auch zutraue, das alles ohne Zusammenbruch (auch nicht in späteren Jahren) zu meistern. Ich mag auch Theo und Caspar, auch wenn die beiden immer wieder jedes auch noch so kleine (aber gern auch die ganz großen) Fettnäpfchen treffen. Ich mag Georg, der ein herzensguter Mensch ist, aber auch Fehler hat und macht. Ich mag die Oma, die ganz eigene Ansichten hat, aber auch ein großes Herz – und nicht gerade wenig ertragen musste. Ich mag sogar Annabelle, auch wenn sie in ihrer Hilflosigkeit gern mal das Falsche tut und sagt.

Ich habe mit diesem Buch einen Feriensommer erleben dürfen, war Gast bei Maserati und ihrer Oma, habe die Luft und den See gerochen und gespürt und bin wieder nach Hause gefahren. Ich hoffe, wenn ich wieder mal Urlaub da mache, existiert die kleine Gaststätte noch und ich erfahre, was die Zeit den beiden noch brachte. Bis dahin lasse ich fünf Sterne hier!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2022

Zusammenhänge und Zufälle – eben das Leben!

Henry
0

Marion Angermeier räumt gerade den Einkauf aus dem Auto ins Haus, als ein Fremder die Gelegenheit nutzt, ihr Auto zu stehlen. Das wäre längst nicht ein so großes Drama, doch auf der Rückbank schläft ihre ...

Marion Angermeier räumt gerade den Einkauf aus dem Auto ins Haus, als ein Fremder die Gelegenheit nutzt, ihr Auto zu stehlen. Das wäre längst nicht ein so großes Drama, doch auf der Rückbank schläft ihre 12-jährige Tochter Henriette, die von allen Henry genannt wird. Während die Polizei mit Marion und Thomas nichts unversucht lässt, den Entführer zu finden, erlebt Henry den großartigsten Ausflug ihres Lebens …

Die ist ein so wunderbares Buch, das mit einer erstaunlichen Leichtigkeit sehr viele und ganz große, schwere Themen aufgreift und dem Leser nahelegt. So schwer es ist, wenn man selbst in die Pubertät kommt, so schwer ist es auch und gerade für die Eltern. Schaut man als Erwachsener zurück, gibt es ganz sicher immer Dinge, die nicht so prickelnd waren, vielleicht auch eine Aufarbeitung benötigen, ob mit oder ohne fachmännische Hilfe. Dieses Buch zeigt, dass es weder schlimm ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen, noch irgendjemand das Recht hat, über die Größe der zu bewältigenden Probleme zu urteilen. Nicht alle angeschnittenen Themen werden tiefer ausgearbeitet, aber das ist in meinen Augen auch nicht nötig. Das Anschneiden allein löst schon Gedankengänge aus, die der Leser selbständig allein für sich weiterdenken kann.

Man schwankt immer wieder zwischen Mitgefühl für Marion und Wut auf sie. Doch bleibt immer ein Rest Verständnis und Wissen, dass man es niemals schafft, alles richtig zu machen. Gleiches gilt auch für Thomas und Henry, aber ebenso für Sven und Nadja. Das ist wunderbar, denn es gilt eben einfach für jeden einzelnen Menschen!

Sehr schön ist auch, dass hier tatsächlich jeder Fehler macht. Wie im echten Leben! Und vielleicht machen alle genau deshalb irgendwie am Ende doch alles richtig? So lustig und erfrischend weite Strecken des Buches sind, kommen doch auch sehr ergreifende und bewegende Stellen vor. Das macht es in meinen Augen noch besser! Auf so wenigen Seiten im Grunde das ganze Leben zu erfassen, so viele Probleme im zwischenmenschlichen Bereich aufzuzeigen, so wunderbar das seelische Chaos einer Pubertierenden darzulegen, so sehr das Leben zu feiern und zu lieben – das ist Florian Gottschick unsagbar gut gelungen!

Es gibt insgesamt nicht sehr viele Figuren und das macht das Buch sehr leicht und flott lesbar. Man kann sich dadurch gut auf die jeweilige Figur fokussieren und behält immer den Überblick. Vielleicht ist das Zitat aus einem anderen Buch, das hier eingewoben wurde, die beste Beschreibung überhaupt. Es ist aus „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ von Olga Grasova: „Man braucht nicht auf die Midlife-Crisis zu warten, man kann sein Leben auch schon mit Mitte 20 wunderbar gegen die Wand fahren.“ Auch „Aber bei Thomas überschlägt sich nichts, sondern verirrt sich in unbewohnten Hirnwindungen.“ ist so ein Moment, der bei mir in Herz und Seele kleine Glöckchen hat klingen lassen. Ganz großes Kino ist dann die Beschreibung der Szene im Kürbisfeld. Da glaubt man fast nicht mehr, dass es Fiktion ist! Sätze wie „Er schaut zu den Kürbissen, von denen der eine seine interzellulare Struktur schlagartig umdisponiert hat.“ müssen einem erst einmal einfallen! Mich machen sie beim Lesen einfach nur glücklich!

Das ist die Art Bücher, von denen ich nicht genug bekomme, die man aber sehr selten findet. Ich liebe es und gebe fünf Sterne!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2022

Die Wahrheit aus den Akten und die Wahrheit aus dem Leben

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
0

Michael Hartung lebt im Grunde so vor sich hin. Recht ziellos, von einem Tag auf den anderen, nicht wirklich erfolgreich und ein bisschen verloren. Irgendwie klappt nie etwas, das er anfängt. Kein Wunder ...

Michael Hartung lebt im Grunde so vor sich hin. Recht ziellos, von einem Tag auf den anderen, nicht wirklich erfolgreich und ein bisschen verloren. Irgendwie klappt nie etwas, das er anfängt. Kein Wunder also, dass er noch immer an seiner Videothek festhält, obwohl längst kaum Umsatz damit zu machen ist, weil alle Welt Filme streamt. Auch kein Wunder, dass er die Miete nicht zusammenbekommt. Und wenn dann ein Journalist auf der Suche nach einer guten Story zum 30. Jahrestag des Mauerfalls Michael quasi die Lösung all seiner Probleme aufdrängt, dann, ja dann … ergreift Michael diese Chance. Dass das nicht wirklich gutgehen kann, ist ihm klar, aber was hat er schon zu verlieren?

Michael Hartung ist das, was man bei uns eine „verkrachte Existenz“ nennt. Super sympathisch im Grunde, aber auch an seiner Lage selbst schuld. Wer es sich immer bequem macht, der kommt eben zu nix. Aber dennoch mag man ihn irgendwie. Und ganz ehrlich, wenn es einem so leicht gemacht wird, einige Probleme auf einmal loszuwerden, ein bisschen zu glänzen und der erwachsenen Tochter die Chance zu geben, stolz auf sich zu sein, dann, ja dann … nutzt man das!

Ich hätte unseren Helden öfter mal gern geschüttelt, aber gleichzeitig auch wie ein kleines Kind schützen wollen und ihm helfen, endlich in die Puschen zu kommen. Nach und nach erfährt man nicht nur, was 1983 passiert ist – laut Akten und der Wahrheit -, sondern auch, wie Michael wurde, wie er ist. Böse sein kann man ihm nicht wirklich!

Die Story entwickelt sich wunderschön bildhaft. Viele kleine Ursachen, die sich auswachsen und kleine, mittlere und große Lawinen auslösen, sind nicht nur amüsant, sondern regen auch zum Nachdenken an. Der Mensch sieht eben, was er gern sehen möchte. Die Wahrheit dahinter sieht fast immer völlig anders aus. Genau das stellt man hier fest – und zwar in ganz großem Maße. Aber auch, dass alles seinen Weg geht, ganz gleich, was passiert. Hartungs große Liebe, der er irgendwie sein ganzes Leben lang nachhing, hat sein Leben auf völlig andere Weise verändert, als er selbst zunächst und lange Jahre dachte.

Die Folgen, die der Zeitungsartikel hatte, sind nicht nur für Hartung größer, als erwartet. Auch der Journalist erkennt, wohin ihn sein Eifer und sein Wunsch, groß herauszukommen, hingebracht haben. Für beide geht es irgendwann darum, dass die Wahrheit nicht ans Licht kommen darf und sie ihr Konstrukt aufrecht erhalten müssen. Immerhin ist ein Teil davon ja wahr! Und nicht nur die beiden sind darauf bedacht. Köstlich, wie nach und nach alles weite Kreise zieht, wie bei einem Stein, den man ins Wasser wirft und der das Wasser immer mehr nach allen Seiten verdrängt.

Für Moralapostel dürfte diese Story eine Katastrophe sein. Für Menschen, die feinen Humor lieben, ist sie großartig. Durchzogen wird die Geschichte aber auch mit ganz vielen goldenen Fädchen der Liebe. Da ist die verflossene Liebe, die unter keinem guten Stern stand. Da ist die Liebe zum eigenen Kind. Da ist die Liebe zum Leben. Und da ist die wahre Liebe, die zarte Liebe, die aufkeimende Liebe. Und sogar die Liebe zur Wahrheit.

Sehr schön hier ist auch, dass man selbst erkennt, wie leicht man sich ein falsches Bild macht. Und wie schwer es ist, das zuzugeben und dann zur neuen Sicht zu stehen. Die Figuren sind allesamt nicht makellos, nicht fehlerfrei, nicht perfekt. Gerade das macht sie allesamt liebenswert. Vor allem entwickelt man sich selbst quasi mit ihnen zusammen weiter. Wow!

Ich bin kein Fan der immer wieder aufflackernden Ost-West-Geschichten. Aber diese hier hat mich komplett abgeholt, denn sie ist einfach anders. Sie handelt nicht nur von der DDR, der Stasi, den Fluchthelfern, sondern ist Sinnbild für so viele andere Momente in jedem Leben. Es kommen viele Dinge zusammen, um jemanden zum Helden zu machen. So auch hier. Und ja, Hartung ist ein Held. Aber auf so völlig andere Art, wie er selbst dachte und wie der Rest der Welt dachte. Klischees und Gerüchte – das Leben ist voll davon. Das ist so herrlich schön herausgearbeitet, dass es fünf Sterne verdient!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.03.2022

Diese Rezepte sind umwerfend!

One Pot Pasta. 30 blitzschnelle Rezepte für Nudeln & Sauce aus einem Topf
0

Manchmal mag man es einfach super bequem haben und möglichst wenig Geschirr. Da kommt so ein One Pot Gericht gerade recht. Aber hier mit Pasta hat das noch den Vorteil, dass die Nudeln den Geschmack der ...

Manchmal mag man es einfach super bequem haben und möglichst wenig Geschirr. Da kommt so ein One Pot Gericht gerade recht. Aber hier mit Pasta hat das noch den Vorteil, dass die Nudeln den Geschmack der Zutaten besonders gut in sich aufnehmen und das verwöhnt den Gaumen dann enorm! Nicht immer ist diese Garmethode auch mit weniger Arbeit (es wird schon reichlich geschnibbelt) verbunden, aber immer wird man mit einem wunderbaren Geschmack und besonders sämigen Soßen belohnt!

Die Autorin startet mit einer Reihe grundlegender Tipps, die für das Gelingen von One Pot Pasta entscheidend sein können. Auch eine Übersicht der geeignetsten Nudeln findet sich. Die 30 Rezepte sind dann in die Kategorien „Traditionell“, „Aus aller Welt“ und „Vegetarisch“ unterteilt.

Bei der Aufteilung der Gestaltung der Rezepte hat sich der Verlag an das klassische Modell gehalten. Die Zutaten sind sauber gelistet, daneben ist die Schritt-für-Schritt-Anleitung, hin und wieder finden sich noch zusätzliche Tipps, Varianten oder sonstige Rezepte (z.B. für Pesto). Außerdem ist gleich nach dem Namen des Rezeptes alles Relevante zu Menge (Personen), Kosten, Schwierigkeitsgrad, Vorbereitungszeit und Garzeit angegeben. So hat man direkt einen guten und schnellen Überblick.

Mir sind immer Fotos sehr wichtig! Hier bekomme ich zu jedem Rezept ein Bild vom fertigen Gericht und das macht echt Appetit. Die Vorschläge sind teils überraschend, teils schlicht, aber immer erkennbar lecker. Wer keinen Fisch mag, wird „Fischtopf“ eben nicht nachkochen, ich persönlich mag keine Innereien und koche deshalb sicher keine „Nudeln mit Spargel und Hühnermagen“, aber bei den dreißig Rezepten dürfte jeder sein neues Lieblingsgericht finden. Die Mischung ist total bunt und abwechslungsreich!

Den Abschluss bilden Tabellen zu Mengen und ihren Entsprechungen. Das finde ich großartig. Absolut der Hit ist aber, dass dieses geniale kleine Kochbuch nur fünf Euro kostet! Da sieht man mal wieder, dass Gutes nicht immer teuer sein muss! Auch sind die Gerichte selten für den Geldbeutel belastend. So ist das Buch auch ideal für Studenten und alle, die jeden Cent mehrfach umdrehen müssen. Ich bin begeistert und gebe die vollen fünf Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 07.03.2022

Man kann nicht nur Gegenstände verlieren …

Das Fundbüro der verlorenen Träume
0

Dorothy Watson, genannt Dot, hat sich zum Ziel gesetzt, verlorene Dinge ihren Besitzern wiederzugeben. Klingt ganz normal – so arbeitet ein Fundbüro ja auch. Doch bei Dot geht das tiefer und treibt manchmal ...

Dorothy Watson, genannt Dot, hat sich zum Ziel gesetzt, verlorene Dinge ihren Besitzern wiederzugeben. Klingt ganz normal – so arbeitet ein Fundbüro ja auch. Doch bei Dot geht das tiefer und treibt manchmal auch seltsame Blüten. Eines Tages kommt John Appleby ins Fundbüro. Er hat eine Reisetasche verloren, in der das Portemonnaie seiner verstorbenen Frau ist. Dot bewegt die Geschichte so sehr, dass sie alles daran setzt, Tasche und Portemonnaie wieder aufzutreiben. Ihre Suche lässt sie so einiges finden, womit sie nicht gerechnet hatte und das sie gar nicht verloren geglaubt hatte …

Hach, was für ein wunderbares, liebevolles, ergreifendes, bewegendes und kluges Buch das doch ist! So eigenartig Dot manchmal scheint, so wunderbar ist sie auch. Nach und nach erfährt man, wie sie zu der Frau wurde, die sie ist und deren „Form“ sie hartnäckig erhalten möchte. Nicht nur sie, auch die anderen Personen rund um ihr Leben sind speziell – aber dennoch alle auf ihre eigene Weise liebenswert. Das allein ist schon ein Teil der Aussage des Buches: Jeder, egal wie er ist, ist liebenswert!

Auch werden dem Leser oder Hörer die Augen ein bisschen geöffnet für das, was wir sehen, was andere sehen und was die Wahrheit dabei ist, aber vor allem dafür, was man alles mehr oder weniger unbemerkt verlieren kann – von simplen Gegenständen über die Fassung bis zum Glauben oder gar sich selbst ist da ein weites Spektrum. Doch was man verlieren kann, kann man auch wieder finden und manchmal finden andere das, was man selbst verloren hat – und bringen es zurück.

Die Sprachmelodie der Autorin ist sanft und liebevoll, voller Verständnis und ganz ohne erhobenem moralischem Zeigefinger. Dennoch – oder gerade deshalb – bewirkt sie eine Reflexion beim Leser/Hörer, die manchmal ein bisschen schmerzt, aber dennoch unfassbar heilsam und wohltuend ist. Ja, mich hat das Buch zum Weinen gebracht, aber es hat auch tatsächlich ganz alte Wunden bei mir – wenn nicht geheilt, dann doch gesalbt. Damit hatte ich nicht gerechnet, umso wundervoller ist es. Doch auch ganz ohne dieses außergewöhnliche „Extra“ hat das Buch seine eigene Magie.

Genau solche Bücher sind es, die das Lesen zum schönsten Zeitvertreib der Welt machen und die Menschen und die Welt schöner machen. So unlogisch manche Reaktionen von Dot anfangs schienen, so verständlich sind sie, wenn man hinter die Fassade blickt. Genau das müssen wir lernen zu tun: hinter die Fassaden, die künstlichen Kulissen, blicken.

Für mich ist dies ein absolutes Highlight und es wird schwer werden, danach mit einem Buch zufrieden zu sein. Zu sehr trifft Helen Frances Paris einen Nerv. Fünf Sterne!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere