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Veröffentlicht am 01.03.2020

Acht Mal Mattias

Nach Mattias
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Acht Personen kommen zu Wort. Sie sprechen über sich, ihre Lebenssituationen, über Mattias, die Lücke, die er hinterlässt, nun, da er nicht mehr bei ihnen ist.

Wer war Mattias? Wie war er? Was geschah? ...

Acht Personen kommen zu Wort. Sie sprechen über sich, ihre Lebenssituationen, über Mattias, die Lücke, die er hinterlässt, nun, da er nicht mehr bei ihnen ist.

Wer war Mattias? Wie war er? Was geschah? Den Antworten auf diese und andere Fragen nähert man sich stückchenweise an. Noch ist er sehr präsent, genau seine Abwesenheit rückt ihn in den Fokus.
Jeder der acht, Partnerin, Mutter, Freund und andere, stand in einem anderen Verhältnis zu ihm, jeder erzählt auf seine Weise, meistens, nicht immer, in Ichform. Von früher, von jetzt, zwischen Alltägliches mischen sich auf eigenartig verhaltene Weise Trauer, Wut, Trotz, manchmal Dankbarkeit. Und immer wieder das Gefühl von Verlust.
Doch Peter Zantingh geht es in erster Linie nicht um Darstellung von Verlustschmerz oder gar um Hilfe zur Bewältigung. Vielmehr will er aufzeigen, wo der Mangel hinführen, welche Veränderung er in Gang setzen kann. Und vor allem will er all die Puzzleteile, die manchmal wie beiläufig abgelegt werden, zusammenführen zu einem Bild, einem sehr unvollständigen Bild, das dennoch einen Eindruck zu vermitteln vermag von dem Menschen, der nun fehlt.
Dabei benutzt er eine Sprache, die gleichermaßen sachlich wie poetisch ist, durch diese Sachlichkeit beinahe unterkühlt wirkt und starke Emotionen gut zwischen den Zeilen verbirgt. Das erfordert aufmerksames Lesen, die Worte wollen bewusst wahrgenommen, die Essenz sorgsam ausgesiebt werden. Über einzelne Sätze kann sinniert werden, wenn sie so viel mehr ausdrücken, als eigentlich in einen einzelnen Satz passt.
Trotz dieser Genialität - oder gerade wegen? - bleibt der Roman seltsam fern. Die Gefühle erscheinen selten direkt, sondern gefiltert durch einen hohen Anspruch: über die deskriptive Wahrnehmung seiner Personen eine innere Welt zu bauen, zu der Mattias nun geworden ist.

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Veröffentlicht am 28.03.2022

Frischer, trotz des pikanten Themas eher belangloser Frauenroman

Offen für alles
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Wie schon das Cover suggeriert, handelt es sich hier um einen leichten, frischen Frauenroman, der sich allerdings an ein außergewöhnliches Thema wagt: Nach einer Unterhaltung mit ihrer Freundin Claudia ...

Wie schon das Cover suggeriert, handelt es sich hier um einen leichten, frischen Frauenroman, der sich allerdings an ein außergewöhnliches Thema wagt: Nach einer Unterhaltung mit ihrer Freundin Claudia erkennt Viviane, dass in ihrer langjährigen Ehe der Sex kaum noch eine Rolle spielt. Um daran etwas zu ändern, schlägt sie ihrem Mann vor, ihre Ehe zu öffnen und andere Beziehungen einzugehen.
Neben Viviane und ihrem Mann Karl begegnen wir noch Claudia und Diego sowie der schwangeren Elena. Viviane und Karl gehen sehr offen und zunächst auch gnadenlos ehrlich miteinander um. Ob es ihnen gelingt, mit neuen Plänen mehr Pep in ihren Alltag zu bringen? Claudia und Diego hingegen hüten Geheimnisse voreinander. Aber was, wenn diese ans Tageslicht gelangen? Elena plagt sich mit dem fürsorglichen, aber äußerst übergriffigen Simon herum. Ob sie den wirklich braucht?
Im Großen und Ganzen gelingt es Autorin Lilly Blank recht gut, ihren Figuren Leben einzuhauchen (Diego gerät etwas blass, in manchen Situationen fehlt auch ein Stückchen Glaubwürdigkeit). Was sie ganz zweifelsohne wunderbar hinkriegt, ist ein heikles, erotisches Thema locker und augenzwinkernd zu verpacken und mit viel Situationskomik zu würzen. Das liest sich beinahe von alleine.
Doch so gern man die Personen in ihren Entwicklungen begleitet, so bleibt doch ein erhofftes tieferes Nachdenken über alternative Lebens- und Liebesweisen aus. Auch wenn viele Möglichkeiten angedacht und angetestet werden, so wirkt alles ein wenig seicht und oberflächlich. Wie seicht und oberflächlich es im Roman tatsächlich zugeht, offenbart sich auf den letzten gefühlt hundert Seiten. Da kommt es zu einem Happyend, das länger und glücklicher kaum möglich ist. Heile Welt zu stark dosiert.
Also doch leider nur ein flüssig zu lesender, unterhaltsamer Roman. Mehr nicht.

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Veröffentlicht am 01.02.2022

Wie wichtig ist Stadt für unsere Zukunft

Stadt, Land, Klima
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Gernot Wagners Buch „Stadt Land Klima“ ist eine Liebeserklärung an die Stadt. An das Leben darin. Und letztendlich auch an ihre (typischen) Bewohner.
Er belegt mit zahlreichen Beispielen und anhand vieler ...

Gernot Wagners Buch „Stadt Land Klima“ ist eine Liebeserklärung an die Stadt. An das Leben darin. Und letztendlich auch an ihre (typischen) Bewohner.
Er belegt mit zahlreichen Beispielen und anhand vieler Studien die Vorteile sowohl ökonomischer als auch ökologischer Art. Vernetzungen schaffen Möglichkeiten, die andernorts versagt bleiben. Als besonders offensichtliches Beispiel wählt er gerne den verkehrstechnischen Bereich, wo zugunsten von Bahn, Bus oder Fahrrad auf das Auto verzichtet werden kann. Doch Wagner geht viel weiter: Als Ort der Innovation ist die Stadt impulsgebend für die Zukunft. Änderungen und Verbesserungen finden von hier den Weg in die Zukunft, als Idee und Lebenseinstellung kann sie sogar unabhängig von realen Städten existieren.
Nicht alles lässt sich so ganz leicht verstehen. Manchmal ergibt sich der Eindruck, einen akademischen klimaökologischen Vortrag bewältigen zu müssen. Dann wieder schwenkt der Autor zum gefühlt hundertsten Mal auf die Vorzüge der siebzig Quadratmeter Wohnfläche um, die er mit seiner Familie in New York bewohnt. Doch zwischen Überforderung und Langeweile lassen sich viele spannende Thesen und Fakten entdecken.
Als Gegenstück zum urbanen Leben in ökologischer und soziologischer Hinsicht sieht er übrigens keineswegs das Leben auf dem Land, sondern das in den Vororten. Wegen der Notwendigkeit des Pendelns und der Erschwinglichkeit größerer Wohnflächen wird hier pro Kopf das meiste CO2 produziert. Immer noch sorgen falsche politische Entscheidungen dafür, dass diese Zonen weiter wachsen und für ständig fortschreitende Bodenversiegelung sorgen.
Sicherlich hat Wagner recht mit der Behauptung, dass das Stadtleben eine hohe Effizienz besitzt, dass auf Grund dieser Effizienz viel Energie gespart wird und somit die Ökobilanz signifikant besser ausfällt als im sogenannten Suburbia.
Ob es allerdings tatsächlich derart viele persönliche Vorteile bietet wie beschrieben, kann eigentlich auf Anhieb nur Beistimmung finden, wenn der Idealfall angenommen und sämtliche Nachteile, wie etwa Kriminalität, Lichtverschmutzung, Lärmbelästigung u.a., ausgeklammert werden.
Die Lektüre lohnt sich dennoch, insbesondere für Menschen, die interessante Denkanstöße zu schätzen wissen.

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Veröffentlicht am 08.11.2021

Interessantes Thema, leider etwas zu seicht umgesetzt

Probe 12
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Die Wirtschaftsjournalistin Nina Falkenberg findet ihren Mentor und Ziehvater bei ihrem Besuch in Georgien sterbend vor. Soeben wurde auf ihn ein Attentat begangen. Offenbar hatten die Täter es auf die ...

Die Wirtschaftsjournalistin Nina Falkenberg findet ihren Mentor und Ziehvater bei ihrem Besuch in Georgien sterbend vor. Soeben wurde auf ihn ein Attentat begangen. Offenbar hatten die Täter es auf die Phagen abgesehen, auf deren Basis er ein Medikament gegen multiresistente Keime entwickelt hat. Doch die hatte er zuvor einem Freund geschickt. Ein dramatischer Wettlauf beginnt.
Man merkt den Autorinnen Katrin Lange und Susanne Thiele ihre Metiers an. Die eine Jugendbuchautorin, die andere Mikrobiologin. Einerseits sorgt diese Kombination für einen gut verständlichen wissenschaftlichen Hintergrund, andererseits spricht das Buch aufgrund des leichten Schreibstils und einer positiven Grundstimmung sicher auch junge Leser*innen an.
Allerdings liegt genau da das Problem. Zu seicht gerät das meiste, zu viel Augenmerk wird einer durch die gesamte Handlung schwelenden Romanze gewidmet, als dass der Thriller wirklich Thriller wäre.
Die Anzahl der Personen ist übersichtlich, die beteiligten Interessengruppen gut ausbalanciert. Da gibt es den Foodhunter Tom Morell, für den die Phagen die letzte Hoffnung sind im Kampf gegen die Krankheit seiner tapferen Tochter. Er mausert sich zum Helden und steht bald Seite an Seite mit Nina, die den Willen ihres Ziehvaters erfüllen möchte, nämlich, seine Ergebnisse der Welt frei zur Verfügung zu stellen. Das möchten einige russische Kriminelle um jeden Preis verhindern. Schließlich gibt es auch noch einen geheimnisvollen Unbekannten, der sich Prometheus nennt und mit Anschlägen droht. Kriminalkommissarin Christina Voss weiß lange, vielleicht zu lange nicht, wie sie die einzelnen Vorkommnisse einsortieren soll, und bleibt vergleichsweise farb- und belanglos.
Das Thema an sich ist hochaktuell. Zur Zeit finden auch in Deutschland Studien zur Forschung statt. Den Zeitraum der Handlung in die allernächste Zukunft zu legen, war von daher geschickt. Wer weiß, vielleicht hat ja der Roman in Bezug auf den medizinischen Fortschritt der Realität nur wenig vorgegriffen.

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Veröffentlicht am 30.07.2021

Neues Ermittlerduo aus Deutschlands Norden

Hundstage für Beck
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Der Polizist Nick Beck gerät in eine äußerst schwierige Situation: Betrunken überfährt er eine junge Frau. Er weiß sich zunächst nicht anders zu helfen, als die Leiche in einem Kanalschacht zu verstecken. ...

Der Polizist Nick Beck gerät in eine äußerst schwierige Situation: Betrunken überfährt er eine junge Frau. Er weiß sich zunächst nicht anders zu helfen, als die Leiche in einem Kanalschacht zu verstecken. Doch bald wird er selbst beruflich mit dem Vermisstenfall konfrontiert.
Tom Voss hat für den ersten Band einer neuen Krimireihe eine überaus vertrackte Ausgangssituation hergestellt. Das funktioniert nur mit einem Antihelden wie Nick, der, von seinem letzten Einsatz schwer traumatisiert, versucht, sich mit Hilfe von Alkohol und Beruhigungsmitteln so einigermaßen am Laufen zu halten. Dazu hat er sich in den fiktiven Ort Nordbek im Norden Hamburgs versetzen lassen, in der Hoffnung, dort keine Gelegenheit für weitere Fehler zu erhalten. Gemeinsam mit der jungen Cleo Torner vom LKA Hamburg soll er nun ausgerechnet die Frau suchen, die er mit seinem Mercedes-Oldtimer überrollt hat.
Die beiden Ermittler erhalten genügend Raum, man lernt sie in ihren momentanen Verfassungen gut kennen und kann sich, falls man möchte, durchaus mit ihnen anfreunden, auch wenn die fortgesetzten Gesetzesübertretungen und allergröbsten Fahrlässigkeiten Nicks einem die Haare zu Berge stehen lassen und nicht immer glaubhaft sind.
Die Atmosphäre ist gut eingefangen, gefühlt eine Chimäre aus viel Norddeutschland mit etwas Westernkolorit. Leider erscheinen manche Dialoge steif, beinahe hölzern, nach dem Schema „Tu das - nein - doch - nein - doch - na gut“.
Der Kriminalfall ist solide gebaut, wenn auch mit wenig Überraschungen, was nach dem spektakulären Einstieg ein wenig enttäuscht.
Natürlich gibt es auch den roten Faden, der neben den wichtigsten Personen und der Entwicklung ihrer Beziehungen die Romane der Reihe verknüpfen wird. Der sei hier aber nicht verraten …
Insgesamt liegt uns hier ein unterhaltsamer, leicht zu lesender Kriminalroman vor, der mehr durch sein Ermittlerduo punktet als durch Spannung oder Originalität.

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