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Yakko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.04.2022

Sehr wichtiges Thema

New Moms for Rebel Girls
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Die Autorin Susanne Mierau ist mir bereits aus dem Bereich der bedürfnisorientierten Erziehung bekannt. In "New Moms for Rebel Girls" nimmt sie sich einem anderen, sehr wichtigen Thema an, das sie wohl ...

Die Autorin Susanne Mierau ist mir bereits aus dem Bereich der bedürfnisorientierten Erziehung bekannt. In "New Moms for Rebel Girls" nimmt sie sich einem anderen, sehr wichtigen Thema an, das sie wohl zumindest genauso stark vertritt. Das Buch ist allerdings kein Erziehungsratgeber, wie man vielleicht vermuten könnte. Es gibt hier kein Konzept, nach dem man erziehen kann. Stattdessen geht es darum, Mädchen in einer Welt, die geprägt von patriarchalen Strukturen ist, zu starken Frauen zu erziehen. Dies gelingt nur mit der nötigen Portion (Selbst)reflexion, um feministische Denkweisen in die Erziehung einfließen zu lassen.

Schon in der Einleitung stellt die Autorin anhand von alltäglichen Beispielen die Wichtigkeit des Themas vor und nimmt sich daraufhin verschiedenen Aspekten des Feminismus an. Spannend fand ich vor allem auch den geschichtlichen Hintergrund, wie die heutigen Strukturen so überhaupt zustande gekommen sind.
Auch sonst ist das Buch durchgehend interessant gegliedert und geschrieben. Mierau belegt alle ihre Aussagen mit entsprechenden Quellen, lockert die Theorie immer wieder durch Erzählungen Betroffener auf. Gelungen fand ich auch die Interviews zu den unterschiedlichen Themenbereichen.
Da ich mich schon selbst lange mit dem Thema Feminismus beschäftige, war mir vieles nicht neu und trotzdem öffneten mir einige Kapitel auf verschiedene Arten die Augen, es gab für mich definitiv neue Impulse. Oftmals entstand bei mir beim Lesen auch ein Gefühl der Wut und Ohnmacht, vielleicht auch gerade, weil ich selbst zwei Töchter habe.

Das Buch bietet viele Reflexionsübungen und unterstützt (vorrangig) Mütter darin, sich auf das Thema überhaupt einzulassen und neue Wege zu gehen. Mütter deshalb, weil sie selbst in diesen Strukturen aufgewachsen sind und vieles selbst erlebt haben und wiederum vielleicht an ihre Kinder weitergeben. Doch auch Väter und Söhne werden in dem Buch nicht ignoriert. Ich finde, dass jeder, der Kinder hat, das Buch lesen sollte, um sich der Problematik bewusst zu werden. Da hat auch jegliches Klischeedenken über den Feminismus keine Chance mehr. Es wird nicht sofort gelingen, die patriarchalen Strukturen völlig aufzubrechen, das ist auch nicht das Ziel des Buches. Stattdessen passt der Begriff "Patriarchatsresilienz" sehr gut - der Widerstandsfähigkeit gegen das Wirken des Patriarchats. Ich kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 23.03.2022

Außergewöhnliche Geschichte

Solange es ein Morgen gibt
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Jessica ist 31 Jahre alt und in ihrem Leben läuft alles genau so, wie sie es sich gewünscht hat: sie hat einen neuen Job als Chefredakteurin und den richtigen Partner an ihrer Seite. Doch dann ändert sich ...

Jessica ist 31 Jahre alt und in ihrem Leben läuft alles genau so, wie sie es sich gewünscht hat: sie hat einen neuen Job als Chefredakteurin und den richtigen Partner an ihrer Seite. Doch dann ändert sich all das. Nachdem ihr Freund ihr fremd gegangen ist, bekommt sie die niederschmetternde Diagnose Brustkrebs. Es beginnt eine Episode ihres Lebens voller Ängste und Selbstzweifel.

Die Autorin Laura Price hatte selbst in jungen Jahren Brustkrebs und so wurde ihre eigene Geschichte die Inspiration zu diesem Roman. Mir gefällt der Schreibstil, der teilweise leicht, doch an den passenden Stellen auch sehr dramatisch sein kann.
Jessica als Protagonistin ist sicher nicht die Frau von nebenan, mit der sich jede direkt identifizieren kann, so lebt sie zunächst in einer (Schein)Welt, die vielen fremd sein wird. Trotzdem ist sie bodenständig und sympathisch und gerade durch ihre Erkrankung erlebt sie eine enorme Entwicklung innerhalb der Geschichte. Da fängt man doch schnell an zu denken "Das könnte auch ich sein, die diese Diagnose bekommt". Viele Nebenfiguren und -geschichten finden in diesem Buch ebenfalls ihren Platz, was manchmal zu gewissen Längen führt. Dennoch passt es irgendwie, um Jessicas ganzes Leben aus allen Facetten zu erzählen.
Besonders Annabel hat mich tief berührt.

Insgesamt ist dies eine sehr außergewöhnliche Geschichte, die trotz der Schwere einer Krebsdiagnose mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt wird. Dadurch wird das Buch nicht zum typischen Drama, das man bei dem Grundthema erwarten würde. Es gab viele unterhaltsame Stellen, bei denen ich lachten musste, dann wiederum vieles, das mich sehr berührt hat. Man spürt die persönliche Erfahrung der Autorin, denn die vielen Gedanken und Ängste, die Jessica beschäftigen, kann vermutlich nur jemand genau in diesem Maße ausdrücken, der es selbst erlebt hat. Für mich eine ganz klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 21.02.2022

Tolles Buch für die Kleinsten

ministeps Mein erstes großes Gutenacht-Buch - ab 12 Monate
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"Mein erstes großes Gutenacht-Buch" ist ein neues Werk aus der MiniSteps Reihe von Ravensburger. Zusammen mit bekannten Figuren aus dieser Reihe wie dem Frosch, Bären oder dem niedlichen Schaf, werden ...

"Mein erstes großes Gutenacht-Buch" ist ein neues Werk aus der MiniSteps Reihe von Ravensburger. Zusammen mit bekannten Figuren aus dieser Reihe wie dem Frosch, Bären oder dem niedlichen Schaf, werden Kinder ab 12 Monaten in den Schlaf begleitet.

Bisher haben wir mit unserer Kleinen das Buch "Wenn kleine Kinder müde sind" am Abend gelesen, was auch sehr süß ist, doch das wurde dann irgendwann zu wenig. Das Gutenacht-Buch ist eine tolle Ergänzung, weil es ähnlich ist, die Illustrationen sind im selben Stil gehalten und auch die Reimform findet sich hier wieder. Beides gefällt uns sehr gut. Gerade die Erzählweise in Reimen prägt sich bei den Kleinen schnell ein und fördert die Sprachentwicklung.
Neben kindgerechten Gutenacht-Geschichten thematisiert das Buch auch sämtliche alltägliche Rituale am Abend wie das Waschen oder Anziehen der Schlafkleidung. Außerdem gibt hier auch noch klassische Schlaflieder zum Vorsingen. Somit wird das Buch sehr abwechslungsreich.

Insgesamt ist dies ein tolles Buch für die Kleinsten, das Format ist typisch für die Reihe und entspricht z.B. auch dem Buch "Mein erstes großes Wörterbuch". Es ergänzt die Reihe perfekt und eignet sich prima zur Gestaltung eines ruhigen Abendrituals.

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Veröffentlicht am 12.02.2022

Tolle Geschichte

Dachs und Rakete. Ab in die Stadt!
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Herr Dachs uns sein Freund, die Schnecke Rakete, wohnen im gemütlichen Bau in der freien Natur und lassen es sich gut gehen. Doch dann reißt ein Bagger ihnen das zu Hause im wahrsten Sinne vom Kopf. Da ...

Herr Dachs uns sein Freund, die Schnecke Rakete, wohnen im gemütlichen Bau in der freien Natur und lassen es sich gut gehen. Doch dann reißt ein Bagger ihnen das zu Hause im wahrsten Sinne vom Kopf. Da bleibt nur eines: ein neues Heim suchen. Dabei verschlägt es die beiden in die große Stadt.

„Dachs und Rakete“ ist eine tolle Geschichte über zwei Freunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und sich dennoch so gut ergänzen. Als sie ein neues zu Hause suchen, erleben sie allerlei Abenteuer und vor allem mehr als nur einen Kulturschock. So kannten sie bisher weder verschiedene Mahlzeiten wie Pizza oder Pommes, noch ein Einkaufscenter samt Shopping.

Wir hatten hier sehr viel Spaß dabei, die beiden Hauptfiguren bei ihren Erlebnissen zu begleiten. Der Text ist toll geschrieben, immer mit einer gewissen Prise Humor, die auch kleine Kinder schon gut verstehen.
Die Illustrationen gefallen uns auch sehr, vor allem sind auf beinahe jeder Doppelseite welche vorhanden. Da macht das Vorlesen gleich noch mehr Spaß.

Insgesamt ist dies ein wirklich tolles Kinderbuch, wir würden uns sehr über eine Fortsetzung freuen.

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Veröffentlicht am 12.02.2022

Bewegend und authentisch

The Sky in your Eyes
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Elin fühlt sich von ihrem Exfreund zutiefst gedemütigt und verletzt. Nach der Trennung zieht sie zurück ins Elternhaus. Um etwas Ablenkung zu bekommen, bucht sie einen Kochkurs, wo sie Jon kennenlernt. ...

Elin fühlt sich von ihrem Exfreund zutiefst gedemütigt und verletzt. Nach der Trennung zieht sie zurück ins Elternhaus. Um etwas Ablenkung zu bekommen, bucht sie einen Kochkurs, wo sie Jon kennenlernt. Nach einer gewissen Zeit scheint es, als habe er Interesse an ihr, doch Elin bringt zu viel Ballast mit, um sich darauf einlassen zu können.

Kira Mohn hat einen wunderschönen Schreibstil und schafft es, jede Situation so zu beschreiben, dass man sie sich tatsächlich bildlich vorstellen kann. Sie wählt in ihren Romanen ganz besondere Settings aus, so auch hier die isländische Idylle, die ganz hervorragend zur Geschichte passt.
"The Sky in Your Eyes" ist ein ganz besonderer Roman, der viel Tiefe und Gefühl mitbringt und damit gar keine so leichte Kost ist, wie man es vielleicht zunächst vermuten würde.

Die Protagonistin Elin hat aufgrund ihrer Figur schon seit Kindertagen viel Mobbing und Demütigung erfahren, den Höhepunkt erreicht dies allerdings durch die toxische Beziehung zu ihrem Exfreund Daniel. Sie ist traumatisiert durch ihre Erlebnisse und hat weder ein gesundes Selbstwertgefühl noch Selbstliebe gelernt. Im Laufe der Geschichte merkt man, wie tief dies verwurzelt ist.
Ich bin beeindruckt, wie großartig die Autorin die Gefühlswelt, die innere Zerrissenheit von Elin ausgearbeitet hat, gerade bezogen auf so ein sensibles Thema. Elins Gedanken kreisen sich immer wieder um ihren Körper, sie interpretiert jede Äußerung und Handlung anderer (über) und leidet still in sich hinein. Ich konnte den Schmerz förmlich spüren und hatte so manches Mal einen dicken Kloß im Hals. Alle ihre Gedanken und Gefühle waren so echt und intensiv. Die Aufarbeitung ihres Traumas geht ganz zaghaft vonstatten. So geht Elin auch mal zwei Schritte nach vorne und drei zurück und doch ist all das absolut stimmig. Auch die Chemie zwischen Elin und Jon fand ich sehr gelungen, die Entwicklung ihrer gemeinsamen Geschichte ebenso.

Dies ist ein Roman, der mich nachhaltig beschäftigt. Kira Mohn hat ein sehr sensibles Thema in ihrer Geschichte bearbeitet, in das sich die meisten Leser*innen sicher schnell hineinversetzen können. Bodyshaming ist ein Thema, das viele Facetten haben kann, im Grunde geht es immer mit einem mangelnden Selbstwertgefühl und fehlendem Selbstbewusstsein einher. Das zeigt die Autorin durch die komplexe Hauptfigur sehr deutlich. Ich kann mir vorstellen, dass jemand, der (zumindest überwiegend) mit sich selbst im Reinen ist, Schwierigkeiten hat, einen echten Zugang zu Elin zu bekommen, dem die vielen Zweifel und Gedanken zu viel werden. Doch ich empfand alles davon authentisch. Kira Mohn kritisiert in ihrem Roman auch den Begriff der "Selbstliebe", der für Menschen mit mangelndem Selbstwertgefühl sehr toxisch sein kann, da sie das Gefühl haben, es nicht zu können, obwohl sie sich doch selbst lieben möchten. Das ist für mich ein sehr interessanter Denkansatz.

Insgesamt finde ich Kira Mohns neustes Werk großartig, obwohl es für manche vermutlich eine zu schwere Kost sein könnte. Der Klappentext wird dem Inhalt des Buches meiner Meinung nach nicht gerecht, es ist kein simpler Liebesroman, sondern eine wirklich bewegende Geschichte mit viel Tiefe.

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