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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2022

Fesselnd bis zur letzten Seite

Düsteres Watt
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Dieser Krimi ist der 6. aus der Reihe der „Sylt-Krimis“ rund um die Ermittlerin Liv Lammers.

Karl von Raboisen, der Sohn einer reichen Adelsfamilie wird tot in den Dünen gefunden. Karli, wie er von allen ...

Dieser Krimi ist der 6. aus der Reihe der „Sylt-Krimis“ rund um die Ermittlerin Liv Lammers.

Karl von Raboisen, der Sohn einer reichen Adelsfamilie wird tot in den Dünen gefunden. Karli, wie er von allen gerufen wird, ist ertrunken, doch weit und breit ist kein Wasser zu sehen. Wenig später taucht eine weitere Leiche auf, die obwohl halb im Wasser liegend, verdurstet ist. Hängen die beiden Morde zusammen? Und wenn ja, wie?

Bei den Ermittlungen, die Liv aus dem wohlverdienten Urlaub mit ihrer neuen Liebe Sebastian holt, ist Liv gefordert. Denn das despotische Familienoberhaupt Eduard von Raboisen erinnert sie sehr stark an ihren eigenen Vater Ocke, von dem sie sich losgesagt hat. Als dann herauskommt, dass Eduard und Ocke Konkurrenten um ein Grundstück sind, wird Liv vom Fall abgezogen ...

Meine Meinung:

Dieser 6. Krimi ist wieder gut durchdacht und fesselt bis zur letzten Seite. Dass Geld allein nicht glücklich macht, ist hier deutlich sichtbar. Häusliche Gewalt, ob körperlich oder noch fieser psychologisch, ist kein Phänomen der Unterschicht, sondern auch in der High Society durchaus vertreten. Die Mechanismen der Opfer, die Schuld an den Misshandlungen bei sich zu suchen und sie geschickt zu verbergen sowie der Umwelt allerlei mehr oder weniger glaubwürdige Geschichten über die Herkunft von Verletzungen zu erzählen, sind symptomatisch dafür.

Die Leser werden geschickt auf zahlreiche falsche Fährten gelockt, um dann in der Sackgasse umdrehen zu müssen. Das Team rund um Liv Lammers ist ziemlich gefordert. Dazu kommt noch der rekonvaleszente Kollege Andreas, der eine eigene Strategie fährt. Das wird vermutlich im nächsten Fall noch eine Bedeutung haben, ebenso wie der natürliche (?) Tod von Ocke Lammers. Nachdem Livs Schwester Annika einen recht dramatischen Auftritt hinlegt, wird es bestimmt noch recht spannend werden.

Wie schon in den Vorgängern gibt es auch im Team um Liv Lammers Spannungen bzw. haben auch die Kollegen ihre Ängste und Sorgen. Diesmal trifft es Hennes, der Angst vor dem Ergebnis einer ärztlichen Untersuchung hat.

Mir hat dieser Sylt-Krimi sehr gut gefallen. Nicht nur Glanz und Glamour, sondern auch Abgründe und düstere Atmosphäre erzeugen die Spannung.

Fazit:

Trotz brütender Hitze behält Liv Lammers einen kühlen Kopf und klärt diesen komplexen Fall auf. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 06.04.2022

Köstliches vom Ei

Das österreichische Ei-Kochbuch
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Taliman Sluga, Kulturvermittler in Sachen Lebensmittel, widmet sich in seinem 6. Buch aus der Reihe „Das österreichische Kochbuch“ dem Ei.
In sechs Kapiteln bringt es uns dieses Universallebensmittel näher.

Dabei ...

Taliman Sluga, Kulturvermittler in Sachen Lebensmittel, widmet sich in seinem 6. Buch aus der Reihe „Das österreichische Kochbuch“ dem Ei.
In sechs Kapiteln bringt es uns dieses Universallebensmittel näher.

Dabei erklärt er auch die kulturelle Bedeutung des Eis. In fast allen Kulturen und Religionen der Welt finden sich Legenden eines Schöpfungsmythos. Das Verzieren von Eiern hat in vielen Ländern Tradition. Ob Eierkratzen im Burgenland oder Tschechien oder das kunstvolle Bemalen in der Ukraine - bunte Eier werden gerne hergestellt und verschenkt.
Daneben erzählt der Autor Wissenswertes über Natur und Umwelt, warum es weiße, braune oder grüne Hühnereier gibt.

Meine Oma hat in den 1960er Jahren Eier in Wasserglas (1 Teil Natriumsilikat auf 9 Teile Wasser) konserviert.

Natürlich dürfen Rezepte mit Eiern nicht fehlen. Das Ei ist ja vielfältig in der Küche einsetzbar. Sei es roh oder als Binde- oder Triebmittel in Teigen oder ganz klassisch als weiches, hartes Ei, als Eierspeis. Zahlreiche Fotos lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Fazit:

Ein liebevoll gestaltetes Buch des „Eggsperten“, das Lust macht, das eine oder andere Rezept auszuprobieren. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 06.04.2022

Ein gelunger hist. Roman

Der dunkle Himmel
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Man schreibt das Jahr 1816. Seit Monaten spielt das Wetter verrückt. Es schneit im Sommer, regnet ohne Unterlass und die Feldfrüchte verderben auf den Feldern. Was niemand in dem kleinen, fiktiven Ort ...

Man schreibt das Jahr 1816. Seit Monaten spielt das Wetter verrückt. Es schneit im Sommer, regnet ohne Unterlass und die Feldfrüchte verderben auf den Feldern. Was niemand in dem kleinen, fiktiven Ort Hohenstetten bei Stuttgart weiß, ist, dass im fernen Indonesien der Vulkan Tambora ausgebrochen ist, dort für Verwüstungen und hier in Europa für dieses ungewöhnliche Wetter verantwortlich ist. Die meisten Menschen hier sind Kleinbauern und Weber, die nach den Napoleonischen Kriegen ohnehin um ihre Existenzen kämpfen müssen. Sei es, dass ihre Felder verwüstet oder sei es, dass ihre Männer oder Söhne nicht, oder versehrt aus den Feldzügen zurückgekehrt sind. Dass England mit seinen maschinell erzeugten Webwaren den Handwebern starke Konkurrenz macht, lässt zahlreiche Weber buchstäblich verhungern.

Diese tristen Lebensumstände bilden die Kulisse von Astrid Fritz‘ historischen Roman. Rund um drei Familien spinnt die Autorin ihre Geschichte. Da sind Paulina Gutjahr, Tochter des Schultes und Wirtes, dann der Gemeindepfarrer Carl Unterseher und engagierte Schulmeister Friedhelm Lindenthaler. Paulina soll den Metzger heiraten - Geld zu Geld. Der ist der Wirtstochter aber zuwider, zumal sich Paulina und Friedhelm ineinander verliebt haben. Heimlich bereiten die beiden ihre Flucht aus Hohenstetten vor. Friedhelm reist nach Stuttgart, um Arbeit und Unterkunft zu besorgen. Der ein wenig blauäugige Lehrer hat allerdings nicht damit gerechnet, dass diese Idee schon viele andere vor ihm hatten. Während er auf Paulina wartet, durchkreuzen die eiligen Auswanderungspläne ihrer Eltern, Paulinas eigene Fluchtvorbereitungen. Ist also doch etwas an dem Gerücht dran, dass der Vater Getreide aufkaufen und horten ließ?

Meine Meinung:

Wie wir es von Astrid Fritz gewöhnt sind, besticht auch dieser Roman durch atmosphärisch dichte Beschreibungen von Land und Leuten. Man kann sich das Elend dieser Jahre sehr gut vorstellen. Die klamme Kälte durchdringt nicht nur die unzureichenden Wohnmöglichkeiten, sondern auch viele Charaktere. So macht Adam, der totgeglaubte Bruder des Schulmeisters, diesem das Erbe nach der Mutter streitig und nistet sich in dessen Leben. Oder eben der Wirt, der großkotzig seinen Reichtum zur Schau stellt. Wie es dem Metzger gelingt, seine Spielschulden zu begleichen und bei Gutjahr wieder als vermögend zu gelten, bleibt ein wenig im Dunkeln.
Als Gegenspieler dieser fiesen Charaktere sind Pfarrer Unterseher und Friedhelm Lindenthaler zu nennen. Sie bemühen sich nach Kräften die ärgste Not der Dörfler zu lindern. Doch gegen das anhaltend schlechte Wetter und das fehlende Getreide können aus sie wenig ausrichten.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Paulina jung und verliebt, entspricht dem Frauenbild jener Zeit. Friedhelm ist trotz seiner höheren Bildung ein wenig blauäugig, doch hält er eisern an seiner Zuneigung zu Paulina fest. Es scheint, als wäre der Pfarrer der Einzige, der in seinem Gottvertrauen fest auf beiden Beinen im Leben steht. Doch seine eigenen Kinder machen es ihm nicht leicht.

Elegant und unterschwellig erklärt Astrid Fritz die historischen Tatsachen ihren Lesern. Wir erfahren einiges über die Schwierigkeiten beim Auswandern, die nicht erst beim Reisen im Zwischendeck beginnen. Die meisten Menschen halten die Wetterkatastrophe für eine Strafe Gottes. Die spärlichen Informationen über den Vulkanausbruch im fernen Indonesien kann kaum jemand glauben. Die Zusammenhänge werden erst knapp 100 Jahre später bekannt.

Fazit:

Ein gelungener historischer Roman, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 06.04.2022

Ein aufwühlendes BUch

Auf immer gezeichnet
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„Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ (Swetlana Alexijewitsch)

„Zynisch könnte man sagen: Mit dem Tod auf dem Schlachtfeld war der Krieg für die Männer zu Ende. Für die überlebenden Frauen begann eine ...

„Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ (Swetlana Alexijewitsch)

„Zynisch könnte man sagen: Mit dem Tod auf dem Schlachtfeld war der Krieg für die Männer zu Ende. Für die überlebenden Frauen begann eine Jahrzehnte lange Belastung durch die Folgen. Wie unterschiedlich die sein können und wie verschieden in ihren Auswirkungen, das zeigt dieser Band mit Beispielen aus einem Dutzend Großkonflikten des 20. Jahrhunderts.“

Werner Bauch, langjähriger Leiter von „Plan International“, einer Kinderhilfsorganisation, die während des Spanischen Bürgerkriegs gegründet wurde und Ernst von Waldenfels haben in diesem Buch Frauenschicksale des 20. Jahrhunderts gesammelt, die von Kriegen auf immer gezeichnet sind.

Spanischer Bürgerkrieg (1936-1939) und der Zweite Weltkrieg
Der Kalte Krieg
Neuere Konflikte

Ist das Schicksal von Frauen in Deutschland im und nach dem Zweiten Weltkrieg relativ gut dokumentiert bzw. Erforscht, so weiß man über das Los anderer Frauen, die Unsägliches erlitten haben, noch immer zu wenig.

Beispielhaft werden Frauenleben geschildert wie jenes von Franscica Adame, deren Vater von den Francisten zum Tode verurteilt worden ist und die erst mit 65 Jahren lesen und schreiben lernte oder jener Opfer des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki.

Über den Kalten Krieg weiß man schon weniger, da er sich größtenteils in Vietnam und Korea abgespielt hat. Hier erfährt man, welchen Schwierigkeiten Kriegerwitwen ausgesetzt waren, da Frauen in der dortigen Gesellschaft nur über ihre Ehemänner definiert waren. Ohne Mann ist eine Frau de facto nicht existent.

Der Bogen der Schicksale schließt auch die Kriege in Afrika und Afghanistan ein.

Mir persönlich fehlen die Jugoslawien-Kriege. Möglicherweise sind die Erinnerungen daran noch zu frisch, um darüber reden zu können.

Fazit:

Angesichts des aktuellen Krieges in der Ukraine hat dieses Buch an Bedeutung gewonnen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 29.03.2022

Eine behutsame Nacherzählung

Die Königsbraut und Das fremde Kind
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Sophie Reyer setzt die beiden Kunstmärchen, die 1819 in der Sammlung „Serapionsbrüder“ von E.T.A. Hoffmann erschienen sind, behutsam in ein neues Kleid. Dazu tragen die entzückenden Illustrationen von ...

Sophie Reyer setzt die beiden Kunstmärchen, die 1819 in der Sammlung „Serapionsbrüder“ von E.T.A. Hoffmann erschienen sind, behutsam in ein neues Kleid. Dazu tragen die entzückenden Illustrationen von Poul Dohle, die durchaus im Sinn des Dichters und Karikaturist sind, bei.

Über den Inhalt der beiden Märchen, die ja zu den Klassikern zählen, möchte ich nichts weiter erklären.

Sophie Reyer hat an der Uni Wien Germanistik und an der Musikuniversität Kompositions studiert. Eine interessante Kombination, die man an den beiden Märchen unschwer erkennt. Mit Leichtigkeit werden die Märchen in eine moderne Fassung transponiert.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem liebevoll gestalteten Buch, das sich sehr gut als Geschenk für große und kleine Fans von fantastischen Geschichten eignet, 5 Sterne.